BORKNAGAR: Origin

Überambitioniert und zerfahren – das Dilemma des BORKNAGAR-Akustikalbums.

Der Gute Oystein G. Brun hat seine E-Gitarre an den Nagel gehängt. Zumindest vorübergehend. Das neue BORKNAGAR-Album Origin kommt ohne Metalriffs, Blast Beats und Kreischen aus, dafür bieten sie gediegene Kost, die beim nächsten Familientreffen bestimmt gut ankommt, getreu dem Motto: Mei, jetzt hört der Bub endlich mal was Gescheites.

Nun, das sollte kein vernichtendes Urteil sein, lediglich ein Hinweis, dass manche das Album einfach nur als puren Schönklang empfinden könnten. Denn ambitioniert ist Origin, keine Frage. Nur, ist die Vorgehensweise der Band auf diesem Album auch gesund? Klar, es sind trotz allem eindeutig BORKNAGAR am Werk und durch die letzten beiden Alben dürften den Hörern dieser Band auch klar sein, dass sie nicht gerade Easy-Listening bieten, das ist auf diesem Akustikalbum nicht anders. Andererseits wirken dadurch die Songs etwas konzeptlos, teilweise quälen sie sich von Part zu Part. Das ist nicht immer so, bei White, Acclimation und The Spirit of Nature ist es BORKNAGAR geglückt spannende, logische Songs zu schreiben.

Obwohl eine Akustikscheibe viel dezenter sein müsste um richtig zu wirken, schaffen BORKNAGAR es dennoch mühelos sie stellenweise zu überfrachten. Flöten, Streicher, dichte Keyboard-Arrangements und vor allem Vintersorgs Stimme machen dem Hörer schwer zu schaffen. Denn gerade der Ausnahmesänger kann sich nicht zurückhalten, singt viel zu inbrünstig und zu theatralisch, hier wäre erst recht Zurückhaltung gefordert. Das ursprünglich bodenständige Material wirkt dadurch viel zu opulent – selbiges geschieht durch die Streicher. Darunter leidet das Material, zweifellos. Auch die Flöte wird zu exzessiv eingesetzt, manchmal stört sie die Musik eher, als dass sie ihr nützt – um schöne Atmosphäre zu erzeugen hätte sie besser eingesetzt werden können, siehe TENHI.

BORKNAGAR funktionieren vor allem durch ihr Abwechslungsreichtum, ihre gigantische Bandbreite, ihre Dynamik. Das kommt auf Origin nicht wirklich zur Geltung, hier wirken sie für ihre Verhältnisse recht eindimensional. Besonders beim Remake von Oceans Rise wird dies deutlich, denn im Original ist dieses Lied an Einfallsreichtum und Intensität nicht zu übertreffen, während die Neuaufnahme aufgesetzt, wirr und zersetzt wirkt. Schade, Origin hätte toll werden können, doch BORKNAGAR konnten sich hier nicht zurückhalten und die Songs sinnvoll zu gestalten. Origin ist zu ambitioniert und eigenbrötlerisch um beim Hörer Glücksgefühle auslösen zu können. Schlecht ist dieses Album nicht, doch BORKNAGAR können es viel besser, wie sämtliche Vorgängeralben beweisen.

Veröffentlichungstermin: 27. Oktober 2006

Spielzeit: 35:57 Min.

Line-Up:
Vintersorg – Vocals
Oystein G. Brun – Acoustic, Classical & Highstring Guitar
Lars A. Nedland – Piano, Keyboards, Organs, Backing Vocals
Asgeir Mickelson – Drums

Label: Century Media

Homepage: http://www.borknagar.com

Tracklist:
1. Earth Imagery
2. Grains
3. Oceans Rise
4. Signs
5. White
6. Cynosure
7. The Human Nature
8. Acclimation
9. The Spirit of Nature