WACKEN OPEN AIR 2002 – Ein Blick voraus (Der Vorab-Festival-Nachbericht)

Alljährlich der gleiche Festivalstress: Wer den Überblick bei all den Reunions, Hard Unions und Special Appearances nicht verliert, dürfte auch mit Quantenphysik keine Probleme haben, allen anderen will vampster nun helfen. Ihr wisst nicht, ob es sich lohnen wird, nach Wacken zu fahren? Für euch haben wir uns zu einer Seance mit unserem Medium Graf Zahl zusammengefunden, um herauszufinden, wie Wacken wirklich werden wird! Im folgenden Artikel findet ihr, was wir beim Blick in die Zukunft an Highlights und Durchhängern, an Ewiggleichem und Kuriositäten bei Deutschlands größtem Metalfestival vorausgesehen haben. Zugleich können wir uns im Zeitalter der sich gegenseitig an Schnelligkeit, Wichtigkeit und Aktualität übertrumpfenden Onlinemagazine rühmen, definitiv als erstes Magazin vom W:O:A 2002 zu berichten… und nach der Kritik im letzten Jahr sind dieses Mal auch endlich garantiert alle Bands berücksichtigt 😉 . Let the show begin!

Alljährlich der gleiche Festivalstress: Wer den Überblick bei all den Reunions, Hard Unions und Special appearances nicht verliert, dürfte auch mit Quantenphysik keine Probleme haben, allen anderen will vampster nun helfen.
Ihr wisst nicht, ob es sich lohnen wird, nach Wacken zu fahren? Für euch haben wir uns zu einer Seance mit unserem Medium Graf Zahl zusammengefunden, um herauszufinden, wie Wacken wirklich werden wird! Im folgenden Artikel findet ihr, was wir beim Blick in die Zukunft so alles an Highlights und Durchhängern, an Ewiggleichem und Kuriositäten bei Deutschlands größtem Metalfestival vorausgesehen haben.
Zugleich können wir uns im Zeitalter der sich gegenseitig an Schnelligkeit, Wichtigkeit und Aktualität übertrumpfenden Onlinemagazine rühmen, definitiv als erstes Magazin vom W:O:A 2002 zu berichten..! Und nach der Kritik im letzten Jahr sind dieses Mal auch endlich garantiert alle Bands berücksichtigt und von jedem einzelnen vampster-Mitarbeiter gesehen und bewertet worden! 😉 . Let the show begin!

Gesprächsthema Numero Uno waren natürlich traditionsgemäß die Dixitoiletten, ihr Zustand sowie ihre Verteilung. Diesmal jedoch hatte man unter Hinzuziehung des RockHard-Erleichterungsexperten Buffo für Abhilfe bei der Notdurftnot gesorgt. Für das geringe zusätzliche Entgelt von 37€ bekam man ein blau-grünes Dixi-XXL-Megabändchen (mit extra silbernen Plastikspikes…), das einen in Verbindung mit einem grau-gelben 00-Coupon und der weiß-orangenen Plastikmünze zum Verschließen des Klohäuschens dazu berechtigte, eines von 666 stündlich gereinigten, mit Kotzgriff, selbstreinigender Brille und Duftspray ausgestatteten Luxus-Dixis zu benützen. Die 29.666 der 30.000 Zuschauer, die unverständlicherweise von diesem Angebot keinen Gebrauch machten bzw. hoffnungslos mit den schwarz-beige-karierten Pfandmärkchen für Gläser, den violett-rosanen Tellerpfandbuttons und den wenigen im Geldbeutel verbliebenen Euromünzen durcheinander kamen, waren ebenfalls mit sieben über die acht Campingplätze verteilten normalen Dixikabinen vollauf versorgt.

Der Securityproblematik war ebenfalls Tribut gezollt worden. Nach vielen Beschwerden hatte man keine in unordentlichen T-Shirts und Strubbelglatzen herumstreunenden Onkels genommen, sondern bei Hamburgs Innensenator Schill eine eigens für diesen Anlass aus der Taufe gehobene Wacken Task Force im schnieken dunkelblauen Kampfanzug und mit dem Ambiente entsprechenden metallischen Schlagstöcken in Auftrag gegeben. Und schon herrschte Zucht und Ordnung unter dem sonst pöbelnden und die arme Security immer nur unnötig provozierenden Metallerpack. Recht so!

Nach der qualvollen Enge im Jahr 2001 war es eines der Hauptziele, den anströmenden Zuschauermassen Herr zu werden. Erleichterung schafften schon die guten Vorsätze der geschätzten 32.123 Besucher des letzten Jahres, von denen immerhin sieben ihr Versprechen, sich Wacken fortan zu sparen, knallhart durchzogen.
Mittels ausgeklügelter Maßnahmen wie einem Campingplatzlabyrinth, in dem noch zwei Wochen nach Festivalende mehrere Dutzend Metaller auf dem Weg zur Warm-up-Show unterwegs waren, der unnachgiebigen Limitierung der ausgegebenen Tickets auf 70.000 – schließlich ist Wacken ein Festival von Fans für Fans und kein Goldesel – sowie der genauen Aussortierung bei den Akkreditierungen für Magazine, Radiosender und Labelfuzzis in „Official Wacken Supporters“ und „Hallo, Security, den Träger dieses ViP-Bändchens bitte genauestens auf Drogen, lange Haare und etwaige Wacken-feindliche Gesinnung prüfen!“ konnte die Drängelei auf dem Festivalgelände in Grenzen gehalten werden.

Minuspunkte gab es keine zu vermelden, schließlich steht bald unsere Akkreditierung für Wacken 2003 an! Und deshalb wollen wir ohne weitere Umschweife hineingehen ins Geschehen:

Donnerstag, 1.8.2002:

KOTIPELTO
Keine Ahnung, wer die Kerle mit dem komischen Namen waren (ich glaube vernommen zu haben, dass es sich um einen heißen Newcomer-Act aus Russland handelt), die da irgendwann am frühen Nachmittag auf der Bühne herumturnten, aber schlecht machten sie ihre Sache nicht. Melodischer Metal halt, der hier und da allerdings ein wenig zu offensichtlich nach STRATOVARIUS klang. Insbesondere der Sänger der Osteuropäer (?) bemühte sich redlich und teils gar nicht so erfolglos, es dem Frontmann der großen finnischen Vorbildern nachzutun, kam aber natürlich nicht ganz an die Klasse seines Idols heran. Trotzdem: vielversprechend. Mit einem vernünftigem Label im Rücken könnte aus denen auch hierzulande etwas werden… (Ilias)

BLAZE
Eine klassische Sackgasse, in der der ehemalige IRON MAIDEN-Fronter angelangt ist. Unfreiwillig – das macht das ganze tragisch. Bei MAIDEN rausgeflogen, ohne dass von Seiten der Beteiligten jemals so richtig klar wurde, warum (geniales Marketing by the way: Damals hieß es allerorts “Wir müssen fair sein und Blaze erst mal Zeit geben, das zu verarbeiten, deshalb wäre es jetzt und hier nicht fair, den Wechsel als erste zu kommentieren”…und hinterher wurde das dann alles sauber unter den Tisch gekehrt). Dass Blaze Bayley nie ein begnadeter Sänger war, ist längst bekannt. Dass er sich redlich müht und vor allem live ein Fels in der tobenden Brandung ist, ebenfalls. Die beiden seit seinem Rauswurf bei MAIDEN bislang erschienenen Solo-Alben sind okay, aber das war’s dann auch. Live in Wacken kommt das Material durchaus druckvoll, doch die Show ist nicht wirklich mitreißend. Höhepunkt des Auftritts sind erwartungsgemäß die MAIDEN-Single “Man On The Edge” – ein prima Fistbanger gegen das kleine Lüftchen, das zu dieser Stunde über den staubigen Platz weht – und die zusammen mit Kai Hansen intonierte HELLOWEEN-Granate „I Want Out“. Und Blaze? Er wird sich weiter mit mäßigem Erfolg mühen, und wenn er nicht gestorben ist…(gnadiator)

DORO
Blicken wir den Fakten ins Auge: Auch in zehn Jahren wird Dorothee Pesch noch immer in knappen Lederkostümen vor irgendwelchen geschmacklos-vollkitschigen Fantasy-Backdrops den hektischen Hampel machen. Und ihr Programm trotz zahlreicher Soloplatten vorwiegend mit alten WARLOCK-Gassenhauern bestreiten. Überraschungen bleiben somit auch beim x-ten Auftritt von DORO auf Bauer Jansens Acker hoch droben im Norden aus: Mit “Hellbound” und “Burning The Witches” aus alten Tagen gelingt der Sängerin und ihrer engagiert aufspielenden Band ein Einstieg nach Maß, spätestens mit dem ersten Stampfer von den durchwegs banalen Soloalben ist die Aufmerksamkeit dann aber auch schon wieder dahin. Der Rest ist wie immer: “I Rule The Ruins”, “All We Are” und das völlig totgenudelte “Für Immer” (alles alte WARLOCK-Songs) sind Lichtblicke in einem Set voller Banalität und Mittelmaß. Hinzu kommt, dass DORO heute nicht wirklich gut singt, dafür post und bängt ihr baumlanger Bassist einmal mehr wie von der Tarantel gestochen und bietet im Duo mit seiner gewohnt engagiert aufrockenden Chefin optisch ein cooles Bild. Der Rausschmeißer ist noch mal ein alter Klassiker: „White Wedding“ von BILLY IDOL. Naja … (gnadiator)

ROSE TATTOO
Ach, die schon wieder… (Ilias)

Freitag, 2.8.2002

STORMWARRIOR
Die Hamburger Truenessrocker mit dem Lokalkolorit vermittelnden Namen (zu deutsch: Sturmflutwarnung) legten Kompromisslosigkeit und Härte an den Tag. So musste jeder, der näher als 50 Meter an die Bühne rankommen wollte, erst einmal einen 50 Fragen enthaltenden Wissenstest zum Thema Metal beantworten, bevor er in den Inner Circle of Metal eintreten durfte. Schön, dass es sowas in unserer ansonsten mitterweile so aufgeweichten und von Posern und Hiphopkids überfluteten Szene noch gibt! Aus der Distanz von 51 Metern zu urteilen, ließen die Jungs nichts anbrennen und spielten viele Songs ihrer Erfolgsalben „Gates to Purgatory“, „Under Jolly Roger“ und „Port Royal“, was von den 17 Erlesenen, die den Test of Metal bestanden hatten, frenetisch bejubelt wurde. Abschließend kam Kai Hansen – mit einer Sonderausnahmegenehmigung, da er bei Frage 37 („Wie hieß das auf der ersten HELLOWEEN besungene Monster?“) ins Stocken geraten war – zu STORMWARRIOR auf die Bühne, um mit ihnen und RUNNING WILD-Drummer Angelo Sasso (von einer 20x20cm großen Papierserviette vor zu neugierigen Blicken derer, die ihm nach wie vor unterstellen, ein Drumcomputer zu sein, versteckt) „Gorgar“ anzustimmen. (Rachendrachen)

KING DIAMOND
AVALANCH mussten das diesjährige WOA leider absagen, da der Albino-Hamster des Gitarristen unerwartet an einer nicht heilbaren Krankheit litt und der gute Mann verständlicherweise die letzten Stunden mit seinem kleinen Freund gemeinsam verbringen wollte. Recht schnell war KING DIAMOND als adäquater Ersatz gefunden, dessen vier Vierzigtonner-Lkws mit dem gesamten Equipment auch noch rechtzeitig eintrafen. Schade nur, dass die ganzen hiermit verbundenen Mühen gerade mal für den Arsch waren, Denn der King zeigte auf dem WOA einmal mehr alle Facetten seines kläglichen “Könnens”. Schon bei seinem ersten Begrüßungsquieken war im Publikum gemeinsames Gesichterverzerren angesagt, und in den ersten Reihen sah man schon Leute Geld sammeln, damit sich der arme Kerl endlich mal ein paar frische Eier kaufen kann. Nach wie vor angepinselt, als käme er gerade aus der Kinderschminkecke vom nahegelegenen Stadtfest, stolperte der King über die Bühne und wirkte dabei wie ein heruntergekommener Penner, der das Publikum um ein paar Groschen anschnorren wollte. Nicht ganz so schauderlich wirkte dabei Kings alter Weggefährte Andy LaRocque, der wohl vor vielen Jahren einen Knebelvertrag mit dem Dänenkönig unterzeichnet haben muss, anders kann ich mir nicht vorstellen, wie der Typ immer noch den Gestank (ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass King Diamond nach Rosenblüten duftet) seines Herrn und Gebieters erträgt. Und dennoch, auch für ihn gilt angesichts der verhunzten Soli: ab ins Altersheim! Ich glaube, dass auch fast jeder Trick der jämmerlichen Jahrmarktshow in die Hosen ging, brauche ich nicht groß erwähnen. Die Omadarstellerin, die nur knapp dank der vorgewarnten Security ihrem Schicksal entging, mitsamt Rollstuhl die Bühne runterzukippen, tat einem dabei ja sogar noch leid. Doch als der King dann aufgrund eines klemmenden Scharniers erst mit Hammer und Meißel durch die Roadies aus dem brennenden Sarg befreit werden konnte, waren sich alle Zuschauer einig: Gegönnt sei ihm jede einzelne Brandblase für diesen Auftritt!!! (Fierce)

VOMITORY
Leider verpasste ich den Auftritt der Rüpelrülpser, da ich mich im Auftrittsort getäuscht hatte und mit meinen 37 Bifis, 13 Halben und diversen Gummibärchensorten im Magen vergebens darauf wartete, dass VOMITORY im dritten Dixi von rechts aufkreuzen würden. War trotzdem gut, dass ich dort war…(Rachendrachen)

DORNENREICH
Kunst! Jawoll, das war Kunst! Auch wenn es all die grinsenden Dumpfbanausen an ihren Bierzapfsäulen nicht wahrhaben wollten, DORNENREICH waren und sind KUNST! Wundervoll, poetisch, einzigartig, schlichtweg mächtig und über alles Irdische erhaben, was Eviga und Valnes und ein namenloser Drummer da – leider viel zu früh – von der Black Stage an prachtvoll schimmernden Perlen unter die Säue warfen. „Innerwille ist mein Docht“ war das erste dieser funkelnden Kleinode, gefolgt von „Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz“ und „Federstrich in Grabesnähe“. Die rund 37 Eingeweihten, die sich von dem grobschlächtigen Umfeld nicht stören ließen und staunend vor der Bühne verharrten, wagten kaum zu atmen, derart intensiv war der lyrische Vortrag der Österreicher. Und DORNENREICH dankten ihnen ihre Hingabe in stummschmerzender Verbundenheit: Sie lüfteten den Schleier der Zukunft und gewährten erstmals einen Blick auf jenes ebenso fragile wie monolithisch-gewaltige Epos, das ihren ersten drei Veröffentlichungen bald folgen und als Meilenstein vertonten Nachsinnens dereinst in die Geschichte eingehen wird. Ja, sie taten es: Sie spielten drei Auszüge ihres kommenden Albums „Herbstträumend schritt der Tod ins Tal“, eine, und das darf man ob jenes live uraufgeführten Vorgeschmacks ohne Frag’ und Zweifel jetzt schon konstatieren, einzigartige Elegie auf die innere Nacht des Menschen, in der er auf der Suche nach dem Quell der Liebe ebenso wie dem des Leids (die natürlich, sind wir doch alle, im Großen wie im Kleinen, Geschöpfe der Polarität, letztlich eins sind) umherirrt, um im Spiegel seine Seele schließlich sein eigenes Ich zu entdecken und einzugehen in das Licht, dessen Schatten ihn auf der Suche nach ewiger Wahrheit verschluckt. „Sinnend Geister rief die Nacht“, im Flüstergesang vorgetragen, ließ alle andächtig Lauschenden bis ins Mark erschauern. Schier unglaublich, wie das folgende „Golden erlischt der Herbst“ anschließend die Intensität dank gekonnt kontrapunktischer Kadenzen zwischen Harmonie und Disharmonie noch zu steigern wusste. „Nebelbänke atmen leise Leben“ entließ die kleine Menge schließlich wieder in die raue Festivalumgebung, die in all ihrer rüden Grobschlächtigkeit nun entsetzlich uneinladend wirkte. Und noch lange sah man die ein oder andere empfindsame Seele zusammengekauert am Geländerand sitzen und immer wieder schluchzend und seufzend diesem einzigartigen Vortrag nachfühlen…(Ilias)

DOMINE
(An den Freischalter: Bitte überprüfen, ob ich dieses Bandfoto richtig zugeordnet habe, ich bin mir nicht so ganz sicher!! Außerdem habe ich keinen Bock mehr auf Festival-Berichte, das Bericht schreiben ist ein riesiger Scheiß!! Viel lieber hänge ich doch Backstage bei den wichtigen Leuten rum! Nächstes Jahr schreibt das mal jemand anders!!! Und vergesst nicht, diesen Kommentar vor dem Freischalten rauszumachen!!)Ganz ehrlich: Ich kann sie nicht mehr sehen, diese ganzen melodischen Power Metal-Bands, die sich da in Südeuropa, genauer gesagt in Italien zusammengerottet haben, um mit ihrem pseudosymphonischen, pseudometallischen, gänzlich gesichtslosem pseudoHELLOWEENschem Schmuh den Rest des Kontinents mit Heulen und Zähneklappern zu überziehen. Aber: Es gibt Ausnahmen im Heer der Langeweiler. Und DOMINE gehören fraglos zu ihnen. Zu ausgefeilt ihre Arrangements, zu virtuos ihr Vortrag, zu prägnant ihr Songwriting, als dass man sie in einen Topf mit all den anderen identitätslosen Plärrern ihrer Heimat werfen könnte. Nein, DOMINE ragen gloriös aus der anonymen Masse hervor und belegten auch in Wacken, dass sie zu den wenigen italienischen Metal-Bands mit eigenem Profil zählen. Schon der Einstieg ließ keinen Zweifel aufkommen, dass hier echte Originale am Werk waren: Nach einem sensationellen Intro mit klassisch-symphonischen Klängen brachte “Lady Lost In Space” vom 98er Debüt “Razorblade Goddess” die Massen gleich gewaltig in Wallung, während der Bandklassiker “Eagle Fly Out” noch eins drauflegte und “Wings Of Honor”, “Valley Of Lords”, “Hunting Low And High” und “Legacy Of Knights” der Stimmung alles andere als einen Abbruch taten. Anschließend folgt eine handfeste Überraschung: Die Triade “Emerald Sword Of Kings – Symphony Of A Long Forgotten Kingdom Of Magic Pt. I”, “Wingrider Of Eternal Glory – Symphony Of A Long Forgotten Kingdom Of Magic Pt. II” und “A Golden Hero’s Tale – Symphony Of A Long Forgotten Kingdom Of Magic Pt. III” gibt einen Ausblick auf das kommende Epos der Jungs vom Stiefel, das, wie Songwriter Lucas Thörsen-Trullhansen in einem exklusiven Gespräch im Backstage-Bereich verriet, der Beginn eines in dieser Form noch nie dagewesenen, ungemein komplexen fünfteiligen Fantasy-Konzeptzyklus sein wird, der übrigens sensationellerweise auch als Buch, Zeichentrickfilm, Computerspiel und Überraschungsei-Sammelfigurenkabinett umgesetzt werden soll… (Ilias)

WOLF
(An den Freischalter: siehe oben! Mir reicht’s!!!) Nachdem Bruce Dickinson auf diesem Festival ja ohne die Band zu sehen war, durch die er sich sein Fliegerhobby leisten kann, sollten sich WOLF für die notwendige Portion MAIDEN auf diesem Festival verantwortlich zeichnen. Dabei wirkten die jungen Schweden rein äußerlich fast schon mehr wie eine Alternativeband, denn als Metalact, und dennoch spürte man deutlich, dass das Blut in ihren Adern mit reichlich Eisen angereichert ist. WOLF dürften sich bei ihrem Auftritt jedenfalls eine Menge neue Fans erspielt haben und mit am meisten vom diesjährigen Wacken profitieren. Denn wer mit so viel Spaß an einen Auftritt rangeht, der kann eigentlich nur gewinnen. Klasse Songs wie etwa “Moonlight”, “In the Shadow of Steel” oder “I Am the Devil” sind auch live ein echtes Metalbrett, und Sänger Nick Olsson ist auch trotz einiger stimmlicher Unsicherheiten ein Frontmann, dem diese Aufgabe bereits in die Wiege gelegt wurde. Mit seinen hohen Screams brachte er die Metalmeute zum Kochen, absolutes Ausrasten war aber so richtig mit der eigenwilligen SLAYER-Coverversion “Die by the Sword”” sowie der von Kai Hansen mitintonierten Version von „I Want Out“ angesagt. Jetzt muss das richtige Album folgen, und WOLF könnte der große Durchbruch gelingen. (Fierce)

IRON SAVIOR
Endlich konnte es mit dem Auftritt der innovativen Powermetalheroen von IRON SAVIOR losgehen, nachdem die Organisatoren Sänger und Gitarrist Piet Sielck mit Mühe davon überzeugen konnten, dass er sehr wohl der Headliner auf der True Metal Stage am Freitag sei, während ANGRA, PRETTY MAIDS, SAVATAGE, BRUCE DICKINSON, JBO und WARLORD lediglich für einen gemütlichen Ausklang sorgen sollten. Leider war es noch hellster Mittag, so dass Piets Bemühungen beim Lichtmenschen, den zuvor aufspielenden Bands weniger Lampen zur Verfügung zu stellen, für keinen großen Unterschied sorgte. Doch das wackere Nordlicht strahlte auch so auf der Bühne die Lässigkeit und Coolness aus, die ihn von zweitklassigen Ententrainern wie Ozzy Osbourne, Brian Johnson und dem erwähnten Bruce Dickinson abheben. Endlich einer, der der Szene seine geballte Professionalität und sein Genius zur Verfügung stellt! Neben ihm fiel da selbst Kai Hansen, zu einer flotten Version von „I Want Out“ auf die Bühne zu seinen ehemaligen Kollegen gekommen, kaum auf. (Rachendrachen)

REBELLION
Beeindruckend, geradezu einzigartig und dem epochalen Debüt „A Tragedy In Steel: Shakespeare’s Macbeth“ voll und ganz angemessen, war das, was der Quasi-GRAVE DIGGER-Ableger REBELLION auf der Bühne bot. Schon das Intro geriet pompös: Ein großer Schädel prangte, von Nebelschwaden umrankt, auf einem Mikrophonständer und murmelte mit Grabesstimme: „To play or not to play – this is the question…“. Als die etwas begriffsstutzige Masse nicht gleich reagierte, wiederholte der knöcheren Geselle die Frage. Doch erst nach dem dritten Mal hatten es endlich alle kapiert und brüllten unisono: „TO PLAY!!!“ Daraufhin ließen sich die Jungs um ex-Grabschaufel Uwe Lullis nicht länger bitten und enterten die Bühne. Was folgte, war eine gute dreiviertel Stunde geschichtsträchtiger Shakespeare-Metal vom Feinsten. Der Clou des Ganzen: Vom hinteren Bühnenrand schob sich ein großer hölzerner Kasten nach vorne, der nach den ersten treibenden Riffs nach außen aufschwang und sich als astreines Kasperletheater entpuppte. Und da waren sie alle als putzige kleine (wenn auch etwas langnasig geratene) Handpuppen: Macbeth, die drei Hexen, Banquo, Macduff… Kaum legte Sänger Mike Seifert los, begann auch schon die Show. Höchst spannend setzten die Damen und Herren hinter den Miniatur-Kulissen das dramatische Geschehen der Songs in Szene, und das Publikum fieberte von der ersten bis zur letzten Sekunde mit. Kollektives Atemanhalten, als ein fieses Krokodil plötzlich hinterrücks auf Macbeth losgeht und dieser in letzter Sekunde von königlichen Reitern (einfach süß, diese kleinen Handpuppenponys!!!) gerettet und zum Than erkoren wird. Ein Schrei des Schreckens, als der inzwischen ziemlich fiese Mac seine Spießgesellen auf den tapferen Banquo hetzt und diese dem armen Kerl unerwartet eins mit der Rute auf die hölzerne Birne geben. Und schließlich frenetischer Jubel, als Macduff, ein echter Warrior of blood and steel, den miesen Frauen- und Kindermetzler endlich alles heimzahlt, ihn kräftig am Schlafittchen packt und die erschlaffte Schurken-Handpuppe in die ewigen Jagdgründe respektive in den Fotograben befördert. Was eine Show!!! Selbst der am Bühnenrand auf seinen Einsatz wartende Kai Hansen vergaß dabei glatt, dass er eigentlich für eine „I Want Out“-Version eingeplant war. (Ilias)

JUSTICE
So eine Menschenmenge hat das Wacken-Festival in den ganzen Jahren zuvor morgens um zehn Uhr noch nicht gesehen. JUSTICE baten zum Tanz und schon einige tausend Metalfans (davon 90% mit JUSTICE-Shirts, Longsleeves, Kappen und Bermudas) standen erwartungsvoll vor der Bühne und freuten sich auf die Klassiker die sie in den kommenden Minuten hören würden. Mitch (im JUSTICE-Shirt) betrat die Bühne, schrie ein fröhlich-fränkisches „Gut Morgn“ in die Menge und los ging´s mit „Highschool Death“ und „Rotten To The Core“ (leider kein OVERKILL-Cover), also zwei Songs ihrer kürzlich veröffentlichten und nur mit eigenen Songs versehenen CD „The Hammer Of Justice“. Ging kräftig nach vorne los, und vor allem Drummer Ramy (in JUSTICE-Bermudas) gab hinter seinem Drumkit mächtig Gas. Dann die folgenschweren Begrüßungsworte von Mitch „Wir san JUSTICE aus Frankn und wern heut nur Lieder unserer eigenen CD spieln“. Das hätte er lieber nicht sagen sollen, denn kurze Zeit später flogen JUSTICE-Kaffeetassen, -Schuhe, -Pappbecher und sämtliche Gegenstände, die nicht befestigt waren, Richtung Bühne. Das Wacken-Festival 2002 hatte seinen ersten Skandal. Die Musiker verzogen sich zur Beratung hinter die Bühne…Wenige Minuten später kam Mitch zurück, brüllte ein „Wollt Ihr SLAYER hörn?“ in die Menge, welches diese mit einem lauten „Ja“ beantwortete, und „Reign In Blood“ folgte. Die verärgert auf den Zeltplatz laufenden Fans rannten zurück zur Bühne, um nicht noch „South Of Heaven“, „Cowboys From Hell“ und „Fear Of The Dark“ zu verpassen. Beim letzten Stück wurden morgens um halb elf Feuerzeuge und Wunderkerzen gezündet. Die Band wurde regelrecht abgefeiert, und von der guten Stimmung, welche die Band verbreitete, konnte das Festival noch den ganzen Tag zehren. Die wenigen ohne Merchandising der Band liefen zum Shirtstand, um sich, wie es sich für einen wahren Fan der Band gehört, gebührend einzudecken. JUSTICE haben mal wieder richtig Arsch getreten und müssen halt damit leben, eine Coverband zu sein. Einmal Coverband, immer Coverband eben. Hoffentlich hat diesen Auftritt auch Horst Odermatt vom Heavy, Oder Was!? gesehen, damit er, falls er mal wieder eine Coverband für sein eigenes Festival buchen will, weiß, was er zu tun hat…(frank)

SOLITUDE AETURNUS
Wirklich schade auf dem WOA war, dass auch DEBRIS INC. ihren Auftritt nicht bestreiten konnten, da die Jungs noch ca. 3 km vor dem Festivalgelände im Zuschauerstau standen. Also sprachen die Veranstalter kurz John Perez und seine Mannen im Backstagebereich an, ob diese nicht schnell einspringen könnten, was diese in ihrem volltrunkenen Zustand leichtsinnigerweise auch noch zusagten. Und so wurden wir Zeuge eines weiteren traurigen Kapitels in der WOA-Geschichte. Und jetzt bin ich mir sicher: der einzige Grund, warum das neue SOLITUDE AETURNUS-Album noch nicht draußen ist, ist, dass die Musiker einfach absolut faule Säcke sind. Diese Band ist sogar zu faul zum Proben, und dementsprechend verpatzten SOLITUDE AETURNUS wirklich jeden (!) Einsatz. Dass die Jungs in ihrem Suff jeden Song etwa halb so schnell spielten wie auf Platte, hätte ja eigentlich noch eine interessante Sache werden können. Wenn sich aber dann nicht mal zwei Musiker auf ein Tempo (darf man dieses Wort im Zusammenhang mit Doommetal überhaupt benutzen???) einigen können, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Der inzwischen kahlköpfige Rob Lowe brachte eine Darbietung, gegen die Ville Laihallas Gesang bei “House of the Rising Sun” höchste Gesangskunst darstellt. Und auch sein einst so mystisch wirkendes Augenverdrehen war durch die Unkontrolliertheit der Bewegungen (welches Auge schaut jetzt wohin?) einfach nur lächerlich. Seinen Höhepunkt fand das Ganze, als Schlagzeuger John Covington auf seine Snare erbrach, davon aber nichts mitbekam und seine ehemalige Mahlzeit munter im Umkreis von drei Metern verteilte –widerlich. Götter sind also doch sterblich. (Fierce)


Abbildung Nr. 1: Die Füllstand-Statistik der Bierbecher auf dem WOA2002

ANGRA
Die Brasilianer erwischten mit “Nova Era” von ihrem letzten Longplayer “Rebirth” einen guten Einstieg. Weiter ging es dann gleich mit “Metal Icarus” und “The Shaman”. Dann stand auf einmal ein weiterer Gitarrist auf der Bühne, der sich bei näherem Hinsehen als Kai Hansen von GAMMA RAY entpuppte! Der Special Guest spielte mit der Band eine spontane Version von “I Want Out”, bei der besonders die Percussioneinlage im Mittelteil im Publikum für wahre Begeisterungsstürme sorgte. Nach zwei Stücken neueren Datums gab es schließlich noch “Nothing To Say” und das beinahe unvermeidliche “Carry On”, nach dem Kiko Loureiro dann für die nächste Überraschung sorgte, indem er für das Wacken Open Air 2003 eine einmalige Reunionsshow mit Andre Matos ankündigte. Na sowas! (Jutze)

WITHERING SURFACE
Nach einem finsteren Intro (Insider meinten, in den Rückwärtsbotschaften Worte wie „dörberöms“ und „neleips sinnet llos hcirlu sral“ herausgehört zu haben…) legten die Melodicdeather von WITHERING SURFACE los. Besonders erwähnenswert: das von den Massen vor den Dixiklos geradezu manisch mitgesungene „Toilet Turning“, das wiederum auf der Setlist falsch als „Joyless Journey“ ausgewiesen war. (Rachendrachen)

DYING FETUS
Eine hervorragende Melodicmetal-Show, bei der endlich auch die älteren Semester auf ihre Kosten kamen! Das versicherte mir zumindest der zuvorkommende Kollege, der mir damit aus der Patsche half, nachdem ich beim Auftritt von DYING FETUS leider gerade Tom Angelripper beim Warmtrinken für seine Show am Tag darauf helfen musste. (Rachendrachen)

NOCTURNAL RITES
Gehen Sie in den Beichtstuhl. Gehen Sie direkt dorthin, gehen Sie nicht am Bierstand vorbei, ziehen Sie keine 4000 Euro ein. Ich sag’s, wie’s ist – gerade heraus und ohne Schummeleien: Ich habe mich backstage mit Stephan Treu von True Music Promotion und J. D. von SOULDOCTOR ganz schrecklich verquatscht und im Zuge umfassender Diskussionen (u. a. über Rob Halford und seine Rolle als selbsternannter „Metal God“ sowie das Wirken von Schlagzeuger Dean Castronova bei den in den USA gedroppten JOURNEY) den Auftritt von NOCTURNAL RITES komplett verpasst. Sorry, sorry, sorry. Kommt nicht wieder vor. (grummelnator)

FLESHCRAWL
…hätte ich gerne gesehen, wenn ich da nicht gerade mit Kollegen und einem Promoter eine Partie Golf auf dem Zeltplatz gespielt hätte. An dieser Stelle nochmal ein fettes „Fuck You!“ an den miesen Zeltbesitzer, der sich weigerte, sein 18-Mann-Zelt um nur wenige Meter zu verrücken, um mir die Gelegenheit zum freien Ausholen und einem Birdie zu geben. Arrogantes Pack! Und nach dem Warmtrinken mit Onkel Tom war es eh nicht mehr so leicht, den Golfball unter Kontrolle zu bekommen… (Rachendrachen)

PRETTY MAIDS
Auch so eine Band, deren Glanztaten weit zurückliegen, die jedoch nach wie vor jedes Jahr tapfer ein neues Album auf den überfüllten Markt wirft, von dem uns die Plattenfirma weismachen will, es sei endlich der legitime und langersehnte Nachfolger der Klassiker “Red Hot & Heavy” und “Future World”. So bleibt bis auf einen Song von der 83’er-Debüt-EP, dessen Titel mir gerade partout nicht einfallen will, auch der Auftritt der PRETTY MAIDS auf dem W.O.A. 2002 ohne nennenswerte Überraschungen. Ronny Atkins, Ken Hammer & Co. bieten ein blitzsauberen Querschnitt durch die nunmehr über 20-jährige Schaffensgeschichte der Dänen, die – natürlich – mit “Red, Hot & Heavy” in die Verlängerung geht. Solide, aber eigentlich überflüssig. (gnadiator)

LOCK UP
Hyperaktivist Tomas Tompa Lindberg, Jesse Pintado, Drum-Animal Nicholas Nick Barker und Shane “die Frisur” Embury legten Wacken in Schutt und Asche. Wüstester Grind-Death Metal, ohne Pause zum Luftholen, ohne Kompromisse, ohne Gnade. Dankbar aufgenommen vom Publikum, das von ersten Song an ausrastete. Und als ob nicht genug Stars auf der Bühne gestanden hätten, kam auch noch Workaholik Peter Tägtgren bei einem Song auf die Bühne. Dabei sorgte er für unfreiwillige Lacher, als sich einer seiner Augenringe im Mikroständer verfing und er zu Boden gerissen wurde. Von dieser kleinen Panne ließ sich der arbeitswütige Schwede aber nicht aufhalten, sondern brüllte einfach im Liegen seinen Song. (vampiria)

ALABAMA THUNDERPUSSY
ALABAMA THUNDERPUSSY hatten sich dermaßen mit Jever zugedröhnt, dass sie ihren Set ausschließlich mit einer ausgedehnten Version ihres Countrysongs „Amounts That Count“ bestritten. Country ist aber untrue, weswegen ich ganz schnell weggerannt bin. Das war nochmal knapp gewesen! (Rachendrachen)

BORKNAGAR
Oystein G. Brun, seines Zeichens Mastermind von BORKNAGAR und Perfektionist, wollte kein Risiko eingehen und verzichtete auf unberechenbare Leistungen minderwertiger, unzuverlässiger Gastmusiker wie den Hobbytrommler Asgeir Mickelson (SPIRAL ARCHITECT) und den Freizeitjodler Vintersorg, um den Mischer dafür einfach die perfekt abgemischt, wundervoll exakt aufgenommene CD-Fassung von „Empiricism“ durch die PA-Boxen jagen zu lassen. Ehrfurcht einflößend perfekt, wie diese CD abgespielt wurde! (Rachendrachen)

DIMPLE MINDS
Es gibt Reunions, die sind einfach nur überflüssig. Nicht so das der legendären Straßenrocker DIMPLE MINDS, die irgendwann in den späten Achtzigern viel zu früh und nach viel zu wenigen und damals sträflich unterbewerteten Alben in der Versenkung sind. Erst heute, ein langes Jahrzehnt später, dämmert der Musikszene langsam, was für ein strahlendes Juwel da im Untergrund vor sich hindämmern musste. Ja, die DIMPLE MINDS sind Kult! Kein Widerspruch! Und sie hätten es verdammt noch mal verdient, den Headliner zu machen! Wenn es im Business noch so etwas wie Gerechtigkeit gibt, wird diese revolutionäre Band im neuen Millennium endlich so groß wie ihr musikalisches Potential. Leider aber fanden sich nur wenige wahre Szene-Kenner vor der Bühne ein, während sich das ignorante Gros an Essensständen und Black Stage mit irgendwelchen (w)armen Würstchen vergnügte und eine Sternstunde wahrer Männermusik verpasste! Höhepunkte des Auftritts: Die Gewerkschaftshymne “Blau auf´m Bau”, sozialkritisches Manifest einer Zeit, in der harte Musik noch etwas zu sagen hatte. Ja, verdammt, die DIMPLE MINDS sind Botschafter! Und sie werden gehört werden! Wenn nicht 2002, dann eben 2005. Oder 2010. Scheißegal! Solange es nur Wacken gibt, werden sie wiederkehren. Alle. Auch die DIMPLE MINDS. Und irgendwann ist die Zeit reif für das sympathische Quartett. Oder waren´s fünf? Keine Ahnung, so ergriffen war ich von dem Jahrhundertereignis… (Ilias)

SAVATAGE
SAVATAGE zogen auf dem WOA wieder einmal alle Register und entsprechend zündeten die Jungs um den sympathischen Koloss Jon Oliva ein Feuerwerk, dass es eine wahre Freude war. “Neuzugang” Jiniya scheint nun endgültig fest in das Bandgefüge integriert zu sein und fegte über die Bühne wie ein Derwisch. Ja, dieser Mann reiht sich definitiv in die Reihe großartiger Frontmänner der Band ein. Alte Songs bringt er stellenweise original wie auf Platte, gleichzeitig weiß er aber immer genau, wann es Zeit ist, den Gesangslinien eine eigene Note zu verleihen. Einfach geil! Aber die Musiker machen es ihrem Sänger ja auch leicht, sich sicher auf der Bühne bewegen zu können. Ja, wenn man überhaupt irgendwann von einer festen Bandeinheit sprechen kann, dann sicherlich von SAVATAGE. Jeder einzelne Musiker ist für sich selbst ein Erlebnis, als Einheit ist die Truppe dann unschlagbar. Und SAVATAGE agieren mit einer solchen Spielfreude, dass sich diese unweigerlich auf die Fans überträgt. Und so wurden Songs wie “Hall of the Mountain King”, “Strange Wings”, “Morphine Child” oder “Jesus Saves” auch begeistert abgefeiert, spätestens bei “Chance” gab es aber für niemanden mehr ein Halten. Gemeinsames Ausrasten war angesagt und nach dem perfekt intonierten mehrstimmigen Gesang im Mittelteil glich es einer Explosion, als tausende Menschen “Chance” sangen. Wow. Dem konnte eigentlich nur noch Jon Oliva eins draufsetzen, als er die ersten Zeilen von “Gutter Ballet” anstimmte. Yeah! Und als nach einer starken Stunde Spielzeit und der Zugabe “Believe” viel zu früh Schluss war, sah man strahlende Gesichter, wohin man blickte. Diese Band kann einfach nicht enttäuschen. (Fierce)

HEAVENLY
HEAVENLY mussten sich schon seit jeher dem Vorwurf, ein reiner HELLOWEEN-Klon zu sein, aussetzen, und wirklich davon lösen konnten sich die Franzosen auch auf dem WOA nicht. Dazu sind Songs wie “Sign of the Winner”, “Coming from the Sky” oder “Fairytale” auch schlicht zu sehr am Sound der deutschen Metalinstitution angelehnt. Dies tat der Stimmung im Publikum aber keinen Abbruch. HEAVENLY zeigten, dass sie nichts zu verlieren hatten und boten eine solide Show. Vor allem Sänger Ben hatte die Fans von Anfang an fest im Griff, und durch die Eingängigkeit der Songs konnte sich die Band auch sicher sein, dass die Refrains lauthals mitgesungen wurden. Gute Vorstellung, gekrönt von einer Hommage an ihre Vorbilder – „I Want Out“ mit ihrem Idol Kai Hansen an der Leadgitarre. (Fierce)

MEGAHERZ
Leider lag’ ich zum Zeitpunkt des Auftritts der Megaherzen megamäßig zugedröhnt und mit einer Megaflasche Waldmeisterbier irgendwo im Backstagebereich herum. Muss aber megagut gewesen sein, der Auftritt. Hat man mir erzählt… (Ilias)

DESTRUCTION
Yessssss… the butcher strikes back again! Und wie! DESTRUCTION und ihre Frontkoryphäe Schmier haben ja seit ihrem Reunion-Auftritt beim BANG YOUR HEAD!!! 2000 ausgiebigst gezeigt, wo das Schlachtbeil hängt, und auch in Wacken ließen sie sich einmal mehr nicht lumpen. Das Publikum war ohnehin auf ihrer Seite: Sobald Schmier und seine Mannen die Bühne enterten, hatten sie im Grunde schon gewonnen. Die drei Zerstörer ließen dennoch nichts anbrennen und metzgerten sich formidabelst durch alte Klassiker und neue Brecher ihrer zwei Reunion-Langeisen. Für die Sondereinlage mit den fliegenden Pizzen (leider mit Anchovis – buääh…), die plötzlich von der Bühnenseite ins Publikum geschleudert wurden, gab´s nochmal Sympathiepluspunkte seitens der jubelnden Meute – kein Wunder bei den Futterpreisen vor Ort. Überhaupt gaben sich die drei einmal mehr fannah wie eh und je. Klare Sache also auch, dass der gute Schmier für sein Publikum mal wieder ein paar besonders prächtige Kontaktlinsen angelegt hatte: Biergelb mit rosa Pupille leuchteten die strahlenden Äuglein, mit denen Mr. Patronengurt zwei Stunden später in bester Laune durch´s Wackenvolk stapfte und jede Menge Lob und Schulterklopfen einheimste – für die musikalische Darbietung ebenso wie für sein kulinarisches Können. Fazit: Für DESTRUCTION lief der Tag wie ge-schmiert, höhöhö… (Ilias)

BRUCE DICKINSON
Es ist schön, Bruce Dickinson endlich mal wieder mit seiner Soloprojektband live erleben zu dürfen. Denn auch wenn sich eine riesige Fanmeute vor der Bühne einfand, strahlt ein Dickinsongig auch auf einem derart großen Festival die Atmosphäre einer Clubshow aus.
Keine großen Gesten, kein aufwändiges Bühnenoutfit – it´s the music that matters. Und die wirkt auch live so intensiv und persönlich wie auf seinen Alben, wobei Mr. Metalvoice wie erwartet in erster Linie auf die Songs des Erfolgsalbums “The Chemical Wedding” zurück griff. Unterstützt von einer hervorragend eingespielten Instrumentalfaktion schmetterte Dickinson mit “Chemical Wedding”, “Killing Floor”, “Jerusalem”, und wie seine großartigen Songs alle heißen, einen Kracher nach dem anderen ins Publikum, und dieses wusste das mit begeistertem Applaus auch zu würdigen. Seinen Abschluss fand dieser O(h)rgasmus mit einer mitreißenden Version von “Tears of a Dragon”, die keinen im Publikum unberührt ließ. Ob mit oder ohne MAIDEN, Dickinson ist eine Klasse für sich. (Fierce)

EISREGEN
Den vermeintlichen Kultstatus dieser morbiden Formation kapiert auch kein Mensch. Doch wie alles in Wacken, so werden auch Eisregen aus Thüringen nach Kräften abgefeiert. Vor allem die Songs vom “Leichenlager”-Album ziehen an diesem frühen Freitag Abend vor der Wet Stage. Das letzte Lied ist ein Szenehit, wie mir mein dürrer bleicher Nachbar im Naglfar(die Deutschen!)-T-Shirt versichert: “Meine tote russische Freundin”. Eines weiß ich: Sollte ich jemals eine Black Metal-Band gründen, dann taufe ich sie GRAUPELSCHAUER. (gnadiator)

PUNGENT STENCH

Von PUNGENT STENCH konnte ich leider nur ein paar vage Eindrücke einfangen, schließlich wollte ich mir Mr. Dickinson himself nicht entgehen lassen, der zur selben Zeit auf der True Stage Turnübungen machte. Aber mal ehrlich: Seit die drei Österreicher gelernt haben, wie man Instrumente hält, ist der Kult eh dahin. Blut wurde auch nicht ins Publikum gekübelt, und was da aus der Ferne an Gitarrenschwaden rüberkam, klang reichlich unspektakulär. War also, glaube ich, nicht so toll, der Auftritt… (Ilias)

PRIMORDIAL
Die Sonne brannte vom Himmel herab und die dahergelaufenen Iren PRIMORDIAL liefen allesamt in Wildleder-Outfits daher, Sänger A.A. Nemtheanga kam sogar mit einem richtigen Schwert auf die Bühne, ganz im Gegensatz zu den Kollegen von IMMORTAL, die zuvor sämtliche Schleswiger Spielzeugläden plünderten. Jedenfalls begannen sie mit dem unterirdischem „What Sleeps Within“ vom neuen Album, bei dem sie anscheinend vergessen hatten, die Gitarren einzustecken. Tatsächlich aber vergaßen sie ihre Kabel in Irland und mussten somit akustisch spielen. Es hörte nur die erste Reihe was, der Rest unterhielt sich über die bald anstehende Bundestagswahl. Jedenfalls gaben die Heiden alles und schwitzten sich in ihren Bärenfänger-Outfits zu Tode. Ja, das war wohl ihr „Journey´s End“. (Captain Chaos) (Tragisch, dass sie nicht merkten, dass ihr Auftritt eigentlich um 22 Uhr abends stattfand, wo die Sonne längst untergegangen war… – Anm. Rachendrachen 😉 )

TORFROCK
Äh… ja… TORFROCK. Die mit dem kleinen Klaus, bei dem früher mal ein Pferd auf dem Nordsee-Flur stand und Eier Güteklasse A legte. Wimps? Poser? Weicheier? Von wegen!!! Mit brachialen Hymnen wie „Kettenhemd“ und „Wildsau“, dem apokalyptischen Doomer „Asteroid („nu is Armageddon“), dem brutalen Dampfhammer „Lücke im Gebiss“ oder dem fast schon schwarzmetallischem Geschoss „Rollo, der Wikinger“ zeigten die Nordmänner all den ach so harten Jungs vor und nach ihnen ganz gewaltig, wo der Hammer hing. Aber hallo! Höhepunkt waren indes die Showeinlagen, angesichts derer selbst ein Blackie Lawless vor Neid erblasst wäre. Begnügte sich die W.A.S.P.-Frontkrähe in Balingen mit ein paar läppischen Ballons voll Regenwürmern, die sich irgendwann über das bis dato ahnungslose und munter weiterpatschende Publikum ergossen, fuhren TORFROCK ganz andere Kaliber auf. Quer über das Gelände von der True- zur Black Stage verlief eine Schnur, an der ein prall gefülltes engmaschiges Netz gespannt war, das fast die halbe Wacken-Fläche überdachte. Ein dekorativer Gag, dachten sich die einen, endlich mal ein vernünftiger Regenschutz die anderen, und sie alle beachteten das Ganze nicht weiter. Fehler! Denn auf dem orgiastischen Höhepunkt des neuen Hits „Sauwetter-Kackhimmel-Blues“ war es soweit: Das Netz wurde gekippt, und über die langmähnigen Häupter ergoss sich ein nicht enden wollender Schwall an alten Fischen und glibberigen Quallen (Don’t worry, die non-ätzende Sorte…), in dem die überraschte Menge knöcheltief versank. Doch damit nicht genug: Während der eingedeutschten AC/DC Coverversion von „Für die, die rocken tun…“ fuhren zwei gewaltige Gulaschkanonen auf die Bühne und versorgten mit Salutknall die Zuschauer, die schnell genug ihr Maul aufsperrten, mit deftiger Ebsensuppe. Der Rest freute sich immerhin darüber, dass der Fischgeruch eine kleine Gewürznote bekam, und begann aus lauter Begeisterung eine Essensschlacht – was ein Gemetzel! Krönender Abschluss waren schließlich die explodierenden Gummipferde, die von der Band mittels Flurdielen in bester Baseballmanier in die Luft befördert wurden. Dumm nur, dass eines dieser Viecher dank eines Fehlschlages nach hinten katapultiert wurde und mitten in die Bühnenrequisiten der deutschen Real True Metal-Hoffnung WIZARD platzte. Noch dümmer, dass dabei nicht nur das Pfeil- und Bogenarsenal der Jungs abfackelte, sondern auch die gesamte Schwert-, Axt- und Schildkollektion derart verbeult und in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sich die vier Stahlkämpfer schlicht weigerten, anschließend die Bühne zu erklimmen und selbst jedwede, vom Veranstalter eilends herbeigekarrte Trostpflaster in Form kleiner Plastikhammer-Schlüsselanhänger, Eric Adams-Bärenfell-Actionfiguren und Wickie-Gedenkhelme trotzig verschmähte. Noch Stunden später sah man Sven D’Anna im Backstage-Bereich sichtlich mitgenommen an einem Bier nuckeln und zärtlich die Dellen seines Lieblingsschwerts „Siegfriedspieß“ streicheln… (Ilias)

CHILDREN OF BODOM
Dieses Jahr hielt das W:O:A ein ganz besonderes Schmankerl für alle CHILDREN OF BODOM-Fans bereit: Der diesjährige Auftritt der Finnenkinder wurde für “Kinderquatsch mit Michael” mitgefilmt und Michael Schanze war sogar persönlich gekommen, um CHILDREN OF BODOM anzukündigen. Um 22.25 Uhr war es endlich soweit: Ein Spotlight ging an und Michael Schanze sprang in seiner jugendlichen Frische an den Bühnenrand und rief: “Wollt ihr MEGADETH sehen?” – Publikum: “Neeeeeiiiiin!” – “Wollt ihr MAJESTY hören?” – “Neeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiin!!!” – “Was wollt ihr dann?” – “C – O – B!!!”. Dann, unter dem tosenden Applaus und einem Schnullerhagel stürmten die kleinen Racker wie eine wildgewordene Indianerbande auf die Bühne. Alexi stellte sich ganz stolz vor seinem Mikro mit Sternenstaub auf einen kleinen Schemel und schon begann ein fröhliches Kinderfest. Die Tracklist umfasste neben dem Opener „Lake Bodom“ noch zahlreiche Klassiker wie „Bodom After Midnight“, „Downfall“, „Every Time I Die“, „Towards Dead End“, „Red Light In My Eyes”…Bis auf ein einziges Mal merkte man nicht, dass Alexi einen Harmonizer benützte (bei „Hate Me“ fiel dieser aus und man hörte kurzzeitig seinen schlumpfähnlichen Gesang…). Einer der Höhepunkte war Jaskas Zwei-Minuten-Solo auf seinem Kinderschlagzeug. Auch die restlichen Bandmitglieder heizten die Stimmung kräfig mit an: Janne sprang zwischen seinen Keyboard-Solis immer wieder zum Bühnenrand und prostete dem Publikum mit seinem Kinderkaba zu. Ale war schon etwas größer und trank deshalb Kindercola, und Henkka durfte sogar schon ein paar Schlücke Karamalz trinken. Alles in allem ein wunderbares Konzert mit einer riesigen Kinderparty-Stimmung. Ich freu mich schon auf die Live-DVD, die Weihnachten erscheinen wird und den Titel trägt: “Schnulleralarm – CHILDREN OF BODOM – Live auf dem W:O:A ´02, präsentiert von “Kinderquatsch mit Michael”“. (Yvonne)

CANDLEMASS
Vom derzeitigen Reunion-Wahn nicht verschont, machen nun auch CANDLEMASS aus Schweden in ihrer bekanntesten Besetzung dort weiter, wo Ende der 90er Jahre schon einmal Endstation war. Dabei ist ja landläufig bekannt, dass Bassist Leif Edlund – Kopf der Band und alleiniger Songwriter – kein Problem damit hat, seinen Krempel mit egal-wem unter dem Banner von CANDLEMASS zu veröffentlichen. Egal. Das Wiedersehen mit Fiercens erklärten Lieblings-Doomstern geht auch in Wacken absolut okay. Satte 45 Minuten doomen sich CANDLEMASS durch das erwartete Best Of-Programm, das Material der letzten beiden Studioscheiben (ohne Messiah & Co.) bleibt erwartungsgemäß außen vor. Ein Wiedersehen der angenehmen Art, wenngleich CANDLEMASS nicht wirklich eine Band für das Nachmittagsprogramm eines Riesenfestivals sind und ein bisschen weniger Ballermannshow bei Sänger, Frontmann und Rampensau Messiah (traditionell in Mönchskutte auf der Bühne) echt prima wäre. Zumindest mir ging das in einem fort fröhlich in jedes Gitarrensoli hineingekrähte „WAAAAACKEN – geht’s Dir gut?“ recht schnell recht arg auf den Geist.
(gnadiator)

J.B.O.
Die rosa Franken setzten stimmungstechnisch noch einen drauf. Egal, ob einmal mehr Pavarotti “Roots, Bloody Roots” zum Besten gab, oder ob ein mittlerweile arg zerfleddertes Poster von Pete Steele bei “Mei Alde is im Playboy drin” hochgehalten wurde – diese Form des Frohsinns nutzt sich einfach nicht ab. Immer wieder gerne gesehen und immer wieder lustig. Die jahrelange Erfahrung der Band ist nicht zu übersehen, und so boten die Vier aus dem Landstrich der Rostbratwürschdl einen pinkfarbenen Strauß bunter Melodien, wobei die obligatorische Frage nach anwesenden Franken genauso wenig fehlen durfte wie das Einstudieren des “rollenden Rs”, was den Nordlichtern in Wacken allerdings recht schwer fiel. (vampiria)

IN EXTREMO
Bei so vielen Festivals, auf denen IN EXTREMO schon gespielt hatten in der Vergangenheit, wurde es mal Zeit für was Neues. Und die Mittelaltermetaller boten tatsächlich eine Neuerung gegenüber den bisherigen Shows. Statt die Pyroeffekte sinnlos in die norddeutsche Luft zu verballern, lud die Band zu einer gigantischen Grillparty. Während Sänger Das Letzte Einhorn sich einen Grillspieß auf die Stirn montiert hatte und Marshmallows in den Flammen röstete, packten sich die Dudelsackspieler die Pfeifen ihrer Instrumente mit Steaks, Bratwürsten und Auberginenstreifen voll. Doch die größte Überraschung sollte noch kommen, denn als die „Merseburger Zaubersprüche“ intoniert wurden, machte es „Pluff“ und mitten in der ausgehungerten Meute entstand ein gigantischer, von lila Funken umtoster Rost, auf dem Cevapcici, Hähnchenschlegel und allerlei weitere Leckereien dargeboten wurden, welche von den Fans stilecht mit den Fingern gegessen wurden. So kommt wirkliche Mittelalterstimmung auf! (Rachendrachen)

RED AIM
Nicht ganz so leicht fiel es mir, den Auftritt von RED AIM zu beurteilen, da ich zugleich IN EXTREMO auf der Black Metal Stage ansehen und mit mehreren Promotern backstage ein Bierchen trinken musste. Dennoch kann ich berichten, dass die Jungs um FLOWING TEARS-Benni eine gute Zeit auf den Brettern, die die Welt bedeuten, hatten. Eine fette Party wurde da on stage gefeiert, schade nur, dass darüber vergessen wurde, auch mal ein paar Lieder einzuflechten. Egal, die Kopfstimmenversuche des Sängers und sein darauffolgendes hysterisches Gelächter reichten, um den Zuschauern eine vergnügliche Dreiviertelstunde zu bereiten. Als Zugabe verkleidete er sich noch als Elvis, was als definitiver Höhepunkt der bisherigen Bandhistory zu werten ist. Keine Ahnung, warum diese Band nicht längst in einem Atemzug mit DREAM THEATER, PINK FLOYD und UWE SAUTERS EGERLÄNDER MUSIKANTEN genannt wird!? Weil man alleine für UWE SAUTERS EGERLÄNDER MUSIKANTEN schon mehr als einen Atemzug braucht? (Rachendrachen)

WARLORD
Die obligatorische Reunion mindestens einer sogenannten „Kultband“ aus den 80er Jahren hat Tradition auf dem Wacken Open Air. 2002 im Rennen: Die mystischen US-Metaller WARLORD. Gitarrist Bill „Destroyer“ Tsamis und Schlagzeuger Mark „Thunder Child“ Zonder (sonst bei FATES WARNING) sind mit einem neuen Album zurück, das einige Fragen hinterläßt. Mußte es ausgerechnet Joacim Cans von HAMMERFALL als Sänger sein? Und dann noch ohne die bezaubernde Sentinal (aka Diane Arens, die später noch einmal bei der US-Hardrockband SAHARA auftauchte) an den Keyboards? Die WARLORD-Show in Wacken geht okay, ist gleichermaßen unspektakulär wie nostalgisch und – hehe – so drumlastig wie auf Tonträger. Mich – und das ist jetzt aber nur meine ganz persönliche Meinung – lässt dieser alljährlich konstruierte und an den Haaren herbeigezogene/-geschriebene/-geredete Comebackquatsch längst kalt, da ich hernach in neuneinhalb von zehn Fällen eh nur enttäuscht bin. Und das sage ich als einer, der früher exakt wegen dieser Reuniongeschichten barfuss zum W.O.A. gepilgert ist und oft genug niedergeschlagen dastand, wenn da dann vier oder fünf alte Knacker auf die Bühne schlappten und das alles so gar nix mehr mit dem gemein haben wollte, was ich mir in meiner blühenden Phantasie ausgemalt hatte. (gnadiator)


Das Problem mit den unzureichenden Entsorgungs-Häuschen wurde von den Fans kurzerhand selbst gelöst: Ab 12 Uhr am 02.08.02 waren die Dixis plörtlich wieder leer! Klasse!!

Samstag, 3.8.2002

STORMWITCH
Die nächste Reunion, die nix taugt und die deshalb keiner braucht. STORMWITCH anno 2002 sind nur mehr Sänger Andy Mück – das kann, darf, soll und muss nicht sein. Ach, was hatte die damalige Truppe unter diesem Namen von den frühen 80er Jahren bis zirka 1990 doch gesammelte Klasse! Die Wacken-Show dieser halbgaren Mogelpackung indes ist ein einziger Aufguss, bei dem mir das Herz bluten würde, hätte ich denn etwas anderes erwartet. Am besten einmal kurz die Augen schließen und dann nie wieder daran denken. (gnadiator)

ROTTWEILER
Ja! Jaaaaa! Jaaaaaaaaaa! ROTTWEILER! Kaum zu glauben, dass Metal-Deutschland das noch erleben durfte! Immerhin zählt das legendäre Trio fraglos zu den wichtigsten und einflussreichsten Bands der 80er US-Metal-Szene. Mit zahlreichen Untergrund-Alben wie „Screams Of The Innocent“ und „Screams Of The Innocent“ und, ääh, „Screams Of The Innocent“ (nicht zu vergessen: das unglaubliche „Screams Of The Innocent“) haben sich die Herren um Fronthund Paul Grisman ihren Platz in den Annalen der Rockgeschichte ebenso wacker erkämpft wie ihren Thron im Metal Olymp. Ohne die wegweisenden Veröffentlichungen ROTTWEILERs gäbe es „unsere“ Musikrichtung in ihrer heutigen Form gar nicht, und allein dafür konnte man gar nicht tief genug in die Knie gehen, als die lebende Legende endlich deutschen Festival-Boden betrat. Leider lag ich zu diesem Zeitpunkt noch im Hotelbett. Aber keine Frage: Dieser Band gehört die Zukunft ebenso wie die Vergangenheit, und daher werden sie in den nächsten Monaten sicher noch für jede Menge Live-Furore sorgen… (Ilias)

EVERGREY
EVERGREY gehört zu den Bands, die sich mit jedem Album eine größere Fangemeinde erspielen konnte, und dass deren Musik dabei nicht massenkompatibler geworden ist, spricht für die Klasse der Schweden. Dem Einleitungssatz gemäß drängten sich vor der Bühne auch eine ganze Menge Anhänger, so dass EVERGREY leichtes Spiel hatten, das Publikum zu begeistern. Nach einem kurzen Intro legte die Band mit “Masterplan” vom aktuellen Album “In Search of Truth” los, dem sie “Rulers of the Mind” und “Watching the Skies” folgen ließen. Ganz deutlich merkte man, dass die Band von ihrer Amerikatour profitieren und eine Menge an Liveerfahrung sammeln konnte. Dementsprechend eingespielt kamen auch alte Kracher der beiden Vorgängeralben. Lediglich den Einsatz zu “Solitude Within” verpatzte Bandkopf Tom Englund, als seine Stimme plötzlich kippte. Diesen Fehler konnte er aber wieder wett machen, als die Band tatsächlich “For Every Tear that Falls” anspielte und Toms langjährige Lebensgefährtin Carina Kjellberg die Bühne betrat. Was folgte, war ein beeindruckendes Duett, mit dem EVERGREY ganz klar den Höhepunkt ihrer Show setzten. Und selbst als Bassist Michael Håkansson über seine Schuhe stolperte (vielleicht sollte er es doch mal mit etwas niederen Sohlen probieren), so dass es ihn in voller Länge auf die Bretter fegte, wusste die Band dies professionell zu überspielen. Mit “Dark Waters” fand ein großartiger Auftritt dann sein würdiges Ende. (Fierce)

WIZARD
s. TORFROCK (Ilias)

MEZARKABUL
Im letzten Jahr waren Knight Errant die türkischen Vertreter auf dem Wacken, dieses Jahr MEZARKABUL bzw. PENTAGRAM, unter welchem Namen die Band in ihrer Heimat große Erfolge feiert. Und sie sollten auch die letzten Zweifler davon überzeugen, dass am Bosporus richtiger Metal gemacht werden kann. Zwar war ein großer Teil des interessierten Publikums teilweise mit den komplexen Kompositionen zunächst etwas überfordert, mit jedem Song konnte die Band aber mehr Fans für sich gewinnen, zumal MEZARKABUL geschickt die eingängigeren Stücke von “Unspoken” im Set weiter nach hinten setzten. PENTAGRAM begnügten sich aber nicht nur mit MEZARKABUL-Songs, sondern konnten auch mit dem ein oder anderen türkischsprachigen Song überraschen, die bislang noch nicht offiziell in unseren Breitengraden veröffentlicht wurden. Für Abwechslung war also zur Genüge gesorgt. (Fierce)

AMON AMARTH
Fast hätten es die Wikinger nicht bis zum Festivalgelände geschafft. Denn sie wollten stilecht in einem Wikingerboot aus ihrer Heimat nach Wacken übersetzten. Leider hatten sie den Tideplan falsch herum ausgedruckt und st(r)ande(te)n plötzlich kurz vor den Ufern St. Peter Ordings inmitten von studierenden Arztsöhnchen, die ebenfalls auf Wasser warteten, um ihre Surfbretter wieder flott zu bekommen. Die verwirrten Schweden konnten nur mittels mit Met gefüllter Trinkhörner zu einer Wattwanderung bewegt werden. Gerade noch rechtzeitig in Wacken angekommen, rührte die Band feinsten Wikinger-Todesschlick an, wobei auch Klassiker wie “The Arrival Of XXX Winter” vom gleichnamigen Demo (lieber Korrekturleser: Songtitel ergänzen, ich kenne den Song gar nicht – habe mir aber sagen lassen, dass er ein Klassiker ist) zum Zuge kam. Trotz einiger alkoholbedingter Aussetzer von Fronthüne Johan Hegg konnten die Skandinavier doch noch das Ruder herumreißen und liefen mit geblähten Segeln in den Hafen einer mitreißenden Show ein. (vampiria)

RAWHEAD REXX
Leider mussten VICIOUS RUMOURS kurzfristig absagen, da ein Unbekannter ihnen die Reifen ihres Minibusses zerstochen hatte. Dass ein Porsche am Tatort gesehen worden war, wurde jedoch als bösartiges Gerücht abgetan. Zum Glück standen zufällig am Aufgang zur True Metal Stage RAWHEAD REXX mitsamt ihren Instrumenten herum und erklärten sich spontan bereit, für Geoff Thorpe und Co. einzuspringen. 98% der Anwesenden bemerkten nicht einmal den Unterschied und stutzten lediglich, wo der VICIOUS RUMOURS-Sänger so gut Schwäbisch gelernt hat. Doch spätestens bei „Jetztetle spielet mir a Liedle mit ´em Hanse Kai, ihr kenned´s vielleicht, ´s isch vo seiner alde Bänd, HELLOWEENle, ond hoißd „Ai wont aut“!“ lag sich die Metalgemeinde laut singend in den Armen und feierte die Ex-GLENMORE-Jungens nach allen Regeln der Kunst ab. (Psycho/Rachendrachen)

THUNDERSTONE
Endlich war die Zeit für die Powermetal-Newcomer-Sensation THUNDERSTONE gekommen, um unter Beweis zu stellen, dass sie das geniale Material des Debüts auch live entsprechend umsetzen kann. Und sie konnten, und zwar ohne Probleme! Selten habe ich eine derart junge Truppe bei einem ersten großen Festivalauftritt gesehen, die derart professionell agierte und gleichzeitig soviel Spaß an der Sache hat. Von Aufregung war bei dieser Band wirklich keine Spur. Mit derart starken Songs wie “Virus”, “Will to Power” oder “Let the Demons Free” in der Hinterhand konnte ja eigentlich auch nichts schief gehen. Trotz der flitzefingrigen komplexen Tonleiterskalenspielereien saß jede Note, und eins wurde ganz klar: THUNDERSTONE sind eindeutig die legitimen Nachfolger von STRATOVARIUS, und würde es die Band nicht mehr geben, keiner würde sie angesichts von THUNDERSTONE vermissen. Jede Note saß, die Band ging sowas von nach vorne los und Sänger Pasi Rantanen darf sich nach dieser Vorstellung ohne Übertreibung mit Bruce Dickinson (in seinen guten Jahren!), Michael Kiske (HELLOWEEN), Rob Halford und Bernhard Weiss (AXXIS) in eine Reihe stellen. Hammergig! (Fierce)

MACABRE
Auch wenn ich eigentlich kein Freund von Knüppelbands bin, freute ich mich schon die ganze Zeit über auf den Auftritt von MACABRE. Denn vor allem live ist das eigenwillige Trio einfach eine Klasse für sich. Los ging es mit “Zodiac”. Corporate Death, Nefarious und Dennis The Menace zogen alle Register ihres Könnens, und das Publikum dankte es ihnen mit tosendem Applaus. Die Band nutzte den Auftritt auch, um ein paar neue Stücke von ihrem in Bälde erscheinenden Album “Steini” vorzustellen, bei dem es sich übrigens einmal mehr um ein Konzeptalbum handeln wird. Mir blieben besonders “No Homework Today” und “Erfurt In The Morning” in guter Erinnerung, beides heftige Nackenbrecher mit unverständlichem Geschrei und einer unglaublichen Schlagzeugarbeit von Dennis The Menace. Nach einem Streifzug durch die bisherige Bandgeschichte spielten MACABRE dann zum Abschluss noch mein persönliches Lieblingslied “Dog Guts” sowie eine abgefahrene Coverversion von ALICE COOPERs “School`s Out”, dem Japan-Bonustrack des kommenden Albums. (Jutze)

ANGEL DUST
Nach Ihrem verkorksten Auftritt im Jahre 2000 beim With-Full-Force-Festival merkte man den Jungs von ANGEL DUST an, dass sie es diesmal sämtlichen Kritikern beweisen wollten. Ausgestattet mit einem ausgezeichneten Sound fegten die Jungs um den mal wieder völlig neben der Spur bekleideten Sänger Dirk Thurisch (diesmal mit Strohhut, Boxershorts, Sandalen und Sonnenbrille mit gelben Gläsern) über die Bühne. Die Menge dankte den energiegeladenen Auftritt dementsprechend, und mit „Gambler“ gab es sogar einen Song der ersten ANGEL DUST-Phase aus den 80ern. Vor dem letzten Song verkündete der agile Keyboarder Banx eine spezielle und einmalige Überraschung. Die Zuschauer schauten gespannt und zunächst in Erwartung von Kai Hansen zur Bühne, auf welcher von der Seite ein kleines Piratenschiff sichtbar wurde. „Was sollte dies nun“, dachten sich wohl alle Beteiligten. Auf einmal tauchte der ehemalige Gitarrist der Band und jetziges RUNNING WILD-Mitglied Bernd Aufermann, natürlich stilgerecht mit Augenklappe und Piratenkostüm, auf, um mit seiner Ex-Band „Cross Of Hatred“ zu spielen. Allerdings wusste keiner so recht, ob er (wegen des geilen Songs), lachen oder (wegen des Anblicks) weinen sollte. Trotz dieses Faux-pas (angeblich musste Bernd so auftreten…) ein hervorragender Auftritt, ANGEL DUST haben endgültig bewiesen, dass sie nicht nur auf CD eine der besten deutschen Bands sind. (frank)

KALMAH
“Hello. We are ETERNAL TEARS OF SORROW…oh shit, I mean…we are CHILDREN…äh, well…we are from Finnland!” Mit dieser Ansage hatte sich Sänger Pekka Kokko gleich ins bandinterne Abseits manövriert. Sichtlich angeschlagen vom Freibier konnte sich der Gute plötzlich nicht mehr so ganz eindeutig erinnern, mit wem er da auf der Bühne stand. Macht nichts, denn musikalisch kann man die Bands eh alle in einem finnischen Eintopf werfen, und da auch die Musiker mal hier und mal da spielen, ist dieser Fauxpas verzeihlich. Melodiedurchsetzter Hochgeschwindigkeitsdeathmetal skandinavischer Prägung, unter anderem wurden von der Band Granaten wie “I Hate” oder “Kill the Idealist” ins gut draufene Publikum gepfeffert – wenn die Band nicht gerade an ihren Bierdosen nuckelte, aber was will man machen. Finnen sind halt trinkfreudig. (vampiria)

NUCLEAR ASSAULT
Der von vielen Thrashmaniacs lang ersehnte Auftritt der Legende NUCLEAR ASSAULT fand leider ein schnelles und unrühmliches Ende, als sich Bassist Dan Lilker auf einen im ANTHRAX-Shirt erschienenen Fan stürzte und eine wilde Prügelei begann. Hätte man dem haschenden Lethargiker gar nicht zugetraut! (Rachendrachen)

SHAKIRA
Was ein einzelner Buchstabe doch so alles anrichten kann! Da war es den Wacken-Machern gelungen, mit Sahneschnittchen SHAKIRA DEN Shootingstar des Latino-R´n´B-Metals zu organisieren, und nur eine Handvoll Vokuhilaträger verirrte sich in Erwartung der Alpenposer von SHAKRA vor die Party Stage. Da hätte Herr Hübner mal lieber einen Korrekturleser für die Plakate engagiert! SHAKIRA machte aber gute Miene zum bösen Spiel und bot ihre komplette laszive Tanzshow auf. Gekleidet war sie in einen Hauch von schwarzledrigem Nichts, was die überrascht herbeiströmende Menschen-, oder besser Männermassen mit lautem Beifall zu quittieren wussten. Lieder hat sie auch gesungen, aber dafür interessiert sich bei SHAKIRA doch nicht ernsthaft jemand, oder? (Rachendrachen)

HOLLENTHON
HOLLENTHON ließen´s gemütlich angehen, Sänger und Gitarrist Martin Schirenc zeigte sich gar von den Surfmelodien im Opener der letzten CD „With Vilest of Worms to Dwell“ inspiriert im Hawaiihemd und mit Bermudashorts. Leider kam die Band nicht über den zweiten Song hinaus, da plötzlich alle männlichen Zuschauer und Bandmitglieder in Richtung Party Stage abhauten, als sie mitbekamen, dass dort SHAKIRA zum Tanze aufspielt. (Rachendrachen)

IMMORTAL
Fein säuberlich geschminkt betraten die fiesen Klopper IMMORTAL die Bühne und hatten
als optische Ergänzung einen echten Pandabären dabei. Der tanzte zu „Damned in Black“ und „Solarfall“, was das Zeug hielt, und war am Schluss so erschöpft, dass er zur Stärkung den Schminkkoffer von Drummer Horgh verdrückte. Das war natürlich zu viel für die Band, die danach noch einen Termin am Autogrammstand hatte. Also sprangen die Söhne nordischer Beschränktheit auf den Bären, hatten aber keine Chance gegen ihn. Er fraß die drei auf und erstickte an den Rettungsringen von Abbath. Immerhin war es ein vergnüglicher und lustiger Auftritt, der Lust auf mehr machte. Leider kommt da nichts mehr, denn IMMORTAL haben sich im wahrsten Sinn des Wortes aufgelöst. (Captain Chaos)

FALCONER
Nachdem die Band bereits auf dem Bang Your Head ihre Festival- und vor allem Livetauglichkeit unter Beweis stellen wollte, lieferten FALCONER auf dem WOA Versuch Nummer zwei ab. Leider kann man bei den Schweden aber nach wie vor nicht wirklich von einem Bandgefüge reden, und vor allem Sänger Mathias Blad merkte man seine Unerfahrenheit mit dem metallischen Publikum deutlich an. Bandkopf Stefan Weinerhall zog sein Programm zwar routiniert durch und machte mit entsprechendem Posing ordentlich Stimmung, ein spannendes Live-Erlebnis wurde der Auftritt von FALCONER aber einfach nicht. Dementsprechend hölzern kamen dann auch die Songs rüber, die eine gute Mischung aus den beiden FALCONER-Erfolgsalben darstellten. Selbst das mit Kai Hansen vorgetragene „I Want Out“ machte da keine Ausnahme. Da muss auf jeden Fall noch was getan werden. (Fierce)

VISION DIVINE
Italiener – LABYRINTH – RHAPSODY – Olaf Törson – Fabio Leone – gute Mischung aus beiden Bands – dünner Sound (der Mischer war natürlich schuld) – durchschnittliche Vocalperformance – Band macht ordentlich Stimmung – Fans finden´s ganz dolle – laberlaber – blabla – natürlich noch eine HELLOWEEN-Coverversion von „Ride The Sky“ mit einem vom FALCONER-Gig herübergerannt kommenden Kai Hansen, der leider ständig in die Melodie von „I Want Out verfiel… (Graf Zahl)

FUNERAL DARK EVIL
Nach VICIOUS RUMOURS mussten auch EXODUS ihren Gig canceln, da die Jungs noch mal einen Blick auf das Coverartwork ihres „Force Of Habit“-Albums geworfen hatten und nun daheim in der Bay Area wegen schwerwiegender Augenschäden behandelt werden mussten. Doch die Veranstalter hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um gleichwertigen Ersatz aufbieten zu können. Und so war die Überraschung groß, als FUNERAL DARK EVIL, die Band um den ehemaligen BLACK DARK-Sänger Horst, die Bühne enterten. Keine Frage, Killersongs wie „Unholyly Spectre of Evil Abomination at the Gate of Weinstadt-Strümpfelbach” oder “Inherit the Blackly Fire of the Burning After” konnten die Anwesenden über den Verzicht auf “Bonded By Blood” und “Fabulous Disaster” hinwegtrösten. Die Lokalmatadore, die bereits auf eine Tour durch alle Clubs jenseits des Auricher Deichs verweisen können und im eleganten Fischtotenkopf-Corpsepaint auf die Bühne stürmten, räumten völlig ab und lehrten Zweifler, die ihnen unterstellten, ihre Titel beim Blackmetal-Songtitelgenerator im Internet zu klauen, das Fürchten. Kneel downly and hail to the head of the evil fish! (Rachendrachen)

VANDEN PLAS
Nachdem auf dem Progpower-Festival der Bassist von VANDEN PLAS bereits kleidungstechnisch unangenehm aufgefallen war und er auf dem Bang Your Head!!! Sänger Andy Kuntz angesteckt zu haben schien, war diesmal die gesamte Band nun in lila Schlaghosen, weißen Cowboyboots, Latexhemd und Melone auf dem Kopf angetreten. Gerne hätte ich mir Songs wie „Free the Fire“, „Rainmaker“ und „Far Off Grace“ angehört, musste mich jedoch erst einmal zu einem Sanitäter meines Vertrauens begeben, damit dieser die akute Hornhautverkrümmung behandeln konnte. (Rachendrachen)

HYPOCRISY
HYPOCRISY sind eine jener Band, für die Best Of-Alben erfunden wurden. Bei aller Sympathie für Peter Tagtren: Der Heldenstatus, der ihm in der einschlägigen Hochglanzpresse angedichtet wird, ist völlig überzogen. HYPOCRISY sind eine der überbewertesten Death Metal-Bands dieses Planeten (zusammen mit SIX FEET UNDER), in ihrem Schaffenswerk findet sich zwischen einer Handvoll geschmeidiger Hits ohne Ende Durchschnitt und Mittelmaß. Bei einem kompakten 45-Minuten-Auftritt zur primetime in Wacken fällt diese Tatsache freilich nicht weiter ins Gewicht, greifen Tagtren & Co. angesichts des schmalen Zeitbudgets ausschließlich auf Hits wie „Left To Rot“, “Fractured Millenium” und „Roswell 47“ zurück und verzichten darauf, die Fans auch noch live mit dem uninspirierte Riffgeschiebe ihrer letzten Studioalben zu langweilen. Insoweit: Daumen nach oben für diesen Auftritt der sympathischen Schweden, bei denen man am heimischen Herd mit dem kürzlich erschienenen Best Of-Album “Ten Years Of Chaos And Confusion” bis zum Ende aller Tage bestens bedient ist. (gnadiator)

DREAM EVIL
Schon oft wurden Bands im Vorfeld gelobt und gefeiert, doch dieses Mal ist es wirklich gerechtfertigt: DREAM EVIL ist der neue, durchschlagende Komet in der Melodic Heavy Metal Hemisphäre! Gegründet wurde die schwedische Band im Herbst 1999. Der berühmt-berüchtigte Produzent und Inhaber des Fredman Studios in Schweden, Fredrik Nordström, hat sich immerhin mit wirklich außergewöhnlich talentierten Musikern zusammen getan: Mit dem griechischen Ausnahme-Gitarrero Gus G., der bereits durch die Mitwirkung bei MYSTIC PROPHECY und FIREWIND sein musikalisches Talent perfektioniert hatte, mit dem unvergleichbaren Sänger Niklas Isfeld, der sein Talent bei den ersten beiden HAMMERFALL-Alben als Backgroundsänger beweisen konnte, mit Bassist Peter Stalfor, einem hervorragender Songwriter, der seine Fähigkeiten bereits im Vorfeld durch die Komposition eines Songs für das brillante HAMMERFALL-Debut „Glory To The Brave“ zum Besten gegeben hat, und natürlich Ex-KING DIAMOND, MERCYFUL FATE, MEMENTO MORI und NOTRE DAME-Drummer Snowy Shaw, die lebende Göteborg Rock Drumlegende, verpflichtet. In dieser Besetzung zog die Band im Jahr 2001 ins Studio, um ihr Debutalbum „Dragon Slayer“ aufzunehmen. Dreizehn Killersongs, allesamt purer Hard & Heavy Metal, entstanden im Fredman Studio. Und was im Studio galt, galt auch auf der Wacken-Bühne: DREAM EVIL spielen mit Emotionen, gehen unter die Haut und vereinen melodische mit brachialen Sequenzen, ohne dabei antiquiert zu wirken. Sei es das krachende “Chasing The Dragon” oder die überaus melodischen Songs “In Flames You Burn” und “Kingdom Of The Damned”, die heldenhaften Stücke “Save Us” und “Hail To The King”, das speedige “The Prophecy”, die ergreifende Ballade “Losing You” oder die Hymne “Heavy Metal In The Night” – sie alle leben durch klassische Aspekte des Heavy Metal und enttäuschten keinen Metalfan, der auf traditionellen Hard Rock, Melodic Metal oder bombastischen Power Metal steht. DREAM EVIL sind Ritter in glänzenden Rüstungen, schwingen den Bi-Händer und stürzen sich in die Schlacht – allein um zu siegen. Und das werden sie ganz sicher! (Ilias)

SINERGY
Junge, Junge, was hat das einstige Black Metal-Pummelchen wieder mal zugenommen. Scheint so, als würde Frontfrau Kimberly Goss nicht nur, was Bands angeht, alles an sich krallen, was nicht schnell genug in Sicherheit gebracht werden kann. Sieht also wirklich so aus, als würde die Exil-Amerikanerin auch körperlich ganz den Weg der typischen Rockröhre gehen. Und Körpervolumen geht zumeist ja auch mit einem entsprechenden Resonanzkörper einher, womit das ganze natürlich auch der Stimme zuträglich ist. Aber mal ehrlich, sieht man da den flitzefingrigen Lebensgefährten Alexi Laiho daneben auf der Bühne agieren, kriegt man ja doch etwas Angst um den Burschen. Naja, glücklich scheinen die beiden ja zu sein. Wobei es aber eigentlich ja schon seltsam ist. Die Frau ist doch dermaßen aktiv, wann hat die überhaupt Zeit zum essen? Und ihren Sport hat sie auf der Bühne im Grunde ja auch. Vielleicht sollte sie einfach mehr live auftreten. Hilft saunieren eigentlich beim Abnehmen? (Graf Zahl)

EDGAY
Mit ultralustiger Kuhfellhose stürmte Tobias Sammet die Bretter, um neben mitreißenden Titeln quer durch das bisherige Schaffen der Band sowie einem neuen, bislang unveröffentlichten Song namens “The Yellow Mail-Frog” die Stimmung dem Siedepunkt zu nähern. Der Junge hat echt Entertainerqualitäten, und wer nicht von den Songs der Combo überzeugt wurde, der konnte sich immerhin noch von Perlen wie “Was ist grün und schwingt sich von Ast zu Ast? Ein Eichhörnchen im Lodenmantel” ins Humorkoma befördern lassen. (vampiria)

SUIDAKRA
Die Folkmetaller von SUIDAKRA machen endlich Nägel mit Köpfen! Statt weiter nur halbgar Folk und Metal zu vermischen, setzen sie neuerdings auf die Kombination von gesunder Härte und original traditionellen, überlieferten Volksliedern. Dazu hatten die Gitarristen an Ziehharmonika und Fiedel gewechselt, was Songs wie „Muss i denn, muss i denn zum Kneipentürle hinaus?“, „Mogst amol mei Schwerterl sehn?“ und der AT THE GATES-Hommage „Draußen vor dem Tore“ den letzten Kick verlieh. Kompromisslos, innovativ, originell – wenn es nur mehr solche Bands in der Metalszene geben würde! (Rachendrachen)

SABBAT
Wahnsinn! SABBAT! Schon der RETURN TO THE SABBAT-Gig Martin Walkyiers auf dem letztjährigen Bang Your Head war unglaublich gewesen (habe ihn nur leider aufgrund wilder Backstage-Exzesse verpasst), dass nun aber endlich auch Andy Sneap wieder mit ihm Boot sitzt, um die guten alten „History Of A Time To Come“-Zeiten aufleben zu lassen, versetzte mich schon Stunden vor dem Auftritt der Briten in einen Zustand freudigst verzückter Erwartung. Doch es folgte die für mich wohl größte Enttäuschung des diesjährigen Wacken Open Airs. Denn: Der Zahn der Zeit hat gewaltige Spuren an der Band hinterlassen. Um ehrlich zu sein: Hätte ich nicht genau gewusst, WER da auf der Bühne stand, ich hätte es weder geglaubt noch erkannt. Albern genug, dass die Herren nicht zu ihrem Alter stehen und sich die ersten grauen Strähnen allesamt pechschwarz haben färben lassen. Leider setzte das Bühnenoutfit noch eins obendrauf: Walkyier in schwarzem Nietentanga war dann doch zuviel für meine sonnenwunden Augen (übrigens kniffen auch die Herren Musiker während des ganzen Auftritts ihre Glupscher ganz gewaltig zu – vielleicht sollten die Veranstalter den Standort der Black Stage noch einmal überdenken). Von meinen Ohren ganz zu schweigen: Was der gute (?) Martin da an Geschrei und Gerülpse ins Mikrophon abließ, verzerrte das wundervolle Altmaterial der Band fast bis zur Unkenntlichkeit. Auch instrumental hatte das Gedröhne nicht mehr viel mit dem zu tun, was die Band auf ihren legendären ersten beiden Alben so faszinierend machte. Da wurde tumb drauflos geprügelt, ohne Rücksicht auf Verluste und jedweden Respekt vor der eigenen Vergangenheit. Bezeichnend, dass sich vor der Bühne fast ausschließlich Black Metal-Publikum versammelt hatte, das den Lärm noch dazu frenetisch und in regelmäßigen Abständen „Satan! Satan!“ skandierend abfeierte. Sorry, aber DIESES Comeback war komplett unnötig! (Ilias)


Die Wartezeit am Einlass hielt sich erfreulicherweise in Grenzen! Die 1500 Meter-Schlange vom Vorjahr wurde mit gerade mal 1348 läppischen Metern in diesem Jahr nicht übertroffen, was als deutlicher Fortschritt zu werten ist!

CANNIBAL CORPSE
Nun war es Zeit für die Kannibalen. Doch was war da passiert? Hinter der Bühne gab es
vor ihrem Auftritt ein Gelage sondersgleichen, fünf riesige Wasserpfeifen wurden
gefunden, die zur Band gehören. Jeder hat vier Gramm Dope innerhalb von
zehn Minuten geraucht. Dadurch spielte die Band sämtliche Songs als Doom-Versionen,
die nicht nur vom Publikum als beschissen aufgenommen wurden. Immerhin konnte die
Band „Hammer Doomed Face“ spielen, ohne Geld dafür blechen zu müssen. Sämtliche
Fans waren gelangweilt und schmissen zurecht mit Bechern auf diese Versager. Der
Corpsegrinder wurde dabei von einem Plastikbecher im Schritt getroffen und sang die
beiden letzten Songs „The Spine Splitter“ und „Fucked with a Knife“ so hoch, dass selbst
BRUCE DICKINSON nicht dagegen ankam. (Captain Chaos)

MÖRK GRYNING
Und dann kamen Mörk vom Örk. Oder so ähnlich. Mörk Dingens halt. Mit einem Typen namens Gorgon Zhola oder so. Sind bestimmt Kult. Waren jedenfalls laut. Aber eigentlich gar nicht schlecht. (Ilias)

HEATHEN
Welch’ Segen, dass es Festivals wie das Wacken oder das Bang Your Head!!! gibt. Festivals nämlich, die all den ahnungslosen Jungspunden, die in ihrem jugendlichen wie ignoranten Leichtsinn glauben, HAMMERFALL wäre eine ziemlich innovative Band, Gelegenheit geben, ihre musikhistorischen Kenntnisse ein wenig auf Vordermann zu bringen. Merke: Wer die 80er nicht kennt, hat den Metal verpennt! Und eh keine Ahnung. Wie die meisten, die in Wacken herumliefen und die großartigen HEATHEN geflissentlich links liegen ließen. Nur einige wenige schwermetallische Connaisseure wussten, welch’ glorreiche Vergangenheit da auf der True Stage herauf beschworen wurde. Eine, die die Geschichte der Bay Area und somit des Thrashs ganz maßgeblich mitgeschrieben hat. Die HEATHEN mit Alben wie „Breaking The Circle“ und „Victims Of Perception“ mindestens so groß wie METALLICA hätte werden lassen können, wäre das Business nur etwas gerechter. Aber es sollte nicht sein. Irgendwann gaben Drummer Darren Minster und Bassist Dee Altus auf und kehrten wieder zu ihrer Stammcombo THE KRUPPS zurück, während der Rest der Band irgendwo im Untergrund verschwand. Aber jetzt waren sie zurück, und herrschten wie eh und je. Messerscharfe Riffattacken und Killersongs ohne Ende: Das sind HEATHEN 2002. Und mit (leider der breiten Masse ja gänzlich unbekannten) Klassikern wie „Death By Banging“, „Operate The Masses“, „Prisoners Of Hate“ oder „Goblin’s Plate“ zählten sie zu den ganz großen Gewinnern des diesjährigen WOA. Auch wenn’s kaum einer gemerkt hat… (Ilias)

BLIND GUARDIAN
Die Rückkehr von Deutschlands bester Metalband. Daß die vier Krefelder (live wie immer unterstützt von ex-SIEGES EVEN-Bassist Oliver „Latzhose“ Holzwarth) den Bombast ihrer letzten hoffnungslos überfrachteten Studioalben seit geraumer Zeit live nicht mehr reproduzieren können, steht auf einem anderen Blatt. Doch wie erwartet gerät Blind Guardians Headlinershow auf dem W.O.A. 2002 zu einem einzigen Triumphzug. Inmitten einer geschmackvollen Bühnendeko und unterstützt von einer tollen Lichtshow lässt der sympathische Vierer mit einem bunten Strauß alter Hits und neuer Melodien nichts anbrennen. Dass Hansi Kirsch kein wirklich toller Sänger ist, es ihm aber noch keiner gesagt hat, wäre ein Punkt, den man hier anmerken könnte, die hartnäckige Abwesenheit von diversen Bandklassikern („Majesty“, „Run For The Night“) ein weiterer. An dieser Stelle beschließe ich jedoch im unübersehbaren Pulk vor der Main Stage, mich heute Abend einfach an der runden Show von – Achtung, Wiederholung – Deutschlands bester Metalband zu erfreuen, deren Weg ich seit den letzten Studioalben halt leider nicht mehr so recht nachvollziehen kann. (blind gnadiator)

NIGHTMARE

“Nightmare, lying here in the dark…”. Kennt das jemand? Herzzerreißende Ballade von MSG mit sehr nettem Gitarrensolo. Das ein oder andere davon hatten NIGHTMARE auch im Programm. Nur herzzerreißende Balladen gab’s keine, obgleich die Herren Franzosen ja seit ihrer akustischen Wiederkehr im Jahr 1999 und insbesondere auf „Cosmovision“ ein bis zwei Gänge zurückgeschaltet haben. Immerhin waren die Keyboards und Chöre in Wacken nicht ganz so plüschig wie auf Silberling, aber irgendwie war mir trotzdem alles ein wenig zu tuntig. Das waren halt noch Zeiten, als „Waiting For The Twilight“ und „Power Of The Universe“ französische Stahlschmiedeprodukte salonfähig machte. Aber früher war ja eh alles besser… (Ilias)

UNLEASHED
UNLEASHED sollten eigentlich ursprünglich zusammen mit den Kollegen von AMON AMARTH per Wikingerboot anreisen – was sich aber nach Prüfung des zulässigen Gesamtgewichts des Bootes als Ding der Unmöglichkeit herausstellte. Die Alternative, ein Walfangboot zu mieten, scheiterte an finanziellen Möglichkeiten und dem erbitterten Widerstand von Greenpeace. Also mussten Johnny Hedlund und seine Freunde eben per Flugzeug anreisen, was den Vorteil hatte, dass sie auch pünktlich waren – nicht schlecht für eine Band, die gerne von der Zeit “Before The Creation Of Time” erzählt. UNLEASHEDs Reunion macht Sinn und Spaß, die Elchtöter zeigten einmal mehr, wo Thors Hammer hängt. Todesbleiurgestein wie die Songs der Nordmänner krachen immer, und so war es auch in Wacken. (vampiria)

BLITZKRIEG
Authentischen New Wave Of British Heavy Metal-Flair hatten die Mannen um Frontmann und NWoBHM-Urgestein Brian Ross schon diverse Male in Wacken verbreitet. Somit bot der solide energiegeladene Auftritt von BLITZKRIEG unterm Strich auch nix mehr Neues, wenngleich es den W.O.A.-Machern natürlich hoch anzurechnen ist, dass sie Traditionsbewusstsein zeigen und immer wieder auch die alten Helden auf ihr Festival einladen. Tapfer kämpften sich die fünf Engländer durch ihr nostalgisches Programm, gefeiert wurde vom schon optisch sehr traditionsbewussten Mob (Shirts von DIAMOND HEAD, GILLAN und VARDIS vor der Bühne – noch Fragen? *g*) erwartungsgemäß vor allem die durch METALLICA zu Weltruhm gelangte Bandhymne „Blitzkrieg“, der Stampfer „Pull The Trigger“, „Buried Alive“ vom legendären 6-Track-Demo von 1980 sowie das überraschend-angespielte „Trial By Fire“ von SATAN, bei denen Brian Ross früher gesungen hatte und das BLIND GUARDIAN mal gecovert haben (auf der CD-Version von „Somewhere Far Beyond“). Der vampster-Daumen nach oben und bis in zwei Jahren (oder so). (gnadiator)

KREATOR
Die Ruhrpottmetaller um Frontman Mille sind eine Institution. Zusammen mit SODOM und DESTRUCTION bildeten und bilden diese Bands die Speerspitze des deutschen Thrashmetals. Und auch live können die Jungs aus dem Ruhrpott seit Jahren voll überzeugen. Mit beeindruckender Lightshow und kristallklarem Sound zockte das Quartett Klassiker um Klassiker herunter, wobei besonders der vom Demo stammende Track “Tormentor”, der meines Wissen noch nie live gespielt worden war, überraschte und den Fans die Tränen in die Augen trieb. Finnland-Import Gitarrero Sami Yli-Sirniö hat sich mittlerweile nahtlos in das Bandgefüge eingepasst, und so stand einer energiegeladenen Show nichts im Wege. KREATOR schmissen ordentlich Kohlen ins Feuer, und so loderten Ruhrpottbriketts wie “Servant in Heaven, Bergmann in Hell”, “Shift in the Schacht”, “Kumpel of Souls” und “Reconquering the Stollen” hell auf. Eine Band in Topform. (vampiria)

GREEN CARNATION
Ärger mit den Veranstaltern handelten sich GREEN CARNATION ein, als sie die Zusicherung „Ein Lied als Zugabe könnt ihr spielen, nicht mehr!“ unverschämt ausnützten und unter dem Vorwand, nur dieses eine zu können, gleich noch einmal das einstündige „Light of Day, Day of Darkness“ intonierten. Überraschungen in der Setlist blieben ansonsten aus…(Rachendrachen)

U.D.O.
Eigentlich ist das Wacken Open Air primär für zwei Menschen gemacht: Ton Angelripper und Udo Dirkschneider, der im Gegensatz zu dem SODOM-Frontmann jedoch nur alle zwei Jahre antritt, um Bauer Jansens Acker zu rocken. Die Stimme von ACCEPT transportiert auch fast zehn Jahre nach dem zweiten Aus der Solinger Stahlschmiede den alten Geist der frühen 80er Jahren: jenen lupenreinen unverdorbenen Heavy Metal deutscher Schule, der bis zum Ende aller Tage alle anständigen (Metal)Parties dieser Welt am Leben halten wird. Mit den zahlreichen ACCEPT-Gassenhauern (geschmackvolle Liedauswahl: So wurde diesmal u. a. auch das „Russian Roulette“-Album bedacht sowie die Menge einmal mehr mit den all-time-hidden-classic „I’m A Rebel“ verwöhnt) im Gepäck frisst das Publikum den Herren Dirkschneider und Kaufmann (vom Schlagzeug an die Gitarre gewechselt) auch 2002 aus der Hand. Kein Wunder, reihen sich live die doch eher hausbackenen Stampfer der zahlreichen U.D.O.-Alben, die sich zu Hause an der heimischen Stereoanlage kein Mensch anhören würde, prima in die Reihe der unsterblichen ACCEPT-Klassiker ein. Beide Daumen nach oben und bis zum W.O.A. 2004! (g.n.a.d.i.a.t.o.r.)

ONKEL TOM
Die Insitution. Kein Wacken-Open-Air ohne Onkel Tom Angelripper, im wirklichen Leben Bassist und Sänger bei den Ruhrpott-Thrashern SODOM und by the way einer der netteren im Zirkus der Rockstar-Eitelkeiten. Die Kumpelnummer mit den runderneuerten und flott schwermetallisch aufgezogen Saufliedern geht nun auch schon über mindestens drei CDs (hab’ nicht mitgezählt), doch irgendwie ist das ein Running gag, der sich partout nicht totlaufen mag. Man mag es nicht glauben, aber es gibt da draußen tatsächlich irgendwo eine kaufwillige Zielgruppe für all den bierseligen Quatsch von TANKARD über die DIMPLE MINDS hin zu den TOTEN HOSEN. Und unter uns: Jeder, der mal gesoffen hat, kann dieses Phänomen zumindest ein klein wenig nachvollziehen. Egal. Um halb drei morgens auf einem gottverlorenen Acker kurz vor dem Meer ist sicher der völlig falsche Ort, um über Sinn und Unsinn des ONKEL TOM-Projekts zu philosophieren. Auch für die alkoholisierte Meute des W.O.A. 2002 macht ONKEL TOM einmal mehr überzeugend den Animateur, mit der einschlägigen Hitsammlung von “Was wollen wir trinken?” bis “Die kleine Kneipe” brennt bei kristallklarem, druckvollem Sound nichts an. So gleicht das Bild vor und auf der Partybühne exakt dem aus den Vorjahren: Alle Jahre wieder ein feiernder Mob, stageposing ohne Ende und der Chef am Mikro am allerbetrunkensten. Ballermania im nächtlichen Wacken! (gnadiator)

MY DYING BRIDE
Nachdem HAGGARD einmal mehr aus unnachvollziehbaren Gründen (hinter der Bühne war die Rede von völlig überzogenen Forderungen wie Einzelzimmern für alle hunderddreiundzwanzig Musikern etc.) einen Auftritt kurzfristig abgesagt hatten, blieb es den britischen Trauerweiden um ihren charismatischen Frontjammerer Aaron Stainthorpe überlassen, das Licht auf der Party Stage auszuknipsen. Ein perfekter Ausklang, denn die Aussicht auf die obligatorische Polizeikontrolle und den damit verbundenen Stau an der Autobahnanschlussstelle konnte schon wehmütig stimmen. Außerdem hatten die meisten Bierstände bereits den Schankbetrieb eingestellt. Da kamen Songs wie “The Cry Of Mankind” gerade recht. Natürlich fällt die nach wie vor nicht mehr vorhandene Violine negativ auf, aber die Briten machten ihre Sache trotz dieses Wehmutstropfens im Tee ordentlich. Lediglich die penetranten und unüberhörbaren Hinweise von Nebenbühnen-Performer ONKEL TOM, der bemängelte, dass es auf Hawaii kein Bier gebe, sowie seine Ankündigung, sein Omma ihr klein Häuschen der deutschen Spirituosenwirtschaft zu Gute kommen zu lassen, trübten die melancholische Stimmung im Zelt. Doch MY DYING BRIDE fügten sich seufzend in ihr Schicksal und quittierten die Erzählung, dass Schnaps sein letztes Wort war, mit majestätisch-düsteren Hymnen wie “The Dreadful Hours” oder “My Hope, The Destroyer”. Als finalen Song intonierten die schwarz gekleideten Musiker schließlich noch “The Return Of and To The Beautiful” – denn nebenan war endlich Ruhe eingekehrt. (vampiria)

Backstage – Klatsch und Tratsch, zusammengetragen von Rachendrachen

-Sie kann´s nicht lassen. Nachdem DORO schon Lemmy einst zu Vitaminpillen statt Jackie und Marlboro überreden wollte (was dieser ihrer Aussage nach mit einem „Davon krieg ich Pickel…“ abblockte…), ließ sie Abbath von IMMORTAL nach dessen Gesangs-Soundcheck nicht in Ruhe, bis dieser sich von der junggebliebenen Blondine mit Wick-Vaporupp einschmieren und sich das Versprechen abringen ließ, von nun an täglich zweimal mit Hustentee zu gurgeln. Außerdem wunderte sich HYPOCRISY-Fronter Peter Tägtgren am Morgen nach seinem Auftritt über wegmassierte Augenringe sowie ein blondes Haar auf seiner Bettdecke. Gerüchte, dass Fräulein Peschs wahrer Nachnahme Nightingale ist, sind jedoch aus der Luft gegriffen.

-Größeren Strudel, pardon, Wirbel verursachte Messiah „Klappen Sie die Hände!“ Marcolin von CANDLEMASS in einem Itzehoer Hotel. Drei Zimmermädchen und ein Rezeptionist reichten ihre Kündigung ein, da sie sich vom ausgiebigst und erbarmungslos angewandten Schuldeutsch des sympathischen Doommopses hochgradig belästigt fühlten. Dabei wollte Messiah doch eigentlich nur einen größeren Bademantel in Mönchskuttenform ordern…

-Der Grund für die leichte Verwirrung am Bühnenrand gegen Ende des BLIND GUARDIAN-Sets lag in hektischen Abfangaktivitäten mehrerer Stagehands, die versuchten, Kai Hansen daran zu hindern, auf die Bühne zu stürmen und mit den Krefeldern „I Want Out“ zu intonieren…Ein Roadie erlitt leichte Verletzungen durch eine Zacke von Kais Flying V-Gitarre…vampster wünscht gute Besserung! Bereits zuvor beim Auftritt der PRETTY MAIDS fiel das liebenswerte Nordlicht durch heimliches, penetrantes Mitpfeifen der HELLOWEEN-Melodie von „Future World“ über das Monitorsystem beim gleichnamigen Track der Dänen unangenehm auf.

-Nach wie vor ungeklärt ist die äußerst kurzfristige Absage von DRAGONLORD, wobei ihr Basser Steve DiGiorgio die Schuld einer äußerst hartnäckigen vampster-Chefin in die Schuhe schieben wollte. Sie habe ihn nicht auf die Bühne gelassen, weil sie mit dem resoluten Erklären ihrer Theorie über das Fehlen von Rehen in Norddeutschland noch nicht fertig gewesen sei. Wer glaubt denn sowas…

-Definitiv ein Alibi für die Absage von METALUCIFER hat unsere vampi allerdings, denn deren Gitarrist war beim freitäglichen Luftgitarrenwettbewerb mit solchem Feuereifer bei der Sache, dass er sich beim dreifachen Yannick Gers-Wirbel mehrere Haarsträhnen sowie Finger brach.

-Die Absagen von CHURCH OF FREAKS, CENTRE OF GRAVITY und VICTIMS OF MADNESS hingegen wurden durch kleinere Umschichtungen im Terminplan verursacht. Ungeschickterweise wurden die Auftrittszeiten der Bands derart oft untereinander getauscht, dass am Donnerstag Abend die Gitarristen von CHURCH OF FREAKS, der Sänger von CENTRE OF GRAVITY und die Rhythmusabteilung von VICTIMS OF MADNESS auftauchten, während Samstag Mittag dann der Sänger von CHURCH OF FREAKS, die Gitarristen von VICTIMS OF MADNESS und die Rhythmusabteilung von CENTRE OF GRAVITY auftauchte. Letztere wurde gleich dabehalten, um wenigstens den darauffolgenden Gig von CENTRE OF GRAVITY zu sichern, doch leider hatte sich ihr Gitarrist ins Krankenhaus begeben müssen, da er in ein Handgemenge mit Kai Hansen gekommen war, weil er diesem seinen Amp nicht für eine abschließende HELLOWEEN-Coverversion zur Verfügung stellen wollte.

-Weitere Absagen: NECROPHOBIC (Grund: Todesangst), MESSIAH´S KISS (Wer will schon vom CANDLEMASS-Moppel geknutscht werden?), CRIMINAL (Im Zuge der aktuellen Anti-Terror-Aktivitäten des Grenzschutzes werden chilenische Kriminelle fortan direkt beim Einreiseversuch in ihre Heimat abgeschoben…), MOB RULES (Die Band wartete auf dem Bahnhof von Itzehoe vergebens auf ihren Sänger Ozzy Osbourne. Als sie merkten, dass sie gar nicht BLACK SABBATH sind, war es schon zu spät…) und ANTAGONIST (Erklärung der Undergroundband: „Wacken ist untrue! Wir wollen mit unserer Absage ein Zeichen gegen die zunehmende Kommerzialisierung liefern! Naja, und außerdem hat die Freundin von unserem Sänger Geburtstag, und unser Drummer hätte eh keinen Urlaub bekommen. Trotzdem: Fuck the Commerce!“).

-Lediglich um einen Tag verschoben werden musste der Auftritt der britischen Trauerweiden von MY DYING BRIDE, nachdem am Freitag abend bei Sänger Aaron Stainthorpe akuter Frohsinn in Kombination mit guter Laune aufgetreten war, was eine glaubwürdige Performance unglaubwürdig hätte werden lassen. Wer will schon bei „A Sea to Drown in“ mit Sprüchen wie „Packt die Badehose ein!“ konfrontiert werden…

-DESTRUCTION-Mainman Schmier hingegen fühlte sich auf dem Festivalgelände derart wohl, dass er sich von den entnervten Securities morgens um halb sechs im Backstage-Partyzelt einschließen ließ, nachdem er dort bereits den Barkeeper mit seinem Beharren auf einem DESTRUCTION-vampster-Drink einen Fuß weiter unter die Radieschen gebracht hatte. Man fasst es nicht, aber der Thekenknabe hatte doch tatsächlich keine Kontaktlinsen parat…und eine gescheite Pizza bekommen sie auch nicht hin. Frechheit, sowas!

-Enttäuscht wurden alle, die von Alex Kraft (DESPERADOS, ONKEL TOM) bei dessen Workshop im Metal Market-Zelt musikalische Tipps erhofft hatten. Vielmehr ging Alex detailliert auf den Öffne-Vorgang, den fachgerechten Mundansatzsaugwinkel sowie seinen unvergleichlichen Runtermitderbrüheohneschlucken-Trick anhand mehrerer Tequila-haltiger Bierchen ein, sehr zur Freude der versammelten Profitrinkerfraktion, die gerade wieder aus dem Koma erwachte und endlich auch einmal etwas geboten bekam.

-Herzerweichend: Noch mit den Klängen von DOROs „White Wedding“ im Ohr und angesichts des romantisch bei den Backstage-Dixis knutschenden HOLLENTHON-Ehepaares Schirenc wurde unser Rachendrachen vom Überschwang der Gefühle heimgesucht und machte Psycho mitten auf der Bühne einen Heiratsantrag. Dieser antwortete gerührt mit einem schwarzbierseligen „Ha ja awa, des passt scho!“, so dass bald die Hell´s Bells für unsere Turteltäubchen läuten dürften!

-Schön. Die vom Lechz- und Sabberklamottenhersteller X-Tra veranstaltete Modenschau brachte die Meute im Metal Market-Zelt trotz 5€ Eintritt und 10€ Mindestkaufverpflichtung zum Kochen. Daran sicher nicht unbeteiligt die Geschmack beweisende Modelauswahl. Unvergessen wird Kimberley Goss im Lackzelt bleiben, und auch TANKARD-Gerres Präsentation seiner eigenen Latex-XXXL-Pyjamakonfektion sowie Peter Tägtgren in der modischen Zwangsjacke mit Augenringhaltern wussten zu begeistern. Nur Kai Hansen konnte sich mit seiner eng anliegenden Ganzkörperledermontur nicht anfreunden und brüllte unablässig „I Want Out“…

-Bester Laune war unser Ilias, nachdem er erfahren hatte, dass Rob Halford trotz seiner so überragenden Gesangsleistungen auf den vorhergehenden Hard Union-Festivals definitiv nicht auf dem Wacken auftreten wird. Komisch…

-Im ambulante Behandlung musste sich unser Fotospezialist boxhamster begeben, nachdem er im Fotograben mehrere für IMMORTAL bestimmte Plüschtierchen an den Hinterkopf bekam. Nachdem eine hübsche Sanitäterin boxis geschundenen Head of Steel mit Pusten geheilt hatte, warf er sich jedoch gleich wieder in die heiße Schlacht im Fotograben. Was ein echter Metalhead ist…

-Neuerung beim Promi-Fußballspiel. Erstmals wurden die Mannschaften direkt vor Ort gewählt. Stand es zur Pause dank der überragenden Leistung der Torhüter Gene „Buddha“ Hoglan und Hansi „Bierbauch“ Kürsch noch 0:0, ging Gene Hoglans Mannschaft kurz vor Schluss mit 1:0 in Führung durch den kurz zuvor zwangsverpflichteten vampster-Fierce, der einer Faustabwehr von Kürsch in der Tradition von Oliver Bierhoff nicht rechtzeitig aus dem Weg gehen konnte. Noch Tage später schlich uns Fierce aus Angst vor Bundesligamanagern nur verkleidet aus dem Zelt raus, was dem bekennenden Fußballhasser nichts half bei der hartnäckigen Art von Franz Beckenbauer, der vampster eine nicht näher genannte, Gerüchten zufolge siebenstellige Ablösesumme überreichte. Wir gratulieren Dir, Fierce! Auf die WM in vier Jahren!

Und last but not least: Die Punktevergabe von allen vampster-Mitarbeitern an alle auftretenden Bands im detaillierten und übersichtlichen 10-Punkte-System. Noch Fragen? 😉

Viel Spaß beim „wirklichen“ WACKEN OPEN AIR 2002 wünscht das vampster-Team! 🙂