BETWEEN THE BURIED AND ME: Alaska

Eine Stunde voller Paranoia, Paradoxe, Wahnsinn und Genialität. Juhu!

Dort ist es kalt, einsam und man wird wohl auf Dauer wahnsinnig. Der Bundesstaat Alaska, Ideengeber für eine Stunde voller Paranoia, Paradoxe, Wahnsinn und Genialität. Denn so karg und wunderschön wie diese Wüste ist, so weit ist auch das mittlerweile dritte Album der US-Extremisten, die ein weiteres Mal versuchen auf sich aufmerksam zu machen. Wer dieses Album hört wird es nicht vergessen – die einen werden es lieben, die anderen werden es hassen.

Ich kann es vollkommen verstehen, dass viele BETWEEN THE BURIED AND ME schlicht und ergreifend zum Kotzen finden. Aber hey, sie sind konsequent. Dass seit ihrem ersten, absolut fantastischem Album eine Mischung vorherrscht, die locker als planloses Zusammenwerfen von vielen verschiedenen Stilmitteln bezeichnet werden kann, macht es nicht leicht für Zuhörer, die nur mit einem halben Ohr hinhören. Genau an diesen Leuten wird Alaska gnadenlos vorbeigehen. Aber die verstehen BETWEEN THE BURIED AND ME eh nicht.

Daher zuerst für diejenigen, die schon die Vorgänger toll fanden: Ihr habt ja schon längst begriffen wie groß diese Band eigentlich ist. Wie sehr sie euch fordern und wie sehr sie euren Plattenschrank bereichern und wie sehr sie auch euch bereichern. Daher seid nicht geschockt wenn die brutalen Teile deutlich die Oberhand auf Alaska haben, hier gibt es viele Blast Beats, extreme Death und Black Metal-Riffs. Sänger Tommy Rogers brüllt, schreit und grunzt extremer denn je alles aus sich hinaus und überzeugt mit einer wahrlich reifen Leistung, auch im Bereich des klaren Gesangs. Gleichzeitig schwanden die sanften Passagen, stattdessen gibt es aber weite Strecken in denen die Gitarristen sich duellieren, allerdings auf relativ gemäßigter Ebene, undurchdringliche Frickelattacken gibt es auf Alaska zum Glück nicht zu hören.

Somit ist dieses Album auch leichter nachvollziehbar als der teilweise arg verdrehte Vorgänger The Silent Circus. Das soll nicht heißen, dass die Extremisten davon ablassen, wie die Besessenen den Hörer umzublasen, im Gegenteil: BETWEEN THE BURIED AND ME gehen fokussierter zu Werke, direkter und etwas simpler. Das steht ihnen verdammt gut. Auch die kleinen Querverweise zu CYNIC in Selkies: The Endless Obsession und THE MARS VOLTA in Backwards Marathon bringen Farbe ins Gesamtbild, ebenso wie das hier und da eingesetzte Piano und bereichern Alaska ungemein. Die an OPETH erinnernden Passagen mussten zwar leider das Weite suchen, aber der Mischmasch der Amis ist nach wie vor so reichhaltig an Querverweisen zu anderen Bands, dass es auf eine mehr oder weniger auch nicht ankommt.

Und jetzt für die, die BETWEEN THE BURIED AND ME abstoßend finden und wahnsinnig von ihnen werden: Hört gut rein. Es ist nicht so kompliziert wie ihr meint. Anstrengend ja, fordernd auch und selbstverständlich schwer verdaulich, aber im Vergleich zu The Silent Circus ist Alaska viel simpler angelegt – allerdings erst auf den zweiten Blick. Denn jeder Song besteht aus zahllosen Passagen, die harmonieren jedoch wunderbar miteinander und steigern sich zu immer neuen Höhepunkten. Nach kurzer Zeit werden euch viele Passagen und Riffs im Kopf rumgeistern und ihr werdet sie nicht mehr loswerden – garantiert! Denn BETWEEN THE BURIED AND ME haben etwas Wichtiges geschafft: Sie haben den perfekten Mittelweg zwischen einem funktionierendem Song und einer anspruchsvollen Komposition gefunden. Rechnet man die kurzen Instrumentalstücke raus, genau acht mal, wobei die brutalen Songs wie All Bodies, Croakies and Boatshoes und The Primer ebenso wunderbar sind wie diejenigen in denen sie es auch mal etwas gediegener angehen lassen.

Somit ist Alaska ein absolut erhabenes Album, das vor lauter Potenzial eigentlich gar nicht mehr laufen kann. Ideal produziert, schön und spärlich aufgemacht und mit viel Liebe zum Detail ist aus vielen guten Ideen ein herrliches Gesamtbild geworden, das man erst nach vielen Durchgängen so richtig zu schätzen weiß. Und obwohl es heftig wie Hölle zugeht, dieses Album ist einfach schön – vielleicht auch nur deshalb weil es gut tut zu sehen, wie viel man aus all den ausgelutschten Genres und Stilmitteln rausholen kann.

Veröffentlichungstermin: 5. September 2005

Spielzeit: 53:54 Min.

Line-Up:
Tommy Rogers – Vocals

Paul Waggoner – Guitars

Dustie Waring – Guitar

Dan Briggs – Bass

Blake Richardson – Drums

Produziert von BETWEEN THE BURIED AND ME, Jamie King und Matthew Ellard
Label: Victory Records

Homepage: http://www.between theburiedandme.com

Tracklist:
1. All Bodies

2. Alaska

3. Croakies and Boatshoes

4. Selkies: The Endless Obsession

5. Breathe In, Breathe Out

6. Roboturner

7. Backwards Marathon

8. Medicine Wheel

9. The Primer

10. Autodidact

11. Laser Speed