LAIBACH: München, Backstage, 14.12.2006

LAIBACH: München, Backstage, 14.12.2006

LAIBACH – es gibt nichts Vergleichbares. Schon beim Betreten des Münchner Backstage kommt man sich wie in eine andere Welt versetzt vor. Marschmusik klingt aus den Boxen, im Publikum ein schwarzes Kunterbunt aus den verschiedensten Underground-Szenen.
Wahnsinn, ich hab erst ein Konzert in dieser Halle erlebt und damals spielten ELÄKELÄISET. Der Raum war so voll, dass es einem fast das Konzert vermiest hätte, an diesem 14. Dezember 2006 jedoch hatte man bereits die Location mit Raumteilern eingeschränkt und trotzdem war es kurz vor Konzertbeginn locker möglich in die ersten Reihen vorzudringen und dort hatte man bis zum Schluss keine Platzprobleme. Sind ELÄKELÄISET nun inzwischen so groß oder LAIBACH so klein?

Laibach
Faszinierende Bühnenpersönlichkeit – Sänger Milan Fras

Keine Ahnung, wie dem farbigen Securitymann an der Tür neben der Bühne zu Mute war, als das Konzert mit etwa zehn Minuten Verspätung mit einer Blasmusikversion der deutschen Nationalhymne beginnt und daraufhin die LAIBACH-Version des Lieds der Deutschen folgt. Dabei ist es ja nicht einmal so, dass man nicht selbst vollkommen verunsichert wäre. Wie positioniert man sich beim Erklingen der Deutschlandhymne richtig, dass bei jemandem anderen nicht der Eindruck entsteht, man wäre plötzlich voller Nationalstolz ergriffen oder man sich auf der anderen Seite zu cool für diese Nummer fühlt? Das sind so die Feinheiten, die LAIBACH so interessant machen.

Man konnte gespannt sein, wie die Slowenen diese Tour zum neuen Album Volk gestalten würden – LAIBACH wählten die wir spielen das komplette Album durch-Variante. Statt einem Wust von Gastmusikern lediglich mit Gesangseinspielungen von der Konserve, einer Sängerin und der Stimme von Milan Fras. Der Beat kommt von einem richtigen Schlagzeug, der Rest aus elektronischen Instrumenten aller Art. Zwei Beamer auf der Bühne sorgen für die visuelle Untermalung im Hintergrund und während des gesamten Konzerts ist es schwer sich zu entscheiden, auf was man seinen Blick konzentrieren soll. Bei Fras geht es einem wie eh und je: auf den ersten Blick denkt man sich da ist ja null Ausstrahlung vorhanden, doch umso länger man ihm zuschaut, umso mehr wird man in seinen Bann gezogen. Faszinierend.
Die Nationalhymnen von Volk wurden im Großen und Ganzen 1:1 wie auf dem Album umgesetzt, kleine Live-Feinheiten machten den Reiz aus. Dabei war es erneut Milan Fras, der an der einen Stelle die Intensität der Albumversionen zu erzeugen nicht ganz in der Lage war (Francia), sie ein anderes Mal aber locker toppte (Slovania). In der Gesamtheit entstand völlig unabhängig von den Einzelleistungen aber ein Gesamtbild, das schlichtweg grandios war. An allen Ecken und Enden gab es etwas zu entdecken und wenn es nur die liebevoll eingeblendeten V-Zeichen in den Filmsequenzen im Hintergrund waren. Gänsehaut war dabei an erster Stelle bei Germania, America, Türkyie und Yisra´el angesagt, doch jeder einzelne Song war ein Hammer. Und LAIBACH spielten Volk wirklich in bekannter Reihenfolge von vorne bis hinten, einzig Vaticanae blieb aus. NSK markierte also das Ende des ersten Konzertteils und zu den Klängen der LAIBACH-Eigenkomposition wurden links und rechts am vorderen Bühnenrand die Schlagzeuge für das LAIBACH-Drum-Ballett aufgebaut.

Laibach
Das LAIBACH-Drum-Ballett lädt zum Tanz

Mit Tanz mit Laibach wurde der zweite Teil des Konzerts eingeleitet, der von Alle gegen Alle abgesehen komplett aus W.A.T.-Songs bestand. Und erneut gab es an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken. Da waren zum einen die beiden reizvollen Tänzerinnen, die mal wie Gymnastiklehrerinnen der Hitlerjugend, mal wie Stewardessen im falschen Film wirkten. Frontfrau bei LAIBACH zu sein, hält sicher fit. Auffällig auch, dass Milan bei den energiegeladeneren Songs im zweiten Konzertteil deutlich mehr mit sich selbst anzufangen wusste und sich mehr ins Zeug legte. Natürlich wurden auch hier die einzelnen Stücke von interessanten Videosequenzen hinterlegt – das Auge eilte von einem Detail der Bühnenshow zum andern. Du bist unser, Achtung und vor allem Hell – Symmetry zeigten dadurch noch mehr ihre unglaublich intensive Wirkung.
Keine Frage, als LAIBACH zum zweiten Mal die Bühne verließen, fehlten noch viele viele Hits der Bandhistory. Anstatt eine weitere Zugabe zu geben, kamen die dann aber geballt in einem Elektro-Beat-Medley vom Band, während im Hintergrund ein filmtypischer Abspann läuft, bei dem sogar der Busfahrer seine Erwähnung findet. Die gesamte Band samt Tänzerinnen betritt noch einmal die Bühne, verneigt sich in bester Theater-Manier vor dem Publikum, um sich dann endgültig vom Publikum zu verabschieden. Im Hintergrund lief noch immer die Musik und der Abspann auf den Leinwänden, doch so richtig gehen wollte niemand. Doch LAIBACH wissen, wie man seine Fans nach Hause schickt: …and when our beat stops and the lights go out and when we leave this place you will be left here all alone….

Ein grandioses Konzerterlebnis, abseits vom gewöhnlichen Einerlei.

Fierce
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