AMARANTHE: Massive Addictive

Guter Pop mit Schwedentod- und Melodic Metal-Einflüssen – in der ersten Albumhälfte gibt es ein paar Hitkandidaten. Über weite Strecken passen die Songs besser in eine normale Disco als auf eine Rockkneipenbühne.

So, ich ignoriere jetzt mal 22 Jahre Metal-Sozialisation meinerseits. Bereit? Massive Addictive bietet coolen Pop, der mit Metal-Elementen verziert wurde. Drop Dead Cynical ist eingängig genug, um ein Hit zu werden. Die elektronischen Spielereien klingen spannend und kurzweilig, wobei sie dem Gesang nicht in die Quere kommen. Die Gitarren sind dermaßen auf den Punkt gespielt, dass sie praktisch so lebendig bzw. unlebendig klingen wie die Keyboards. Der männliche Gesang bringt gelegentlich noch weiteres Metal-Feeling ins Klangbild ein. Das sollte er lieber sein lassen. Klar, dadurch erhöht sich der Kontrast zum klaren, melodischen Frauengesang, der die Hooklines trägt und sich sicher gut auf einer aktuellen Bravo Hits-CD machen würde.

IN FLAMES füllen inzwischen große Hallen und POWERWOLF führten die Charts an – der Metal lebt! Es ist nicht der Metal der neuen britischen Welle, es ist nicht der Happy Metal von HELLOWEEN, es ist nicht das Thrash-Brett der Big Four. Es ist skandinavischer Melodic Metal, der zu gleichen Teilen Schwedentod-Elemente und Pop-Appeal enthält. Wenn dann noch von einer Digital World gesungen wird, sehe ich vor meinem geistigen Auge eine Disco mit zappelnden Leibern und hektischer Lichtshow. Willkommen im Mainstream. Wobei ich ja vom Türsteher nicht reingelassen werde, weil ich so komisch gekleidet bin (beiges Holy Land-Batik-T-Shirt von ANGRA ein, zwei Nummern zu groß, weil EMP die damals nicht in M anbot – oder ich dachte, ich würde noch wachsen).

Die Liedlängen – kein Lied erreicht die 4-Minuten-Marke – sind ein weiteres Indiz für den unbedingten Popwillen von AMARANTHE. Tiefgang darf man hier nicht erwarten. Auch die Schunkelballade True drängelt wie ein Taxifahrer im Berufsverkehr. Für Fahrstil bleibt wenig Raum. Die zweite Ballade (Over And Done) kommt zwar noch ruhiger daher, bleibt dafür aber auch gesichtslos. In der Sprache der 90er ausgedrückt sind AMARANTHE also näher an ACE OF BASE als an ROXETTE. Wenn ich abschließend von Katy Perry goes Metal schreibe, liegt das daran, dass mein Metal-Herz einfach keine andere (passendere?) moderne Chartkönigin kennt, die ich als Vergleich heranziehen könnte.

Veröffentlichungstermin: 17.10.2014

Spielzeit: 41:04 Min.

Line-Up:
Elize Ryd: Gesang
Henrik Englund Wilhelmsson: Brüll-Gesang
Jake E. Berg: Clean-Gesang
Olof Mörck: Gitarre
Johan Andreassen: Bass
Morten Løwe Sørensen: Schlagzeug

Produziert von Jacob Hansen
Label: Spinefarm

Homepage: http://www.amaranthe.se

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/AmarantheBand

Tracklist:
1. Dynamite
2. Drop Dead Cynical
3. Trinity
4. Massive Addictive
5. Digital World
6. True
7. Unreal
8. Over And Done
9. Danger Zone
10. Skyline
11. An Ordinary Abnormality
12. Exhale