DEADLOCK: Manifesto

Ein beachtliches Manifest, aber noch kein Magnum Opus. Trotzdem eines der besten Metalalben des Jahres.

Unglaublich, sind die gut geworden. Wolves zeigte DEADLOCK zum ersten Mal in der Form, mit dem Stil, in dem sie sich am wohlsten fühlen. Die logische Konsequenz daraus: Das Ganze auszubauen, zu verbessern und daran zu feilen. Somit ist Manifesto das erste Mal in der Geschichte der Band kein gänzlich neues stilistisches Kapitel für DEADLOCK, dafür aber ein Album, das mit sicherem Gespür das Beste des Sextetts ans Tageslicht kehrt.

Mit großartiger Gitarrenarbeit fängt alles an: Riffs, die sofort zünden und das richtige Gerüst für die Songs darstellen sind das Grundgerüst von Manifesto. Hier wurde eine feine Auslese getroffen, nichts dabei, das man arg verbessern könnte, auch wenn hier und da nicht gerade Originalität gelebt wird. Aber egal, dadurch, dass DEADLOCK mehr mit dem Metal liebäugeln und schon mit den beiden ersten Songs Martyr to Science und Slaughter´s Palace voll ins Schwarze treffen und neben ordentlich Zunder auch noch große, epische Momente parat haben, wird ordentlich vorgelegt. So schnell und gnadenlos bleibt Manifesto zwar nicht durchgehend, aber die Intensität und die Epik bleibt bestehen.

So ist auch das hauptsächlich im Uptempo-Bereich angesiedelte The Brave / Agony Applause mit hervorragenden Melodien gesegnet, mit vielen Facetten und einem tollen Songaufbau. In dieselbe Kerbe schlägt auch Dying Breed, das außerdem einen schönen Gesangseinsatz von Christian Älvestam parat hat. Generell ist allerdings Sängerin Sabine Weniger mitverantwortlich an der Klasse dieses Albums, denn ihre wundervolle Stimme hat genügend Rock´n´Roll um mit den brutalen Stellen der Musik mitzuhalten und so viel Gefühl, um der Musik eine melancholische Note zu geben. Kitschig wird es dabei glücklicherweise nie.

Egal ob es sich um heftige Nummern wie Deathrace handelt oder das melodische Fire at Will, oftmals schleichen sich genrefremde Elemente ein, die Aufhorchen lassen, sich dennoch schön ins Gesamtbild einfügen und zeigen, wie offen und visionär DEADLOCK neben dem Offensichtlichem eigentlich sind. Gerade Deathrace mit seinem großartigen, ausufernden Hip Hop-Ende bleibt im Gedächtnis, aber auch die elektronischen Elemente, das Techno-Intro und der Einsatz des Saxophons hauchen Manifesto ungeheuer viel Leben ein. Bandchef Sebastian Reichl hat sich enorm ausgetobt, nicht nur an seinem Instrument, sondern ganz allgemein an den Songs. Und genau darum gibt es von DEADLOCK nun so viele Facetten zu erleben. Klar, die Gitarrenarbeit ist wahnsinnig gut, die Leadgitarren stehen BETWEEN THE BURIED AND ME in nichts nach, aber auf technische Spielereien kommt es hier nicht an.

Auf Manifesto geht es um die Songs, und die funktionieren perfekt und gehen hervorragend mit der lyrischen Kampfansage konform, das ist absolut authentisch. Bei all den vielen positiven Aspekten muss allerdings an drei Punkten des Albums Kritik geübt werden – zunächst die Produktion, die viel zu sauber und glatt ist, vor allem im Bereich des Drummings, was ein wenig künstlich klingt. Ein genretypischer Mix, der sich nicht von ihren Kollegen abhebt, so wie sie es sollte. Daneben steht der Brüllgesang von Johannes Prem, auf dem viel zu viel Hall liegt und der deshalb recht unnatürlich klingt und mit der Performance vom weiblichen Konterpart nicht mithalten kann. Letzter Negativpunkt ist die Coverversion der SISTERS OF MERCY, denn diese nimmt ein wenig den Gesamteindruck und ist auch sonst eher belanglos. Zum Glück erfährt der offizielle Teil des Albums mit dem schönen Outro Altruism einen eigentlichen Abschluss.

Dennoch ist Manifesto ein sensationelles Album, das handwerklich und songschreiberisch ganz großes Kino bietet und sowohl in die Beine als auch ins Herz zielt und trifft. Dieses Manifest ist noch nicht das Magnum Opus dieser Band, aber vielleicht das Beste aus dem Bereich des modernen Metal, beziehungsweise Metalcore, das dieses Jahr zu hören war. Genrefans können bedenkenlos zugreifen und DEADLOCK helfen einen großen Sprung nach vorne zu machen. Spätestens jetzt haben sie es zweifelsfrei verdient.

Veröffentlichungstermin: 14. November 2008

Spielzeit: 46:38 Min.

Line-Up:
Sabine Weniger – Vocals, Keyboards
Johannes Prem – Vocals
Sebastian Reichl – Guitar, Keyboards, Programming
Gert Rymen – Guitar
Thomas Huschka – Bass
Tobias Graf – Drums

Produziert von Sebastian Reichl
Label: Lifeforce Records

Homepage: http://www.xdeadlockx.com

MySpace: http://www.myspace.com/xdeadlockx

Tracklist:
1. The Moribund Choir vs. the Trumpets of Armageddon
2. Martyr to Science
3. Slaughter´s Palace
4. The Brave / Agony Applause
5. Deathrace
6. Fire at Will
7. Seal Slayer
8. Manifesto
9. Dying Breed
10. Altruism
11. Temple of Love