FEUERSCHWANZ: Drachentanz

FEUERSCHWANZ: Drachentanz

Da sind sie wieder, die J.B.O. des Mittelalters und dieses Mal haben sie eine brandneue Live-CD im Gepäck. Und mal ehrlich, Spaßmusik wie sie FEUERSCHWANZ praktizieren, entfaltet erst live ihr volles Potential, weshalb „Drachentanz“ eigentlich schon längst überfällig war.

Das Motto der Scheibe lautet dabei Klotzen statt Kleckern, denn mit einer Spielzeit von 78 Minuten ist das Teil nicht nur bis zum Rand voll gepackt, sondern bietet auch noch allerlei weitere Besonderheiten. So hat man sich für das in Erlangen mitgeschnittene Konzert mit Hans dem Aufrechten Verstärkung an Bord geholt, der nun bei einer Hand voll Songs die E-Gitarre bearbeiten darf. So auch beim bisher unveröffentlichten „Verteidiger des wahren Mets“, das sogar mit einem metallisch-korrekten Frickelsolo aufwarten kann. Aber auch bekanntes Material wie „Der Glöckner“ kann durch die neue Rockattitüde zulegen. Der Großteil des Sets, das aus einer bunten Mischung der beiden Studio-CDs besteht, wird jedoch ganz traditionell im Akustikgewand bestritten. Das soll aber nicht heißen, dass hier tote Hose herrscht. Beim instrumentalen „Bärentanz“ (mit Klarinetten-Unterstützung von COPPELIUS) oder bei einem der zahlreichen Sauflieder wird nämlich genauso ausgelassen gefeiert. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die authentisch und hervorragend abgemischte Produktion, die zusammen mit den zahlreichen Ansagen richtige Live-Stimmung aufkommen lässt. Genau so sollte der Ton einer Live-Veröffentlichung sein!

Die Quintessenz von FEUERSCHWANZ bleibt Wein und Weib

Das textliche Konzept von FEUERSCHWANZ lässt sich wohl am besten mit den titelgebenden Worten des Lieds „Met und Miezen“ zusammenfassen. Neben der Verballhornung von SCHANDMAULs „Herren der Winde“ singt der Hauptmann zwar von Räubern, Turnieren, Drachen und Barbiers, welche Jungfrauen von ihrem wuchernden Unterwuchs befreien – die Quintessenz der Songs bleibt aber stets Wein und Weib. Wer sich mit dem anzüglichen Humor des geilen Haufens nicht anfreunden kann, dem bleibt zumindest noch die musikalische Seite der Band. Mit dem von einer Rauschpfeife getragenen „Der Barbier“ und dem fröhlichen Schneewittchen zeigen die Erlanger nämlich, dass sie richtige Ohrwurmmelodien schreiben können, wenn sie nur wollen.

Ab und an wird zu viel gesprochen

Trotz der langen Laufzeit finden sich auf „Drachentanz“ nur wenige Längen. Langatmig wird es höchstens dann, wenn beim Interlude „Die Geburt von Johanna“ minutenlang geredet wird – oder beim „Holzwurm“, der im Endeffekt nichts anderes ist, als eine auf sieben Minuten aufgeblasene Bandvorstellung, zusammengehalten durch eine nette Flöten-/Geigen-Melodie. Dass man so aber kein FEUERSCHWANZ -Konzert enden lassen kann, versteht sich fast von selbst, und deshalb steht am Schluss – wie könnte es auch anders sein – natürlich das „Sauflied“, wo noch ein allerletztes Mal die (imaginären) Trinkhörner die Runde machen.

Für Fans der Truppe ist Drachentanz folglich ein Pflichtkauf, der unter keinen Umständen im Regal fehlen darf. Wer allerdings keinen Gefallen am leicht proletenhaft-anzüglichen Humor von FEUERSCHWANZ findet, sollte diese Veröffentlichung lieber links liegen lassen. Aber für solche Schnösel haben der Hauptmann und sein Haufen die Platte vermutlich ohnehin nicht aufgenommen.

Veröffentlichungstermin: 10.10.2008

Spielzeit: 79:12 Min.

Line-Up:
Hauptmann Feuerschwanz: Liebliche Laute, feuriger Gesang
Prinz R. Hodenherz: Flöten, Schalmeien, Rauschpfeife, betörender Gesang
Johanna von der Vögelweide: Geige
Hans der Aufrechte: E-Gitarre
Eysey: Bass, Schwanzlanze, genuschelter Gesang
Sir Lanzeflott: Großes Schlagwerk, brünstiger Gesang
Der Knappe: Kleines Schlagwerk, dumpfer Gesang

Produziert von Christoph Beyerlein
Label: Deaf Shepherd Recordings

Homepage: http://www.feuerschwanz.de

FEUERSCHWANZ „Drachentanz“ Tracklist

01. Drachentanz
02. Turnier
03. Die Geburt von Johanna
04. Der Barbier
05. Feuerkantate
06. Herren der Winde
07. Met und Miezen
08. Der Glöckner
09. Das Groupie
10. Verteidiger des wahren Mets
11. Räuber
12. Teufelsgeschenk
13. Bärentanz
14. Der Teufel
15. Schneewittchen
16. Holzwurm
17. Sauflied

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.