BLUT AUS NORD: 777 Sect(s)

BLUT AUS NORD stellen uns vor ein Rätsel – ob sich "777 Sect(s)" entschlüsseln lässt?

BLUT AUS NORD waren schon immer etwas anders, zusammen mit DEATHSPELL OMEGA zeigen sie deutlich, wie fern die avantgardistische, französische Vision von Black Metal von anderen Bands entfernt ist, und doch ist sie näher an den Idealen des Genres, als die DARK FUNERALs und MARDUKs dieser Tage es sind. 777 Sect(s), der Auftakt der neuen Trilogie von BLUT AUS NORD verdeutlicht, wie sehr die maschinelle Kälte mit den fast leblos tristen Riffs einen reißenden Strudel aus Schwärze ergibt, der so boshaft, so dissonant, so heavy und so abstrakt ist, wie nur wenig Anderes, das die Franzosen um Vindsval bisher erschaffen haben. Im Vergleich zum letzten Album Memoria Vetusta II: Dialogue with the Stars merken wir sofort, dass es keine Harmonien, keine Epik mehr gibt, sondern nur die Abstraktion als solches. Die Dissonanz zieht sich durch das surreal wirkende Album, fern von Himmel und Hölle, irgendwo zwischen GODFLESH und MAYHEM. Es ist schwer greifbar, mit nur wenigen Hooks versehen, es verweigert sich im Gehirn des Hörers festzusetzen. Vielleicht sind auch deshalb die einzelnen Stücke schlicht mit Epitome 1 bis Epitome 6 betitelt.

Das Klangbild mit dem Drumcomputer, den höhenlastigen Gitarren und den eisigen, dezenten Synthesizern regiert in seiner Gänze, es wirkt wie ein ganz großes, formloses, unmenschliches Etwas, was sich hier auftürmt, in dem sowohl furiose Blast Beats, als auch schleppende, monolithische Beats um die Überhand kämpfen. So entmenschlicht BLUT AUS NORD dieses Mal vorgehen, so wenig wundert es, dass der Gesang äußerst sparsam eingesetzt wird und nur am Rande eine Rolle spielt. Es ist, als hätte sich die Idee von 777 Sect(s) verselbständigt und ein gefährliches Eigenleben entwickelt. Es ist nicht das beste Album, das BLUT AUS NORD bisher veröffentlicht haben, vielleicht weil sich die Franzosen sträuben, dass dass ihnen jeder folgen kann. Und trotzdem wird es in Epitome 2 Epitome 4 und vor allem Epitome 6 plötzlich etwas melodiöser, nicht episch, nicht eingängig, aber die Musik öffnet sich ein wenig. Wie ein Rätsel, das kurz vor seiner Entschlüsselung steht und bei dem wir wissen, wir sind auf dem richtigen Weg. Der Schlüssel 777 Sect(s) wirklich zu schätzen findet sich vielleicht auf den kommenden Alben. Es ist ein Albtraum, wie aus einem der wirklich schrägen Filme von David Lynch, bei dem das Mysterium selbst das Ziel ist. BLUT AUS NORD wissen, was sie tun und entsprechen stets ihrer eigenen Logik, ob die Fans das nun verstehen, oder nicht. Und gerade das macht auch 777 Sect(s) auf unnachvollziehbare Art und Weise wunderschön.

Aber egal, wie das Fazit zu diesem Album von jedem einzelnen ausfällt, im September, wenn Teil zwei dieses Rästsel veröffentlicht wird, wissen wir hoffentlich mehr.

Veröffentlichungstermin: 22. April 2011

Spielzeit: 45:23 Min.

Line-Up:
Vindsval – Guitars, Vocals
GhÖst – Bass
W.D. Feld – Drums, Keyboards, Synthesizer

Label: Debemur Morti

Homepage: http://www.blutausnord.com

Tracklist:
1. Epitome 1
2. Epitome 2
3. Epitome 3
4. Epitome 4
5. Epitome 5
6. Epitome 6