PROGPOWER EUROPE 2004: Der Festivalbericht

PROGPOWER EUROPE 2004: Der Festivalbericht

Das Festival

Samstag, 02. Oktober 2004

The Dust Connection | All too Human | Platitude | Adagio | Alchemist | Devin Townsend




Sonntag, 03. Oktober 2004

Into Eternity | Novact | Tomorrow´s Eve | Riverside | Katatonia | The Gathering

Das Festival

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Ein Make it or break it-Event sollte das sechste ProgPower Europe werden, denn nach wie vor sind die Veranstalter vom Break-Even-Point ein ganzes Stück entfernt. Leider schaffte man es auch dieses Jahr nicht, die magische Zuschauergrenze zu überschreiten und dennoch haben die Macher hinter dem Event bereits signalisiert es geht weiter! Denn ein Wachstum war auch im Jahr 2004 zu erkennen und die Resonanzen scheinen zu positiv, als dass man den Traum, den man seit Jahren verfolgt ad acta legen möchte.

ProgPower
Ansage zum ProgPower Europe 2004

Dennoch war eigentlich schon von vorne herein klar, dass man das heurige Billing etwas massentauglicher wählen würde, wobei man mit der Auswahl der Hauptbands aber auch gleich bewies, dass die Qualität dabei nicht auf der Strecke bleiben sollte.

Und nachdem man schon am Tag Eins zu einem recht frühen Zeitpunkt deutlich spüren konnte, dass dieses Jahr noch mal eine ganze Menge Leute mehr den Weg in das nach wie vor verträumte und idyllische Baarlo gefunden haben und auf Grund der stets herrschenden guten Stimmung steht fest, dass auch das diesjährige ProgPower auf seine Weise ein voller Erfolg war, und nach wie vor ist dieses Festival immer noch das geblieben, was man sich von ihm wünscht: ein Liebhaberevent mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Viel verändert hat man in Baarlo nicht, wer auf einem der Festivals in den letzten Jahren vor Ort war, hatte keine Schwierigkeiten, sich schon nach kurzer Zeit zurecht zu finden. Viel sagen braucht man also eigentlich nicht.

Zwei Hauptänderungen sind zu erwähnen:

Punkt 1: Sechs Bands pro Tag, von denen jede einzelne eine Spielzeit von mindestens 55 Minuten zugewiesen bekam, 25-minütige Umbaupausen und eine einstündige Essenspause nach den ersten drei Acts, machten die ganze Veranstaltung noch relaxter, als man es eh schon gewohnt ist. Nach den ganzen Stress-Events der vergangenen Monate eine echte Wohltat.

Punkt 2: Bereits am ersten Festivaltag stellte man vor der Halle Tische und Stühle auf und eine kleine Frittenbude war genau das, was man in den letzten Jahren vermisste: eine gute Gelegenheit, sich mal zwischendurch zu stärken, ohne gleich längere Wege hinter sich legen zu müssen. Lediglich Gesundheitsfanatiker dürften es da schwer haben, aber das hat man in Baarlo eh – die Holländer scheinen einfach auf frittiertes Fast-Food zu stehen.

Ansonsten wie gesagt: alles wie gehabt. Die Prominenz mischte sich auch dieses Jahr wieder unters Volk und dabei nicht nur Leute, die beim Festival auftreten: Arjen Lucassen konnte man genauso mal eben kurz anquatschen, wie auch den sich ohnehin sichtlich wohlfühlenden Heavy Devy, der das komplette Wochenende über stets präsent und nahbar vor Ort war.

Samstag, 02 Oktober 2004

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The Dust Connection

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Bericht
Standard-Prog zum Einstieg – The Dust Connection

Angesichts des Bandnamens hätte man meinen können, es bei den Niederländern mit einer Stoner Rock-Kapelle zu tun zu haben. Das war aber ganz und gar nicht der Fall – vielmehr gab es von der Band recht gewöhnlichen Prog Metal zu hören. Dieser war meist im Midtempo und recht atmosphärisch gehalten, cleane Gitarren und melodische Leads spielten eine nicht unwesentliche Rolle, der sich technische Spielereien unterzuordnen hatten, ebenso wie die leicht mystischen Keyboards. Man war also immerhin weit davon entfernt, sich als bloßer DREAM THEATER-Klon zu präsentieren, wie dies bei vielen Prog Metal-Combos immer wieder der Fall ist. Dennoch machte man mehr oder weniger von Standard-Prog-Zutaten Gebrauch, darunter die typischen Sägezahn-Synthesizer-Soli, so dass alles seltsam vertraut, jedoch auch ziemlich beliebig klang. Nicht nur den Melodien fehlte ein gewisser Wiedererkennungswert, so dass die Musik mehr oder weniger vor sich hin plätscherte und sich nach ein paar Songs Langeweile breit machte. Eine gewisse Monotonie ist dabei sicherlich auch auf den Gesang zurückzuführen. Zwar verfügte der Sänger der Band über ein kräftiges mittelhohes Organ und wurde zudem des Öfteren durch eine vom Gitarristen gesungene zweite Stimme unterstützt, doch war der Stimmumfang des Frontmanns einfach zu limitiert, so dass die Ausdrucksmöglichkeiten arg beschränkt waren.

Dies und das sehr zurückhaltende Stageacting waren dann wohl auch die Gründe, warum erst recht wenige Leute den Weg ins Jugendzentrum gefunden und die Reaktionen der Anwesenden meist nicht gerade enthusiastisch waren. Aufhorchen ließen die Musiker dann aber noch einmal mit den Desert Sessions, bei dem sie zeigten, dass sie auch richtig frickeln können und das mit vielen Doublebass-Passagen erstaunlich hart ausgefallen war. Mehr in der Richtung wäre für die Zukunft nicht verkehrt. So blieb der Auftritt als Ganzes nicht mehr als ein netter, aber recht unspektakulärer Auftakt eines an Highlights nicht eben armen Festivals. (doomster)

All too Human

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Bericht
Konnten mit den Ami-Größen der vergangenen Jahre nicht mithalten – All too Human

Die Amis waren dieses Jahr auf dem ProgPower nicht besonders stark vertreten, und ALL TOO HUMAN konnten zudem nicht ganz mit Überacts der Vorjahre, wie z.B. ZERO HOUR, mithalten. Dementsprechend passte auch die Position auf dem Billing, und da reihte sich die Band sehr gut in die Riege der Frühbands auf dem ProgPower ein, die allesamt musikalisch einiges zu bieten haben, auf ihre Weise sehr sympathisch wirken, insgesamt aber doch nicht ganz überzeugen können. Und so begannen ALL TOO HUMAN mit einem frickeligen Instrumentalintro, das deutlich die Fertigkeiten der Band darstellte und das dazu verleitete, die Amis als die ANDROMEDA des diesjährigen Festivals zu betrachten. Ganz so verkopft kamen ALL TOO HUMAN dann aber doch nicht rüber, und spätestens als Sänger Don DuZan die Bühne betrat wurde klar, dass man auch Wert auf Melodie legte. Dabei war aber gleichzeitig von Nachteil, dass der Frontmann gerne zu Schreien in hohen Tonlagen neigt und dabei technisch zu wenig Variationsmöglichkeiten besitzt. Leichte Unsicherheiten im Gesangsbereich übertrugen sich weiter dann auch noch auf die Bandperformance, und so richtig trumpfen konnte man in erster Linie in den härteren Stakkatoparts, bei denen man ein enorm tightes Zusammenspiel bewies. Das zeigte man auch gerne, insgesamt fielen einige Instrumentalpassagen dann aber wieder ein ganzes Stück zu lange aus und so blieb von der eigentlichen Musik nicht viel hängen. Schade eigentlich – wie so oft bei den vielen musikalisch hervorragenden Prog-Metal-Bands. (fierce)

Platitude

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Bericht
Jung und eigenwillig – Platitude

PLATITUDE kamen mit der Einstellung das Haus zu rocken auf die Bühne – das konnte man der Truppe deutlich anmerken. Schade nur, dass die jungen Musiker dabei zunächst etwas verkrampft wirkten und au Mann, ich hätte wirklich nie gedacht, dass die tatsächlich soo jung sind! Und genau am Alter gemessen ist es dann schon wieder überraschend, wie viel Show die Jungs machten und wie wenig aufgesetzt das ganze bei der Mannschaft rüber kam. Wer in der Beschreibung nun einen Widerspruch zu entdecken glaubt, dem kann ich nur widersprechen. In erster Linie merkt man den Jungs deutlich an, dass diese Band ein Ziel vor Augen und dabei begriffen hat, was man braucht, um aus der Masse herauszustechen. Dabei scheint allerdings die Bühnenerfahrung noch zu fehlen, um dabei richtig routiniert rüber zu kommen – die Show zieht man in erster Linie noch für sich selber durch, ohne mit dem Publikum echte Kommunikation zu vollziehen. Es mutet dann schon merkwürdig an, wenn Sänger Erik Blomkvist auf der Bühne steht, sich imaginär mit einem tobenden Publikum unterhält, das aber nicht mal nur ansatzweise am Toben ist. Genauso eigenartig aber auch die Optik – Netzoberteile mit selbstgeschnittenen Löchern sind da genauso zu finden wie durchgestylte Frisuren oder Rüschenhemden, die zwei Keyboards, die man auch auf eines hätte konzentrieren können, waren da noch das I-Tüpfelchen. Und trotz all dieser Ungereimtheiten machten PLATITUDE ihre Sache richtig gut und hinterließen einen ordentlichen Gesamteindruck: die Musik wurde äußerst versiert dargebracht, die Show war interessant anzusehen und mit ihren Songs sind PLATITUDE auf jeden Fall besser als das Gros der Power-Prog-Szene. Blomkvist am Mikro kann seine Gesangsleistung von Platte ebenfalls auf die Bühne übertragen und ist auf dem besten Weg, ein ausdrucksstarker Frontmann zu werden – momentan hat er vielleicht noch ein bisschen zu sehr den Rockstar im Hinterkopf. Trotz leichter Differenzen zwischen der Wahrnehmung des Publikums und der Band, machte man ordentlich Stimmung und weil die Musik auch rockt, dürfen die Keyboards gegen Ende sogar auch mal gerne nach den PRETTY MAIDS klingen. Potenzial haben PLATITUDE unumstritten, es gilt also, dieses richtig zu kanalisieren und den ersten Entwicklungsschritt abzuschließen. (fierce)

Adagio

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Bericht
Neo-Classic-Metal der gutartigen Sorte – Adagio

Nach den Infos, die ich so über ADAGIO im Vorfeld des ProgPowers gesammelt habe, war ich beim ersten Eindruck des Gigs der Franzosentruppe doch mehr als überrascht, wie sehr sie doch noch in neo-klassizistischen Mustern verhangen ist. Weder von den vielgerühmten Film-Musik-Einflüssen, noch von angeschwärzten Inspirationsquellen war zunächst was zu spüren. Stattdessen lieferte die Band anfangs den typisch skandinavischen Stil, den aber auf einem guten Niveau. Die Soli kamen gezielt und überlegt, das Feeling stimmte und auch sonst hinterließ man einen absolut sympathischen Eindruck. Vergleicht man die Band mit ELEGY (musikalisch am ehesten ein einer ähnlichen Ecke einordbar), die im Vorjahr die hohen Erwartungen extrem enttäuschten, so hatte man eindeutig mehr zu sagen und gab sich ein Stück weniger austauschbar. Und tatsächlich, gegen Ende des Sets wurde man auch immer progressiver in den Songstrukturen, nach und nach schlichen sich die ein oder anderen Black Metallischen-Einflüsse in die Musik ein und gegen Ende des Sets konnte man auch die Vorschlusslorbeeren in Richtung Filmmusik wieder zum Teil an sich zurückreißen, die man im ersten Moment verloren hatte. Dicker Pluspunkt war dabei auf jeden Fall die motivierte und freudige Stageperformance des Sängers, der allerdings noch etwas an Sicherheit gewinnen könnte (damit ist nicht das Treffen der Töne gemeint, das hatte der Mann drauf), so dass er in seinen Pausen nicht immer wieder beunruhigt zu seinen Mitmusikern schielen muss. (fierce)

Alchemist

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Bericht
Unglaubliche Brachialität und sphärische Klänge – Alchemist

Mit ALCHEMIST folgte dann die mit Abstand härteste Band des Festivals, die nicht nur eine perfekte Einstimmung auf den direkt folgenden DEVIN TOWNSEND-Auftritt waren, sondern für sich genommen schon ein echtes Highlight darstellten. Die Australier schafften es mühelos, eine unglaubliche Brachialität mit sphärischen, schwebenden Klängen zu einem homogenen Ganzen zu verbinden, wie es nur selten anderen Bands zuvor gelungen ist. Modernes Riffing, das aus den Mesa Boogie-Amps mit einer enormen Wucht das Ohr der Zuhörer erreichte, traf auf sehr stimmungsvolle, clean gespielte offene Akkorde. Hinzu gesellten sich stets sehr abgefahrene, alles andere als konventionelle elektronische Sounds. Nick Wall, der live für die Sampler zuständig war, hatte jedenfalls alle Hände voll damit zu tun, verschiedenste Knöpfe zu drehen und katapultierte die Zuhörer zusammen mit seinen Bandkollegen, die sich allesamt regelrecht in eine Ekstase spielten, in eine andere Dimension. Sänger und Gitarrist Adam Agius veredelte diesen außergewöhnlichen Klängen – irgendwo zwischen FEAR FACTORY, VOIVOD und PINK FLOYD und doch ganz eigenständig – mit seinem äußerst abwechslungsreichen Gesang, der zwar technisch nicht perfekt war, aber dafür immer wie die Faust aufs Auge zu den jeweiligen Passagen passte und von brutalem Neo-Thrash-Gebrülle über krankes Gekreische bis hin zu klarem Gesang alles abdeckte. ALCHEMIST waren extrem und sie waren verstörend, ihrer Wirkung konnte sich eigentlich niemand entziehen. Auch die ausgedehnten Instrumentalpassagen, die im Grunde völlig frei von irgendwelchen Soli waren, wurden nicht langweilig. Gerade wenn Frontmann Adam sein Slide einsetzte oder auch mal die eine oder andere Variation oder Improvisation eingebracht wurde, war es faszinierend, den Australiern zuzuhören und zuzuschauen – selbst wenn man mit dem Material schon vertraut war, gab es einige Überraschungen. Die Setlist deckte im Übrigen sämtliche Alben ab, wobei der Schwerpunkt natürlich auf dem aktuellen Werk Austral Alien lag. Mit dem kleinen Hit Surreality sowie Austral Spectrum war aber auch das Organasm-Album mit seinen wichtigsten Songs vertreten, während von den anderen älteren Alben Songs wie Abstraction, Yoni Kunda oder Chinese Whispers nicht fehlten. Alles in allem ein rundum gelungener Auftritt, der die Intensität der Alben noch überstieg und der Band einige neue Fans eingebracht haben dürfte. Jetzt wird es Zeit für eine Deutschland-Tour. (doomster)

Devin Townsend

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Bericht
Durchgeknallte Performance und große Kunst – Devin Townsend

Es ist schön, dass es auch im Metal noch Künstler gibt, die man nicht vollends verstehen muss und dennoch kann man ihre Einzigartigkeit und vielleicht auch Genialität (ein Begriff, mit dem man viel zu leichtfertig umgeht) erkennen. DEVIN TOWNSEND ist so ein Typ und auch wenn ich den Kanadier egal bei welcher seiner Bands musikalisch auf Dauer etwas eintönig finde, bin ich von seiner Kreativität und seiner Herangehensweise an Musik einfach nur fasziniert. Beim ProgPower hat der durchgeknallte Devin auf diese Weise all meine Erwartungen erfüllt und das ging schon los, als er die Bühne betrat und sich mit den Worten We are TDTB from Canada and we have a Prime Minister – A PRIME MINISTER! vorstellte. Es folgte eine kurze Analyse, für was die Abkürkung DTB alles stehen könnte und dann stieg die Band in ihren sphärischen Metal ein, den man mit nichts anderem vergleichen kann. Storm kam als zweiter Song und bereits jetzt hatte Devin Townsend die Leute fest im Griff – ihm zuzuschauen war einfach eine Wonne. Er ist wie ein Verrückter, der wild von einer Emotion zur nächsten springt, bei dem man aber zu jeder Sekunde spürt, dass er mehr zu sagen hat, als nur irgendwelche wirren Weisheiten. Suicide, The Complex oder Bad Devil sind nur einige Songs, die an diesem Abend gespielt wurden und auch wenn ich an meiner Einstellung festhalte, dass Devin Townsend ein begnadeter Künstler, aber nicht unbedingt der begnadetste Songwriter ist, bot DEVIN TOWNSEND mit den kurzweiligsten Gig des Festivals. Dabei konnte er sich stets auf seine Hintermannschaft verlassen, die schon optisch unterstrich, dass Rockstarkonventionen und Metalklischees bei dieser Band nichts verloren haben, dennoch blieb Devin selbst im Mittelpunkt des Geschehens, erheiterte immer wieder mit durchgedrehten Ansagen, z.B. zu seinen seit November nicht mehr gewaschenen Haaren und faszinierte durch seine unglaubliche Mimik und trotz der Verrücktheit stets präsente Publikumsnähe. Starker Auftritt einer der Ausnahmebands im Metal, der frenetisch bejubelt wurde. (fierce)

Sonntag, 03. Oktober 2004

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Into Eternity

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Bericht
Haben noch nicht zusammen gefunden – Into Eternity

Seit ihrem letzten Auftritt beim ProgPower Europe ging es bei INTO ETERNITY heftig ab. Nachdem zuletzt der Großteil der Mannschaft aus hauptsächlich privaten Gründen ausgetauscht werden musste, sah man sich als Zuschauer einer fast neuen Truppe gegenüber, die die hohen Erwartungen des letzten Auftritts erst einmal erfüllen musste. Gleichzeitig war man auf das Billing recht kurzfristig als Ersatz für SYMPHORCE aufgesprungen und hatte das Handicap, am gleichen Abend noch bei einem anderen Konzert auftreten zu müssen. Dennoch kam es für viele der Anwesenden überraschend, dass die Band am zweiten Festivaltag als Opener fungierte und die geistige Umstellung von gerade noch gemütlich durch das verträumte, idyllische und sonnige Baarlo geschlendert auf ab in die Halle und einer energiegeladenen Metalshow fröhnen fiel zunächst schwer. Dennoch: viele wollten sich diese Show nicht entgehen lassen und so war zu Beginn des Auftritts schon ordentlich was los. Gespannt war man aber selbstverständlich in erster Linie, wie das neue Line-Up funktionieren würde, und da teilten sich die Meinungen doch deutlich. Insgesamt hatten INTO ETERNITY jedenfalls nicht die Durschlagskraft wie noch vor drei Jahren. Damals wirkte man noch wie eine zusammengewachsene Einheit, nun hingegen ist da in erster Linie Tim Roth als Kopf der Band, und eine ohne Frage versierte Truppe um ihn herum, bei der man einfach noch nicht so recht einschätzen kann, wer denn nun eigentlich zur Band passt und wer nicht – entgegen der eigenen Aussage zum Zeitpunkt des Releases des Überalbums Buried in Oblivion ist man von einem ANNIHILATOR-Effekt weniger weit entfernt, als man das wohl je erwartet hätte. Es mag sein, dass der etwas matschige Sound auch seinen Beitrag dazu geleistet hat, dass dieser Auftritt nicht so hunderprozent zünden wollte, vermutlich muss man aber in Sachen Zusammenspiel einfach auch noch zusammewachsen. Was die Tightness angeht, so gibt es da nichts zu mäkeln und vor allem auch der Einsatz der Death-Metal-Grunts wird enorm viel Energie geschaffen. Teilweise fühlt man sich fast schon wie auf einem NILE-Konzert, wenn sich drei Grunzer innerhalb kürzester Zeit in einer Strophe abwechseln, und mit der Grabesstimme von Gitarrist Rob Doherty kommt das so richtig stark rüber. Ausgerechnet Frontmann Dean ist derzeit aber noch als eindeutiger Schwachpunkt anzusehen, dem die Vorbereitungszeit offensichtlich noch nicht ausgereicht hat. Seine verunsicherten Blicke zeugten jedenfalls nicht unbedingt von strotzendem Selbstbewusstsein, weshalb er die Ansagen dann auch lieber den alten Hasen im Team überließ. Stimmlich ist er seinem Vorgänger Chris Krall sehr ähnlich, das ganz große Problem ist aber, dass man den Eindruck hat, dass er gesanglich durchaus in der Lage ist, die Songs umzusetzen, leider fühlt er aber nicht, was er da singt. Vielleicht ist er einfach noch zu sehr darauf konzentriert, keinen Einsatz bei den Komplexen Songs zu verpassen, letztendlich kommt die Musik gerade dadurch aber lange nicht so gewaltig, wie man das schon erlebt hat und immer wieder freut man sich über die cleanen Gesangseinlagen von Tim Roth selbst. Dass er schlussendlich dann auch noch die Gesangseinlage beim Mittelteil von Distant Pale Future verpatzt hat, ist natürlich unangenehm und misslich, aber auf eine gewisse Weise symptomatisch. Was den Gig aber letztendlich doch noch gerissen hat, waren sicherlich die hervorragenden Songs, und die dennoch vorhandene Spielfreude und so wurden Stücke wid Embraced by Desolation, Spiralling into Depression, Splintered Visions, Elysian Dream oder Swallow dennoch frenetisch bejubelt und mit Paralized gab es zudem auch noch einen neuen Song zu hören, der heftig thrashig voll die eingeschlagene Richtung des aktuellen Albums fortsetzt. (fierce)

Novact

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Bericht
Viel Gefühl, auf Dauer nicht ganz überzeugend – Novact

Nach dem powervollen Opener INTO ETERNITY, ließen es NOVACT aus den Niederlanden ein ganzes Stück ruhiger angehen. Gleichzeitig zeigte die Band aber, dass man mit einem Frontmann, der seine Texte tatsächlich auch durchlebt, eine Menge reißen kann. Die ehemaligen MORGANA-X sind mit ihrer Mischung aus unfrickeligem Prog-Rock und ruhiger Rockmusik dabei aber auch deutlich auf einen Sänger angewiesen, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zieht und das schafft dieser auch bis zu einem bestimmten Grad. Ebenso konnte man einen gewissen Mangel an songwriterischer Stärke durch ein erhöhtes Maß an Feeling ausgleichen und eben diesem Sänger, der den Texten eine ganze Menge an Ausdruck verlieh, so dass man gar nicht unbedingt verstehen musste, um was es in den Lyrics ging. Schade nur, dass es NOVACT gerade kompositorisch nicht wirklich gelang sich auf Dauer zu steigern und so musste man leider eine gewisse Gleichförmigkeit feststellen, die sich, je länger der Auftritt ging, immer deutlicher zeigte. Als sich dann irgendwann auch die Gesangslinien und das Stageacting zu oft wiederholten, ließ dann auch beim positiv gestimmten Zuhörer die Aufmerksamkeit nach. Die konnte man in erster Linie dann wieder an sich reißen, wenn die Gitarren ein Stück heftiger wurden und man so wieder musikalisch nach vorne geschubst wurde. Der Abschlusssong Promises war dann auch der genau richtig gewählte Rausschmeißer, der im Nachgeschmack einen recht positiven Gesamteindruck hinterließ, den man aber noch nicht so recht über einen gesamten Gig halten konnte. (fierce)

Tomorrow´s Eve

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Bericht
Der deutsche Prog Metal Underground ist nicht verloren – TOMORROW´S EVE

Mussten TOMORROW´S EVE auf dem diesjährigen Dong Open Air noch auf ihren Keyboarder verzichten und dessen Passagen von Band laufen lassen, so war man nun vollständig vertreten, so dass nur einige Background-Chöre aus der Konserve kamen. Und wieder einmal zeigte sich, dass die Jungs nicht nur ihre Instrumente beherrschen – die coolen Tapping-Einlagen von Bassist Chris Dörr sowie die außergewöhnliche Drumtechnik von Tom Diener waren durchaus beeindruckend -, sondern dass sie auch die Kunst des Songwritings beherrschen. Trotz vertrackter Rhythmen erwiesen sich die Songs als sehr livetauglich, was nicht zuletzt an den gut ins Ohr gehenden Gesangslinien von Rouven Bitz lag, der das abwechslungsreiche Songmaterial, das zwischen Heaviness und melodischen sowie atmosphärischen Momenten pendelte, mit seiner variantenreichen Stimme veredelte, die mal richtig aggressiv, mal äußerst gefühlvoll ertönte.

Zwar war soundtechnisch zunächst noch nicht alles im Reinen – das Schlagzeug etwas zu laut abgemischt – und die Show von Frontmann Rouven Bitz kam stellenweise etwas arrogant und gekünstelt rüber. Doch mit zunehmender Spielzeit steigerte sich die Band und wurde das Publikum auch mit der Musik richtig warm, so dass Kracher wie Live Your Dream oder das balladesk beginnende Point Of No Return, bei dem der Frontmann sich ins Publikum begab, zurecht abgefeiert wurden. Dass man das Publikum für sich gewinnen konnte, zeigte sich spätestens bei Rouven Bitz´ Scream For Me Baarlo-Versuch, denn peinliche Stille blieb nach dieser Aufforderung aus. Alles in allem also ein ordentlicher Auftritt, der deutlich machte, dass der deutsche Prog Metal-Underground nicht verloren ist. (doomster)

Riverside

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Bericht
Versanken mit dem Publikum in der Musik – Riverside

Ursprünglich hätte die den meisten bislang wohl völlig unbekannte polnische Band gar nicht spielen sollen, doch nach der Absage von AMARAN musste Ersatz her. Dass dieser dann die große Überraschung des Festivals sein würde, hätte vorab wohl kaum jemand geahnt. Stark von Bands wie ANATHEMA oder PINK FLOYD beeinflusst, boten die Polen trotz vieler flotterer Elemente äußerst atmosphärische Musik, in die man so richtig versinken und dabei alles um sich herum vergessen konnte. Singende, warme Gitarrentöne mit unheimlich viel Sustain wurden untermalt von dichten und düsteren Keyboardflächen. Dachte man zu Beginn noch, es möglicherweise mit einer reinen Instrumental-Band zu tun zu haben, so gesellte sich dann nach etlichen Minuten auch noch die zerbrechliche Stimme des Bassisten hinzu, der mit seinem sehr emotionalen Gesang in mittlerer Stimmlage das i-Tüpfelchen darstellte und auch mal mit aggressiven Schreien oder Flüstergesang aufwarten konnte. Das Stageacting beschränkte sich dabei auf ein Minimum, was aber ganz und gar nicht störte. Die Zuhörerschaft war genauso in die Musik versunken wie die Band auf der Bühne, welche, allen voran Bassist und Sänger Mariusz Duda, eine enorme Ausstrahlung besaß.

RIVERSIDE spielten Songs, bei denen die Technik im Hintergrund und die Stimmung im Vordergrund steht. Dass es sich dennoch ausnahmslos um sehr versierte Musiker handelt, wurde immer wieder deutlich, wenn man Details Aufmerksamkeit schenkte wie dem ausgesprochen vielseitigen und eigenständigen Schlagzeugspiel von Piotr Kozieradzki, dem man ob seines Aussehens ein solch filigranes Spiel gar nicht zugetraut hätte.

Auf den Vorwurf seitens der Presse, dass man sich noch zu stark an den bereits erwähnten ANATHEMA oder PINK FLOYD orientiere, reagierte die Band übrigens mit dem etwas selbstironischen The Same River, welches neben dem von zarten Pianoklängen getragenen I Believe zu den Highlights des Auftritts zählte. RIVERSIDE konnten das Publikum mit ihrer sehr intensiven Darbietung voll und ganz in ihren Bann ziehen und wurden auch mit dementsprechend tosendem Applaus bedacht. Sicherlich die große Überraschung des Festivals, von der man hoffentlich noch einiges hören wird. (doomster)

KATATONIA

Bericht
Versteckten sich Hinter Haaren und Musik – Katatonia

KATATONIA hatten im Anschluss an den viel bejubelten Auftritt der polnischen Newcomer zugegebenermaßen etwas schwer, das Stimmungsniveau zu halten. Doch gaben sie sich in dieser Hinsicht auch nicht besonders viel Mühe, sondern spulten routiniert wie immer ihr Programm herunter und entsprachen dabei einmal mehr dem Klischee der introvertierten Skandinavier. Nicht nur die Ansagen, auch die nonverbale Kommunikation mit dem Publikum beschränkte sich auf ein Minimum, Sänger Jonas Renkse versteckte sich fast durchgehend hinter seinen Haaren, und während einzig Gitarrist Anders Nyström mit typischen, aber doch eher unpassenden Metal-Posen für etwas Auflockerung sorgte, starrte sein Kollege Fred Norrman die meiste Zeit über verschüchtert auf den Boden.

Was den Eindruck trotz wirklich herausragender Songs wie Teargas, Sweet Nurse, Evidence oder Wealth, bei dem der Merchandiser einmal zum Schreien auf die Bühne durfte, außerdem schmälerte, das waren die etwas zu leise gemischten Gitarren, die somit den Songs den nötigen Druck nahmen, sowie das nicht immer ganz im Timing liegende Schlagzeugspiel von Daniel Liljekvist, das einmal sogar derart schwankend war, dass man keine Chance hatte, im Rhythmus zu bleiben. Die seltsamen, viel zu langen Pausen zwischen jedem der Songs, in denen die Band sich mit dem Rücken zum Publikum drehte und absolute Stille herrschte, trugen ebenfalls dazu bei, dass der Auftritt der Schweden zu einer kleinen Enttäuschung wurde. Schade, denn das melancholische, absolut hochwertige Songmaterial hätte eine bessere Live-Umsetzung verdient gehabt. (doomster)

THE GATHERING

Bericht
Schwanger auf der Bühne – The Gathering

Der zweite Tag des Festivals stand ganz im Zeichen der melancholischen, teils experimentellen Rockmusik, die mit dem typischen Prog Metal-Sound wenig zu tun hat, dafür aber viel progressiver im eigentlichen Sinne ist als das, was man gemeinhin mit diesem Wort verbindet. Das galt insbesondere für THE GATHERING, die hier als Headliner ein Heimspiel hatten und sich sehr lange Zeit nahmen, bis sie nach einigen technischen Problemen endlich die Bühne betraten. Im Gegensatz zu den unbekannteren holländischen Bands wie etwa THE DUST CONNECTION, nahm Anneke, der man ihre Schwangerschaft bereits deutlich ansah, dies zum Anlass, auch ihre Ansagen in ihrer Heimatsprache zu machen. Schade, denn den Reaktionen nach zu urteilen, müssen diese wohl ziemlich unterhaltsam gewesen sein.

Ansonsten war eigentlich alles so, wie zu dem Zeitpunkt, als ich die Band das letzte Mal gesehen habe. Das aber war 1998. Dass auch im Jahr 2004 das Material von How To Measure A Planet? einen solch großen Raum einnehmen würde, obwohl man doch mittlerweile einige weitere Veröffentlichungen vorzuweisen hat, war dann schon überraschend. Das letzte reguläre Album Souvenirs etwa wurde nur mit ein oder zwei Songs bedacht, gleiches gilt für if_then_else. Die Fans der Prä-How To Measure A Planet? wurden immerhin mit dem Mandylion-Klassiker Eléanor und einem Song vom Nachfolgealbum Nighttime Birds beglückt. Ansonsten aber konzentrierte man sich auf das Doppel-Album, dessen besondere Bedeutung in der Geschichte der Band somit ganz klar unterstrichen wurde. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich die immer wieder selbst zur Gitarre greifende, dauergrinsende Anneke, die sich gesanglich keinerlei Blöße gab und mit einer perfekten Darbietung, aber auch durch ihre Ausstrahlung glänzte, mit der sie den Rest der sowieso eher introvertiert im Hintergrund agierenden Band in den Schatten stellte. Damit soll die Leistung der anderen Bandmitglieder jedoch nicht geschmälert werden. Auch das Klanggebilde, das Keyboarder Frank Boeijen und René Rutten mit seiner singenden Gitarre sowie dem immer wieder zum Einsatz kommenden Theremin aufbauten, ließ einen alleine schon die Realität vergessen und dahin gleiten.

Zwar leerte sich das Jugendzentrum mit zunehmender Spielzeit ein wenig, doch schienen die meisten der Zuhörer die Wandlung vom Gothic Metal zum Trip Rock endgültig akzeptiert zu haben. Das Highlight war eindeutig die Zugabe, das in voller Länge dargebotene Black Light District. Welche andere Band schafft es schließlich, mehrere Minuten auf dem gleichen Akkord zu verharren, ohne dass sich die Zuhörer mit Grauen abwenden? (doomster)

Fierce
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