GORGOROTH: Black Mass Krakow 2004 [DVD]

GORGOROTH sind im Sinne der Gleichberechtigung mit nackten Gekreuzigten beider Geschlechter unterwegs. Kein Wunder, hat die katholische Kirche ein Problem mit dieser Black Mass in Krakow…

Nach der Besprechung der ärgerlichen Live in Grieghallen-Veröffentlichung war die Motivation, die gleichzeitig eingetroffene Live-DVD GORGOROTHs zu besprechen, eher tief. Dass die Norweger in letzter Zeit auch mehr mit Medienschlachten als mit musikalischer Qualitätsarbeit auf sich aufmerksam machten, dient ebenfalls nicht gerade als Motivationsspritze. Doch handkerum hatte die katholische Kirche Polens genau diesem Auftritt der norwegischen Black Metaller ihr Qualitätsgütesiegel moralisch verwerflich verliehen und die auf Amazon.de erwähnte ab 18-Altersbegrenzung lässt vermuten, dass GORGOROTH damals in Krakau wohl doch jugendschädlicher waren als das Tagesprogramm auf MTV.

Immerhin, am Booklet kanns schon mal nicht liegen. Dieses glänzt durch die Abwesenheit provokativer Texte und zeigt stattdessen vor allem Gaahl in Live-Pose, zusammen mit Pentagramm, Pyroeffekten und Schafsköpfen der Show. Auch die Menüführung ist für unter 18jährige problemlos bedienbar und soundtechnisch lässt sich zwischen Dolby 5.1 und 2.0 wählen. Einzig das Industrial-artige Intro beziehungsweise der selbige Background-Sound nervt angesichts seiner Wiederholungsaffinität mit der Zeit, aber ansonsten kommt die Live-DVD der Norweger durch und durch professionell gestaltet daher.

Dieser Eindruck bestätigt sich auch im eingefangenen, skandalösen Konzert. Die Trackauswahl ist gut getroffen und die Songtitel werden inklusiv dazugehörigem Album jeweils zu Beginn dezent eingeblendet. Auch soundtechnisch glänzt Black Mass Krakow 2004 auf der ganzen Linie mit Professionalität – METAL MIND PRODUCTIONS und das polnische Produktionsteam können sich hier also völlig zurecht ein Kränzchen winden. Die Kamerafahrten passen, geschnitten wurde sauber und nicht allzu hektisch. Das Aufnahme- und Produktionsteam hat hier somit ganze Arbeit abgeliefert und die audiovisuelle, technische Umsetzung kann nur gelobt werden!

GORGOROTH hingegen bieten ihre gewohnte Show, die vom musikalischen Aspekt her weder schlechter noch besser ist, als was man sich von den Norwegern gewohnt ist. Will heissen: Präzises Spiel bieten GORGOROTH auch in Krakau nicht und Bassist King Ov Hell spielt zeitweise haarsträubend schludrig. Musikalisch kann man also wie gewohnt an den Norwegern rummäkeln, doch bezüglich des visuellen, des Show-Teils ihrer Performance kann man der skandalumwitterten Truppe so rasch nichts vormachen. Elitär-entrückt stolziert der Spike-behangene Gaahl über die Bühne und verströmt sein Frontmann-Charisma, Bewegung wird nur sparsam an den Tag gelegt (was sich auch vom Publikum behaupten lässt) und Spielfreude wird selbstverständlich nicht gezeigt. Sämtliche Verhaltensnormen des Black Metals werden somit perfekt exerziert und inszeniert.

Und ja, die Inszenierung hat es in sich. Ein Arsenal an aufgespiessten Schafsköpfen, Stacheldraht, Pyros und Fackeln, dominierendes, rot-infernalisches Licht und insgesamt vier Riesenkreuze rechtfertigen den Titel Black Mass Krakow 2004 zu genüge. Die verschiedenen Kameraperspektiven tragen den Requisiten gebührend Rechnung und die Aufnahmen von hinten oben über dem Drumkit – man sieht also den Drummer und zwei der vier Kreuze – sind absolut gelungen. Im Sinne der skandinavischen Gleichberechtigung hängen auch nicht nur nackte Frauen an den Kreuzen. Nein, auf GORGOROTHs Golghata-Bühne harren auch Herren im Adamskostüm am Kreuz aus. Gefoltert wird indes niemand und anders als bei den Osterfeierlichkeiten auf den Philippinen – welche wohlgemerkt ohne Altersbeschränkung in Nachrichtensendungen übertragen werden – fliesst kein Blut, da die Gekreuzigten lediglich an die Kreuze gebunden und nicht genagelt werden. Vermutlich war der katholischen Kirche also die Gleichberechtigung beziehungsweise der Umstand, dass auch die Frauen im Publikum was zu gucken haben, ein Dorn im Auge…

Das Bonusmaterial der DVD entfaltet seinen Reiz primär dann, wenn man sich Black Mass Krakow 2004 auf seinem Computer reinzieht. Wallpapers, Fotogalerien (inklusive Copyright-Angaben), Bandbiographie und Portraits der Mitstreiter wirken so professionell wie das präsentierte Konzert. Die WITH FULL FORCE anno 2000-Aufnahmen wirken etwas überflüssig und fallen von der Qualität her klar hinter dem 2004er-Auftritt zurück – gleichzeitig machen sie aber auch nochmals klar, wie gross der Effekt der professionellen DVD-Produktion ausmacht (und dass Gaahl früher wesentlich weniger Spikes hatte).

Fazit: Für GORGOROTH-Fans ist die DVD ein absolutes Muss, schon nur weil sie hier ihre Band endlich mal ohne den üblichen Skandalmedienrummelkrempel geniessen können. Doch auch andere Black Metaller leisten sich hier keinen Fehlkauf. Black Mass Krakow 2004 ist sein Geld wert und zeigt auf, wie eine professionelle, gute Umsetzung einer Black Metal-DVD aussieht. Cool!

Veröffentlichungstermin: 18.06.2008

Spielzeit: 54:57 (plus Extras) Min.

Line-Up:
Infernus: Gitarre
Gaahl: Vocals
King ov Hell: Bass
Apollyon (AURA NOIR): Gitarre
Kvitrafn: Drums

Label: Metal Mind Productions

Homepage: http://www.gorgoroth.org

Tracklist:
1. Procreating Satan
2. Forces of Satan Storms
3. Possessed (By Satan)
4. Bergtrollets Hevn
5. The Rite of Infernal Invocation
6. Profetens Apenbaring
7. Of Ice and Movement…
8. Odeleggelse og Undergang
9. Blood Stains the Circle
10. Unchain My Heart!!!
11. Revelation of Doom
12. Destroyer
13. Incipit Satan

Bonus:
Live at With Full Force Festival, Leipzig, 2000 (Bootleg)
1. Destroyer
2. Incipit Satan

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