CEPHALIC CARNAGE: Lucid Interval

Stressige Kiffermusik auf Relapse…

Manchmal müssen sich Menschen einfach unwichtige, aber interessante Fragen stellen. CEPHALIC CARNAGE aus den USA gehören zu der Sorte Bands, die sich offen für die Legalisierung von Cannabis einsetzt. Und, wie sollte es anders sein, so rauchen die fünf Amis sicherlich oftmals genüsslich einen Dübel und sollten dadurch eigentlich die Relaxtheit in Person sein. Doch wer diese CEPHALIC CARNAGE kennt weiß, dass man es bei ihnen mit allem anderen als einer Easy Listening-Band zu tun hat. Es ist schlicht und ergreifend akkustischer Stress. Relapse-Sound eben. Also, warum machen diese Typen so anstrengende Musik? Vielleicht schreiben sie ihre Musik, wenn sie auf einem schlechte Trip sind? Oder sie jammen vollkommen dicht dahin und am Schluss kommt sowas raus?

Keine Ahnung, doch kommen wir zu was wichtigerem, nämlich der Musik: Das Grind…, verzeihung, Grundgerüst stellt wüsten Grindcore dar, der alles wegbläst, aber nicht sonderlich straight ist. Dazu kommt ein Schuss technischsten Death Metals und sehr viele Ideen, für die jede andere Band fünf Alben aufnehmen müsste, um diese zu verwerten. Die Songs an sich sind dementsprechend lang, auch wenn einige kurze Grindsongs dabei sind. Doch das komplexe Material überwiegt und balanciert auf der dünnen Linie zwischen Genie und Wahnsinn. Straightes gibt es in allen Songs, genauso wie verfrickelte Parts, die den Hörer einfach nur fertig machen. Dass Rhythmus-Wechsel genauso dazu gehören sollte klar sein.

Dieses Album ist unberechenbar und selbst nach dem 15ten Hördurchlauf ist das Opfer vor den Boxen noch vollkommen überfahren, doch genau das gefällt mir so daran. Die fetten Riffs, kleinen Spielereien auf der Lead-Gitarre, das verspieltes Drumming, die verzerrten Bässe und der abwechslungsreiche Gesang lassen keinen Zweifel daran, wie wichtig es der Band ist ihre Songs gewissenhaft durchzuarrangieren. Humor beweisen CEPHALIC CARNAGE auch, sei es durch den genialen Song Black Metal Sabbath, der sogar einige Black Metal-Einflüsse beinhaltet und gegen Ende zu – Richtig – einem Doom-Monster á la Black Sabbath wird. Ganz große Klasse, das! Das danach folgende Cannabism gehört ebenso in die Rubrik Verrückt-Genial einzuordnen, denn es ist nur ein kurzer Akkustik Song mit Speedy Gonzales als illustrem Gastsänger.

Im Vergleich zum Vorgänger fällt positiv auf, dass auf die teils nervigen Jazz-Parts zwischen den Blast Beats (sorry, das können andere besser!) dieses Mal verzichtet wurde und dass die Produktion weit weniger Basslastig ausgefallen ist. Transparenz in der Produktion ist bei CEPHALIC CARNAGE Pflicht, sonst wird der Hörer von der akkustischen Wand einfach zerdrückt und rausgehört wird gar nichts. Schade finde ich nur, dass Lucid Interval kein so geniales Cover wie Exploiting Dysfunction hat. Bei genauerem Hinsehen eröffnen sich dennoch hier einige Details. Aber das ist auch wieder nebensächlich, zeigt aber, dass es musikalisch nichts zum rumnörgeln gibt.

Abschließend bleibt zu vermerken, dass diese Scheibe absolut nicht für Leute geeignet ist, die sich ein Album nur nebenbei anhören wollen, aber alle, die auf Grindcore stehen, der zum Denken einlädt sollten sich diese Scheibe zulegen. Und wenn Lucid Interval richtig gezündet hat, dann wird auch dem letzten Zweifler klar, dass CEPHALIC CARNAGE es einfach draufhaben und dieses Album eines der Besten und Abgefahrensten des bisherigen Jahres darstellt.

Spielzeit: 57:30 Min.

Line-Up:
John – Drums
Leonard – Vocals
Steve – Guitars
Zac – Guitar
Jawsh – Vocals, Bass

Label: Relape Records

Homepage: http://www.cephaliccarnage.com

Tracklist:
1. Scolopendra Cingulata
2. Fortuitous Oddity
3. Anthro Emesis
4. The Isle of California
5. Pseudo
6. Friend of Mine
7. Rebellion
8. Zuno Gyakusatsu
9. Black Metal Sabbath
10. Cannabism
11. Lucid Interval
12. Misguided
13. Redundant
14. Arsonist Savior