CONVERGE: Unloved and Weeded Out

"Unloved and Weeded Out" ist absolutes Pflichtprogramm für Fans des gepflegten Lärms und ist sinnvoll zur Ergänzung des Backprogramms.

Wenn jemand in meiner Gegenwart diesen Namen erwähnt muss ich sofort grinsen und bekomme ein wohliges Gefühl im Bauchbereich. Es gibt nicht viele Bands, die mir musikalisch mehr geben, als die Bostoner Noise-Legende CONVERGE. Sie haben seit jeher einen eigenen Stil, der viele Bands beeinflusst und inspiriert hat und konnten sich mit konstantem Touren einen guten Namen in der Metal- und Hardcore-Szene. Ein Überbegriff dafür ist „Legende“. Genau das sind CONVERGE, Legenden. Ich persönlich konnte es nicht erwarten, bis ihr neuester Output bei mir rotierte und hegte riesige Erwartung.

Die wurde eingangs ein wenig getrübt, schließlich handelt es sich mit Unloved and Weeded Out um kein neues Album, sondern – wie der Titel schon ein wenig verrät – um einen Frühjahrsputz, bei dem alte und schwer erhältliche Stücke sowie Haufenweise Demo-Material ans Tageslicht getreten sind; selbstverständlich remastered. Kurt Ballou, CONVERGE-Gitarrist und etablierter Produzent hat natürlich selbst Hand angelegt. Jaja, Rip-Off schreien die Leute wieder, aber dieses Mal ist es wirklich weit hergeholt. CONVERGEs Diskographie besteht aus vier Alben, vielen Split und Haufenweise Samplerbeiträgen, die einfach ums verrecken nicht mehr erhältlich sind. Und genau darauf hat die Band ihr Hauptaugenmerk gelegt, diese Songs den Fans zugänglich zu machen.

Das Material schwankt zwischen typisch und äußerst ungewöhnlich, selbst für diese Band; die unnachahmliche Power fehlt allerdings in keinem Stück. Downpour zum Einstieg bietet gleich eine typische CONVERGE-Nummer, Mrs. Unbekannt lässt grüßen. Doch schon Flowers and Razorwire (im Jahre 1995 auf der Compilation They Came from Massachuttes veröffentlicht) zeigt eine komplett andere Seite der Band, er beginnt, wie immer mit schrägen Tönen und Disharmonien – jedoch als Ballade. Als wirklich schöne Ballade. Doch es gibt wieder Ärger im Gepäck und somit wir bis zum Schluss wieder munter rumgeknüppelt.

Tremor aus dem Jahre 1995 wirkt ein wenig wie ein Füller und wurde deshalb wahrscheinlich vorher noch nie veröffentlicht, doch danach folgt wieder Sahnematerial, das sich mit Jane Doe ganz gut vergleichen lässt. Die 7-EP von 1995 Unloved and Weeded Out (jetzt bloß nicht durcheinanderbringen lassen, Freunde!) sind einfach tolle Chaoten-Songs, die aber trotz der Disharmonien, des Geknüppels und dem wüsten Geschrei von Jacob Bannon alle geniale Hooklines besitzen, besonders das schwindlig machende Jacob`s Ladder.

Undo schließt die vergriffenen Songs mit einem Paukenschlag ab und die Demo-Sektion beginnt: Towing Jehova beginnt mit einem etwas dünnen Sound, vor allem an den Drums, aber kann genau wie der Rest voll überzeugen. Keine Längen, nur erstklassiges Material und viele Experimente. Mit dem fulminanten The Year of the Swine und Letterbomb wird auch die Demo-Sektion, ein sehr interessanter Ausflug ins Jahr 1997 dicht gemacht, die auch, dank Kurt Ballous Produzenten-Kenntnissen mehr als geglückt ist, selbst wenn sich kein perfekter Sound ergibt.

Warum man abschließend noch die zwei Live-Songs Locust Reign und This is Mine der Poacher Diaries-Split, zusammen mit AGORAPHOBIC NOSEBLEED, auf diese CD schmeißen musste ist mir wirklich schleierhaft. Klar, die Songs der bisher brutalsten Veröffentlichung CONVERGEs sind genial, aber erstens hinterlässt es den Eindruck, dass dringendst die Länge der CD steigen musste, andererseits dauern die beiden Songs zusammen gerade mal 3 Minuten. Außerdem wird der Gesamteindruck dadurch arg verwässert.

Davon abgesehen bietet Unloved and Weeded Out absolutes Pflichtprogramm für Fans des gepflegten Lärms und ist sinnvoll zur Ergänzung des Backprogramms. Also, warum zögern?

VÖ: 7. April 2003

Spielzeit: 44:17 Min.

Line-Up:
Jacob Bannon – Vocals, Lyrics

Kurt Ballou – Guitar

Nate Newton – Bass

Ben Koller – Drums

Produziert von Kurt Ballou
Label: Deathwish Records

Homepage: http://www.convergecult.com

Tracklist:
1. Downpur

2. Flowers and Razorwire

3. Tremor

4. Home Song

5. For You

6. Jacob`s Ladder

7. Undo

8. Towing Jehova (Demo)

9. The Highest Cost of Playing God (Demo)

10. When Forever Comes Crashing (Demo)

11. The Year of the Swine (Demo)

12. Letterbomb (Demo)

13. Locust Reign (Live in California)

14. This is Mine (Live in California)