CROWBAR: Sever The Wicked Hand

CROWBAR: Sever The Wicked Hand

Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren, damals war es der 8. Februar, erschien das letzte Album von CROWBAR, Lifesblood For The Downtrodden. Dann passierte nicht mehr viel, Bandkopf Kirk Windstein war erst mal mit DOWN aktiv und mit seiner anderen Allstar-Band KINGDOM OF SORROW. Aufmerksamen Fans mag aufgefallen sein, dass Weinstein auf und neben der Bühne längst nicht mehr der knuffige, freundliche, im wörtlichen Sinne heavy Typ war, wie man ihn seit Jahren kannte. Aber wohin würde die Reise für CROWBAR gehen, wenn das Sinnbild des Doomcore, eben Mr. Weinstein, wie ein Schatten seiner selbst wirkt? Als leidenschaftlicher Fan seit dem 89er Demo hab ich mir echt Sorgen gemacht um eine meiner absoluten Lieblingsbands.

Nun, der erste Kontakt mit Server The Wicked Hand war eher verunsichernd, das Video zu Cemetery Angels zeigte als Appetizer einen wütenden, schnellen, energischen Frustsong. Wenn dies der neue Sound der Band wird, dann hab ich ein Problem. Hab ich aber nicht, im Gegenteil, ich bin überaus glücklich mit dem neuen Album, wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt treffend sagen kann. Wieder mal gibt es neue Mitstreiter sowie ein neues Label, aber diese Band ist eh in erster Linie Kirk Weinstein. Und der hat – tiefen Respekt für diese wichtige Entscheidung – eine Entziehungskur hinter sich. Dass er so unter anderem die Aufnahmesessions ganz neu empfunden hat, das erklärt sich von selbst. Echter Rock`n´Roll und Metal definiert sich nicht über eine kaputte Leber, sondern über Herz und Bauch, und von beidem hat der Mann reichlich, das kann er endlich wieder zeigen. Denn das, was ich bei den letzten Alben vermisst habe, trotz natürlich gnadenloser Heavyness und erdrückend vertontem Schmerz, das waren die ganz tiefen Emotionen der ersten Alben. Und eben diese finden sich hier wieder. Natürlich keine Emotionen im Sinne von Kuscheln auf der Blümchenwiese oder Friede, Freude, Eierkuchenstimmung. Hier gelingt es dem Meister der Schwere, das fühlbar auszudrücken, was er die letzten Jahre durchgemacht hat. Kirk´s Worte Es geht darum, das alles hinter sich zu lassen und voran zu gehen spiegeln sich in jedem Song wieder, nicht als gezieltes Konzept, aber als sehr persönliches Album.

So wälzt sich gleich der Opener nachhaltig aus den Boxen, nach kurzem zähen Auftakt wird man energisch an die Wand gedrückt, genau so wünscht man sich die Kultband, die so viele Musiker beeinflusst und die Sludge-Szene nachhaltig geprägt hat, aber nie wirklich für ihre Einzigartigkeit angemessen belohnt wurde. Es gibt wieder einige treibende Songs wie besagten Videotrack, den Titelsong, mit dem Weinstein symbolisch all das Negative vergangener Zeiten abschüttelt, Protectors Of The Shrine sägt nahezu thrashig. Dabei kommen diese Songs weitaus intensiver, als es die meisten ach so harten sonstwas-Core-Knaben je hinkriegen werden. Ihre ganze Macht spielen die New Orleans-Schwergewichte aber weiterhin mit ihren doomigen Walzen aus. Liquid Sky And Cold Black Earth zum Beispiel kommt so zäh und unbequem aus den Boxen gekrochen, das ist vertonte Seelenpein. Absolut nicht unmelodisch, groovt es immer wieder zäh dröhnend, dass nicht der Zuhörer, sondern die Gänsehaut auf dem Rücken das Tanzbein schwingt. Ähnlich intensiv kommt später auch Echo An Eternity, auffallend oft tauchen auf dem Album Melodieführungen auf, die etwas an DOWN erinnern. Große, ergreifende Melodien bei Let Me Mourn, der treibende Groove von As I Become One lädt sogar zum gepflegten Doomdancing ein. Das ruhige, nachdenkliche, zarte Fast-Instrumental mit beschwörendem Chorgesang A Farewell To Misery sorgt wieder für meterdicke Gänsehaut. So muss es in alten Zeiten geklungen haben, wenn mutige Krieger in die Schlacht zogen und sie wussten, dass sie dort ihr Leben verlieren werden. Kirk Weinstein ist auf dem Weg, sein Leben neu zu finden, hoffen wir, dass sein Umfeld ihm da helfend und schützend zur Seite stehen wird.

Egal, wer neben diesem Mann Kirk Weinstein in der Band steht, und seine aktuellen Kollegen machen einen super Job, CROWBAR sind weiterhin die unangefochtenen Großmeister des Heavy Metal im wörtlichen Sinn. Hier wird man erdrückt von schwersten Sounds, von tiefsten Emotionen, plattgewalzt von derben Doom-Monstern der extremsten Art und an die Wand gedrückt von wütenden, frustrierten Ausbrüchen. Jetzt schon ein Album für den Jahrespoll 2011 und ganz klar ein Pflichtkauf für Freunde derber Sludge/Doom/Metal-Kost.

Veröffentlichungstermin: 11.02.2011

Spielzeit: 52:15 Min.

Line-Up:
Kirk Windstein – Vocals, Guitars, Bass
Matthew Brunson – Guitars
Patrick Bruders – Bass
Tommy Buckley – Drums

Label: Century Media

Homepage: http://www.crowbarmusic.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/crowbar

Tracklist:
1. Isolation (Desperation)
2. Server The Wicked Hand
3. Liquid Sky And Cold Black Earth
4. Let Me Mourn
5. Cementery Angels
6. As I Become One
7. A Farewell To Misery
8. Protectors Of The Shrine
9. I Only Deal In Truth
10. Echo An Eternity
11. Cleanse Me, Heal Me
12. Symbiosis

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.