EARTHSHAKER FESTIVAL 2005: Der Festivalbericht

EARTHSHAKER FESTIVAL 2005: Der Festivalbericht

Was 2003 als lockere Geburtstagsshow der fränkischen Coverrock-Institution JUSTICE startete, ist drei Jahre später zum Riesen-Rockspektakel mutiert, mit dem die Macher zum Angriff auf die etablierten Heavy Metal Festivals der Republik blasen. Leider hatte sich das musikalische Aufgebot des Earthshaker Fest 2005 bereits im Vorfeld mächtig ausgedünnt: Neben den Stimmungsgaranten TESTAMENT und OVERKILL (beides bei Gott keine Bands, die man noch nie gesehen hat, auf Festivals jedoch seit jeher ein Garant für die totale Abfahrt) blieb kurzentschlossen auch der groß angekündigte Stargast Christopher Lee der Headbanger-Party fern – nicht der einzige Punkt an diesem Festival, der mächtig nach Verarsche roch. (gnadiator)

Pünktlich um 11.00 Uhr stand ich bei leichtem Nieselregen vor der Bühne, um zusammen mit schätzungsweise 2000-3000 Gleichgesinnten SYMPHORCE zu lauschen. Hier wurde mir schon bewusst, wie gross das Festival dieses Jahr ist, denn soviele Leute waren im letzten Jahr spätnachmittags vor der Bühne. Und die die dort standen, brauchten ihr frühes Kommen auch nicht bereuen, denn wo SYMPHORCE, bzw. Andy B. Franck draufsteht, ist Spielfreude auf der Bühne. Acht Songs, darunter mit Nowhere vom neuen Album Godspeed eine Livefeuertaufe, viel Spielfreude und bangende Köpfe gab es zu bewundern. Kritikpunkte gab es keine und wenn ich mal ein Festival organisiere ist SYMPHORCE eine der ersten Bands die ich buchen werde. Das einzig störende sind mittlerweile nur die Ansagen vom Andy, der doch jeden Abend ein noch besseres Publikum wie am Abend vorher ausmacht. Freu mich auf SYMPHORCE/BRAINSTORM-Gigs im Jahre 2010… Da geht es ja dann richtig ab. Lieber Andy, ich seh dich im Jahr durchschnittlich viermal auf der Bühne. Ich glaub Dir das nicht mehr!

Nach einem Frühstück war ich pünktlich zu EVIDENCE ONE wieder am Gelände und sah einen engagierten und routinierten Gig der Franken, die mittlerweile eine feste und gut eingespielte Band sind.

EXILIA konnten, obwohl stiltechnisch völlig fehl am Platze bei den MANOWAR-Festpielen, trotzdem beim Publikum punkten und überzeugten mit guten Rocksongs. Ein Song wie Stop Playing God ist aber auch für die Bühne gemacht. Besonders niedlich war Sängerin Masha als sie nach dem Gig mit ihrem Schoßhund übers Gelände stolzierte.

Bei GRAVE DIGGER war es wie immer in den letzten 15 Jahren: 60 Minuten den gleichen Song gespielt und bei Tunes Of War und Heavy-Metal-Breakdown abgeräumt ohne Ende.

Desweiteren hatte ich noch das Vergnügen dem ersten Deutschlandgig von MACHINE MEN beizuwohnen, die in der grossen Halle aufspielten. Trotz des jugendlichen Alters hatte man das Gefühl alte Hasen stehen auf der Bühne und konnten mit ihrem MAIDEN-artigen Metal von Minute zu Minute mehr punkten. Daumen nach oben. Einer der derzeit heißesten Newcomer, die auch bewiesen haben, dass sie nicht nur auf Platte überzeugen können.

Bei NIGHTWISH wurde es dann mal so richtig eng vor der Bühne und die Band spielte routiniert und sicher ihren Stiefel runter, obwohl ich sie irgendwie besser fand als vor 5 Monaten in der Halle. Auch gab es eine andere Setlist zu bestaunen, so fand z.B. Over The Hills den Weg zurück in die nur so von Hits strotzdenden Setlist.

Tarja ist mittlerweile kein Fremdköper mehr und selbst wenn sie bangt (und das nicht zu selten) hat man das Gefühl es kommt mittlerweile von Herzen und ist nicht gezwungen. NIGHTWISH ist eine Band die jedes Festival headlinen kann und mittlerweile die Größenordnung von IRON MAIDEN haben. Aber das wisst ihr ja selbst. Übrigens, warum haben nicht alle Bands so einen druckvollen und klaren Livesound wie die Finnen?(frank)

Aus ganz Europa waren die Fans nur aus einem Grund nach Geiselwind gepilgert: Um die Rückkehr von MANOWAR zu erleben, die das dritte Earthshaker Fest kurzerhand zu ihrer eigenen Fan-Messe umfunktionierten. Drei Tage lang stand rund um den Erlebnisrasthof Strohofer alles im Zeichen der selbsternannten Kings Of Metal, die für ihren dreistündigen Auftritt zum Festivalfinale sämtliche Musiker mitbrachten, die jemals in der Band gespielt hatten.

Fakt bleibt: Mehr Metal als MANOWAR geht gar nicht. Statt jedoch zur Feier des Tages endlich mal einem stringenten, konzentrierten Auftritt vorzulegen, feiern die vier New Yorker ihre Fans und vor allem sich selbst einmal mehr mit einer großangelegten, pseudosakralen Comicshow, gespickt mit Muskeln, Monstern, Mädchen und Motorrädern, endlosen Gitarrensoli, schrägen Showeinlagen und einem finalen Feuerwerk, das absolut gigantisch war. Dass MANOWAR längst nur noch eine Showtruppe sind, bei der die Musik immer mehr in den Hintergrund rückt, ist und bleibt schade. Bizarrer Höhepunkt des dreistündigen True-Metal-Rituals in Geiselwind: Bassist und Bandchef Joey DeMaio liest den unfassbar arroganten Antwortbrief von Wolfgang Wagner vor, dem die Band eine goldene Schallplatte überreichen wollte – in Verbeugung vor dem Schaffenswerk des großen Richard, der nach dem Verständnis von MANOWAR der Gottvater des Heavy Metal ist und ohne den es MANOWAR nicht geben würde. Als Rache lässt DeMaio daraufhin das anwesende Orchester aus Tschechien die komplette Ouvertüre aus Lohengrin spielen (die Musik kam komplett aus der Konserve, wie später bekannt wurde), wenig später reckt der hundertköpfige klassische Chor die Fäuste zur Bandhymne Hail And Kill. Und wir trinken dazu munter einen auf und strecken tapfer unsere mitgebrachten Plastikschwerter in den nächtlichen Himmel. Ein gutes Konzert? Nein. Aber etwas anderes hat wohl auch niemand ernstlich erwartet. MANOWAR sind und bleiben riesengroße Trottel. (gnadiator)