GODDESS LIMAX BLACK: BOA

GODDESS LIMAX BLACK: BOA

Um direkt mal ein intellektuelles  Ausrufezeichen zu setzen, beginnen GODDESS LIMAX BLACK ihre Platte mit einer Interpretation von „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ von Johann Sebastian Bach. Einfach so. Man kann sich als Band das Leben sicherlich auch einfacher machen, daher erstmal Respekt für den Mut.

Zwar ist die Interpretation von Klassik im jazzigen Doom-Gewand, genauso wie der generelle Ansatz der Band diese zwei Genres zu verbinden, eine wahrlich interessante Idee, wird aber leider schon im ersten Song recht schwerfällig umgesetzt. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als würde eine Art-Rock-Platte der 70er Jahre mit Bach-Interpretationen von Hippie-Musik-Studenten in hellbraunen Cordhosen auf einem Viertel der Geschwindigkeit abgespielt. Und wenn dann noch das Saxophon anfängt zu tröten, ist es leider ganz vorbei. Leider rangiert das Saxophon auf der Skala meiner Lieblings-Instrumente kurz hinter Platz minus 10000.

REVEREND BIZARRE-Doom trifft Jazz

Die auf Bach folgenden, eigenen Songs der Band pendeln von Doomig bis drone-ig, aber immer mit langen jazzigen Parts. Der wunderbare Gitarren-Sound in den Doom-Passagen erinnert gar an REVEREND BIZARRE, wenn auch die Musik völlig anders und Galaxien von der Klasse der Finnen entfernt ist.

Die Musiker leben die Dynamik der Verlangsamung, vor allem in den sehr ruhigen Parts mit cleanen, jazzigen Gitarren, sehr verhaltenem Drumming und insgesamt leicht dekadent-melancholischer Note. Man könnte von gepflegtem Noise-Rock-Jazz reden. Man könnte aber auch von gepflegter Lounge-Langeweile reden.

Nun ist Schwerfälligkeit oder Melancholie im Drone/Doom ja absolut  nichts Schlechtes, im Gegenteil. Die Schwerfälligkeit führt auf dieser Platte der Platte trotz der vorhandene Dynamik aber leider nicht zu dem gewünschten hypnotischen und mitreißenden Effekt, den diese Stilmittel haben können. Dazu ist neben einem Intellektuellen Ansatz eben auch eine gewisse Emotionalität notwendig, die auf den Hörer überspringt und die fehlt hier leider fast komplett. Eine Aspekt, der stattdessen m Verlauf der Platte immer wieder zu spüren ist, ist eine gewisse Kälte. Eine Distanz. Die Songs erreichen oder berühren mich leider nur selten.

Was schade ist, denn insgesamt versucht die Band einen interessanten und vielversprechenden Ansatz, sollte aber noch an der Verfeinerung, an der besseren Verzahnung der jazzigen und doomigen Elemente arbeiten, die sich zwar begegnen, aber wenig miteinander kommunizieren und vielleicht etwas mehr Wildheit und Emotion in ihren Songs zulassen. So fehlt der Mischung einfach die Finesse, um wirklich begeistern zu können.

Veröffentlichungstermin: 12.12.2019

Spielzeit: 40 minuten

Line Up:

Jakob Eckerstorfer – Schlagzeug
Dominik Gruber – Gitarre
Philipp Finster – Bass
Gast: Peter Holtz – Sax

Bandcamp: https://goddesslimaxblack.bandcamp.com/

GODDESS LIMAX BLACK: BOA

Oh Haupt voll Blut und Wunden / pp (J.S. Bach, BWV 244-63 / Finster)
vlk (Finster)
Abgott – Abglanz (Finster)
My Name (Finster)