TRIVIUM, ANNIHILATOR und SANCTITY in der Kantine, Köln am 17.05.2007

TRIVIUM, ANNIHILATOR und SANCTITY in der Kantine, Köln am 17.05.2007

Nur ein halbes Jahr nach der letzten Tour sind TRIVIUM schon wieder in deutschen Landen unterwegs. Auch Köln stattete man einen zweiten Besuch ab, schließlich war das Konzert in der Live Music Hall im Dezember ein voller Erfolg. Diesmal buchte man dann auch gleich das deutlich größere E-Werk.

Sanctity
Eröffneten den Abend bis in die Haarspitzen motiviert – SANCTITY

Da der Vorverkauf dann aber wohl doch nicht lief, wie man es gerne gehabt hätte, wurde das Konzert äußerst kurzfristig (wir erhielten die Info einen Tag vorher) in die Kantine verlegt. Diese war mit ihrer Kapazität von tausend Besuchern auch bestens ausgelastet. Zwei mal innerhalb von so kurzer Zeit war – trotz des interessanten Support-Paketes – vielleicht doch etwas zu viel des Guten.

Den Opener machten an diesem Abend Roadrunners neuester Fang, die Modern Metaller von SANCTITY. Die Truppe um den sympathischen Frontmann Jared Mc Eachern wusste ihre halbe Stunde zu nutzen und legte bis in die Haarspitzen motiviert los. Der Sound der Jungs aus North Carolina passte natürlich bestens zu TRIVIUM, so dass die Fans SANCTITY entsprechend abfeierten. Und das zu recht, denn die starken Songs des Debüts Road To Blodshed kamen live richtig gut und wurden von der Band äußerst engagiert und spielfreudig vorgetragen. Der Mob tobte und sprang auf Kommando und als SANCTITY ihren Auftritt mit Beneath The Machine beendeten, konnte die Band sicher sein, die anwesenden Fans auf ihre Seite gezogen zu haben.

Bevor ich jetzt dazu übergehe ANNIHILATOR zu huldigen, möchte ich doch gerne ein paar Worte an jene richten, die sich darüber aufregten, dass ANNIHILATOR als Vorband von TRIVIUM unterwegs sind. Da kamen Sprüche wie Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein und so weiter. Leute, habt ihr mal die letzten Touren von ANNIHILATOR besucht? Ja? Dann gehört ihr zu den einigen wenigen, denn all zu viele Leute ziehen Jeff Waters und co. leider nun mal nicht mehr. Immerhin musste man sogar künstlichen Applaus verwenden um das Double Live Annihilation-Album etwas aufzumotzen. Bei TRIVIUM wiederum sind die Hütten voll. Ganz einfache Rechnung also. Warum sollte Jeff Waters so eine Chance nicht wahrnehmen? Ich gönne es ihm jedenfalls, jetzt endlich mal wieder vor einer ordentlichen Menge Leute zu spielen.

Annihilator
Setlist ANNIHILATOR:
Operation Annihilation, Clown Parade, Blackest Day, King Of The Kill, Never Neverland, Set The World On Fire, Fun Palace, Alice In Hell

ANNIHILATOR waren als Special Guest auf Einladung von TRIVIUM dabei und wurden dementsprechend von Corey Beaulieu angesagt. Los ging es erst mal mit Operation Annihilation von der neuen Scheibe. Und siehe da, live zündet der Track direkt besser als noch auf CD. Für das folgende Clown Parade gilt dies leider nicht. Der Song ist immer noch äußerst mäßig. Jeff Waters äußerst junge Band gab live richtig Gas und machte ordentlich Alarm auf der Bühne. Besonders Bassist Brian Daemon gebärdete sich on stage teilweise wie das sprichwörtliche Rumpelstilzchen. Der Meister himself stand dem natürlich in nichts nach. Ja, ANNIHILATOR können mäßige Alben veröffentlichen soviel sie wollen, live sind die Kanadier eine unerschütterliche Macht! Nach The Blackest Day folgte die Hit-Parade des ANNIHILATORschen Schaffens. Bei King Of The Kill gesellte sich TRIVIUM-Gitarrist Corey Beaulieu auf die Bühne und zockte den Song mit. Da hätte man ja auch gleich Coreys Song von Metal, namentlich Kicked, zum Besten geben können. Nach Never Neverland, bei dem Dave Padden bewies, dass er von melodischen Vocals besser die Finger lassen sollte, versorgte die Security die Fans in den ersten Reihen erstmal ausgiebig mit Wasser. Da wurden Gläser und Flaschen rum gereicht und auf Anfrage immer wieder nachgefüllt. Daumen ganz weit nach oben für derartig fanfreundliches Verhalten! Erlebt man nicht oft, um nicht zu sagen nie. Aber zurück zu ANNIHILATOR, die auf den Zielgeraden mit Set The World On Fire, Fun Palace und dem unvermeidlichen und wieder einmal göttlichen Allison Hell alles dem Erdboden gleich machten. Das Publikum honorierte die Leistung der Kanadier mit lautem Applaus. Es sollte doch mit dem Teufel zugehen wenn Jeff Waters auf dieser Tour nicht den einen oder anderen neuen Fan rekrutiert hätte.

Trivium
Setlist TRIVIUM:

Intro, Entrance Of The Conflagration, Detonation, Ember To Inferno, Like Light To The Flies, Rain,
To The Rats, Unrepentant, Requiem, Tread The Floods, Dying In Your Arms, Ascendancy, Walk (angespielt), Suffocating Sight, Ignition, Anthem (We Are The Fire)

Fighting The World (angespielt), A Gunshot To The Head Of Trepidation, Pull Harder On The Strings Of Your Martyr

TRIVIUM waren dann die erste Band, die wirklich Platz auf der Bühne haben sollte. Nach dem Abbau des zweiten Schlagzeuges konnte man sich tatsächlich auf den Brettern bewegen, ohne Gefahr zu laufen in den Photograben zu fallen. Nicht, dass das eine der vorherigen Bands gestört hätte… Zu den Klängen des Intros betraten TRIVIUM die Bühne und legten mit Entrance Of The Conflagration direkt heftig los. Der Mob war natürlich sofort auf der Seite von Matt Heafy und co. Dieser zeigte sich heute stilsicher in engen, schwarzen Jeans und weißen Sneakern. Die Achtziger sind vorbei? Nicht für Mr. Heafy, so scheint es. Die Setlist war an diesem Abend hervorragend ausbalanciert. So gab es je sieben Songs der beiden letzten Alben und immerhin zwei vom Debüt Ember To Inferno zu hören. Im Moshpit ging es zu jeder Zeit hoch her, es wurde geschubst, gesprungen und immer wieder entstanden Circle Pits. Hier wurde Schwerstarbeit geleistet! Matt Heafy präsentierte sich erneut als sympathischer Frontmann, der die Fans ganz Tom Araya-like dazu aufforderte, im Moshpit und in der ersten Reihe aufeinander acht zu geben und sich bemerkbar zu machen, sobald es jemandem vorne zu viel wird. Der Einzige, der sich das zu Herzen nahm war allerdings der Knabe, der seine Geldbörse im Getümmel verlor. Aber auch hier half der TRIVIUM-Fronter gerne und so fand sich das gute Stück schnell wieder. Direkt darauf folgte ein wenig SPINAL TAP, was Mr. Heafy auch sofort kundtat. Scheinbar war sein Amp im Arsch. Bis man herausfand, dass es doch eher am Sender seines kabellosen Verstärkers lag, bei dem schlicht und einfach die Batterie leer war, dauerte es zwar ein wenig, aber unterhaltsam war die ganze Chose irgendwie trotzdem. Nach Ascendancy huldigte man in Form des angespielten Walk mal wieder PANTERA. Das Publikum erwies sich hier zum Teil als deutlich textsicherer als Matt Heafy, aber das sei ihm mal verziehen. Den Hauptteil der Show beendete das grandiose Anthem (We Are The Fire). Lange bitten ließen sich TRIVIUM allerdings nicht und so kam man recht zügig zurück und forderte von den Fans das Sign Of The Hammer. Das Publikum leistete brav Folge und wurde zum Dank mit einer Kurz-Version von MANOWAR´s Fighting The World belohnt. Es folgte A Gunshot To The Head Of Trepidation, bei dem, unter kräftiger Mithilfe meinerseits, ein ganzer Haufen voll Crowdsurfer über den Zaun ging und das obligatorische Pull Harder On The Strings Of Your Martyr als Abschluss, bei dem im Moshpit noch mal jeder alles aus sich heraus holte. Im Vergleich zu letzten Mal in Köln spielten TRIVIUM diesmal neunzig Minuten und somit eine knappe halbe Stunde länger. Es geht also doch! Auch bei den von mir kritisierten Merch-Preisen sind TRIVIUM etwas zurückgegangen. Allerdings finde ich 25 Steine für ein Shirt immer noch völlig überzogen, aber zumindest sind es keine 30 mehr. So bleibt eigentlich als Fazit nur Positives zu sagen. Alle drei Bands lieferten hervorragende Auftritte ab und das Publikum war euphorisch.

Photos: Philipp Rauf

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.