DEZPERADOZ: Dead Man’s Hand

DEZPERADOZ: Dead Man’s Hand

Viele Männer haben beim Poker ihr Vermögen verloren, einer gar sein Leben – und zwar ohne zu wissen, dass es auf dem Spiel stand. Im Jahr 1876 wurde Bill Hickok bei einer Partie Poker in den Rücken geschossen. Seine Hand: Zwei schwarze Asse und zwei schwarze Achten, die Hand des toten Mannes – „Dead Man’s Hand“. Wer auf diese Weise aus dem Leben scheidet, hätte den nachfolgenden Generationen sicherlich einiges zu erzählen gehabt. Und hier kommen schließlich DEZPERADOZ ins Spiel. Was Wild Bill selbst nicht mehr tun konnte, übernimmt die deutsche Heavy Rock-Band, die in einer knappen Stunde Bill Hickoks Leben rekapituliert.

Die wohlige Western-Atmosphäre, die das Intro „Deadwood“ malt, wird aber bereits bei „Under The Gun“ schneller zerstoben als Lucky Luke seinen Revolver ziehen kann. Vom amerikanischen Westen des 19. Jahrhunderts ist zunächst nichts mehr zu spüren – schwere Riffs und dominanter Gesang zementieren eher solide Heavy Rock-Kost. „Yippie Ya Yeah (More Than One Good Reason)“ schlägt, trotz Banjo im Intro und versteckt im Refrain, in eine ähnliche Kerbe – mit gutem Willen findet sich hier und da auch mal ein winziges MOTÖRHEAD-Zitat.

DEZPERADOZ geht es vor allem um eine Party auf der Bühne

Richtig aufdrehen kann „Dead Man’s Hand“ erst dann, wenn die Western-Sounds und Samples ins Rampenlicht rücken. Das mag im relaxten „Bullet With My Name“ in Gestalt von Banjo und rhythmisch klickenden Revolver-Trommeln geschehen, oder in unbeschwert rockiger Weise wie im potenziellen Mitgröhler „Just Like Cowboyzz Do“. Spätestens beim verspielten Solo ist klar, dass es den DEZPERADOZ um Frontmann Alex Kraft nicht zuletzt um eine ordentliche Party auf der Bühne geht, die in gewisser Weise vom Whiskey trinkenden Saloon-Klischee zusätzlich befeuert wird.

Natürlich, „Badlands“ hat mit seinem konsterniert vorgetragenen Refrain powerballadeske Züge und zum Ende hin findet „Dead Man’s Hand“ mit dem akustischen Instrumental „Wild Horses“ ein überraschend leises Finale. Im Gedächtnis bleiben dennoch die wilden und lauten Momente Bill Hickoks mit all ihren Höhen und Tiefen. Zwischen Country-Anleihen in „My Ol‘ Rebel Heart“ und harten Riffwänden inklusive Doublebass-Einsatz im Titeltrack und dem dramatischen „Showdown“ entfaltet sich im Verlauf des Albums ein Leben wie eine Achterbahn, die in späteren Abschnitten zunehmend bedrohlicher wird, nur um den Revolverhelden nach seinem unrühmlichen Ende in „Train Of Souls“ doch seinen Frieden finden zu lassen.

„Dead Man’s Hand“ ist nicht nur für Liebhaber von Heavy Rock ein sicheres Blatt

Kurzum, die Gesamtkonzeption stimmt, die drückende Produktion verleiht dem Album die nötige Wucht. Weil DEZPERADOZ den atmosphärisch stotternden Start außerdem schnell wieder in den Griff kriegen, ist „Dead Man’s Hand“ letztlich nicht nur für Liebhaber von Heavy Rock ein sicheres Blatt – das lässt sich sogar sagen, ohne den Jungs in die Karten zu schauen.

Veröffentlichungstermin: 27.04.2012

Spielzeit: 58:05 Min.

Line-Up:
Alex Kraft – Vocals, Guitar
Nils Stuerzer – Guitar
Alex Weigand – Bass
Markus Kullmann – Drums

Produziert von Thomas Lichtenwalter und Dennis Ward (Mix)
Label: Drakkar

Homepage: http://www.dezperadoz.de
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/DEZPERADOZ

DEZPERADOS „Dead Man’s Hand“ Tracklist

01. Deadwood
02. Under The Gun
03. Yippie Ya Yeah (More Than One Good Reason) (Video bei YouTube)
04. Badlands
05. Bullet With My Name
06. Just Like Cowboyzz Do
07. Last Man Standing
08. My Ol‘ Rebel Heart
09. Saloon No. 10
10. Dead Man’s Hand
11. Showdown
12. Train Of Souls
13. Wild Horses
14. My Gun And Me (Southern Pride Version)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.