SPOCK´S BEARD: Aschaffenburg, Colos-Saal, 2.10.2005

SPOCK´S BEARD: Aschaffenburg, Colos-Saal, 2.10.2005

Zum Auftakt ihrer zweiten Europa-Tour in diesem Jahr gastierten SPOCK´S BEARD erneut im Colos-Saal. Bereits im März 2005 wurde hier das Doppelalbum Gluttons For Punishment mitgeschnitten. Dieses Mal gab es keinerlei gesundheitlichen Probleme auf Seiten der Band, während das Publikum deutlich extrovertierter war als noch vor einem halben Jahr.

Nick D´Virgilio setzte sich nur noch selten hinter sein Schlagzeug. Die meiste Zeit spielte sang er und griff bisweilen auch zur Gitarre.

Zum Einstieg gab es einen 15 Minuten langen chronologischen Potpourri aus den Alben, ehe die vier Bärte unter lautem Jubel die Bühne betraten. Die Herren um Nick D´Virgilio ließen es sich nicht nehmen, wieder das komplette A Flash Before My Eyes-Epos am Anfang des Sets zu spielen. Die Resonanz war aber trotz kleinerer Unsicherheiten im Spiel sehr wohlwollend, zumal der in der hintersten Ecke versteckte Gastschlagzeuger Jimmy Keegan schon bei der dritten Nummer (Surfing Down The Avalanche) dermaßen offensiv trommelte, dass so manchem Hobbydrummer die Kinnlade runterklappte. Die größte Veränderung war allerdings bei Alan Morse zu beobachten, der äußerst agil wirkte und ständig den Kontakt zu seinen Mitmusikern suchte. Seine Gitarrenarbeit war dabei gewohnt facettenreich und stets erste Sahne.

Am Anschluss gab es die erste Überraschung in Form von Strange World. Der Song wurde von der The Good Don´t Last-Eingangsmelodie umrahmt und kam ausgezeichnet beim Aschaffenburger Publikum an. Bei NWC setzte sich Nick D´Virgilio wieder ans Schlagzeug und lieferte sich am Ende einen beeindruckenden rhythmischen Schlagabtausch mit Jimmy Keegan, der danach Pause machen durfte, während die restlichen Musiker Go The Way You Go anspielten. Das freute natürlich besonders die anwesenden Altfans.

Alan
Alan Morse präsentierte ein melodisches Instrumental, das vermutlich auf seiner Anfang nächsten Jahres erscheinenden Solo-CD zu finden sein wird.

Auch eine Weltpremiere gab es an diesem Abend! Alan Morse stellte ein instrumentales Solostück vor, das durchaus nach SPOCK´S BEARD klang, wenngleich es einfacher strukturiert war. Es wurde von klaren Melodien durchzogen, die selbst im ausladenden Tappingmittelteil noch durchschimmerten. Eine Sensation war die Nummer sicher nicht, unterhaltsam aber allemal. Danach präsentierte Ryo Okumoto eine getragene Klavierimprovisation, die von der Stimmung her an sein Solo auf dem Livealbum und auch an SHADOW GALLERY-Balladen erinnerte. Diese ging nahtlos in At The End Of The Day über, bei dem Dave Meros einen kurzen Abstecher ins Rampenlicht machte und ein kleines Basssolo einschob.

Zwei Barhocker auf der Bühne kündigten die nächste Überraschung an. Nick und Alan spielten eine Akustikversion von Carry On, an die sich der Mittelteil aus The Doorway anschloss. Dabei übernahm Alan Morse gekonnt den Gesangsteil seines Bruders, während Jimmy Keegan die Gelegenheit nutzte und hinter Ryos Keyboards sitzend Backing Vocals beisteuerte. Zuletzt präsentierten sie noch das tolle There Was A Time vom aktuellen Album Octane.

Für das Finale stand schließlich wieder die komplette Band auf der Bühne und beendete das reguläre Set mit Harm´s Way und As Long As We Ride. Selbstverständlich verlangten die Fans eine Zugabe von SPOCK´S BEARD. Bevor sie diese in Form des Klassikers The Light bekamen, erzählte Ryo aber noch einen seiner berüchtigten Witze, bei dem es in diesem Fall um eine Ärztin und ein kleines Mädchen ging. Was haben wir gelacht! Nach etwa zweieinhalb Stunden war der überzeugende Auftritt endgültig zu Ende. Und einmal mehr war deutlich geworden, dass SPOCK´S BEARD zu den unterhaltsamsten und musikalischsten Progressive Rock-Bands dieses Planeten gehören!

SPOCK´S
Nick und Alan lockerten das Set zwischendurch mit einigen Akustiknummern auf.

Stimmlich war Nick an diesem Abend voll auf der Höhe. Allerdings fehlte ihm noch ein wenig die Souveränität. Dafür übernahm Alan Morse wie eingangs geschrieben häufiger die Initiative und kommunizierte sowohl mit der Band, als auch mit dem Publikum auf seine eigene lockere Art. Leider befanden sich ein paar sichtlich angeheiterte Partyprogger im Saal, die vor der Bühne mit ihrer ausgelassenen Stimmung auf wenig Gegenliebe stießen und einige äußerst böse Blicke ernteten. Insgesamt war das Konzert aber eine sehr gelungene Sache! Ähnlich sah es auch die Band, die sich nach dem Auftritt noch ausführlich mit den Fans über allerlei Themen unterhielt.

Jutze
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