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FALLUJAH: Empyrean

Nach dem experimentellen “Undying Light” (2019) drängen FALLUJAH mit runderneuertem Line-Up wieder zurück in die Spur. Das gelingt vorzüglich, wenngleich “Empyrean” manchmal ein paar musikalische Ausrufezeichen fehlen.

Es ist okay, zwischendurch einen Schritt zurück zu machen. Den Reset-Knopf zu drücken und sich neu zu orientieren. Als FALLUJAH im Jahr 2019 das experimentelle „Undying Light“ (2019) vorstellten, waren die Meinungen geteilt. Prinzipiell eine interessante und gute Platte, doch weit weg von Stil und Markenzeichen, welche die Progressive- / Tech-Death-Formation ursprünglich ausmachte. Nun also die Rückbesinnung mit runderneuertem Line-Up: Statt Metalcore-Screams gibt es auf „Empyrean“ wieder markige Growls von Neu-Frontmann Kyle Schaefer, während den Bass nun Evan Brewer (ex-THE FACELESS) zupft.

Dabei werfen FALLUJAH nicht alles über Bord, was die letzte Platte ausgemacht hatte. Den dichten Soundteppich des Vorgängers finden wir zeitweise in „Soulbreaker“ oder dem starken Schlussakt „Artifacts“ vor, wo die bandtypischen traumgleichen Gitarrenleads weiterhin den roten Faden stellen. Die meiste Zeit jedoch regiert wieder technisch anspruchsvoller Death Metal, dem durch sporadischen Damengesang und die angesprochene Gitarrenarbeit ein ätherischer Anstrich verpasst wird.

FALLUJAH drängen mit “Empyrean” wieder zurück in die Spur, die sie zwischenzeitlich verlassen hatten

Ein Vorbehalt jedoch: Die entrückte und nahezu schwerelose Atmosphäre, wie sie seinerzeit „The Flesh Prevails“ (2014) und „Dreamless“ (2016) durchzog, kehrt mit dem fünften Studioalbum nicht vollends zurück. Dafür zeichnet sich „Empyrean“ anderweitig aus. Der transparente Mix wirkt durch den satten Bass im Vordergrund wuchtig, öffnet sich allerdings nach hinten und lässt die Songs dadurch atmen. Insbesondere mit Kopfhörern erlauben Tracks à la „The Bitter Taste Of Clarity“ ein regelrechtes Eintauchen.

Zwischen aggressiven Blasts, entrückten Leadgitarren und technischem Riffing, das in Ausnahmefällen auch mal von einem entspannten, angejazzten Ziwschenpart unterbrochen werden kann („Duality Of Intent“), drängen FALLUJAH somit wieder zurück in die Spur, die sie zwischenzeitlich verlassen hatten. Dank der sporadischen Clean-Vocals von Tori Letzler („Radiant Ascension“) und Katie Thompson („Embrace Oblivion“) bringt „Empyrean“ zeitweise doch ein wenig das Flair vergangener Tage zurück, wohingegen das siebenminütige Instrumental „Celestial Resonance“ den bandeigenen Trademarks eine kleine Prise MESHUGGAH hinzuaddiert.

Manchmal fehlen “Empyrean” ein paar musikalische Ausrufezeichen

Doch egal, wie groß oder klein die Unterschiede zur eigenen Diskografie sein mögen, was schnell ins Ohr springt, ist die unverkennbare Handschrift Scott Carstairs’ an der Gitarre, die uns eigenhändig wieder einfängt, wenn wir inmitten der fordernden Kompositionen doch mal abzudriften drohen. Denn was „Empyrean“ manchmal fehlt, sind ein paar griffige Hooks bzw. musikalische Ausrufezeichen, die sich vom intensiven, aber insgesamt relativ homogenen Klangbild abgrenzen. Immerhin: Das beflügelnde „Into The Eventide“ ist nah dran, auch weil die Band hier Tempo zugunsten von Atmosphäre eintauscht. Im Gegenzug lässt uns das massive „Mindless Omnipotent Master“ mit etwas Klargesang nur kurz zur Ruhe kommen, nachdem wir erst von Gastsängerin Chaney Crabb (ENTHEOS) gnadenlos in den Boden gerammt wurden.

Und auch wenn „Empyrean“ schlussendlich kein Meilenstein geworden ist, so präsentieren sich FALLUJAH wieder fokussierter als zuletzt. Insofern war der Schritt zurück eine durchaus kluge Entscheidung, denn der nun eingeschlagene Weg ist nicht weniger interessant, holt aber die leicht verstimmte Fangemeinde wieder mit ins Boot – eine klassische Win-Win-Situation möchten wir meinen.

Veröffentlichungstermin: 09.09.2022

Spielzeit: 52:08

Line-Up

Kyle Schaefer – Vocals
Scott Carstairs – Guitar
Evan Brewer – Bass, Vocals
Andrew Baird – Drums

Produziert von Mark Lewis (Mix und Mastering)

Label: Nuclear Blast

Facebook: https://www.facebook.com/fallujahofficial/

FALLUJAH “Empyrean” Tracklist

1. The Bitter Taste Of Clarity
2. Radiant Ascension (Video/Stream)
3. Embrace Oblivion (Lyrics-Video bei YouTube)
4. Into The Eventide
5. Eden’s Lament
6. Soulbreaker (Visualizer bei YouTube)
7. Duality of Intent
8. Mindless Omnipotent Master (Visualizer bei YouTube)
9. Celestial Resonance
10. Artifacts