BURIED INSIDE: Chronoclast

Manischer und metallischer Hardcore, der so bequem ist wie eine Nacht auf einem quietschenden, mit Scherben bedachten Bett.

Die Relapse-Talentschmiede hat wieder zugeschlagen und sich einen talentierten Newcomer geangelt, der so manchen vielleicht sogar schon ein Begriff ist: Aus Ottawa, Kanada fegt ein Wirbelsturm, der durch seine unvorstellbare, reißende Kraft alles mitreißt, was sich ihm in den Weg stellt. BURIED INSIDE haben die einmalige Gabe ihren Gedanken exakten Ausdruck zu verleihen und die geistige Verworrenheit in erschreckender Ehrlichkeit zu zeigen.

Leise und traurig, laut und markerschütternd, wild, ungebremst und zerrüttet ist das dritte Album von BURIED INSIDE, und das erste, das in meinem Player rotiert. Es ist nicht leicht, dem Album zu folgen, gerade durch die nihilistischen Ausbrüche. Dies macht Chronoclast zu einer Scheibe, der man sich ganz widmen muss, sonst versteht man nichts. Die schwermütige Note, die der Musik beiwohnt, ist immer da. Wenn BURIED INSIDE leise und bedächtig werden, wird der Hörer erdrückt. Atmung? Fehlanzeige. Jeden noch so leisen Ton will man hören, muss man hören. Man könnte ja was verpassen, etwas Wichtiges vielleicht sogar. Die Kraft liegt bei BURIED INSIDE im Detail. Natürlich.

Doch es dominieren nicht die dezenten Passagen auf Chronoclast. Viel mehr gibt es metallischen Hardcore zu hören – keinen Metalcore. Dieser ist durchtränkt von dramatischen Melodien, Gefühlsausbrüchen, wildem Geschrei und Hoffnung. BURIED INSIDE lassen sich von ihrer Intuition leiten, und wenn etwas dunkel klingen soll, dann muss es verdammt nochmal so finster sein wie die schwärzeste Sonnenfinsternis seit Äonen. Chaos schleicht sich ein, gerade nach den leisen Stellen wird man oftmals überrollt und findet keinen Weg durch den Lärm. Irgendwann normalisiert sich dann das Gemetzel und Aggression steigert sich und man wird angesteckt, möchte irgendwas zertrümmern.

Normale Songs gibt es auf Chronoclast nicht. Nur zehn Tracks, die nahtlos ineinander übergehen und miteinander verbunden sind. Ein ganzes, langes Stück ist Chronoclast, das so bequem ist wie eine Übernachtung auf einem mit Scherben bedachten, quietschenden Bett. Voller Subtilität und doch voller Brutalität ist dieses Kontrastprogramm mit manischen Brechern wie Time as Surrogate Religion, Time as Imperialism, Time as Abjection und Time as Resistance schlicht einzigartig, liegt irgendwo zwischen TRAGEDY und ISIS. Markerschütterndes Geschrei, ohrenzerschneidende Leadgitarren und wilde Trommelei kann so anspruchsvoll sein, ich bin begeistert.

Ans Herz zu legen ist Chronoclast allen, die bei Musik mehr verstehen als bloße Unterhaltung. Dies ist ein Album, das sowohl schmerzt als auch gut tut. Keine leichte Kost, aber für Berufspsychopathen, manisch Depressive und Freunde guter Musik unverzichtbar.

Veröffentlichungstermin: 7. Februar 2005

Spielzeit: 40:04 Min.

Line-Up:
Nicolas A. Shaw – Vocals

Andrew Tweedy – Guitars, Vocals

Matias Palacious-Hardy – Guitars

Stephen A. Martin – Bass, Vocals

Michael B. Godbout – Drums

Produziert von Matt Bayles
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.buriedinside.com

Email: buriedinside@hotmail.com

Tracklist:
1. Introduction

2. Time as Ideology

3. Time as Methodology

4. Time as Surrogate Religion

5. Time as Imperialism

6. Reintroduction

7. Time as Abjection

8. Time as Automation

9. Time as Commodity

10. Time as Resistance