DARK FOREST: Oak, Ash & Thorn

DARK FOREST: Oak, Ash & Thorn

Ich weiß nicht mehr, wie ich vor einigen Jahren auf DARK FOREST aufmerksam geworden bin, aber die Band hat sich seitdem bei mir als Favoritin in Sachen epischer, melodischer Heavy Metal traditioneller Prägung in der Playlist festgesetzt; insbesondere ihr letztes Album „Beyond The Veil“ konnte mich mit einem Ohrwurm nach dem andern überzeugen. Nicht nur mich, wohlgemerkt, auch die Fachpresse überschlägt sich regelmäßig mit Lob, und für die Cover-Artworks hat die Band mit dem dunklen Namen erneut den für quietschbunt-märchenhafte Bilder auf diversen SKYCLAD-Alben bekannten Duncan Storr gewinnen können.

Das passt: Nichts an der Musik von DARK FOREST ist irgendwie dunkel. Im Gegenteil: Wer mal wieder einen Kick in Richtung heroischer, hymnischer Musik voller positiver Atmosphäre braucht, ist richtig im dunklen Wald. Vor allem der Titelsong sticht heraus, in ihm wird es sogar angenehm folkig. Sänger Josh Winnard gelingt bei seinem dritten Auftritt auf einem DARK-FOREST-Album eine beeindruckende, leidenschaftliche Darbietung, die man getrost als „reif“ bezeichnen kann. Auf „Oak, Ash & Thorn“ tanzen wir also erneut fröhlich headbangend um Oak, Ash & Thorn herum, dass es eine helle Freude ist.

DARK FOREST sehnen sich nach dem guten alten England

Den für den Metalhead immer schon wichtigen intellektuellen Hintergrund für das Album liefert das Buch „Puck Of Pook’s Hill“ von Rudyard Kipling – eine Auseinanderstzung mit der Geschichte Englands also. Beim fröhlichen Mitsummen der Texte fällt das erst nicht unbedingt auf, aber dabei geht es wenig überraschend brutalstmöglich patriotisch zu. Es wird gesungen von der Wiederherstellung der guten alten Zeit, des großartigen Englands von anno dazumal, und das wird natürlich mit Schwert und Schild begangen. Man stelle sich so etwas mal mit deutschen Texten von einer deutschen Band vor – oder nee, man lasse es besser.

Auf „Oak, Ash & Thorn“ passt endlich alles zusammen

Mir als fleißigem Kritiker jeglichen Patriotismus‘ (denn das Proletariat hat bekanntlich kein Vaterland und sollte sich von solchem Quatsch nicht ablenken lassen) stößt das leider übel auf, tut der Qualität des musikalischen Schaffens von DARK FOREST aber selbstverständlich keinen Abbruch: „Oak, Ash & Thorn“ ist ein zurecht überall gefeiertes Werk, dessen größte Stärke vermutlich darin liegt, dass diesmal einfach alles stimmig zusammenpasst, wo auf den früheren Alben noch das ein oder andere Element nicht ganz perfekt in den Gesamtklang eingearbeitet war.

Spielzeit: 52:46 Min.

Veröffentlichung am 24.24.2020 auf Cruz del Sur

DARK FOREST „Oak, Ash & Thorn“ Tracklist

1. Ælfscýne (1:25)
2. Wayfarer´s Eve (5:24)
3. The Midnight Folk (5:10) (Audio bei YouTube)
4. Relics (5:55)
5. Avalon Rising (7:15)
6. Oak, Ash & Thorn (11:55)
7. The Woodlander (4:43)
8. Eadric´s Return (7:23)
9. Heart of the Rose (3:35)

Andreas Holz
Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.