ALDA: A Distant Fire

Auch sechs Jahre nach „Passage“ bleiben ALDA dem „Cascadian Black Metal“ treu, verzichten bei aller kompositorischer Qualität aber darauf, einen eigenen Weg zu beschreiten.

Das bunte Artwork, in dem so viel Tragik liegt, könnte schon etwas mit ALDA selbst zu tun haben. Ein Toter auf dem Weg zum Gipfel, der dem Ruf eines ewigen Feuers einst folgte? Und wie ist es dann mit einer Band, die sich stilistisch zu 100% dem Sub-Sub-Genre des „Cascadian Black Metal“ hingibt und in den zwölf Jahren seit ihrem Debütalbum aber nie über die zweite Liga hinauskam? Erreichen ALDA nun den Gipfel, sucht sie weiter das immerwährende, wärmende Feuer oder endet ihre irdische Hülle am Fuß des Berges, den sie erklimmen möchten?

Die Chancen stehen nicht schlecht. Immerhin ist ALDA auch im Schatten von WOLVES IN THE THRONE ROOM, AGALLOCH oder PANOPTICON mit „:Tahoma:“ mehr als nur ein Achtungserfolg gelungen. Denn was ALDA von den anderen in ihrer Liga abhebt ist, dass sie verdammt gute Songwriter sind. Aus dem Flow sind ALDA auch trotz einer Pause von sechs Jahren nicht gekommen, „A Distant Fire“ ist ebenso ausgewogen und liebevoll arrangiert wie ihr früheres Material. Und doch ist „A Distant Fire“ nicht der erhoffte Quantensprung für die Band aus dem Staat Washington.

ALDA könnten durch ihre kompositorische Stärke aus dem Schatten der großen Bands hervortreten – „A Distant Fire“ ist ein starkes Cascadian Black Metal-Album.

Aber bleiben wir zunächst dort, wo ALDA richtig stark sind. Ihre folkige Seite ist nicht nur Lückenfüller in Form von Intermezzi, sondern ist liebevoll und prägnant geschrieben und arrangiert. Und nicht nur hier zeigt sich songschreiberisches Geschick: Die Black Metal-Riffs sind wirklich gekonnt geschrieben, mal aggressiv ohne gesichtslos zu sein und mal melodiös ohne zu nerven. Daraus bauen ALDA kleine Epen, die abwechslungsreich und hier und da sogar überraschend in Bezug auf Drehungen und Wendungen sind, aber doch immer einem roten Faden folgen.

„A Distant Fire“ irritiert manchmal auf der Meta-Ebene, einfach weil ALDA es sich so leicht machen und so stur den Vorbildern folgen. Das ist natürlich kein Verbrechen, auch nicht, wenn einige Riffs nahezu eins zu eins von „Queen Of The Borrowed Light“ und „Vastness And Sorrow“ entliehen sind. Das irritiert, denn wer so gut im Songwriting ist, muss doch über etwas mehr eigene Handschrift verfügen, oder? Vielleicht ist auch das der Grund, warum ALDA nur in den folkigen Momenten wirklich tief berühren können. Immerhin dominiert bei mir die Freude, dass ALDA etwas von dem punkigen Trance-Element liefern, der mir auf „Primordial Arcana“ fehlte. Ein Tränentrockner für den Teil in mir, der will, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM für immer wie in den Zweitausendern klingen.

Gerade in den folkigen Momenten berühren ALDA ihre Hörer, wenn es wild wird, besticht „A Distant Fire“ durch spannende Arrangements.

„Stonebreaker“ liefert hier ganze Arbeit: Prägnante Riffs, viele verschiedene Tempi und Dynamiken, dazwischen Akustikparts und die richtige Atmosphäre für einen schönen Waldspaziergang – das Stück funktioniert ebenso gut, wie die folgenden Songs. Das Wechselspiel zwischen Wildheit und Ruhe, zwischen Eruption und Melodie ist liebevoll und detailversessen arrangiert und auch von UADAs Jake Superchi produziert. Nur konsequent, dass auch der melodische Gesang gut klingt und nicht in spätadoleszente Wikingerchorimitationen umschlägt. Der Titelsong ist in dieser Hinsicht das beste Beispiel, hier zeigen ALDA in meist getragenem Tempo sechzehn Minuten lang, wie diese Musik mit Leidenschaft und handwerklichem Geschick gespielt werden kann.

ALDA sehen sich also gut gewappnet für eine Tour auf den Hausberg ohne Absturzgefahr, inklusive Eintrag in das Gipfelbuch. In die Ferne zu neuen Wundern brechen die vier US-Amerikaner auch weiterhin nicht auf. Schade eigentlich, denn sie hätten das Potenzial für mehr, dann würde die Musik auch emotional besser durchschlagen. Klar, man spürt, dass sich ALDA in dieser Form des Black Metal absolut wohlfühlen und das ist ja irgendwie auch die Hauptsache. Aber sie sollten auch folgende Weisheit beachten: Daheim sterben die Leut! Siehe den armen Tropf auf dem Cover.

Wertung: 4 von 6 Bergtouren

VÖ: 8. Oktober 2021

Line-Up:
Tim Brown – Electric and acoustic guitars, vocals
Stephanie Bruton – Bass guitar, acoustic guitar, cello, vocals
Jace Bruton – Electric and acoustic guitars, vocals
Michael Korchonnoff – Drums, bodhran, acoustic guitar, drones, lead vocals)

Label: Eisenwald

Spielzeit: 50:36

ALDA „A Distant Fire“ Tracklist:

1. First Light
2. Stonebreaker (Official Audio bei Youtube)
3. Drawn Astray (Official Audio bei Youtube)
4. Forlorn Peaks
5. Loo-Wit
6. A Distant Fire

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