FADING STARLIGHT: Timeless Fate

FADING STARLIGHT: Timeless Fate

Irgendwie kann ich mich den allgemeinen Lobhudeleien um die Melodic-Metaller FADING STARLIGHT nicht ganz anschließen. Zugegeben, auch auf ihrem zweiten Album Timeless Fate bewegen sich die fünf Musiker um den sympathischen Gitarrero Sebstian Scharf wieder auf einem technisch anspruchsvollen Niveau und es findet sich auch der ein oder andere Ohrwurm auf dem Longplayer. Der musikalische Fundus des Leadgitarristen und Hauptsongwriters hat sich außerdem noch einmal gehörig erweitert, weshalb das sowieso schon abwechslungsreiche Riffing noch dynamischer, die Melodien zudem zahlreicher und eingäniger als auf dem Vorgängeralbum Lost geworden sind. Trotzdem ist diese Band für mich ein zweischneidiges Schwert, was sich nicht zuletzt in den etwas gewöhnungsbedürftigen Vocals der Frontfrau Inga widerspiegelt. Obwohl die technischen Fähigkeiten der Sängerin unumstritten sind und die ein oder andere Übungsstunde klassischen Gesangsunterrichts vermuten lassen, scheint ihre Stimme einfach nicht in das musikalische Gefüge der Truppe passen zu wollen und versinkt besonders in heftigeren Instrumentalpassagen irgendwo im Nirwana.

Beispiel gefällig? Schon beim doublebass-lastigen Opener As The Harlequin Died entstehen deutliche Zweifel, ob das doch recht dünn gestrickte Geträller live tatsächlich gegen den ungestümen Soundwall der übrigen Musiker ankommen kann, oder ob Produzent J.R.F. (u.a. BACKSLASH, UNREST, DRECKSAU) hier nicht großzügigerweise das ein oder andere künstliche Dezibel auf die ohnehin schon meist polyphonen Vocals draufgepackt hat. Des weiteren wirken die Gesangslinien besonders beim erwähnten Stück zum Teil ziemlich infantil – beim mehrstimmig gesungenen Refrain von Down To This Land hat man phasenweise sogar das Gefühl, die Band habe einen Kinderchor in ihre Aufnahmen einbezogen.

Was kann man FADING STARLIGHT also ans Herz legen? Nun, manchmal ist weniger einfach mehr und in diesem Falle wären ein gedrosseltes Tempo und Vocals unterhalb der Hundepfeiffen-Frequenz möglicherweise lukrativer als die bisherige Prozedur. Glücklicherweise finden sich auch solche Attribute auf Timeless Fate und bei den tieferen Gesangsetappen kann Inga Scharf sogar etwas verlorenen Boden gut machen – ist die Instrumentierung etwas ruhiger, so weiß die Frontfrau sogar richtig zu begeistern. Musterstücke hierfür sind das balladeske Rain und das absolute Albumhighlight The Missing Link, mit welchem der Band erstmals ein kleiner Hit gelingen kann. Es scheint also nicht vollkommen hoffnungslos um diese Truppe zu stehen, zumal auch im weiteren Verlauf des Albums der ein oder andere Track, vorzugsweise das tolle Spirit Of The Sea – auch hier nimmt man die Füße etwas vom Gaspedal – und der progressive Titeltrack mit seinem an CHILDREN OF BODOM erinnernden Riffing, zumindest sporadisch überzeugen kann.

Unter´m Strich haben FADING STARLIGHT mit Timeless Fate also gerade noch einmal die Kurve gekriegt, trotzdem werden sich an dieser Combo weiterhin die Geister scheiden. Jedenfalls kann man sagen, dass es dem Fünfer auf seinem zweiten Album gelungen ist, seine musikalische Bandbreite zu erweitern und mit den erwähnten Top-Tracks zwei Grundsteine zu legen, auf denen man in den nächsten Jahren aufbauen sollte. Man darf also gespannt sein, ob dieser Band noch der große Wurf gelingen wird.

Veröffentlichungstermin: 28.06.2004

Spielzeit: 47:10 Min.

Line-Up:
Inga Scharf – vocals

Sebastian Scharf – lead guitar

Frank Ruhnke – guitar

Florian Schulz – bass

Pierre Leyendecker – drums

Produziert von J.R. Frieden
Label: TTS Media Music

Homepage: http://www.fadingstarlight.de

Email: info@fadingstarlight.de

Tracklist:
01. As The Harlequin Died

02. The Missing Link

03. Alone

04. Rain

05. Down In This Land

06. Timeless Fate

07. Dawn Of Tomorrow

08. Spirit Of The Sea

09. Disguised

10. Chapter 11

11. Every Hundred Years