A DYING PLANET: When The Skies Are Grey

A DYING PLANET kontrastieren klassische Elemente des Progressive Metal mit modernen Einflüssen. Das lässt sich auf “When The Skies Are Grey” nicht auf ein paar Referenzen reduzieren, gelingt aber dank routiniertem Songwriting auch dann, wenn die Band hartnäckig dem eingangs eingeschlagenen Weg folgt.

Man trifft sich immer zweimal im Leben. Mindestens. Denn die Tipton-Brüder kamen uns nach ihrer Zeit mit ZERO HOUR vor einigen Jahren schon mal unter, als sie mit dem Instrumental-Projekt ABNORMAL THOUGHT PATTERNS die Muskeln spielen ließen. A DYING PLANET setzt da schon andere Akzente: selbstredend progressiv, aber nicht nur um des technischen Aspekts Willen. „When The Skies Are Grey“ ist vielmehr ein Album, in das wir eintauchen möchten.

Die Atmosphäre ist die tragende Säule dieses Zweitwerks, welches sich seinen Arrangements auch mal bewusst hingibt – und darüber hinaus die Wiederholung als Stilmittel zu nutzen weiß, um das vorherrschende Feeling der Platte nach Hause zu tragen: nachdenklich, melancholisch, grübelnd und doch zu keiner Zeit wirklich resignierend.

A DYING PLANET lassen sich nicht so einfach auf ein paar Referenzen reduzieren

Das mag man in Teilen Sänger Paul Adrian Villarreal zuschreiben, dessen klare und durchdringende Stimme nicht nur den Titeltrack entscheidend mitprägt. Das warme und emotionale Organ des Frontmanns ist dabei gleichzeitig auch ein Gegengewicht zu den modernen Spielereien, die A DYING PLANET in ihr Songwriting einweben. Verschränktes Riffing und Djent-Einflüsse kontrastieren den eher traditionellen Gesang aber erstaunlicherweise richtig gut, zumal dank häufiger Breaks und Clean-Arrangements die Musik zu keiner Zeit überbordend wird.

Vielmehr öffnen sich dadurch Klanglandschaften, die dank des transparenten Mix auch erkundet werden können. Da treibt Drummer Marco Bicca aus dem Hintergrund das eigentlich ruhig-verträumte „Hope For Tomorrow“ zeitweise vor sich her, nachdem Bassist Brian Hart schon im Titeltrack den eigentlich zurückgenommenen Strophen ein verspieltes Profil verliehen hatte. Vielleicht könnte man die Nische, die das Quartett auf ihrem Zweitwerk besetzt, als eine modernisierte Schnittmenge aus DREAM THEATER und ANATHEMA umschreiben, aber ganz so einfach lassen sich A DYING PLANET nicht auf ein paar Referenzen reduzieren.

Durch routiniertes Songwriting überspielt “When The Skies Are Grey” selbst seinen größten Kritikpunkt

Nichtsdestotrotz prägt „When The Skies Are Grey“ eine gewisse Verletzlichkeit: Selbst das 15-minütige „Embrace“ ist mit Feingefühl arrangiert und wirkt mal schwach und zerbrechlich, mal selbstbewusst und fordernd. Diese Dynamik rettet dann auch die gesamte Platte vor ihrem größten Kritikpunkt: Große Abweichungen vom anfangs etablierten Fahrplan gibt es im weiteren Verlauf nicht. Ein paar lautere Ausbrüche sind eigentlich zu wenig, um uns nicht im Laufe der 53 Minuten an die Tagträumerei zu verlieren. Und doch: Selbst, wenn wir zwischendurch gedanklich abdriften, finden wir nach einigen Augenblicken problemlos wieder zu A DYING PLANET zurück.

Natürlich ist das kein Zufall, sondern auch auf die Erfahrung Jasun Tiptons zurückzuführen, der schon in der Vergangenheit durch seine Songwriting-Qualitäten bestechen konnte. Zugestanden, das geschah vielleicht nicht allein unter dem Banner von A DYING PLANET, an der Kernaussage ändert dieser Umstand jedoch nichts – wir begegnen uns hier ja schließlich nicht zum ersten Mal.

Veröffentlichungstermin: 17.09.2021

Spielzeit: 53:35

Line-Up

Paul Villarreal – Vocals
Jasun Tipton – Gitarre, Keyboard
Brian Hart – Bass
Marco Bicca – Drums

Produziert von Adair Daufembach (Mix und Mastering)

Label: Lifeforce

Homepage: https://adyingplanet.com/
Facebook: https://www.facebook.com/adyingplanet

A DYING PLANET “When The Skies Are Grey” Tracklist

  1. When the Skies Are Grey (Video bei YouTube)
  2. Honoring Your Name (Video bei YouTube)
  3. Hope for Tomorrow
  4. Embrace
  5. So Far from Home
  6. A Father’s Love