SHAI HULUD, DEATH BEFORE DISCO, RIDERS ON THE STORM, LEBRISK am 13. Juli 2004 im Backstage München.

SHAI HULUD, DEATH BEFORE DISCO, RIDERS ON THE STORM, LEBRISK am 13. Juli 2004 im Backstage München.

Juhu, mal wieder ein schönes Moshfest im Münchner Backstage, dass die Wände wackelten. Mit vier Acts, darunter zwei lokale Vorbands, verabschiedeten sich SHAI HULUD. Ja, es war SHAI HULUDs Abschiedstour, und dennoch lag kein Fünkchen Wehmut in der Luft. Es war in erster Linie Freude, denn SHAI HULUD feierten kurz vor ihrem Untergang eine Triumphale Rückkehr in Form des neuen Albums That within Blood Ill-Tempered, dessen Klasse ich leider auch erst viel zu spät erkannt habe. Doch vor dem finalen Mosh gab es noch einige andere Lärmkapellen zu hören.

Lebriks
LEBRISK: Zu vertrackt, um abgehen zu können

LEBRISK eröffneten und verstörten. Chaoscore im Stil von THE LOCUST, CONVERGE oder auch THE DILLINGER ESCAPE PLAN stand auf dem Programm, doch war er zu vertrackt um abgehen zu können und zu gewollt freaky um wirklich Kopfschmerzen zu erzeugen. LEBRISK lebten von ihren beiden Sängern, die ordentlich abgingen und Radau machten. Doch im großen und ganzen war diese Show eher durchwachsen als energetisch, einige der gut 150 Anwesenden fanden Gefallen an der Musik des Sextetts, aber die halbe Stunde war für die meisten eher nervig als hochkarätig.

Riders
RIDERS ON THE STORM: gehen simpel und effektiv ab

RIDERS ON THE STORM habe ich vor über drei Jahren in einem kleinen Juz in München gesehen, als sie noch um einiges jünger, unerfahrener und trashiger waren. Die Kids sind inzwischen auch älter geworden und präsentierten sich auf dem Moshfest nun als gereiftere Einheit, die gut eingespielt ist und einige coole Ideen und Riffs präsentiert. Daneben gingen die recht jungen Musiker mächtig ab und vor allem der Sänger, der sich keinen Hehl daraus machte, auch mal in die Menge zu diven, animierte die zahlreichen Fans ziemlich. Musikalisch eher simpel und effektiv gehalten ritten die Jungs auf dem New-School Hardcore-Sturm und verfeinerten ihre recht flotten Songs mit einigen coolen Melodien und zweistimmigen Leads, sowie ordentlich Groove-Parts. Cool, aber nichts weltbewegendes.

Death
DEATH BEFORE DISCO: hatten es mit ihrem tanzbaren und rockigen Hardcore beim Publikum schwer

Als eigentlicher Toursupport waren nun die Belgier DEATH BEFORE DISCO um Frontenergiebündel und Cheftänzer Ioan Kanes angehalten, die Stimmung vor SHAI HULUD zum kochen zu bringen. Das war nicht gerade einfach, denn das Publikum war nicht so sehr auf den tanzbaren und rockigen Hardcore mit leichten Popelementen eingestellt. Vorne lichteten sich die Reihen, doch ich war mehr denn je versucht voll zu tanzen, so wie es die Band tat, doch ich wollte mich dann doch nicht wie sonst so oft zum Affen machen. Jedenfalls glänzte die Show vor selbstironischen Ansagen, rockiger und eingängiger, aber trotzdem schräger und anspruchsvoller Musik und einer motivierten Band, auch wenn sie nicht gerade erfolgreich darin waren, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Schade auch. Das Album Party Bullet muss ich wirklich mal austesten.

Shai
SHAI HULUD: eine absolut mitreißende und intensive Stunde

Obwohl SHAI HULUD mit dieser Tour ihren Abgesang manifestierten, lag kein bisschen Trauer in der Luft, sondern viel mehr die totale Vorfreude auf ein erstklassiges Konzert. SHAI HULUD, die sich nach den riesigen Würmern aus Der Wüstenplanet benannten, begannen direkt in die Fresse mit dem Opener des 1997er Albums Hearts once Nourished with Hope and Compassion. Die Energie, die von dieser eingespielten – weil schon einige Zeit auf Tour – Einheit ausging, war atemberaubend. Von der ersten Sekunde an sangen die Fans mit und gleichzeitig flogen die Fäuste in die Höhe. Kampfesbereitschaft auch im in den vorderen Reihen – neben einem gigantischem Moshpit gab es viele Stagediver, die sogar den bestens gelaunten Sänger Geert van der Velde mitrissen. Trotz ihres sehr ausfüllenden Jobs an den Instrumenten gingen auch die beiden Gitarristen nicht gerade zimperlich zu Werke und zeigten erhöhte Motivation. Matt Fletcher und sein Kompagnon ließen sich nicht lumpen und feuerten neben der Bewegungsfreude viele rasante und komplexe Riffs und Melodien ins Publikum, die durch den basslastigen Sound allerdings ziemlich untergingen. SHAI HULUD sind unvergleichlich, komplex und emotional, daher wurden alle Songs, egal ob Linoleum, 2 and 20 Misfortunes, Scornful of the Motives and Virtue of Others, Given Flight by Demons Wings oder My Heart Bleeds the Darkest Blood nicht nur höchst professionell sondern auch äußerst sympathisch dargeboten und von dem unglaublich motiviertem Publikum mit offenen Armen empfangen. Eine absolut mitreißende und intensive Stunde, die das Quintett bot.

SHAI HULUD sind tot, lang leben SHAI HULUD? Die Gerüchteküche brodelt, vielleicht suchen sie nur einen neuen Sänger und losen sich doch nicht auf. Die Zeit wird zeigen, ob und wann ein neues Album erscheinen wird, doch hoffen wir mal lieber nicht, denn dieser Abschied war perfekt. Wenn es am schönsten ist soll man aufhören, daher war der Split vielleicht doch nicht die schlechteste Idee.