COHEED AND CAMBRIA: Good Apollo, I´m Burning Star IV, Volume 1: From Fear Through The Eyes Of Madness

Zwar erreichen COHEED AND CAMBRIA mit "Good Apollo" nicht ganz die Genialität des Vorgängers, liefern aber trotzdem ein konkurrenzlos geiles Album ab.

Das Wichtigste zu Beginn: Ja, diese CD heißt wirklich so wie es dort oben steht. Wer sich solche Albumtitel einfallen lässt? Gute Frage, wäre eine Idee unseren stagnierenden Arbeitsmarkt mal etwas anzukurbeln. Um diese Review nicht unnötig in die Länge zu ziehen werde ich im weiteren Verlauf einfach von Good Apollo sprechen.

Nun aber mal Butter bei die Fische. Selten hat es eine Band geschafft sich so schnell in mein Herz zu spielen und mich so zu begeistern wie es COHEED AND CAMBRIA mit ihrem fantastischen, zweiten Album In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3 und dem ebenfalls starken Vorgänger The Second Stage Turbine Blade getan haben. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an die neue Scheibe der Amis um Mastermind Claudio Sanchez auf dessen selbst erdachter Science Fiction Story das Konzept der COHEED AND CAMBRIA Alben beruht. Die Story gibt es auch als ebenfalls von Claudio Sanchez gezeichneten Comic von dem bisher 2 Bände erschienen sind. Noch weiter in die Höhe schossen die Erwartungen als mit Welcome Home ein erster Song des neuen Albums inklusive coolem Videoclip auf die Homepage gestellt wurde. Einiges schien sich getan zu haben. Von den Emo-Core Einflüssen, die auf den beiden Vorgängern noch häufig raus zu hören waren, war nichts mehr übrig. Stattdessen präsentierte man den Fans einen Breitwand-Prog-Rock-Song der sicher nicht nur mich vor Überraschung und Begeisterung hat aus der Hose springen lassen. Oh ja, die Zeit bis zum Veröffentlichungstermin würde wirklich lang werden. Dann fiel mir die CD endlich in die Hände und mit einer Euphorie wie sie mich bei Neuerscheinungen nicht mehr all zu oft überkommt legte ich das gute Stück in den CD Schacht.

PLAY

Streicher eröffnen das Album, ein Piano gesellt sich kurz dazu. Nach einer guten Minute erkennt man die vertraute Melodie von The Ring In Return, dem Opener der letzten COHEED AND CAMBRIA CD. Nach etwa zwei Minuten ist Keeping The Blade auch schon vorüber und geht über in das ebenfalls kurze Always & Never – Claudios sanfter Gesang begleitet nur von einer Akustik-Gitarre und im Hintergrund hört man ein kleines Kind. Harmonie breitet sich aus wird jedoch durch die letzten Worte des Songs ganz schnell wieder zerstört: I´m still waiting here, my dear…to kill all of you. Hiernach geht es mit dem großartigen Welcome Home erst richtig los. Hier lassen COHEED AND CAMBRIA und insbesondere Claudio Sanchez instrumental die Muskeln spielen und liefern einen Song ab der einer Band wie DREAM THEATER oder RUSH alle Ehre machen würde auch wenn man nicht wirklich sagen kann dass die Jungs nach einer dieser Bands klingen würden. Eigentlich fällt mir keine Band ein die einen ähnlichen Sound fährt und das ist heutzutage ja schon einiges wert. Die Streicher, die auf dieser CD erstmals verwendet werden fügen der Musik von COHEED AND CAMBRIA eine weitere interessante Nuance hinzu die sich makellos in den Gesamtsound einfügt. Wer dachte dass Welcome Home die musikalische Richtung des neuen Albums vorgibt hat sich getäuscht. Ist jener Song noch ein krasser Stilbruch gegenüber dem alten Material findet man im weiteren Verlauf der Scheibe durchaus vertraute Klänge wie z.B. bei den folgenden Ten Speed oder Crossing The Frame. Immer noch gibt es haufenweise Breaks und gerade gitarrentechnisch wird auf Good Apollo ganz großes Tennis zelebriert. Aber auch der Rest der Instrumental-Fraktion ist mehr als nur Fit – und das zeigen COHEED AND CAMBRIA auf diesem Album mehr denn je. Die größte Stärke der Jungs liegt darin, mit diesen musikalischen Fähigkeiten Songs zu schreiben, die zwar vor instrumentalen Höchstleistungen strotzen aber trotzdem so verdammt eingängig, ja teilweise fast poppig sind, dass man auch als Otto-Normal-Rock-Hörer recht schnell Zugang zu Ihrer Musik findet. Wenn einen COHEED mit ihrer unglaublich emotionalen Musik erst mal gefangen haben ist es eh zu spät. Mit Wake Up haben COHEED auch wieder eine zarte, wunderschöne Ballade an Bord. Auch dieser Song wird von Streichern unterstützt die erst kaum hörbar im Hintergrund spielen sich aber im Laufe des Songs mehr in den Vordergrund drängen.

Abgeschlossen wird Good Apollo durch die The Willing Well Quadrologie. Hier gehen COHEED noch einmal eine Ecke technischer zu Werke. Aufgrund der vielen Breaks wirkt gerade Teil 1: Fuel For The Feeding End teilweise etwas zerfahren. Dafür begeistert Claudio Sanchez beim abschließenden The Final Cut mit seinem unglaublich gefühlvollen und brillanten Gitarrenspiel und liefert einen endlosen Solo-Part ab der allerdings kein bisschen auf Gefrickel sondern ausschließlich auf Feeling baut. GEIL! Live, zum Abschluss des Konzertes war dieser Song eine absolute Offenbarung. Kurz vor Schluss ging dann wohl im Studio mal der Gaul mit den Jungs durch und ein kurzes countrymäßiges Intermezzo beendet den Song und ein fantastisches Album mit einem Schmunzeln.

Was bleibt ist die Gewissheit dass diese Band noch einiges zu leisten im Stande ist und mit Sicherheit bald zu den Großen gehören wird, weil es Ihnen gelungen ist, technischen Anspruch und eingängiges aber trotzdem anspruchsvolles Songwriting zu vereinen und somit Musik zu erschaffen, die zwar den Massen gefallen kann, jedoch auch den wirklichen Musikliebhaber in Verzückung zu versetzen vermag. Für Metaller die einer gewissen Engstirnigkeit unterliegen, spreche ich hingegen gleich eine Warnung aus: Lasst bloß die Finger von dieser CD, ihr werdet Sie hassen ;-). Allen anderen sei gesagt, dass man sich diese Album und auch die beiden Vorgänger unter keinen Umständen entgehen lassen sollte. Zwar erreichen COHEED AND CAMBRIA mit Good Apollo nicht ganz die Genialität des Vorgängers liefern aber trotzdem ein konkurrenzlos geiles Album ab.

Veröffentlichungstermin: 23.09.2005

Spielzeit: 71:33 Min.

Line-Up:
Claudio Sanchez: Guitar, Vocals

Travis Stever: Guitar

Michael Todd: Bass

Joshua Eppard: Drums

Produziert von Applehead Studios, Woodstock, NY
Label: Equal Vision / Columbia

Homepage: http://www.coheedandcambria.com

Tracklist:
01. Keeping The Blade

02. Always & Never

03. Welcome Home

04. Ten Speed (Of Gods Blood & Burial)

05. Crossing The Frame

06. Apollo I : The Writing Writer

07. Once Upon Your Dead Body

08. Wake Up

09. The Suffering

10. The Lying Lies & Dirty Secrets of Miss Erica Court

11. Mother May I

12. The Willing Well I: Fuel for the Feeding End

13. The Willing Well II: From Fear Through the Eyes of Madness

14. The Willing Well III: Apollo II: The Telling Truth

15. The Willing Well IV: The Final Cut