SHAI HULUD: Reach Beyond The Sun

SHAI HULUD: Reach Beyond The Sun

SHAI HULUD sind auch so eine Band, bei der ich bemerke, dass ich langsam aber sicher etwas älter werde. Das Reunionalbum Misanthropy Pure, das war doch erst gestern. Nein? Schon vor fünf Jahren? Die Zeit verging gefühlt wie im Flug, aber es hat sich so einiges geändert. Bei mir? Natürlich. Aber wir reden hier über SHAI HULUD, bei denen ist freilich auch eine Menge passiert. Der Drummer wurde ausgewechselt, Reach Beyond The Sun klingt wieder mehr nach Hardcore-Punk und weniger nach Metal, und Ursänger Chad Gilbert hat das leidenschaftlich-stürmische Album nicht nur produziert, er darf sich sogar die Lungenflügel blutig brüllen. Es ist ja nicht so, als wären SHAI HULUD jemals schlecht gewesen, es ist ja nicht so, als hätten SHAI HULUD nicht sowieso im Vorfeld für hohe Erwartungen gesorgt, aber Reach Beyond The Sun verdient durch all diese Faktoren durchaus eine Sonderstellung in der Diskografie der New Yorker.

Natürlich, durch die Rückbesinnung auf die Wurzeln der Musik ist Reach Beyond The Sun kein besonders innovatives Album, aber es ist auch keine verstaubte Hardcore-Platte, die sich die guten Zeiten der Neunziger erneut herbei sehnt. Der Term Metalcorechestration kommt dabei natürlich wieder in den Sinn, wenn die dissonanten Riffs, die berühren und ein Kribbeln im Bauch verursachen, und parallel dazu die Leadgitarren für ein immer wieder überraschend komplexes Bild sorgen. Dabei geht die Spontanität, die bei SHAI HULUD immer wichtig ist, glücklicherweise nie verloren. Mal enden die Songs ganz abrupt, dann werden schnelle Uptempo-Momente wieder mit mächtigen Mosh-Parts abgewürgt. Überraschenderweise wirken SHAI HULUD auf Reach Beyond The Sun nicht so aufgedreht und beinahe fröhlich wie in der Vergangenheit, das Material auf dem kompakten Album ist teilweise düster und bedrückend. Zum Glück gibt es immer wieder Momente voller Kraft und Lebensfreude, die den Eindruck von Reach Beyond The Sun auch dominieren.

Es haben sich eine Menge hervorragender Songs auf diesem Album versammelt, The Mean Spirits, Breathing gibt die Richtung vor, das Titelstück, A Human Failing, Medicine To The Dead, das epische Monumental Graves und der mächtige Schlusstrack If A Mountain Be My Obstacle sorgen dafür, dass Reach Beyond The Sun von vorne bis hinten gelungen ist. SHAI HULUD nehmen mit zunehmender Dauer des Albums den Fuß vom Gas – was anfangs als Makel wirkt, macht mit jedem Mal Hören mehr Sinn. Es ist, als würden hier zwei Welten mit voller Wucht aufeinander prallen. Apropos Wucht: Der neue Schlagzeuger Matt Covey haut beherzt in die Felle und folgt den teils abenteuerlichen Gitarrenarrangements von Matt Fox mit einer herrlichen Bodenständigkeit, so dass hier nichts übermäßig prätentiös wirkt. Der Gesang vom mittlerweile wieder ausgestiegenen Chad Gilbert ist das I-Tüpfelchen für dieses druckvoll und mit viel Raum produzierte Album mit seinen großen Momenten und hervorragenden Songs, die wie selbstverständlich zeigen, dass Hardcore nicht stumpf sein muss und nicht verwässert sein muss, um unter die Haut zu gehen. Fantastisch, wie der Glaube an eine Musikrichtung in nur fünfunddreißig Minuten wieder zurückkehren kann. Danke, SHAI HULUD.

Veröffentlichungstermin: 15.02.2013

Spielzeit: 34:07 Min.

Line-Up:
Chad Gilbert – Vocals
Matt Fox – Guitar
Matt Fletchter – Bass
Matt Covey – Drums

Produziert von Chad Gilbert und SHAI HULUD
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.hulud.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/shaihuludofficial

Tracklist:
1. The Mean Spirits, Breathing
2. I, Saturnine
3. Reach Beyond The Sun
4. A Human Failing
5. Man Into Demon: And Their Faces Are Twisted With The Pain Of Living
6. Medicine To The Dead
7. To Suffer Fools
8. Think The Adder Benign
9. Monumental Graves
10. At Least A Plausible Case For Pessimism
11. If A Mountain Be My Obstacle