BRUTAL TRUTH: End Time

BRUTAL TRUTH: End Time

Sind BRUTAL TRUTH für die Endzeit nicht ein ganzes Jahr zu früh dran? Nun, die legendäre Grindcore-Band aus dem Staat New York war schon immer dafür bekannt, der Zeit voraus zu sein. Als vor fast fünfzehn Jahren viele Kollegen noch stumpf und stupide drauf los droschen, zeigte Sounds Of The Animal Kingdom, was aus dem Genre Grindcore alles heraus zu holen war. Dass diese Band spätestens damit enorm polarisierte, liegt in der Natur der Sache, vor allem bei einer konservativen Szene, wie der Grind-Szene. Nachdem das Wiedervereinigungswerk Evolution Through Revolution in Sachen Experimente relativ zahm war, ist End Time wieder so etwas wie Wasser auf die Mühlen der Hasser von BRUTAL TRUTH. In der Tat, das sechste Studioalbum der Grinder um Sänger Kevin Sharp ist beileibe nicht das Beste in ihrer Diskografie, aber es ist dennoch ein mit maschineller Präzision ausgeführter, komplexer Angriff auf deine Synapsen – und der logische Nachfolger von Evolution Through Revolution.

Fraglos, wenn du schon Evolution Through Revolution als zu vertrackt ansahst, dann solltest du lieber doch wieder DEPRESSION anhören. End Time ist in Sachen Hörbarkeit fast auf einer Ebene mit Sounds Of The Animal Kingdom, zwar ohne die Ambient-Experimente, aber immerhin mit jede Menge seltsamer Gitarrenläufe, sich windender Schlagzeugrhythmen und bizarr verzerrten, kaputten Bassharmonien. Auch wenn der verdrehte Opener Malice das nicht erkennen lässt, meistens geben BRUTAL TRUTH auf End Time Vollgas und sind ultramies gelaunt. Aus dem ganzen Wust aus Riffs, Blasts und dem charismatischem Geschrei von Kevin Sharp entsteht ein großes Ganzes, das nur für diejenigen zu Durchdringen ist, die eine ebensolche Menge an Gras vernichten, wie die vier Protagonisten.

End Time ist logischerweise ziemlich anstrengend. Kein einfaches ich-schreie-meine-Wut-raus-bis-ich-platze, sondern viel mehr ein zermürbendes Stück aggressiver Musik. Ob so das Ende der Welt aussieht? Also mit Chaos, aber ohne Mad Max-Dystopie? Vielleicht. Immerhin, in Sachen Songwriting haben BRUTAL TRUTH größtenteils wieder ins Schwarze getroffen. Unter den dreiundzwanzig Songs finden sich mit Simple Math, dem Titelsong, Fuck Cancer, Small Talk, Crawling Man Blues, Gut-Check, Addicted und Echo-Friendly Discharge einige Hichgeschwindigkeitshits wieder, aber auch die groovigen, langsameren Stücke wie Malice und Warm Embrace Of Poverty sind stark. Der Jokus Control Room am Ende des Albums, das fünfzehn Minuten lange die Daumenschrauben anlegt, wird den Hassern der Band zusätzlich auf die Nerven gehen, ist er schon für Hörer, die einiges gewohnt sind, nahezu unerträglich, aber das war bei Prey nicht anders.

Gut ist jedenfalls, dass Gitarrist Erik Burke schon zum zweiten Mal vollständig seinen Vorgänger Gurn ersetzen kann, nicht jedoch ohne eine eigene Note einfließen zu lassen. Auch die restlichen Musiker leisten Großes, allen voran Schlagzeuger Rich Hoak, der selbst in die brutalsten Blast Beats mühelos verspielte Elemente einbauen kann.
End Time mag in Sachen Songwriting und Performance auf Augenhöhe mit Evolution Through Revolution liegen, aber es fehlt dieses Mal der Überraschungseffekt, eine zumindest ansatzweise klare Linie im Arrangement der Songs. Somit sind BRUTAL TRUTH für ein enorm anstrengendes Album verantwortlich, das zwar schräg und wild ist, und auch seine Reize hat, aber hinter anderen Alben der starken Diskografie letztlich doch zurück stecken muss – und sich auf einer Ebene mit Need To Control wieder findet. Bis am 23. Dezember 2012 dann alles vorbei sein wird – oder auch nicht – hast du dieses Album vielleicht verinnerlicht. Aber nur wenn du ganz viel kiffst.

Veröffentlichungstermin: 7. Oktober 2011

Spielzeit: 55:55 Min.

Line-Up:

Kevin Sharp – Vocals
Erik Burke – Guitar
Danny Lilker – Bass
Rich Hoak – Drums

Label: Relapse Records

Homepage: http://www.myspace.com/brutalfuckingtruth

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/brutaltruth

Tracklist:

1. Malice
2. Simple Math
3. End Time
4. Fuck Cancer
5. Celebratory Gunfire
6. Small Talk
7. .58 Caliber
8. Swift And Violent (Swift Version)
9. Crawling Man Blues
10. Lottery
11. Warm Embrace Of Poverty
12. Old World Order
13. Butcher
14. Killing Planet Earth
15. Gut-Check
16. All Work And No Play
17. Addicted
18. Sweet Dreams
19. Echo Friendly Discharge
20. Twenty Bag
21. Trash
22. Drink Up
23. Control Room