ARCHITECTS: The Classic Symptoms Of A Broken Spirit

ARCHITECTS verabschieden sich von den Experimenten des Vorgängers, aber auch der extremeren Seite ihres Sounds. Das macht “The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” zu einem kompakten Album, dem jedoch leider auch der Biss abhanden kommt.

In der Regel ist es kein gutes Zeichen, wenn ein Künstler einen Tag vor Albumveröffentlichung einen Kommentar vorausschickt, der die kreativen Entscheidungen der neuen Platte erläutern soll. Dass sich ARCHITECTS-Drummer Dan Searle via Instagram also ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erklärt, hinterlässt Fragezeichen. Rechtfertigungen haben er und seine vier Kollegen eigentlich nicht nötig, insbesondere weil „The Classic Symptoms Of A Broken Spirit“ ohnehin weitestgehend den Weg weiterverfolgt, den das kontroverse „For Those That Wish To Exist“ (2021) eingeschlagen hatte: Nach einer Handvoll einflussreicher und genredefinierender Metalcore-Werke orientierte man sich hin zum modernen, simplifizierten Arena-Sound.

Ein Ansatz, den ARCHITECTS jetzt zielgerichtet verfeinern. „The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” ist kompakter und fokussierter als sein Vorgänger, indem man einerseits schneller zum Punkt kommt und darüber hinaus die musikalische Bandbreite an beiden Extremen zusammenstutzt. Soll heißen, die experimentellen Ausflüge des Vorgängers fielen ebenso der Schere zum Opfer wie die brachial-aggressive Seite der Briten. Typischer Modern Metalcore oder gar technisch ausgefeiltes Riffing gehören der Vergangenheit an, lediglich den einen oder anderen Breakdown genehmigt sich das Quintett etwa in „When We Were Young“ mit seinen BEARTOOTH-Vibes oder dem stampfenden „Tear Gas“.

Auf “The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” kommt ARCHITECTS der Biss abhanden

Das lässt „The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” geschlossen erscheinen, das Material selbst allerdings schnell in Gleichförmigkeit verschwimmen. Gerade die Gesangslinien Sam Carters fallen oft beliebig und austauschbar aus, während die eigentliche Performance des Frontmanns in der Postproduktion unter unzähligen Effekten begraben wird. Seine aggressive Seite kehrt Carter im Gegensatz zur zahnlosen Kopfstimme nur noch selten hervor, wodurch ARCHITECTS abseits der stampfenden Drums und tief gestimmten Riffs der Biss abhandenkommt.

Ob nun „Tear Gas“ eine dezente Note RAMMSTEIN mit BRING ME THE HORIZON verschmelzen lässt, „Spit The Bone“ seinen Schunkel-Rhythmus mit vollkommen ernster Miene darbietet oder „Living Is Killing Us“ ungeniert dudelnde Synthesizer ins Zentrum rückt, ist völlig egal. Über weite Strecken des Albums agieren ARCHITECTS schrecklich uninspiriert, wiederholen dieselben Stilmittel und Strukturen ad nauseam.

Für ARCHITECTS scheint dieser Tage der kleinste gemeinsame Nenner vollkommen ausreichend zu sein

Das resultiert im Bestfall immerhin in einer Handvoll solider Stücke wie den Aggro-Rockern „Doomscrolling“ und „A New Moral Lowground“ oder dem überraschenden „Burn Down My House“, welches der melancholischen Atmosphäre eine Spur NINE INCH NAILS hinzuaddiert. Die Zügel so richtig loslassen wollen ARCHITECTS aber erst im finalen „Be Very Afraid“, wo ein wenig die Wut der früheren Tage durchkommt – ein erfrischender Tapetenwechsel, der jedoch zu spät kommt.

Zwar wird „The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” zweifelsohne sein Publikum finden, bleibt jedoch wie schon der Vorgänger weit hinter den Möglichkeiten des Quintetts aus Brighton zurück. Wo BRING ME THE HORIZON ständig nach Neuem drängen und PARKWAY DRIVE wenigstens versuchen, ihren Horizont gezielt zu erweitern, erwecken ARCHITECTS derzeit den Anschein, als sei für sie der kleinste gemeinsame Nenner völlig ausreichend: elf Songs, die nicht wirklich schlecht sind, doch beliebiger nicht sein könnten. Leider können wir im Nachhinein durchaus verstehen, warum man sich dafür rechtfertigen möchte.

Veröffentlichungstermin: 21.10.2022

Spielzeit: 42:30

Line-Up

Sam Carter –Vocals
Adam Christianson – Guitar, Backing Vocals
Josh Middleton – Guitar, Backing Vocals, Production
Alex Dean – Bass, Keyboards, Drum Pad
Dan Searle – Drums, Percussion, Programming, Production

Produziert von Dan Searle, Josh Middleton, Zakk Cervini (Mix) und Justin Shturtz (Mastering)

Label: Epitaph

Homepage: https://www.architectsofficial.com/
Facebook: https://www.facebook.com/architectsuk

ARCHITECTS ”The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” Tracklist

  1. deep fake (Video bei YouTube)
  2. tear gas (Video bei YouTube)
  3. spit the bone
  4. burn down my house
  5. living is killing us
  6. when we were young (Video bei YouTube)
  7. doomscrolling
  8. born again pessimist
  9. a new moral low ground (Video bei YouTube)
  10. all the love in the world
  11. be very afraid
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