The Dead Don’t Die (Filmkritik)

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Eigentlich kann Jim Jarmusch Genrefilm. 1995 erfand er den Western neu („Dead Man“), 2013 trotzte er dem Vampirfilm-Genre eine feine Variation ab („Only Lovers Left Alive“). Die gängigen Mythen interessierten den legendären amerikanischen Independentfilmer dabei nie, und natürlich ging es auch nie um Cowboys oder um Blutsauger.

Das Thema stellte immer nur den Startpunkt beziehungsweise die Kulisse für Jarmuschs Philosophien auf das Leben und den Tod. Jetzt hat der 66-Jährige eine Zombiekomödie gedreht – und sich sauber verhoben.

„The Dead Don’t Die“ ist nur ein Zombiefilm

Das Problem: Wo „Dead Man“ am Ende ein Anti-Western war, ist „The Dead Don’t Die“ tatsächlich ein Zombiefilm geworden. Doch Jarmusch kann mit dem Genre nichts anfangen und schafft es nicht, ihm eine einzige neue Idee oder zumindest irgendeinen Kniff abzutrotzen. Oder wenigstens eine interessante Geschichte zu erzählen. Und das im zur Zeit ausgelutschtesten Filmgenre überhaupt, in dem zwischen Trash und Arthaus alles möglich scheint …

Um was geht’s? Peu à peu werden die Protagonisten der fiktiven Kleinstadt Centerville („A real nice place“, wie es auf dem Ortsschild heißt) vorgestellt und dann aufgefressen. Hier und da wird zwar ein wenig gekämpft, doch so richtig Widerstand gegen die mysteriöse, offenbar durch Fracking hervorgerufene Bedrohung rührt sich nicht in diesem charmanten Kuhkaff, das als Jarmusch als Gleichnis auf das Trump-Amerika und überhaupt auf die allgemeine Weltlage anlegt. Es hängt eine Glocke der Lethargie über Centerville, selbst die Helden sind seltsam abgestumpft und ergeben sich ganz unamerikanisch ihrem Schicksal.

105 Minuten lang passiert nichts

Iggy Pop spielt in „The Dead Don’t Die“ einen Zombi (Foto: FFrederick Elmes Focus Features 2019 Image Eleven Productions, Inc.)

Nun durfte man bei Jim Jarmusch noch nie eine stringente Geschichte erwarten, zu sehr liebt der Regisseur das Spiel mit Brüchen und unterlaufenen Erwartungshaltungen. Diesmal arbeitet sich jedoch eine hochkarätige Besetzung (neben dem schon „Zombieland“-erfahrenen Bill Murray unter anderem Tilda Swinton, Steve Buscemi, Danny Glover, Adam Driver und Chloë Sevigny, aber auch wieder viele Musiker wie TOM WAITS, IGGY POP, SELENA GOMEZ und RZA vom mächtigen WU-TANG CLAN) an einem Nicht-Skript ab.

105 Minuten lang passiert nichts. Die Spezialeffekte sind mau, die wenigen Gags schrecklich fade, selbstgefällig und aufgesetzt. Überhaupt wirkt „The Dead Don’t Die“ wie ein Witz, der einmal zu oft erzählt wurde. Bei aller Verehrung für Jarmusch und sein Schaffenswerk: Dieser Film taugt gar nix.

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.