AEPHANEMER: Prokopton

AEPHANEMER: Prokopton

Hört man sich das Labeldebüt AEPHANEMERs an, fasst man – ohne Hintergrundinformationen – rasch den Entschluss, dass es sich bei der Band um Finnen handelt, deren Album „Prokopton“ wohl irgendwo in den frühen Nullerjahren erschienen sein muss. Unterstützt wird diese Einschätzung von der absolut unapologetischen Hingabe, mit der AEPHANEMER ihren süssen Melodien frönen.

Dürfen es noch ein paar zuckrige, langgezogene Melodic Metal-Gitarrenleads mehr sein, damit die Delfinüberbevölkerung auf STRATOVARIUS-Covern die kritische Masse übersteigt? Aber sicher. Keyboards dazu? Aber immer doch, am liebsten so ausgedehnt und borderline-kitschig, dass die weissen Wölfe im CATAMENIA-Artwork euphorisch ihre Brunftzeit einheulen. Dazu ein Songwriting, dass der Winterlandschaft auf dem WINTERSUN-Debüt gleich noch ein paar zusätzliche violettverschneite Tannen wachsen.

Finnland liegt in Toulouse

Soviel Suomi-Huldigung ist selbst für Winterwar-stolze Finnen bizarr und das Rätselraten bei AEPHANEMER löst sich erst auf, wenn man die Fakten ausserhalb der Musik genauer anschaut. So handelt es sich beim Quartett um eine junge Truppe aus dem französischen Toulouse, die 2013 das Dunkel der Melodic Death / Black Metal-Welt erblickte. Ganz ihrem Zeitalter entsprechend, wurden AEPHANEMER auch nicht durch ein physisches Demotape bekannt, sondern erarbeiteten sich ihren Ruf durch Instrumentalsongs, die eine immer grösser werdende YouTube-Fangemeinde begeisterten. Diese frühen Werke der Franzosen sind noch immer auffindbar und zeigen – hier weiss jemand, wie man Melodic Death Metal-Songs finnischer Prägung schreibt, wenn man auf der Gitarre weniger schnell ist als die finnische YauYau-Legende.

Growls ohne Genderfrage

„Prokopton“ versprüht als Ganzes dann auch eine unbeirrte, leidenschaftliche Musikfrische. Produzent Dan Swanö (EDGE OF SANITY, PAN-THY-MONIUM) versteht diese Frische in seiner Weisheit und lässt AEPHANEMER ungehemmt auf ihren Keyboards und Gitarren davoneilen, wie sie wollen. Das Quartett mag mit ihrem Sound zwar 15 Jahre vor seiner Zeit angesiedelt sein, doch der Eingängigkeit von „Prokopton“ tut dies keinen Abbruch. Dass eine allürenfreie Gitarristin – Marion – für die Vocals verantwortlich zeichnet, ist dafür ein Zeitzeichen von 2019. Marions Growls machen die Genderfrage obsolet und die zusätzliche klare Frauenstimme in „Snowblind“ machen den Song zu einem der Anspieltipps der Platte (neben dem fulminanten „The Sovereign“ und dem extraeingängigen „If I should die“).

Jungspunde auf der Überholspur

Am Schluss gewinnen bei „Prokopton“ alle. Wem die „alten“ Finnenbands zu modern geworden sind, wird mit AEPHANEMER hemmungslos glücklich und schwelgt in deren Melodiosität. AEPHANEMER selber machen auf ihrem Labeldebüt dazu eine derart gute Falle, dass man sich glatt den Backkatalog der Jungspunde auf Spotify reinzieht – und nicht enttäuscht wird. Und die Frauenfrage? Die stellt sich nicht mehr, weil bei AEPHANEMER das Können und der Metal zählen statt die Weite des Ausschnitts. „Prokopton“ schwimmt obenauf im Genremeer und weiss sich dank der innewohnenden Leidenschaft zu behaupten. Starker Einstand!

 

Veröffentlichungstermin: 25.10.2019

Spieldauer: 44:32

Produzent: Dan Swanö (EDGE OF SANITY, PAN-THY-MONIUM)

Mastering: Mika Jussila

Label: Napalm Records

Website: http://aephanemer.com/

AEPHANEMER „Prokopton“ Tracklist

1. Prokopton
2. The Sovereign (Video bei YouTube)
3. Dissonance Within
4. Snowblind
5. At Eternity´s Gate
6. Back Again
7. Bloodline (Video bei YouTube)
8. If I Should Die

 

Line Up
Lucie Woaye Hune– Bass
Martin Hamiche – Gitarren
Mickaël Bonnevialle – Drums
Marion Bascoul – Vocals, Gitarren

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.