…AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD: Tao Of The Dead

…AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD wildern im Plattenschrank deines Vaters.

Sind sie erwachsen geworden oder ist die Luft bei …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD raus? Haben sie endlich realisiert, dass sie wieder auf einem Indie gelandet sind und machen nun, was sie wollen, oder ist Tao Of The Dead ein eher halbfertiges Album? Ist das nun Artrock oder progressiver Alternative Rock, der sich quer stellt, wo er nun kann? Nein, auch nach vier Wochen intensiven Hörens von Tao Of The Dead ist die Antwort noch nicht eindeutig. Ohne Zweifel, das zum Kernduo geschrumpfte tobt sich kreativ nach allen Regeln der Kunst aus, aber der Hörer bleibt hier und da auf der Strecke.

Tao Of The Dead überrascht schon durch seinen Aufbau. Nach einem ausgedehnten Intro geht es mit zwei, für …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD typischen Stücken los, die alles vereinen, was wir uns wünschen: Griffige Momente, sagenhafte Refrains, massive Riffs, toller Gesang, treibende Grooves, die ideale Mischung aus Klasse und derbem Rock, danach wird aus Tao Of The Dead eine abenteuerliche Reise durch ein Retro-Rock-Universum. Kurze, teils sehr verspielte Songs, teils sehr direkte Songs füllen die nächsten zwanzig Minuten des Albums auf und zeigen Momente, die …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD nicht besser hinkriegen können. Die epischen Momente, die Fall Of The Empire und Weight Of The Sun (Or The Post-Modern Prometheus) bieten, Lieder zum Wohlfühlen, wie The Wasteland und Ebb Away, und experimentelle Momente wie Spiral Jetty werden kompakt dargeboten und begeistern durchaus.

Das Problem hier ist, dass …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD hier Ansätze für enorme Hits anliefern, es klingt so, als wären Jason Reece und Conrad Keely zu faul gewesen, all das zu großen Songs auszuarbeiten, zu Momenten, die wir seit Madonna so sehr lieben. Tao Of The Dead als das zu akzeptieren, was es ist, fällt daher anfangs etwas schwer. Denn die beiden Hauptakteure der Band mit dem langen Namen wählen einen anderen Ansatz, erzählen eine Prog-Rock-Geschichte, die aber erfreulicherweise aus dem Bauch heraus kommt und nicht verkopft oder kompliziert wirkt. Dennoch ist der Schluss von Tao Of The Dead nichts für schwache Nerven, das komplett frei gespielte The Fairlight Pendant hinterlässt beim Hörer zunächst nicht wirklich Spuren, stattdessen strengt es an, hier die Konzentration zu wahren. Der sechzehneinhalbminütige zweite Teil des Titelsongs – Teil eins des Titelsongs sind die ersten elf Tracks des Albums – folgt und beginnt recht direkt und gut gelaunt, verliert sich dann aber auch immer wieder in Jams, findet seine Form wieder und endet mit einer großen Verbeugung vor dem Publikum. Überraschenderweise vergeht Tao Of The Dead Part Two: Strange News From Another Planet aber dennoch wie im Fluge.

Dass die Songs alphabetisch geordnet sind, dass hier kurze, griffige Momente direkt in lange, ausufernde und etwas schwerer nachvollziehbare Epen münden, zeigt, dass …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD sich auch aktiv vom Indie-Rock lossagen wollen, dass sie in gewisser Weise gereift sind, dass ihnen ein Hit nicht mehr so wichtig ist wie der spontane, künstlerische Ausdruck. Für Freunde von Source Codes And Tags, Worlds Apart und The Century Of Self mag das mitunter schade sein, aber Tao Of The Dead ist von Grundauf ehrlich. Vielleicht hätte es liebevoller gestaltet werden können, durch die Ausweitung der Songs im Mittelteil. Vielleicht aber ist die gigantische Heldenverehrung der 1970er, die …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD hier abziehen, nur die logischste Herangehensweise.

Es bleibt also eine rein subjektive Entscheidung, ob Tao Of The Dead nun enttäuscht, begeistert oder ratlos werden lässt. Objektiv stimmt alles, die instrumentale Darbietung ist lückenlos gut, das Album klingt warm und erdig, dass es live eingespielt wurde, zeigt, dass hier eben richtige Rockmusik geboten wird. Die zusätzlichen Details, gerade im Bereich der Gitarren und Synthesizer, lassen das Album noch tiefer wirken. Fans von …AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD, die haufenweise Progrock-Platten von Papa geklaut haben und diese in- und auswendig kennen, werden hier kein Problem haben, wer aber ansonsten nur Alternative Rock hört, muss an diesem Album vermutlich etwas schlucken. Versuchen sollte man es dennoch, alleine wegen Conrad Keelys fantastischem Artwork und weil die Jungs so sympathisch sind.

Veröffentlichungstermin: 4. Februar 2011

Spielzeit: 52:17 Min.

Line-Up:

Conrad Keely
Jason Reece
Autry Fulbright II
Aaron Ford

Produziert von Chris Frenchie Smith
Label: Superball Records

Homepage: http://www.trailofdead.com/

MySpace: http://www.myspace.com/trailofdead

Tracklist:

1. A. Introduction: Let´s Experiment
2. B. Pure Radio Cosplay
3. C. Summer Of All Dead Souls
4. D. Cover The Days Like A Tidal Wave
5. E. Fall Of The Empire
6. F. The Wasteland
7. G. Spiral Jetty
8. H. Weight Of The Sun
9. I. Pure Radio Cosplay (Reprise)
10. J. Ebb Away
11. K. The Fairlight Pendant
12. Tao Of The Dead Part Two: Strange News From Another Planet
L. Know Your Honor
M. Rule By Being Just
N. The Ship Impossible
O. Strange Epiphany
P. Racing And Hunting