CONCEPT INSOMNIA: Kaleidoscope [Eigenproduktion]

CONCEPT INSOMNIA: Kaleidoscope [Eigenproduktion]

Beim ständigen Ausschau halten nach der nächsten schwedischen NWOBHM-Kapelle, Metalcore-Bands mit mehr als drei Wörtern als Namen und den üblichen Retro-Occult-Viking und keine Ahnung was noch-Vertretern bleibt natürlich kein Platz mehr für kreative Bands wie CONCEPT INSOMNIA, die daher leider wieder ohne Deal dastehen. Schade, aber es ist nun mal so, dass Qualität momentan so wenig zählt wie noch nie. Wer sich da nicht unterkriegen lässt und Durchhaltevermögen beweist, dem gehört Respekt gezollt. Im Falle von „Kaleidoscope“ kommt sogar noch dazu, dass ihr das Album downloaden dürft und selbst entscheiden könnt, was euch das wert ist. Hoffen wir, dass die Band dadurch nicht leer ausgeht und von Schnorrern weitestgehend verschont wird.

Kommen wir zur Musik. Auch an CONCEPT INSOMNIA geht die Zeit nicht spurlos vorbei, bereits auf dem ersten Album gingen die Hessen weg vom reinen Melodic Metal und integrierten zusätzlich IN FLAMES-mäßige Vocals. Dadurch ging für meinen Geschmack ein wenig Identität flöten, zumal das ja mittlerweile etliche Bands so handhaben. Tatsächlich aber wirklich nur „ein wenig“, zumal CONCEPT INSOMNIA nach wie vor im melodischen, leicht proggigen Metal beheimatet sind und die Growls eher als Stilmittel benutzen, wenn eben auch sehr oft. Starke Melodien sind jedenfalls wie eh und je das Markenzeichen, und auch was die Struktur der einzelnen Stücke angeht, haben sich die Jungs nicht dem Markt angepasst, sondern bauen immer wieder unerwartete Passagen ein, um das Songwriting durchweg spannend zu gestalten. Was die Produktion angeht, so klingt „Kaleidoscope“ erwartungsgemäß alles andere als nach Eigenproduktion, alles kommt klar, druckvoll und detailliert aus den Boxen. Dass es sich um ein Konzeptalbum handelt, wird man sicherlich aus den mir nicht vorliegenden Texten herauslesen können, man hört es allerdings auch. Die einzelnen Stücke leiten perfekt ineinander über, was insbesondere bei „E62020“ und „Caput Mortuum“ sehr gelungen ist und Atmosphäre pur verbreitet. Die Ohrwurmdichte ist, wie bereits angedeutet, trotzdem enorm hoch und so finden sich eigentlich auf jedem Song etliche Widerhaken, die auch für längeren Hörgenuss sorgen.

Für mich persönlich sind es tatsächlich nur die Growls, die oft etwas aufgesetzt wirken. Damit meine ich nicht, dass sie nicht tadellos umgesetzt wurden, sondern eher, dass CONCEPT INSOMNIA die irgendwie gar nicht nötig haben, bzw. ohne die derberen Vocals noch viel mehr nach sich selbst klingen würden. Ein Song wie „Redrum“ ist nicht schlecht, tönt aber für mich zu typisch nach anderen Bands, irgendwie wäre das doch gar nicht notwendig. Kreidet das einem alten Meckerer wie mir aber nicht zu sehr an. „Kaleidoscope“ ist ein sehr kreatives Album, welches viele Label-Releases locker aussticht. Bevor ihr also eure sauer verdiente Kohle in unnötige, limitierte Zusatz-superduper-Bonus-Tour-Editionen langweiliger Bands großer Labels investiert, gebt es lieber denen, die es sich verdient haben.

Veröffentlichungstermin: 02.04.2011

Spielzeit: 48:34 Min.

Line-Up:
Luke – vocals, keys
Dave – guitar, growls
Jens – guitar
Phil – bass, growls
Tobi – drums

Label: Eigenproduktion
Mehr im Netz: http://www.myspace.com/conceptinsomnia

Tracklist:

01. The Intensive White
02. Tetrachromacy
03. Orange Pigment
04. E62020
05. Caput Mortuum
06. The Chromatic Circle
07. Shading
08. Redrum
09. From Grey To Black
10. Kaleidoscope
11. Drawing The Iron Marble