FÄULNIS: Gehirn zwischen Wahn und Sinn

Avantgardistischer Black Metal für die dreckigen Gegenden einer Großstadt.

Wie sehr Black Metal zum Leben der Unterschicht in Großstädten passen kann, das zeigen FÄULNIS mit ihrem zweiten Album, an dem sich mit Sicherheit die Geister scheiden werden. Denn obwohl FÄULNIS wirklich enorm negativ sind, behandeln ihre Texte eben nicht den frühnorwegischen Standard. Da ist sich die Elite sicher einig: Das ist ebenso Mist wie US-Black Metal. Aber keine Sorge, wer etwas offener an Gehirn zwischen Wahn und Sinn geht, der erlebt eine einstündige Achterbahnfahrt durch die Slums von Utopia, zwischen älteren BETHLEHEM, SHINING und FÄULNIS mit der einen oder anderen Schwierigkeit zu kämpfen, gerade wenn ihre Songs länger werden. Da dauern die Intros gerne etwas schier unendlich, aber statt die aufgebaute Atmosphäre zu nutzen wird oftmals durch konfuses Songwriting die Handbremse gezogen und der Song verliert den roten Faden, wie in Weiße Wände und Kopfkrieg. Aber trotz dieser Schwächen faszinieren auch diese Nummern, denn FÄULNIS haben das Talent ihre kranken Ideen sehr authentisch zu verpacken. Auch wenn gerade die langen Songs zerfahren wirken, die einzelnen Teile gefallen doch. Und davon abgesehen gibt es auch genügend Stücke zu hören wie Angstzustand und Weltuntergang folgt, die nahezu makellos sind.

Die klassischen Black Metal-Elemente bleiben zwar weniger im Gedächtnis, aber diese kommen auch nur selten vor. Die kratzenden, rohen Riffs sind zwar darin verwurzelt, aber daraus kreieren FÄULNIS hauptsächlich einen avantgardistischen Albtraum des Minimalismus, in dem zehnminütigen Landgang gipfelt, bei dem FÄULNIS auch die Arrangements perfekt gestalten. Hier fällt auch auf, dass normaler Schreigesang gar nicht so viel zu sagen hat, die Band hat gemerkt, dass es viel intensiver kommt, den gar schauspielerisch vorgetragenen Sprechgesang oder Flüstern zu verwenden. Auch die zahlreichen Ambient-Stellen sorgen für Gänsehaut und erweitern das musikalische Gesamtbild auf sinnvolle Art und Weise.

Gegen Ende werden FÄULNIS wieder grimmiger, boshafter und traditioneller, präsentieren Black-Doom Metal, der sich im internationalen Vergleich wirklich hören lassen kann, besonders das verzweifelte Spiegel, Splitter, Schrott, fasst das gesamte Album in sechseinhalb Minuten gut zusammen. Instrumental gibt es hier bestimmt keine Beanstandungen, auch die Produktion ist sehr gelungen und die Aufmachung dieser CD ist das Sahnehäubchen. Allerdings sollten FÄULNIS noch an ihren Arrangements arbeiten, gerade wenn sie lange Stücke schreiben. Davon abgesehen ist dieses außergewöhnliche, aber schwer zugängliche Album jedem zu empfehlen, der sich an Black Metal abseits der Standards interessiert.

Veröffentlichungstermin: 29. Mai 2009

Spielzeit: 60:48 Min.

Line-Up:
P.H.
Seuche
N.G.

Produziert von FÄULNIS
Label: Karge Welten Kunstverlag

Homepage: http://www.sickblackart.de

MySpace: http://www.myspace.com/sickblackart

Tracklist:
1. MorgenGrauen
2. Angstzustand
3. Weiße Wände
4. Kopfkrieg
5. Landgang
6. Trümmer
7. Spiegel, Splitter, Schrott
8. Weltuntergang folgt