AEPHANEMER: A Dream of Wilderness

Gerade mal zwei Jahre sind nach “Prokopton” ins Jahr gezogen, da stehen die überaus talentierten AEPHANEMER aus Toulouse wieder mit einem Full Length-Album auf der Matte. Das Wort “Full Length” reizt das französische Quartett hierbei wirklich bis zum letzten aus – ihr Werk ist beinahe 90 Minuten lang. Und AEPHANEMER rühren mit großer Kelle an: zuckersüße melodiöse Keyboards, perlende Gitarrenleads, geschickt gesetzte Klassik-Referenzen (Tschaikowsky kommt zum Cover-Handkuss in “Old French Song”), vereinzelter weiblicher Clean-Gesang, dazu flotte Melodic Death Metal-Riffs. Die Produktion vermag diese Masse fast mühelos zu stemmen. Hier und da wäre mehr Druck wünschenswert gewesen, aber “A Dream of Wilderness” bolzt auch so ordentlich durch die Boxen.

Mit harscher Frauenstimme überzeugen

AEPHANEMER zeigen so auf “A Dream of Wilderness” ihr Händchen für eingängige Melodien – “Roots and Leaves” empfiehlt sich für alle Hörwurmsuchenden als Anspieltipp. Opernhafter Frauengesang gibt´s nur in “Le Radeau de la Méduse”, ansonsten herrscht das heisere Growlen von Marion über die Songwelt AEPHANEMERs. Marions Gabe, Gitarrenkünste und Gesang zu vereinen, lässt einen unweigerlich an die Kombinationsgabe Alexi Laihos denken (minus YauYau, natürlich). Musikalisch machen sich Parallelen zu CHILDREN OF BODOM, WINTERSUN, INSOMNIUM und älteren NIGHTWISH bemerkbar – der Einfluss Skandinaviens ist hier nicht von der Hand zu weisen. Und AEPHANEMER schaffen es, trotz ihres Hanges zu Melodien nicht ins Kitschige abzudriften. Obwohl eben – zuckersüßss sind die Keyboards stellenweise schon, ganz harte Heimlichhörer müssen sich “A Dream of Wilderness” also einsam im Keller reinziehen.

Spannend von Anfang bis Ende

Mit ihrem dritten Album ist AEPHANEMER somit ein überzeugendes Symphonic Melodic Death Metal-Album gelungen. “A Dream of Wilderness” ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute und die Songs sprühen vor Leidenschaft. Fans der oben genannten Bands sollten auf jeden Fall reinhören – hier weht ein starker, frischer Wind aus Toulouse über Europa und AEPHANEMER spielen auf einem Niveau, das demjenigen der Melo-Nordfront in nichts nachsteht. “Alléz les bleus” kann man da nur rufen und dem flotten Headbangen frönen.

Veröffentlichungsdatum: 19.11.2021
Spieldauer: 88:48
Label: Napalm Records
Website: http://www.facebook.com/Aephanemer

Line Up
Martin Hamichle – Gitarren
Marion Bascoul – Vocals, Gitarren
Lucie Woaye Hune – Bass
Mickaël Bonnevialle – Drums

AEPHANEMER “A Dream of Wilderness” Tracklist

01. Land of Hope
02. Antigone (Video bei YouTube)
03. Of Volition
04. Le Radeau de La Méduse (Lyric-Video bei YouTube)
05. Roots and Leaves
06. Vague à l’âme
07. Strider
08. Panta Rhei (Video bei YouTube)
09. A Dream of Wilderness
10. Old French Song (Bonus Track)
11. Le Radeau de La Méduse (French Version – Bonus Track)