GABRIEL BURNS: Die grauen Engel [Hörbuch]

GABRIEL BURNS: Die grauen Engel [Hörbuch]

Vancouver wird von geheimnisvollen Wesen heimgesucht: Gigantische Kreaturen mit ledernen Schwingen haben schon so machen Kopf abrasiert. Unter anderem von Carl Abrahams, einem alternden Mitarbeiter der Trudeau-Kommisson, der die Fähigkeit besaß, den Tod seiner Mitmenschen vorher zu sehen. Etwas macht Jagd auf die Mitglieder der Kommission, die dem gebürtigen Schotten Bakerman untersteht. Agentin Joyce Kramer untersucht die grausigen Vorkommnisse und kommt auf die Spur des Industriellen George Lazar. Zeitgleich wird der erfolglose Schriftsteller Steven Burns von seinem Verleger Sonny Heseltine auf die fliegenden Schatten angesetzt, um dem Verlag endlich einen Verkaufsschlager zu bieten. Der heftet sich an die Spuren von Carl Abrahams Witwe und findet sich in einem Albtraum aus Gewalt, Horror und Perversion wieder.

Aufmerksame GABRIEL BURNS-Hörer werden sich bei der Inhaltsangabe vielleicht gewundert haben, aber die Lösung liegt auf der Hand: Die grauen Engel ist das Prequel zur ersten Hörspielfolge der Serie. Ursprünglich erschien diese Geschichte bereits 2007 im Ullstein-Verlag, die Vertonung des Romans ist leider kein Hörspiel, aber immerhin ein Hörbuch, das von Engelbert von Nordhausen gelesen wird. Die gut 200 Seiten des Romans werden in fünf Stunden, auf vier CDs gelesen – ein erstaunlich großer Rahmen für ein derart kurzes Buch. Das liegt auch daran, dass von Nordhausen sehr ruhig und bedächtig liest, dadurch Spannung aufbaut und im richtigen Moment die richtigen Betonungen wählt. Die charakteristische Stimme des Sprechers ist aus der Serie wohlbekannt – seine Rolle als Sonny Heseltine ist eine der wenigen, die nicht nur ernst ist, sondern auch mal etwas humorvoller sein kann.

Dennoch überwiegt seine sonore Stimmlage, und das erzeugt ungemein Atmosphäre. Dazu kommt ein unterschwelliger, leiser Ambientsoundtrack, der oftmals gar nicht auffällt, aber die düstere Atmosphäre der Geschichte schön unterstreicht. Die große Differenz zwischen den Hörspielen und dem Hörbuch liegt jedoch wo anders: Die Story passt vom Niveau her nicht zu GABRIEL BURNS, stattdessen wirkt der Schreibstil wie ein Plagiat von AKTE X, mit ein paar grausigen Splatterelementen zusätzlich – irgendwie muss ich außerdem bei dem Kapitel in Murphys Keller an Hostel denken. Der Versuch, die Hörspiele in Romanform zu pressen, gelingt nur bedingt, einfach da zu viel zu verkrampft erzählt  wird. Bei den Hörspielen entsteht viel mehr im Kopf, dem Hörer wird mehr Freiraum zur Interpretation gelassen. Volker Sassenberg hat in Sachen Erzählstruktur recht reduzierte Hörspiele zu bieten, das Hörbuch meint, alles mit Details füllen zu müssen. Vielleicht passiert genau das, wenn man sich zu bewusst von Heftromanen abheben will, große Literatur sieht anders aus.

Dennoch sollten GABRIEL BURNS-Freunde dieses Prequel kennen, einfach um offene Fragen der Phase Fleisch beantwortet zu sehen. Das bedeutet aber auch, dass Die grauen Engel nicht gleich vor dem Serienauftakt gehört werden sollte, sondern besser zwischen Folge 23 und 24. Diese Veröffentlichung bietet außerdem viel Gegenwert fürs Geld, die große Spielzeit, die gute Arbeit von Engelbert von Nordhausen machen manchen Haken in der Erzählweise der literarischen Vorlage wieder wett. Auch das Ende von Die grauen Engel ist interessant – denn genau dort beginnt die erste Folge von GABRIEL BURNS, nur die Sichtweise ist etwas anders. Insgesamt eine lohnenswerte Anschaffung für Fans, die im Burnsiversum in die Tiefe gehen wollen.

Veröffentlichungstermin: 12. Juli 2013

Spielzeit: 78:10 + 77:58 + 76:04 + 68:51 Min.

Line-Up:
gelesen von Engelbert von Nordhausen

Decision Products – Idee & Konzeption
Andreas Gloge und Volker Sasenberg – Buch
Matthias Güntert – Musik
Decision Products – Technik & Schnitt
Ingo Masjoshusmann – Cover Design und
Illustration Aufgenommen und gemischt unter Finians Regenbogen

Produziert von Volker Sassenberg für Decision Products
Label: Volker Sassenberg für Decision Products

Homepage: http://www.gabriel-burns.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/GabrielBurnsHoerspiel