DEKADENT: Venera: Trial & Tribulation

DEKADENT: Venera: Trial & Tribulation

Gibt es ihn denn am Ende doch noch, den originellen Black Metal, oder sind DEKADENT doch nur eine Kopie von EMPEROR? Ehrlich gesagt, man kann nicht wegdiskutieren, dass DEKADENT ohne den Einfluss von EMPEROR wohl komplett anders klingen würden. Dennoch ist Venera: Trial & Tribulation, das dritte Album der slowenischen Freigeister, ein schwer zu kategorisierendes Album geworden. Die Adjektive majestätisch, episch und komplex schießen zuallererst in den Kopf, wenn DEKADENT in dieser knappen Stunde zum ersten Mal loslegen. Und trotzdem gehört dieses zwölf Stücke umfassende Album nicht zu den schwerst zu konsumierenden Werken der Szene.

Die Gitarren fahren ungeachtet dessen schwere Geschütze auf. DEKADENT spielen mit dissonanten Riffs, verschrobenen Leadgitarren, gestalten hier aber keine überlangen, schwer nachzuvollziehende Stücke, sondern wissen, dass ein gut geschriebener Song essentiell ist, um den Hörer zu begeistern. DEKADENT wissen scheinbar ferner, dass ihnen lange Epen nicht liegen und beschränken sich lieber auf eher traditionelle Songs. Und in diesen steckt dennoch eine Menge Facettenreichtum. Mal geben sich die vier Musiker komplexen Eruptionen hin, wie in Thralldom Decree, Raided und Day Of Solance, dann steht wieder gleichberechtigt daneben die elegische, fast schon melancholische Seite von DEKADENT – Paramours In Vain, False Endearment, Providential Love und In Pulchritude Adorned beweisen dies eindringlich. Spannend wird es, wenn dies wie in Beautiful Fire verbunden wird, oder wenn diese bizarre, farbenprächtige Welt dann doch in die bösen Regionen der Szene abdriftet, was das anfangs sehr grimmige Craven zeigt.

Spielerisch sind DEKADENT über jeden Zweifel erhaben, ihre Songs wirken extravagant, aber nicht überladen. Artur, der Kopf hinter der slowenischen Formation, hat das Zepter fest in der Hand und steuert mit seinen Riffs und seinem zeremoniell wirkendem Gekreische und hin und wieder auch an IHSAHN erinnernden, klaren Gesangslinien durch das Album. Das macht Venera: Trial & Tribulation zu einem auch nach vielen Durchläufen spannenden Album und bleibt dauerhaft kurzweilig. Lediglich bei der Produktion stehen die Gitarren viel zu sehr im Vordergrund, die Rhythmusinstrumente, sowie die hier und da die Songs unterstützenden Synthesizer, gehen im Mix etwas unter. Das Drittwerk von DEKADENT bleibt eben doch ein Gitarristenalbum, was sich auch daran erkennen lässt, dass manche zweistimmigen Gitarrenharmonien so konsequent durchgezogen werden, dass es schon fast im Ohr schmerzt.

In der Tat, irgendwie trifft der Bandname den Nagel auf den Kopf. Der Marquis de Sade hätte an dieser bereitwillig dargebotenen Lust und niveauvollen Gotterlästerlichkeit seine pure Freude gehabt. Und auch der Hörer zeigt sich positiv überrascht und berührt von der hohen Kreativität und der Spielfreunde von DEKADENT. Ja, Venera: Trial & Tribulation hat Berechtigung und zumindest Black Metal-Freunde, die alles etwas anspruchsvoller, aber gleichzeitig melodiöser, ausufernder aber trotzdem kompakt wollen. Modern ist dieses Album, das vor fünf Jahren als Avantgarde verschrien worden wäre, und heute die Sparte Post-Black Metal füllt, auf jeden Fall. Reinhören ist in dieses überraschend gute, wirklich gekonnte, knapp einstündige Werk auf jeden Fall empfohlen, auch wenn die großen Vorbilder EMPEROR natürlich unangetastet bleiben.

Veröffentlichungstermin: 4. März 2011

Spielzeit: 52:56 Min.

Line-Up:

Artur – Guitars, Vocals & FX
Gajwasz – Guitars
Naur – Bass
Typh – Drums

Produziert von Artur Felicijan
Label: G Records

Homepage: http://www.dekadent.si

MySpace: http://www.myspace.com/dekadentband

Tracklist:

1. The Wound
2. Thralldom Decree
3. Raided
4. Paramours In Vain
5. Beautiful Fire
6. Craven
7. False Endearment
8. Providential Love
9. Sunday´s Lament
10. In Pulchritude Adorned
11. Trial & Tribulation
12. Day Of Solace

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle