MARDUK: Blood Puke Salvation [DVD]

Endlich ein edles Äußeres, doch wie steht es mit den inneren Werten der dritten MARDUK DVD-Veröffentlichung?

Mit Blood Puke Salvation blasen MARDUK zum dritten Mal zum Angriff auf das schwarzmetallisch ausgerichtete Heimkino. Anders als bei den zwei Vorgänger-DVDs Funeral Marches and Warsongs und Blackcrowned tun die Schweden dies mit schlichtem schönen Artwork, welches an die Kunstwerke von Dürer erinnert. Cover und Menü wirken wie aus einem Guss, außerdem spricht die matte Hülle mit ihrem Material auch die haptischen Reize an. Trotz der darüber aufkommenden Begeisterung lauert im Hinterkopf alsbald die Frage: Warum nicht schon früher? Warum den Fan zwei Veröffentlichungen warten lassen, bis die schicke Ummantelung Realität wird?

Leider flackern auch während des audiovisuellen Genusses dieser Doppel-DVD immer wieder ähnliche Gedanken auf. Ein Grund hierfür dürfte die MARDUK-Mathematik in Sachen Veröffentlichungen sein: Drei Jahre, drei DVDs (inklusive dem erweiterten Re-Release von Blackcrowned), doch das letzte Album mit frischen Songs erblickte das Dunkel der Welt anno 2004 und stellte gleich den damals neuen Sänger Mortuus vor. Somit kommt gleich das größte Problem von Blood Puke Salvation im Zusammenhang mit den Vorgänger-DVDs ans Licht: der gewisse Recycling-Charakter.

Dieser äußert sich nicht etwa in der Präsenz von Mortuus, der einen anständigen Job hinlegt und das erste Mal auf einer DVD der schwedischen Black Metal-Phalanx zu genießen ist. Vielmehr hat die Trackliste einen Anstrich der akuten Wiederverwertung, da MARDUK ihre Aufmerksamkeit bei den Gigs nicht komplett auf das damals aktuelle Album Plague Angel legen, sondern vielmehr ihr gewohntes Sammelbecken mit überwiegend Material aus den acht Vorgängeralben präsentieren. Logisch, dass die Fans unbedingt Panzer Division Marduk hören wollen an einem Konzert der Schweden, und einen Klassiker wie diesen kaum einem neueren Song vorziehen würden. Und gerade das Einfangen der Live-Eindrücke steht bei Blood Puke Salvation klar im Vordergrund. Leider schwappt das Live-Flair beim Gig in Tilburg nicht ganz über, zudem ist der Sound ab Mischpult etwas dünn ausgefallen. Immerhin hört man die coolen Basslines und MARDUK machen eine gute Falle, obschon das Ganze etwas lieblos zusammengeschnitten wirkt. Visuell weniger befriedigend fällt in diesem Zusammenhang der Auftritt in Antwerpen aus, der eher in die Sparte Grau in Grau fällt und die technischen Möglichkeiten nicht auszunutzen scheint. Dennoch – MARDUK wissen, was sie live tun, und funktionieren auch mit Neuzugang Mortuus wie ein frisch geölter Panzer in einem Gelände ohne Panzersperren.

Disc 2 verspricht mit Titeln wie Behind the scenes und den Interviews mit Morgan und Mortuus Genüsse, in die man vorher noch nicht gekommen ist. Während die Video-Clips von Steel Inferno und Throne of Rats wenig Überraschungen bieten und sich der Deathmarch als unspektakulärer Tour-Ausflug mit verschiedenen Qualitätsstandards herausstellt, scheinen die in bewegten Schwarz-Weiß-Bildern festgehaltenen Interviews mehr Neugier hervorzurufen. So hat es sich Mortuus auf einem Friedhof bequem gemacht und Morgan gibt in einem geschmackvoll-morbid eingerichteten Zimmer Auskunft – oder eben nicht, je nach Perspektive. Während Mortuus nämlich artig die Fragen beantwortet, besticht bei Morgan die nichtsprachliche Kommunikation, der gute Mann wirkt stellenweise absolut sensationell gelangweilt. Klar stellt der im Hintergrund bleibende Interviewer keine weltbewegenden, innovativen Fragen – aber ein Funke Interesse seitens des Bandmitglieds sollte doch vorhanden sein, schließlich addressiert er am Schluss ja die Fans, die zuhause die erworbene Veröffentlichung genießen wollen. Hier lässt sich dann auch ein riesiger Unterschied zum Interview mit Jon Nödtveidt auf der DISSECTION-DVD Rebirth of Dissection ausmachen (neben dem Musikalischen): Jon Nödtveidt hat man – selbst wenn man seine Äußerungen nicht gutheißt – immerhin angemerkt, dass er dieses Interview wirklich machen wollte, den Fan teilhaben lassen wollte an seinen Gedanken, seinen Überzeugungen und seiner Sicht der Dinge. Von diesem Willen merkt man bei Morgan nichts. Rein gar nichts. Auch nicht, wenn er von seiner Faszination mit dem Dritten Reich spricht, von objektiven Beschreibungen der historischen Geschehnisse und von künstlerischer Freiheit. Die Interviews hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck, nicht nur, weil man Morgan insgeheim eine Horizonterweiterung wünscht, sondern auch, weil das Paradox, wie jemand so gelangweilt von einer Faszination sprechen kann, fast schon faszinierend wirkt – oder eher ablöschend.

Entgegen des Titels liefert das Behind the Scenes keine klar fassbaren Hintergründe in das Bandleben jenseits der Bühnen. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Schwarzweiß-Film, der etwas an Blair Witch Project erinnert und primär aus Geräuschen, Rumgerenne und Bildimpressionen von Totenköpfen besteht. Der Titel Impressionen meines letzten Samstagabends nach der krassen Party, an die ich keine Erinnerung mehr habe wäre für dieses nicht alltägliche, aber dennoch kaum überzeugende Filmchen wohl zutreffender gewesen. Auch die ebenfalls dem Bonus-Material zuzurechnende Photogalerie liefert nichts Neues, zwar sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sehr stilvoll, doch die farbigen Fotos wirken zum Teil wenig überzeugend. Da kann man gratis auf METALPICS.CH doch stimmigere Farbfotos der schwedischen Black Metaller anschauen.

Fazit der langen Rede: Wer sich die beiden Vorgänger-DVDs noch nicht gekauft hat, dürfte mit Blood Puke Salvation den besten Deal machen, vorausgesetzt, man möchte nicht in Legion-Erinnerungen schwelgen – denn trotz der Kritikpunkte ist diese DVD-Veröffentlichung professionell ausgefallen. Hat man jedoch bereits Blackcrowned und Funeral Marches and Warsongs im heimischen Regal stehen, sollte ein Kauf hier gut überlegt werden – denn aus dieser Perspektive kann Blood Puke Salvation den Anstrich der Geldmacherei nicht restlos loswerden. Es lohnt sich dann im Sinne der Abwechslung vermutlich mehr, auf die vierte MARDUK-DVD zu warten, in der neueres Material mehr berücksichtigt wird – sei es dasjenige von Plague Angel oder die Songs des noch nicht erschienenen zehnten Albums, ROM 5:12.

Veröffentlichungstermin: 17.11.2006

Line-Up:
Morgan Steinmeyer Håkansson: Gitarren
Emil Dragutinovic (THE LEGION): Drums
Mortuus Arioch: Vocals
Magnus Devo Andersson: Bass

Label: Regain Records

Homepage: http://www.marduk.nu

Tracklist:
DVD 1:
Tilburg, Holland, 18th December 2004
1. Azrael
2. Burn My Coffin
3. With Satan And Victorious Weapons
4. Perish In Flames
5. Slay The Nazarene
6. Sulphur Souls
7. Panzer Division Marbuk
8. The Black
9. Warschau
10. Bleached Bones
11. On Darkened Wings 1
12. Throne Of Rats
13. Wolves

Antwerpen, Belgium, 19th December 2004
1. The Black
2. Bleached Bones
3. Throne Of Rats
4. World Funeral
5. Slay The Nazarene
6. Sulphur Souls
7. Panzer Division Marduk

Photogalerie

DVD 2:
Videos
1. Throne Of Rats
2. Steel Inferno

Deathmarch 2004/2005
Interviews mit Morgan und Mortuus
Behind The Scenes