KEEP IT TRUE 2003: Der Festivalbericht

KEEP IT TRUE 2003: Der Festivalbericht

Das Festival

Eternal Reign | Bloodstained | Malediction | Killer | Killers | Doomsword | Majesty | Brocas Helm | Omen | Solemnity | Gedanken

Das Festival

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Nachdem in den letzten Jahren ein Sommerfestival nach dem anderen aus dem Boden geschossen ist und viele Veranstaltungen nun unter dem inflationären Boom in Form von niedrigen Zuschauerzahlen zu leiden haben, ist es fast schon erstaunlich wenn anno 2003 ein vollkommen neuer Event das Licht der Welt erblickt und sich gleich über regen Zuspruch erfreuen kann.

Das Vorhaben KEEP IT TRUE ging vollends auf und der Grund liegt auf der Hand: das Festival hat ein Konzept. Anstatt Bands auf die Bühne zu holen, die man derzeit eh überall zu sehen bekommt, engagierte man – von MAJESTY mal abgesehen – ausschließlich Bands, die eher selten, speziell im Falle BROCAS HELM, DOOMSWORD und OMEN fast gar nicht in unseren Regionen zu sehen sind. Gleiches gilt aber auch für Underground-Helden wie KILLERS, KILLER oder BLOODSTAINED, ja eigentlich gab es so gut wie keine typische Festivalband zu bestaunen.

Keine Frage, der Name war Programm und dementsprechend zog man auch ein spezielles und vor allem hungriges Publikum an, das natürlich ganz besonders auf die kultige Dreifaltigkeit BROCAS HELM/DOOMSWORD/OMEN heiß und dafür aus allen Herrenländern angereist war, Griechenland, Italien, Spanien,….

Nicht allein die Tatsache, dass das Festival mitten im Sommer in einer Halle stattfand war also dafür verantwortlich, dass hier schon fast eine Atmosphäre wie auf den ersten Bang Your Head-Festivals herrschte, was schon mit dem Metal Market begann während dem man durchaus mal neben einem Deathmaster in der Plattenkiste wühlen konnte. Vor allem aber die kauzigen BROCAS HELM bewegten sich trotz des Blickfangs den sie darstellten völlig ungezwungen zwischen dem Publikum.

„Ungezwungen“ ist eh ein gutes Stichwort, denn selten erlebt man eine Veranstaltung in dieser Größenordnung, bei der Dinge wie Einlasskontrollen, Zugang zum Fotograben, usw., so locker gehandhabt werden wie auf dem KEEP IT TRUE: Hier schien ein blindes Einverständnis zwischen Veranstaltern und Publikum vorgelegen zu haben, was eine ganz klare Aussage für dieses eigentlich ja recht fanatische Publikum darstellt.

Echte Minuspunkte gab es im Grunde nur in zwei Bereichen – Logistik und Sound.

Ersteres bedeutet nicht, dass die Veranstalter die Leute hungern oder dursten ließen, maximale Wartezeiten von 15 Minuten sind heutzutage woanders allerdings nur noch selten zu finden und wenn so was genau in der nicht viel länger andauernden Umbaupause vor einer der persönlichen Faves passiert kann das schon eine kribbelige Angelegenheit werden. Es war aber zu verkraften.

Viel schwerer wiegt da das Problem mit dem Sound, der wirklich so manchen Auftritt verhunzt hat und es gab da den ein oder anderen, der sich da durchaus auch einen Gig durch die Lappen gehen ließ weil ihm der Matsch zuviel wurde. Wirklich schade, den Bands hat man da keinen Gefallen getan.

Entschädigen konnte man da aber zumindest ein wenig durch die Möglichkeit vor einer richtig schön truen Mauer/Totenkopfkulisse auftreten zu können, die ordentlich Atmosphäre schaffte.

So konnte die Halle also zum Kochen gebracht werden und das tat sie wortwörtlich, denn gegen Abend herrschten ganz schön tropische Verhältnisse, die man aber gerne in Kauf nahm.

Und los geht’s…..

ETERNAL REIGN

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Irgendwo dazwischen liegen ETERNAL REIGN.

Dazwischen? Zwischen Power und Prog, zwischen Europa und Amerika, zwischen Eigenständigkeit und mangelnder Identität, zwischen Underground und Professionalität,… Letzte Aussage bitte nicht zu genau nehmen, denn eine Band im Underground muss noch lange nicht unprofessionell sein, aber es gibt da dennoch Unterschiede. Und diesen Unterschied stellten ETERNAL REIGN ganz deutlich dar, denn man merkte es den Jungs einfach an dass hier keine unerfahrenen Jungspunde am Werk sind, sondern Leute, die schon einige Jahre am Start sind. Dementsprechend reif wirkten auch die Kompositionen der Band, die zum Teil wie eine europäische Version von QUEENSRYCHE anmuten, was durch die kraftvollen Posen von Sänger Dirk Stühmer nur unterstrichen wird – Geoff Tate scheint da schon ein gewisses Vorbild zu sein. Allerdings konnte das Anfangs auch nicht helfen, dass die ersten Songs etwas langatmig und fast schon zu glatt wirkten – es fehlte an Profil, an Eigenwilligkeit, die dann zustande kam, wenn sich ETERNAL REIGN etwas mehr von den europäischen Wurzeln lösten und mehr die US-Power-Metal-Schlagseite in den Vordergrund rückten. Und auch wenn Stühmer manchmal etwas zu sehr den Tate machte, so wirkte die Band optisch doch irgendwie eigenwillig und damit hätte ich auch wieder diese „Dazwischen“-These vom Beginn des Reviews untermauert. Mit Spielfreude waren die Jungs jedenfalls voll bei der Sache und dementsprechend war auch Bewegung auf der Bühne vorhanden. Und so war man eben auch irgendwie zwischen sehr unterhaltsam und wenig fesselnd anzusiedeln, insgesamt blieb aber ein sympathischer und positiver Gesamteindruck. (Fierce)

BLOODSTAINED

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Die Griechen BLOODSTAINED sollten auf dem ersten KIT eigentlich die ganz große Überraschung werden und nicht wenige haben nach dem Auftritt verzweifelt nach einer CD der Band gesucht, die es aber halt leider noch nicht gibt. Dabei fing der Gig eigentlich „nur“ ganz gut an, die am Sound von JAG PANZER angelehnten Eigenkompositionen kamen gut rüber, nur das Fehlen einer zweiten Gitarre machte sich irgendwie recht früh bemerkbar, da mangelte es an mancher Stelle einfach am nötigen Druck.

Dafür wirbelte der Sänger schon von Beginn an ordentlich durch die Gegend und optisch hätte man den quirligen Kerl auch eher in eine Stoner-Combo gesteckt.

Wo sein Herz schlägt und was für eine Stimme er besitzt sollte sich dann aber zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt des Konzerts zeigen, mit dem BLOODSTAINED geradezu unglaubliches vollbrachten. Kaum waren nämlich die ersten Töne der JAG PANZER-Coverversion „Harder than Steel“ angeklungen war die Menge völlig aufgebracht und als dieser griechische Tyrant die Gesangsparrts nahezu 1:1 darbrachte entstand ein echter Hexenkessel in der Halle. Plötzlich hatte man jeden einzelnen Zuschauer auf seiner Seite und die Fans rasteten förmlich aus.

Das war definitiv das höchste As das BLOODSTAINED an dieser Stelle im Ärmel hätte haben können und somit war der Jackpot gesichert. Von nun an war das Publikum auch bei den eigenen Songs, die an das große Vorbild sicher nicht heran kommen aber dennoch interessant genug sind damit man sich mit dieser Truppe näher beschäftigt, bereit ordentlich den Kopf zu schütteln und die Jungs abzufeiern. Und um der Menge aber dennoch noch mal ein bekanntes Stück zu servieren gab es als Abschluss nochmals eine Coverversion und zwar „Wargods of Metal“ von SACRED STEEL das erneut großartig interpretiert wurde und vor allem gesanglich absolut top war. (Fierce)

MALEDICTION

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Verwirrung dann bei der nächsten Kapelle im munteren traditionsreichen Reigen, die bereits auf der Bühne steht, als ich die Halle betrete: Sind das etwa schon KILLERS? Fast. Das Quartett heißt MALEDICTION, kommt ebenfalls aus Frankreich, singt ebenfalls französisch und spielt ebenfalls melodischen Speed Metal wie ihre schon etwas bekannteren Landsleute. Eine Mischung, die trotz aller Verwechslungsgefahr auf Anhieb überzeugt und die Hoffnung nährt, dass im HM-Entwicklungsland Frankreich vielleicht doch noch nicht alles verloren ist. (Gnadiator)

KILLER

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Nun, die Altherrenband KILLER aus Belgien gehörten sicherlich nicht zu den großen Abräumern des ersten KEEP IT TRUE. Mit ihrem NWOBHM-Sound, der oft wie eine gebremste Version von SAXON rüber kommt, konnte man die Ansprüchen des Publikums was die Attitüde betrifft zwar befriedigen, in Bewegung setzen konnte man die Massen aber nur bedingt. Recht solide kam das ganze daher aber mit zu wenig Begeisterung am eigenen Tun. Und so kam es auch, dass bis auf ein paar echte Die-Hard-Fans in den vorderen Reihen das Gros des Publikums KILLER eher zur Entspannung auf der Tribüne der Sporthalle benutzen und das Geschehen eher nebenbei beobachtete. Für Aufsehen konnten Gitarrist Shorty und Bassist Spin zwar noch durch ihren Spaziergang durch das Publikum bis in die hinteren Reihen inklusive kurzer Mit-den-Fans-Bang-Einlage sorgen, aber auch dies schien irgendwie mehr wie der Versuch, zumindest etwas Bewegung in die Menge zu bringen. Es war ja nicht schlecht, was KILLER insgesamt abzogen, aber irgendwie doch etwas zu tröge…. (Fierce)

KILLERS

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Bei den französischen Beinahe-Namensvettern gerät indes schon der Soundcheck zum Fest: KILLERS testen die Anlage mit dem Stück „Ametsetan“, hinter dem sich eine französischsprachige Version von AC/DCs „Walk All Over You“ verbirgt. Kein Wunder, dass auf Anhieb Stimmung in der tropenheißen Halle ist! Und der sympathische Vierer um Gitarrist und Sänger Bruno Dolheguy bleibt gleich auf der Bühne und haut dem Pöbel vor der Bühne ein kompaktes energiegeladenes Set um die Ohren, dass es ein wahres Fest ist. Schneidiger, angespeedeter Metal, der mit mächtig Tempo, Schmackes und Energie aus den Boxen drückt und seine Unschuld noch nicht verloren hat (wahrscheinlich der geographischen Lage wegen). Coverversionen von „Black Wind, Fire & Steel“ (MANOWAR) und „Overkill“ (MOTÖRHEAD), beide natürlich auf französisch, beschließen ein viel zu kurzes Gastspiel. Ganz groß, diese Basken! (Gnadiator)

DOOMSWORD

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Eigentlich wollten sie ja überhaupt nie live auftreten, doch von Zeit zu Zeit lassen sich die Italiener inzwischen doch zu Auftritten breitschlagen – wenn die Rahmenbedingungen eben entsprechend sind. Nachdem DOOMSWORD wohl bereits eine Woche zuvor beim Headbangers Open Air so richtig abgefeiert wurden, konnte man die Band auf dem KEEP IT TRUE erneut live auf deutschem Boden bewundern und Augenzeugen, die beide Gigs erleben durften zufolge, konnten DOOMSWORD in Lauda-Königshofen noch mehr für Begeisterung sorgen – absolut zurecht!!

DOOMSWORD sind schon etwas ganz besonderes und wer die Aussage, man wolle selbst einen Kult um die Band herum aufbauen, in die Richtung interpretieren möchte dass da jemand mehr Schein als Sein darstellt, der wird spätestens dann eines Besseren belehrt, wenn man die Band live zu Gesicht bekommt. „Von wegen“, hör ich schon wieder ewige Nörgler sagen, „Italiener die einen auf Wikinger machen – ist ja sehr glaubwürdig.“ Euch sei gesagt: in einer Band, deren Zügel ein Deathmaster fest in der Hand hält, könnte so was gar nicht glaubwürdiger sein. Der Frontmann und Bandleader sieht wirklich aus, als wäre er einfach an einem falschen Fleck auf dem Globus geboren worden und wenn er mit seinem Trinkhorn am Gürtel in verratztem Metalleroutfit an einem vorbei stapft und man dabei seinen harten Männerschweiß in die Nase bekommt, dann weiß man, dass man es hier mit einem Menschen zu tun hat, der das was er nach außen verkörpert verinnerlicht hat, lebt und auch ausstrahlt.

Und damit war auch klar dass dieser Auftritt nur ein absoluter Hammer werden könnte, den auch dieser furchtbare Sound nicht zerstören konnte. Magie war angesagt und das von der ersten Sekunde an. The Forger ist genau der Mann, den diese Band gebraucht hat und die perfekte Ergänzung zu dem blonden Frontmann. Dass der Rest der Truppe da optisch nicht wirklich mithalten kann spielt dann auch keine Rolle mehr denn das Feeling zählt und das war da! Spielfehler, Unsicherheiten im Zusammenspiel und der Performance, all das gab es – eine routinierte Liveband ist DOOMSWORD noch lange nicht. Aber wen stört´s? DOOMSWORD bringen auf der Bühne das rüber, was der Fan sehen möchte und das ist Epic Metal in Reinkultur. Ja schon, mit Deathmaster steht und fällt alles, aber er ist ja da und somit ist alles gut. Kraftvolle Posen erscheinen da schon wie selbstverständlich, das Bier in der Hand gehört einfach dazu, die gen Himmel gestreckte Faust ebenso. Hier hatte wieder mal jemand allen Grund sich ohne Ende abfeiern zu lassen und das tat das Publikum gerne. Von der Songauswahl hat man sich natürlich auf das neuere Werk „Resound the Horn“ festgebissen, obwohl mit „Sacred Metal“ der Opener mit einer Bekenntnis zu den ersten Stunden der Band gewählt wurde. Gefolgt wurde das ganze dann von flotteren Galoppern der Marke For those who died with sword in Hand, unterbrochen von den schleppenden Donnern Onward into Battle und Shores of Vinland (angekündigt als den „most viking song“ der Band), bis man dann letzten Endes mit „Battle of Helms Deep“ einen echten Höhepunkt erreichte. Als Deathmaster den Song a cappela mit dem „Resound the Horn“-Thema eröffnete war kollektive Gänsehaut angesagt. Schade nur, dass man den Hörspielmittelteil live nicht rekonstruieren konnte, was dem Song aber nichts von seiner Faszination nahm. Hammersong in einer hammergeilen Umsetzung! Wen wundert es da, dass das Publikum bei der Bandhymne „Doomsword“ aus vollem Herzen mitsang und die Band quasi auf Händen trug – erst in metaphorischer Sicht, am Ende des Gigs aber auch in realer, als Deathmaster voller Begeisterung den Sprung in die Menge wagte und durch die halbe Halle getragen wurde – The Forger konnte diesem Beispiel nur folgen und wurde dabei von den Fans genauso begeistert empfangen. Begeisterung ist kein Ausdruck für die Freude die allen Anwesenden in die Gesichter geschrieben stand. Sie kamen, sahen und siegten – abgedroschenes Fazit aber es hat sich mir schon lange nicht mehr derart aufgedrängt. (Fierce)

MAJESTY

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Für MAJESTY ist das Keep It True ganz klar ein Heimspiel – und das nicht nur deshalb, weil mit Sänger Tarek Maghary einer der Veranstalter des rührigen Festivals auf der Bühne steht. Zahlreiche MAJESTY-T-Shirts in der Halle machen klar, dass viele nur wegen der Truppe aus der Heilbronner Gegend nach Lauda-Königshofen gekommen sind. Und wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben von BROCAS HELM und OMEN gehört haben (was natürlich gar nichts macht). Stilistisch irgendwo zwischen MANOWAR und HAMMERFALL, erweisen sich die Kompositionen des hochgelobten Teutonen-Sechsers jedoch als erschreckend glatt – was die Fans in der Halle nicht davon abhält, ihre Helden nach Kräften abzufeiern. MAJESTY on stage, das ist eine temporeiche, professionell verpackte und präsentierte Show von fünf True-Metal-Fans, die ihr Herz in die gemeinsame Band legen, über ein solides Zweitliganiveau jedoch keine Sekunde hinauskommen. Und ganz schlimm sind die nervigen Keyboards … Aber ich bin ja auch schon ruhig. Als Veranstalter ist es klar, dass MAJESTY auf ihrem eigenen Festival spielen – das wird auch nächstes Jahr so sein und ist absolut okay so. (Gnadiator)

BROCAS HELM

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Kauzig, kauzig, kauzig! Und absolut spektakulär! Hier sie sind – THE REAL SPINAL TAP! Was zunächst wie eine Mischung aus eben genanntem Act und einer Cheech & Chong-Komödie anmutet erweist sich schon nach kurzer Zeit als einen mindest ebenbürtigen Kultact namens BROCAS HELM. Sieht man Gitarrist und Sänger Bobby Wrigth und Bassist Jim Schumacher auf den Frontpositionen der Bühne agieren, ist man fast wie in einem Film gefangen. Ist das nun eine reale Band oder doch eher ein Schauspiel? Sind diese Typen echt oder doch irgendwelche Kunstfiguren? Wenn die bereits in die Jahre gekommenen Musiker über die Bühne fegen fragt man sich doch unwillkürlich, was sich wohl in deren Köpfen so alles abspielt. Schräg sind sie und doch irgendwie so natürlich. Bemerken diese Typen überhaupt ihre Pardiesvogelartigkeit? Wobei Paradiesvogel so ein falscher Begriff ist und doch wirken BROCAS HELM irgendwie schillernd. Die alte Rockstarschule scheint man auch aus dem FF zu beherrschen, gleichzeitig gibt es aber keine Starallüren oder Fanferne. Wenn man sich dann noch anschaut, was dieses Trio instrumental so vom Stapel lässt, dann kann man sich eigentlich nur noch ungläubig die Augen reiben. Was für ein Können, was für eine Energie? Zirkusstars die das Publikum verzaubern? Hört sich irgendwie alles recht unmetallisch an und dennoch könnte man nicht truer sein. Wer über so eine lange Zeit derart in seinem Tun verharrt und nach 19 Jahren einen Set abliefert, der fast zur Hälfte aus Stücken des Debütalbums (Into Battle, Night Siege, Beneath a Haunted Moon, Ravenwreck, Into the Ithilstone) besteht, der muss schon sehr an sein Schaffen glauben. Und das verkörpern BROCAS HELM auch irgendwie, alles erscheint so selbstverständlich und ergibt einen Sinn. Wenngleich es die Amis auch nicht ganz geschafft haben, die Begeisterung bei allen Zuschauern zu halten – nach und nach lichteten sich die Reihen etwas, was den echten Fans der Band aber umso mehr Platz ließ um diesen Auftritt in vollen Zügen zu genießen. Schade nur, dass das „Black Death“-Album für BROCAS HELM selbst nicht den stellenwert einzunehmen scheint, wie es bei mir der Fall ist, wodurch man dann lediglich Black Death, Prepare for Battle und Fly High zu hören bekam. Dafür überzeugte man aber mit drei Songs des Ghost Story-Demos, die ebenfalls wie die vielen noch älteren Stücke irgendwo zwischen Epic und US-Metal der alten Schule anzusiedeln sind. Nicht unerwähnt lassen sollte man dabei die grandiose Leistung von Schlagzeugtier Jack Hayes, der durch die beiden Blickfänge an den Gitarren etwas in den Hintergrund gedrängt wurde, umso mehr beeindruckte das, was man von ihm audiell vernahm. Man muss sich eh fragen, wie drei derartig grandiose Musiker so sehr im Underground versteckt bleiben können, aber vielleicht sind sie ja einfach doch etwas zu kauzig für diese Welt. Aber egal, bis zum letzten Ton des Rausschmeißers „Skullfucker“ wurde niemand enttäuscht der diesem Auftritt entgegen gegiert hatte und das lange Warten, BROCAS HELM endlich auf einer deutschen Bühne erleben zu dürfen, hat sich definitiv gelohnt – Kult hat einen Namen. (Fierce)

OMEN

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Mit gemischten Gefühlen ging es dann vor die Bühne, um dem Auftritt von OMEN beizuwohnen. Für die Spätgeborenen: Die ersten drei OMEN-Scheiben sind auch viele Jahre nach Erscheinen G.O.T.T. in Sachen US-Metal. Die beiden Alben, die danach kamen, waren bestenfalls jämmerlich. Längst ist von der Urbesetzung nur mehr Gitarrist Kenny Powell übrig geblieben, der sich redlich müht, seinen Lebenstraum noch mal flott zu kriegen und nachträglich zumindest ein Stück von der Anerkennung einzufahren, die ihm Mitte/Ende der 80er-Jahre für die drei Fabelwerke „Battle Cry“ (1984), „Warning Of Danger“ (1985) und „The Curse“ (1986) zugestanden hätte. Mit Kevin Goocher hat der Amerikaner einen brauchbaren neuen Sänger am Start, der Originalröhre J. D. Kimball würdig ersetzt. Und OMEN sind clever, erwischen auf dem Keep It True 2003 mit „Death Rider“ einen perfekten Einstieg und wühlen auch sonst ganz tief in ihrer Schatzkiste. So gibt es an diesem Abend unter anderem Perlen wie „Battle Cry“, „Termination“, „Dragon’s Breath“, „Teeth Of The Hydra“, „Bounty Hunter“ und „Ruby Eyes (Of The Serpent)“ zu hören. Die wenigen neuen Songs vom bereits fertig eingespielten und wohl auch demnächst erscheinenden neuen Album „Eternal Black Dawn“ fallen nicht negativ auf, die Band bietet eine gute Show, kommt druckvoll und tight und wird von den zahlreichen begeisterten Bängern nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Dass ausgerechnet „Thorn In Your Flesh“ vom 88er-Flop „Escape To Nowhere“ als erste Zugabe herhalten muss, ist mir indes bis heute ein Rätsel. Soviel zur Abstimmung auf der KIT-homepage, welche Songs Omen in Lauda-Königshofen live spielen sollen (kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich auch nur einer ernstlich diesen Rohrkrepierer gewünscht hat). Dafür entschädigt „The Axeman“ als finaler Rausschmeißer. Daumen nach oben für Omen, die unterm Strich einen soliden Auftritt abgeliefert und deutlich mehr Spaß als erwartet gemacht haben.

SOLEMNITY

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Die Uhr zeigt weit nach Mitternacht, als die letzte Truppe eines langen Tages die Bühne entert. SOLEMNITY, ein Fünfer aus Baden-Württemberg, ist eine klassische Metal-Showband – was ja bekanntlich immer eine zweischneidige Sache sein kann. Und die ist es in diesem Fall tatsächlich: Die Songs der prächtig-kostümierten und schwer motivierten Truppe sind so derart hölzern und hausbacken, dass bei jedem Lied zwangsläufig eine Showeinlage (Feuerspucken, Blut spucken, Jungfrau meucheln) folgen muss, um die verbliebenen Nasen zumindest irgendwie vor der Bühne zu halten. Also die Nummer mit der krassen Optik, die sich hier „Heavy Horror Metal“ nennt und irgendwie die Schnittmenge von LIZZY BORDEN, HALLOWEEN und DEATH SS auslotet, genretechnisch jedoch unterm Strich näher an den Windbeuteln von LORDI denn an einem Altmeister des Shockrock wie Alice Cooper dran ist. So weit, so gut. Vom Engagement her lassen sich die Mannen um Sänger und Frontposer Sven The Axe von den miesen Rahmenbedingungen (späte Stunde, langer Festivaltag, leere Halle) nicht die Bohne beeindrucken, legen sich voll ins Zeug und geben alles. Was wenig daran ändert, dass das Gros der Besucher zu diesem Zeitpunkt bereits mit True Metal bis über beide Ohren abgefüllt ist und sich längst auf dem Heimweg befindet. Nichtsdestotrotz: Respekt für den vollen Einsatz zu solch undankbarer Stunde! (Gnadiator)

…noch ein paar Gedanken zum Abschluss…

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Ein Festival wie ein Fanzine – von Fans für Fans! Das erste Keep It True darf organisatorisch und inhaltlich als voller Erfolg verbucht werden und macht schon jetzt Lust auf nächstes Jahr! Hier stimmen Aufmachung und Aufgebot, Preise und Rahmenbedingungen. Alles prima.

Einziger Kritikpunkt: Die zahlreichen selbsternannten Kultgötter im Publikum, die sich allein über die Bandlogos auf ihre raren T-Shirts definieren und dabei in Lauda-Königshofen einen Pappnasenfaktor an den Tag legten, der selbst in der oftmals nur noch peinlichen Metalgemeinde seinesgleichen sucht. Beispiel gefällig? Da fragt mich in der Umbaupause vor Omen doch tatsächlich so ein Spacko, wie alt ich bin – um mir dann auf die stirngerunzelte Antwort „31 – wieso?“ freundschaftlich auf die Schulter zu klopfen, auf mein SAVAGE GRACE-Leibchen zu deuten und gönnerhaft zu sagen „Dann darfst Du dieses T-Shirt tragen!“. Na, herzlichen Dank auch! Oder irgendwelche jungen Fanzinemacher, die sich darüber beschweren, dass einige Besucher in der Halle tatsächlich RHAPSODY-Shirts tragen – und dann in ihren selbstgefälligen Konzertreviews nicht mal `nen MOTÖRHEAD-Song erkennen, wenn er auf französisch gesungen wird. Sowas ist verdammtnochmal überhaupt kein Metal – und mich wundert es seit dem KIT auch nicht mehr, warum sich alle Welt regelmäßig vor Lachen über die True- und Power Metal-Gemeinde schüttelt. (Gnadiator)

Fierce
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