Auf dem Parkgelände angekommen, heißt es, die Wand aus Hitze zu ignorieren, die uns beim Öffnen der Autotür entgegenschlägt. Schnell hin, in die klimatisierten goldenen (Messe-) Hallen. Eine kurze Hopfenkaltschale später geht’s auch schon los. Der Startschuss für das IMPERICON – Festival 2026 fällt.


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Freitag – 26. Juni 2026
GET THE SHOT | GUTALAX | TSS | DISTANT | THE PRETTY WILD | NEVERTEL | BOUNDARIES | FUTURE PALACE | CATCH YOUR BREATH | WE CAME AS ROMANS | BLOODYWOOD | BLACK VEIL BRIDES |ARCHITECTS
Samstag – 27. Juni 2026
ESCAPE THE MADNESS | SAVIOURSELF | CABAL | MENTAL CRUELTY | SIAMESE | MONTREAL | THE BROWNING | I KILLED THE PROM QUEEN | DYING WISH | 100 KILO HERZ | SLEEP THEORY | THE MENZINGERS | LIONHEART | MEHNERSMOOS | LANDMVRKS | RISE AGAINST
GET THE SHOT
Den Anfang des diesjährigen Impericons machen GET THE SHOT mit Ihrer Interpretation von Hardcore. Die Kanadier setzten früh ein Statement: wenig Schnickschnack, viel Wucht. Ohne Umschweife prescht man direkt ins Set – sehr zum Wohlwollen der Gäste. Und so eröffnet die Band den härteren Teil des Festivals mit kompromissloser Beatdown-Energie. Die kurzen und knackigen Ansagen, die zwischen den einzelnen Songs ins Publikum gebrüllt werden, bestehen mehr aus dem Wort „Fuck“ als aus zusammenhängendem Kontext. Läuft also.
Der Pit ist dementsprechend reich gefüllt und der von Sänger Mathieu Dhani eingeforderte Circle Pit beginnt umgehend zu rotieren. So geziemt es sich!












GUTALAX
Quer durch Europa irgendwie immer und überall dabei sind auch GUTALAX in diesem Jahr in Leipzig mit von der Partie. Kaum eine Band spaltet das Publikum so effektiv zwischen Lachen und Headbangen. So speziell die Bühnendeko (Dixi), so ausgefallen das Bühnenoutfit der Tschechen (weiße Strampler), so grotesk ist auch der Auftritt.
Gleich zu Beginn wird prognostiziert: „We have only 30min, so we play 16 songs!“. Den Opener der von „recht speziellen Humor“ strotzenden Setlist liefert Asseralda und nach nur zwei Songs verspricht uns Martin Matoušek: „You heard two songs from us – the rest of the playlist will exactly sound like this.“ Er hat nicht gelogen! Die Stücke sind kurz und knackig. Der Gesang typisch für Grindcore blubbernd unverständlich und im Pit werden Klobürsten geschwungen und -papierrollen geworfen. Die Leute haben sichtlich Spaß an Stücken wie Diarrhero, Shitbusters und Robocock. Zwischen Blastbeats und Toilettenhumor verwandeln Gutalax das Festivalgelände kurzzeitig in eine bizarre Grindcore-Party.









TSS
Im Anschluss an obszönen Shit-Humor liefern uns TSS den krassen Gegenpol. Hier wird besonderer Wert auf visuelle Ästhetik gelegt. Die langen schwarzen Herrenröcke und zerrissenen Kleidungsstücke erinnern eher an Goth als an die dargebotene Fusion aus Metalcore, modernen Pop-, Trap- und Darkwave-Elementen. Im scharfen Kontrast dazu stehen hingegen die immer wieder niederschmetternden Beatdowns und in der Landessprache der Franzosen vorgetragenen Rappassagen. Das Publikum reagiert tatsächlich sehr angetan auf diese erfrischend-kreative Interpretation von modern Metal.












DISTANT
Mittlerweile richtig gut aufgewärmt und um ein Fischbrötchen schwerer erwartet man nun neugierig den nächsten Act. DISTANT schicken sich an die Crowd zu rocken – oder eher abzureißen. Sofort fallen uns die sehr tief gestimmten Gitarren und langsam gespielten Riffs auf, beides Markenzeichen der mit Musikern aus den Niederlanden und der Slowakei international besetzten Deathcore-Band. Mit Einstieg ins Set werden, nachdem Badebälle ins Publikum geworfen wurden, Moshpits eingefordert. Auch ohne die Aufforderung dazu wären die Massen in Wallung geraten. Distant drücken den Härtegrad noch einmal deutlich nach unten. So gibt es von Artist zu Artist immer wieder Abwechslung und keinen Einheitsbrei – und die Stimmung geht stets voran.











THE PRETTY WILD
Erfrischend, dass bei THE PRETTY WILD gleich zwei Vokalistinnen auf der Bühne performen. Ohne Umschweife wird nach dem kurzen Intro umgehend durchgestartet. Klargesang wechselt mit schroffen Screams. Ständig sind die Wylde-Schwestern in Bewegung. Die hammerharten Breakdowns bilden einen krassen Gegenpol zum sonst sehr lieblich klingenden Klargesang – sofern die Growls, Shouts und schrillen Screams dem nicht entgegenwirken. Das Schwestern-Duo aus Las Vegas verbindet schwere Gitarren mit Pop-, Hip-Hop- und Industrial-Einflüssen. Ein Wechselbad der Gefühle, dass sich uns hier darbietet. The Pretty Wild beweisen uns heute eindrucksvoll, warum sie aktuell als ein echter Geheimtipp unter den Metal-Newcomern gehandelt werden.

















NEVERTEL
Man will ja nicht unken, aber wenn bei so einem Festival wie dem Impericon, ein Act als Intro ACDC’s Thunderstruck einspielt, könnte man das schon fast als cheated bezeichnen. Denn der Pit brodelt sofort, als NEVERTEL das Podium vereinnahmen. Mit der Band aus Florida betritt ein „Ausreißer“ die Bühne, denn serviert wird hier ein Cross-Over aus Hip Hop und Metal. Es gibt weniger Screams und dafür umso mehr Klargesang und Rap. Die Amerikaner verbinden überaus gekonnt Linkin-Park-artigen Rap-Rock mit modernen Metalcore-Einflüssen, lockern eingängigen Refrains das bis dahin verhältnismäßig harte Line-up angenehm auf, und bringen somit erstmals deutliche Alternative-Rock-Vibes auf die Impericon-Bühne.














BOUNDARIES
Noch bevor die Amis aus Connecticut in ihr Set starten, verlangt BOUNDARIES-Gitarrist Cory Emond nach DEM Circlepit. Also dieser eine, monumentale Fleischkreisel, welcher, einmal entfacht, gefühlt auch bis ans Ende des Auftrittes nicht mehr still stehen wird. Neben extrem aggressiven Screams und Shouts fällt eine interessante Besonderheit auf: Die emotional aufgeladenen Cleanvocals ertönen von jenseits des Schlagzeugs, denn Trommler Tim Sullivan kümmert sich, neben dem verprügeln seiner Drums, gar liebevoll um den immer wieder geschickt eingestreuten Klargesang. Somit verweben Boundaries Emotion mit Brutalität und verwandeln die Fläche vor der Bühne in ein einziges Chaos aus Circle Pit und Stage-Dives.










FUTURE PALACE
Erneut steht mit Maria Lessing nun eine Frontfrau auf der Bühne. FUTURE PALACE aus Berlin verarbeiten in vielen Songs Themen wie psychische Gesundheit, Ängste und persönliche Krisen. Neben der emotional fesselnden Bandbreite Maria’s beinahe zerbrechlichen Klargesangs weiß die Vocalistin auch mit markanten schneidenden Screams zu überzeugen. Die Bühne versinkt in einem Lichtermeer und, erstmalig für das diesjährige Festivalgeschehen, Nebelfontänen. Future Palace liefern einen der emotionalsten Momente des Tages – zwischen Zerbrechlichkeit und knallharten Ausbrüchen. Die Heimspiel-Atmosphäre ist heute in Leipzig (denn schließlich ist Berlin ja nur einen Katzensprung weit entfernt) vom ersten Ton an spür-, seh- und hörbar.











CATCH YOUR BREATH
Es geht strikt weiter im Programm von Tag 1. CATCH YOUR BREATH folgen, nachdem Future Palace, mit ihrer Interpretation von Alternative Metal und Post Hardcore, ein wenig Melancholie mitbrachten. Mit eingängiger Songstruktur war die Beteiligung im Publikum keine Frage des Anstands mehr, denn mit hymnischen Refrains sorgen die Texaner heute für eine willkommene Verschnaufpause, ohne an Intensität einzubüßen. Catch Your Breath beweisen, dass mitreißende Melodien auch zwischen Hardcore und Deathcore ihren Platz haben.









WE CAME AS ROMANS
Und auch am nächsten Act sieht man, wie stark die Core drüben in Amerika ist. Denn WE CAME AS ROMANS sind eine weitere Band von ‚drüben. Die Michiganer gehören seit fast zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Namen des US-Metalcore. Nach dem Tod des Clean-Sängers Kyle Pavone im Jahr 2018 entschied sich die Band bewusst weiterzumachen und ihm jedes Konzert zu widmen. Ihre Auftritte haben seitdem eine zusätzliche emotionale Ebene. Aufgrund ihrer Bekanntheit dürfte die Band eines der Highlights des Festivals sein. So auch für uns.
Mit einem der bekanntesten Stücke, „bad luck“, eingestiegen, wird mit dem ersten Anzupfen der Gitarrensaiten, mit den ersten Drumschlägen und dem ersten Ertönen von David Steohen’s Stimme ein grandioses Set eingeläutet. Das Publikum ist sofort Feuer und Flamme und feiert den gesamten Auftritt mit Leib und Seele. Vor allem mit Leib, denn die Leiber unzähliger Crowdsurfer werden im Sekundentakt nach vorne durchgereicht. Zwischen brachialen Breakdowns und emotionalen Momenten entwickelt sich sogleich einer der mitreißendsten Auftritte des Tages. WE CAME AS ROMANS beweisen auch heute eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zur Speerspitze des Metalcore gehören und zeigen, dass Hoffnung und Zusammenhalt auch nach schweren Schicksalsschlägen zentrale Bestandteile ihrer Identität geblieben sind.














BLOODYWOOD
Mit der nun folgenden Band beginnt eines unserer persönlichen Must-See-Programme. Metal aus Indien? In der Tat ist die Szene dort sehr überschaubar – wohl aber vorhanden. Und das Aushängeschild eben jener Sparte beginnt nun bestens gelaunt ein Set, das definitiv im Gedächtnis bleiben wird. Die Crowd ist proppevoll, als BLOODYWOOD auf die Bühne stürmen. Was folgt, ist ein Totalabriss, der irgendwo zwischen brachialem Core und indischem Folk die Gehörgänge malträtiert. Auffallend sind die zwischenzeitlichen Ansagen, die durch ihren indischen Akzent authentisch, aber auch ein Stück weit amüsant sind. Der Gesang wechselt stets zwischen allerlei gutturalem Stimmbandfasching und cleanem Gesang bis hin zu rasend schnellem Rap. Sowohl musikalisch als auch von der Gesinnung her passen die Kerle aus Neu-Delhi bestens zum Impericon, denn seit jeher setzt setzt sich die Kapelle offen gegen Diskriminierung ein. Für uns steht fest, dass das Gesamtpaket aus traditionellen Klängen, Rap, massiven Riffs und einer unglaublich sympathischen Interaktion mit dem Publikum einer der außergewöhnlichsten Auftritte des Festivals ist. Metal ist ein globales Phänomen und selbst aus Ländern, von denen man es weniger erwartet, kommen zuweilen Überraschungen.

















BLACK VEIL BRIDES
Die Messlatte wird von Band zu Band höher gelegt. Für uns persönlich liegt sie in beinahe unerreichbarer Höhe. Bloodywood haben mit ihrem Brett gut vorgelegt. BLACK VEIL BRIDES drosseln das Tempo nun ein wenig, um uns mit einer gesunden Mischung aus Hard Rock und Glam Metal, sauber abgeschmeckt mit einer Prise Metalcore, zu füttern. Frontmann Andy Biersack präsentiert sich stimmlich souverän und führt die Zuschauer immer wieder zum Mitsingen an. Besonders bei „In the End“ wird es laut vor der Bühne – einer der bekanntesten Songs der Band entwickelt sich erwartungsgemäß zu einem der Höhepunkte des Sets. Auch „Knives and Pens“, ein Klassiker aus den Anfangstagen der Band, wird von vielen textsicher begleitet. Die mitreißenden Melodien mit dem immer wieder aufflammenden Core-Einschlag munden nicht nur uns. Es wird klar: Das Impericon ist voll Touren, alles bewegt sich, alle feiern – zwischen klassischem und Heavy Metal und modernem Hard Rock beweisen BLACK VEIL BRIDES ihre Festivalerfahrung und liefern eine routinierte Show voller großartiger und bangbarer Hymnen.


BABYMETAL
BABYMETAL untersagten der Presse leider jedwede Art der Fotografie. Der Fotograben ist also komplett abgesperrt. So ist es uns als Magazin dementsprechend leider nicht möglich, Euch mit Fotos des Gigs zu versorgen.
Musikalisch sehr präzise, im Genre einen Spagat zwischen J-Pop und Core bildend, sind auch die Reaktionen im Publikum eher gemischter Natur. Die perfekte Inszenierung, aufs tausendstel einstudierte Choreografien, passend dazu die Lichtshow mit viel Pyro machen den gesamten Auftritt zu etwas Unwirklichem. Die stark an Japanische Amines und Mangas angelehnte Show mit den drei auf der Bühne tanzenden Frauen ist von vorne bis hinten energiegeladen und bis ins kleinste Detail durchinszeniert. Die perfekt einstudierten Choreografien und messerscharfen Gitarrenriffs lassen die Grenzen zwischen Pop und Metal verschwimmen und zeigen so, warum BABYMETAL seit über eineinhalb Dekaden zu den außergewöhnlichsten Live-Acts der Metalszene gehören.
ARCHITECTS
Für viele Besucher dürfte der erste Tag nun in einem absoluten Höhepunkt gipfeln, denn schließlich steht mit den Briten von ARCHITECTS eine der größten Metalbands Europas auf der Bühne, welche inzwischen große Hallen sowie Festival-Headliner-Slots, so wie den heutigen, füllt.
In ihren Songs verbinden sie modernen Metalcore mit Arena-Rock, elektronischen Elementen und hymnischen Refrains und ziehen das Publikum vom ersten Moment an voll in ihren Bann. Das Set startet mit dem sehr bekannten Elegy. Auch wenn bei gefühlten 1000°C unwahrscheinlich, aber sollten einzelne Festivalbesucher bislang noch nicht warmgelaufen sein, so trieft der Schweiß nun aus allen Poren. Egal, ob man sich gerade damit abmüht, Crowdsurfer auf den Händen zu balancieren, selbst als Surfer mehr oder minder gut die Körperspannung zu halten, den Pit mit Frischfleisch zu füttern oder die Songs lautstark mitzusingen – für jeden gibt es die eigene Art und Weise, ins Transpirieren zu kommen. Bereits mit Track drei „Doomsday“ wird einer der vermutlich meisterwarteten Songs angespielt, der, fertiggestellt 2016 nach dem Tod von Tom Searle (seinerzeit Gitarrist und Hauptsongwriter), in Fankreisen mittlerweile zu einem der emotional bewegendsten Tracks im gesamten Repertoire der Band avanciert ist. Jeder ist involviert in den Höhepunkt des ersten Festivaltages und Sam Carter, definitiv als einer der prägendsten Frontmänner der Szene zu betiteln, geht in seinem Element gänzlich auf. Die Setlist bietet modernes und älteres Material, als gelungenem Querschnitt durch das Schaffen der Band: „Black Lungs“, „Curse“, „Seeing Red“ – die Lichtshow zündet auf den Sekundenbruchteil exakt, immer passend zum jeweiligen Song. Zwischen emotionalen Hymnen und schroffer Härte liefern ARCHITECTS den würdigen Abschluss eines vielseitigen ersten Festivaltages, der mit dem allseits bekannten „Animals“ sein Grande Finale findet und unterstreichen mal wieder eindrucksvoll ihren Status als eine der größten Modern-Metal-Bands Europas.































Samstag, 27. Juni 2026
Nach einer recht kurzen Nacht stürmen noch vor 12 Uhr mittags die ersten Festivalbesucher Richtung Messe Leipzig. Wir sind mitten unter ihnen. Mal sehen, was Tag zwei heute so zu bieten hat…
ESCAPE THE MADNESS
Den Anfang machen heute ESCAPE THE MADNESS. Die Band gehört noch zu den kleineren Acts des Line-ups und nutzt Festivals wie das Impericon als wichtige Plattform, um neue Fans zu gewinnen. Die Crowd ist zu so früher Stunde bereits bis zum ersten Wellenbrecher gefüllt. Begleitet von den ersten Headbangern des noch jungen Tages zeigen ESCAPE THE MADNESS mit ihrem Mix aus Metalcore und Modern Metal bereits kurz nach dem heutigen Startschuss klar, dass auch die frühen Slots keine bloßen Aufwärmübungen sind.












SAVIOURSELF
Mit SAVIORSELF tritt heute der zweite deutsche Act ins Rampenlicht. Die Band aus Kiel kombiniert klassische Metalcore-Strukturen mit modernen Einflüssen, immer wieder durchbrochen von harten Breakdowns. Sänger Mattias liefert einen wirklich gekonnten Mix aus growls, screams, Shouts und Cleanvocals. Due ersten Reihen verschwimmen im Chaos des ersten Circlepits des Tages. So sorgen SAVIORSELF früh für Bewegung vor der Monster Stage und halten das Energielevel bereits zur Mittagszeit hoch.













CABAL
Nun wird’s finster. CABAL aus Kopenhagen donnern in ihr Set. Mit ihren tief gestimmten Gitarren, welche eines ihrer Markenzeichen sind, und düsteren Songs performt nun eine der härtesten Band des Wochenendes. Dem Publikum schlägt eine brutale Soundwand entgegen, die tiefen Gitarren gehen durch und durch. CABAL lassen die Temperatur schlagartig sinken – musikalisch dominieren Dunkelheit und tonnenschwere Breakdowns. Die Band beweist ihr Können und zeigt u d auf, warum sie mittlerweile zu den bekanntesten Deathcore-Künstlern Skandinaviens zählen.

















MENTAL CRUELTY
nzwischen gehören MENTAL CRUELTY zu den international erfolgreichsten deutschen Deathcore-Bands. Da wir die Jungs aus Karlsruhe vor einiger Zeit bereits als Support für KANONENFIEBER gesehen haben, wissen wir jetzt in etwa, was uns erwartet – und freuen uns sehr drauf!
Nicht nur akustisch, sondern auch visuell ist sofort erkennbar, dass eine gute Portion Blackened Deathcore in der Musik der Künstler mitspielt. So wird sehr viel Wert auf eine ungemein düstere Atmosphäre gelegt. Das Ganze vermischt mit unglaublich fesselnden symphonisch/orchestralen Arrangements vermischt sich alles zu einer Wand aus Emotion und Gewalt. Die animalisch klingenden Growls von Frontgrunzer Lucas verleihen dem ganzen Happening etwas abgrundtief Böses – Klänge aus der Unterwelt, die emporstreben und uns mit offenen Mündern zurücklassen.
















SIAMESE
Deutlich moderner und technischer geht es anschließend mit SIAMESE weiter. Die Dänen streuen geschickt Alternative-Elemente in ihr Set ein und bewiesen, dass moderner Metal auch mit großen Melodien überzeugen kann. Ihr Sound verbindet Metalcore mit Pop-, R&B- und elektronischen Einflüssen. Das wird einer der Gründe sein, warum sich die Band aus Kopenhagen mittlerweile auch zu einer der erfolgreichsten Moder-Metal-Bands Skandinaviens mauserte. Der Andrang vor der Bühne ist groß. Der Pit umso praller. Die Besucher werden von Act zu Act mehr und im unmittelbaren Umfeld zur Bühne wird es langsam schwierig, noch einen Platz zu finden. Und auch die Tribünen mit ihren Aberhunderten von Sitzplätzen füllen sich mit Voranschreiten des Nachmittages.














MONTREAL
Der Sonnabend fährt eine deutlich härtere Schiene als der Vortag. Mit CABAL und MENTAL CRUELTY standen heute zwei der extremsten und härtesten Acts des gesamten Festivalgeschehens auf der Bühne. Mit MONTREAL hingegen wird bewusst einen Gang runter geschaltet. Die Punks aus Hamburg lockern mit ihren humoristischen Ansagen das Lineup ein wenig auf, spielen sich mit ihren ehrlichen deutschen Texten direkt in die Herzen der Besucher und liefern einen punkigen Auftritt, der an dieser Stelle kaum besser hätte passen können.











THE BROWNING
Spannend und abwechslungsreich geht’s weiter im Text, denn mit THE BROWNING stehen echte Pioniere auf dem Podium. Die Band aus Missouri liefern eine interessante Kombination aus harten Breakdowns, Dubstep, Industrial und elektronischen Samples. Was sich als Electronicore bezeichnet, findet regen Zuspruch. Ich, als Berliner Gör, welches die 90er Jahre aktiv miterlebt hat, fühle mich beim sehr Techno-lastigen Sound von dem Gespann ein wenig in diese Zeit, eben die Zeit des deutschen Techno, zurückversetzt. Kindheitserinnerungen kombiniert mit abgrundtief bösem Deathcore. Und nicht nur mir gefällt, was da oben auf der Bühne passiert – der Pit ist völlig am Ausrasten. THE BROWNING verwandelten die Wildcat Stage für 35 Minuten in einen total abgedrehten Metal-Rave.










I KILLED THE PROM QUEEN
I KILLED THE PROM QUEEN glänzen mit einem stark fokussierten Set. Die australische Band legt großen Wert auf die Musik als solche und die sehr crowd-konzentrierte Performance. Absolut schnörkellos und ohne große Bühnendeko brettern die Jungs durch ihr Melodic-Core-Set. Als langjährig aktive Gruppe, die für viele Fans zur absoluten Speerspitze des Modern-Metalcore gehört, zählen Musiker, die mittlerweile bei BRING ME THE HORIZON, BLEEDING THROUGH und BURY TOMORROW spielen, zu den ehemaligen Weggefährten. So erinnern I KILLED THE PROM QUEEN eindrucksvoll daran, wo viele die Wurzeln des modernen Metalcore angesiedelt sehen.




















DYING WISH
Bei DYING WISH steht mit Emma Boster erneut eine Frontfrau auf dem Podium. Nach kurzem Klargesangsintro reißt die Band das Ruder einmal komplett rum und liefert eine energetische Performance der Extraklasse. Standen SIAMESE für eingängige Melodien und moderne Produktion, brachten THE BROWNING elektronische Club-Energie ins Festival, bedienten I KILLED THE PROM QUEEN die Nostalgie der früheren Metalcore-Ära, so schlagen DYING WISH eine Brücke zwischen Old-School-Metalcore und der modernen Hardcore-Welle. Mitten ins Gesicht gehen die Shouts von Emma, untermalt vom Gebrüll aller drei Klampfenspieler. Das Gesamtkonzept kommt einem Schlachtruf nahe. Dem Kampfesschrei folgt der Pit wohlwollend und gönnt sich während des Sets keine einzige Sekunde Verschnaufpause.












100 KILO HERZ
Puhhhh – erstmal Nasenbluten wegwischen. Nach der ganzen Moshaction sorgen 100 KILO HERZ nun für eine ausgelassene Punk- und Ska-Party. Auf dem Banner im Hintergrund typisch-ostdeutsche Plattenbauten zeigend, genießt die Band aus Leipzig einen gewissen Heimvorteil. Mit gleich drei Blechbläsern, die zum Markenzeichen der Band gehören, werden erfrischend neue Klänge in das sonst größtenteils so harsch-brutale Impericon gehievt. Sogar einen Statisten hat man im Gepäck, der, zum Beginn des Sets, eine große, antifaschistisch bedruckte Flagge im Pit schwenkend, schnell zum Orientierungspunkt und Zentrum des sich bildenden Circlepits avanciert. Die Stimmung könnte kaum ausgelassener sein, trotz bulliger 40°C draußen und immernoch einer verschwitzten Hitze in der Halle. Und dennoch: Die musikalisch so fröhlich vorgetragenen Texte sind zumeist sehr ernster Natur. Gelebter Antifaschismus und knallharte Gesellschaftskritik. Beide Mittelfinger stets in die Richtung von alle dem, was in der Welt aktuell so schief läuft, gerichtet, verbindet die Leipziger Band politisch links-stabile Haltung, positive Energie und erfrischend unbeschwerten Rock.

















SLEEP THEORY
Nach dem kurzen und theatralischen Main Theme aus dem Film 300 betreten SLEEP THEORY die Bühne. Die Band gehört derzeit zu den spannendsten US-Newcomern. Mit ihrem Mix aus Modern Rock, Alternative Metal und R&B-Einflüssen erzielen sie hohe Streamingzahlen und werden häufig als eine der nächsten großen Rockbands gehandelt. Entsprechend gespannt ist die Erwartungshaltung vor der Bühne – und die Musiker aus Tennessee liefern von der ersten Minute an selbstbewusst ab.
Mit ihrem melodischen und radiotauglichen Alternative Metal präsentiert sich die Gruppe äußerst publikumsnah und unterstreicht eindrucksvoll ihren Ruf als einer der heißesten Newcomer aus den USA. Sänger Cullen Moore überzeugt mit einer kraftvollen Stimme, die mühelos zwischen gefühlvollen Passagen und druckvollen Refrains wechselt. Die modernen Gitarrenriffs treffen auf eingängige Hooks, wodurch selbst Zuschauer, die die Band vorher nicht kannten, schnell Zugang zu den Songs finden.
Die Crowd steht stabil und feiert jeden Augenblick des Auftritts der noch jungen Band aus Tennessee. Immer wieder werden Hände in die Höhe gerissen und Refrains lautstark mitgesungen, während die Band sichtlich Spaß daran hat, mit dem Publikum zu interagieren. Auch am Kunstnebel wird nicht gespart – so verwandelt sich die aufgeheizte Halle 1 der Leipziger Messe kurzzeitig in eine schwermetallische Dampfsauna. Unterstützt von einer stimmigen Lichtshow wirkt der Auftritt größer, als man es von einer Band erwarten würde, die erst seit wenigen Jahren auf sich aufmerksam macht. Spätestens nach diesem Set dürfte SLEEP THEORY einige neue Fans für sich gewonnen haben.
















THE MENZINGERS
Mit THE MENZINGERS tritt der dritte und letzte Punk-Act des diesjährigen Impericons aufs Podium. Erfrischend unbeschwert geht es voran und für einen Moment weicht die kompromisslose Härte einer ordentlichen Portion Melodie und Mitsingstimmung. Allerdings scheint ein Teil der Festivalbesucher nicht ganz so angetan zu sein, denn die Reihen lichten sich tatsächlich ein wenig. Der Grund dafür ist uns persönlich schleierhaft. Denn Emotionen und Mitgröltexte brauchen nicht immer nur Breakdowns. THE MENZINGERS gehören zu der sogenannten „Heartland Punk“-Bewegung und genießen als einer der wichtigsten Vertreter dieses Genres besonders in Europa das Ansehen einer treuen Fangemeinde. Und genau diese Fans sind es, die textsicher mitsingen und den Auftritt definitiv nicht als Verschnaufpause nutzen. Stattdessen wird jede Zeile lautstark zurück auf die Bühne gesungen, während die Band mit ihrer sympathischen und bodenständigen Art das Publikum schnell für sich gewinnt. Zwischen hymnischen Refrains und treibenden Punkrock-Rhythmen entsteht eine Atmosphäre, die zeigt, dass ein Festival dieser Größenordnung auch von seinen ruhigeren Momenten lebt. Wer bleibt, erlebt einen Auftritt, der zwar deutlich weniger brachial ausfällt als die Sets davor, dafür aber umso mehr von Leidenschaft, Ehrlichkeit und Gemeinschaftsgefühl geprägt ist.










LIONHEART
Nach viel Melodie knallt es mit LIONHEART nun wieder richtig. Ganz im Stil des typisch amerikanischen Hardcores liefern die Kalifornier eine Show voller Gewalt. So verwandelt sich die Wildcat-Stage in ein einziges Hardcore-Schachfeld, auf dem rohe Energie auf knallharte Brutalität trifft. Die vielen Rappassagen von Rob Watson werden teilweise gebrüllt, teilweise gegrowlt und sorgen für zusätzliche Wucht. Die schweren Breakdowns schlagen mit voller Härte ein und treiben die Stimmung im Publikum immer weiter nach oben. Vor der Bühne wird ununterbrochen gemosht, geschoben und gecrowdsurft, während die Band einen harten Song nach dem nächsten abfeuert. Dabei bleibt keine Zeit zum Durchatmen, LIONHEART ziehen ihr Set konsequent und ohne große Ansagen durch. Jeder Song wirkt wie ein weiterer Schlag ins Gesicht und unterstreicht den kompromisslosen Sound der Kalifornier. Jetzt nimmt das Festival noch einmal deutlich an Fahrt auf, so wird der Abend mit kompromissloser Härte ohne Umwege eingeläutet. Auch wenn das Set vergleichsweise kurz ist, hinterlässt die Band einen bleibenden Eindruck und sorgt dafür, dass die Wildcat-Stage noch einmal komplett eskaliert.












MEHNERSMOOS
Manch einer wird gerade im eigenen Saft garen. Die Luft könnte man mehr schneiden als atmen. Völlig außer Puste liefern nun MEHNERSMOOS den kompletten Gegenpol zum bislang eher harten Festivalgeschehen. Möchte man die Musik dieser eigentümlichen Truppe beschreiben, bräuchte man Worte wie Alkoholmissbrauch, Bier, Anstößigkeit, Satire, Bier, Sarkasmus, Bier, Bier, Hip Hop und Bier. Das Ganze wirft man mit Bier in den dreckigsten Mixer, den man finden kann – heraus kommt MEHNERSMOOS. Textsicher gröhlt das Publikum die alkoholgeschwängerten Rap-Lyrics mit. Bereits zu Beginn wird das Stück „3 Bier“ zum besten gegeben. Maydn (Tobias Mehner) und MadFred (Frederik Moos) sind sich auch nicht zu schade, Bierbüchsen an ihren Köpfen zu zerschmettern. Der gute Hopfenblütentee ergießt sich überallhin. Die Interaktion mit dem Publikum ist ausschweifend, voller Witze und definitiv nicht jugendfrei. So lobt es sich das Festivalgefolge. Das Schlagzeug wurde auf einem riesigen überfüllten Aschenbecher drapiert. In einer gigantischen Bierdose steht der DJ an seinem Mischpult, im Hintergrund steht ein Kiosk, inklusive davor installierter versiffter Parkbank nebst Mülleimer als Requisite. Eine Hommage an Berliner Spätis. Unser Kulturgut! Fehlt nur noch der Hundehaufen. Und obwohl so gänzlich anders, als jede vorangegangene und noch auftretende Band, platzt die Halle gefühlt aus allen Nähten. Ein Jeder möchte sich das ungemein kreative und lyrisch so wertvolle Werken der Frankfurter (am Main) geben – wahrscheinlich um seinen Kindern mal in aller Einzelheit davon berichten zu können.
















LANDMVRKS
Nach einem so mit Eindrücken komplett überfüllten Festivaltag betritt mit LANDMVRKS der Pre-Headlinder die Bühne. Der Kleidung der Besucher entsprechend dürfte hier für viele der absolute Höhepunkt das Podium stürmen. Merch der Franzosen, wo man nur hinsieht. Und zurecht, denn der Stil ist genauso fesselnd wie einzigartig. Nachdem die Band letztes Jahr „The Darkest Place I’ve Ever Been“ veröffentlicht hat, gingen sie mit diversen Chartplazierungen durch die Decke. Unzählige Konzerte und Festivalauftritte folgten. Die Gruppe um Florent Salfati ist seither in aller munde. Verletzliche Cleansinging-Passagen gehen Hand-in-Hand mit brachialen Growls. Florent versteht es, seine Stimme wie kaum ein zweiter einzusetzen. Bis in die letzten Reihen wird getanzt und gemosht und gebangt. Es ist ein Fest – ein wahres Schauspiel, welches uns alle in tiefste Abgründe menschlicher Emotionen zieht. Das wird auch durch das Stück Suffocate unterstrichen, in welchem Florent selbst zur Akustikgitarre greift, um ein melancholisch stimmendes Solo darzubieten. LANDMVRKS liefern heute eine der modernsten, emotionalsten und gleichzeitig härtesten Shows des Festivals und beweisen uns somit eindrucksvoll, warum sie inzwischen zur europäischen Metalcore-Spitze gehören.




































RISE AGAINST
Nachdem LANDMVRKS am heutigen Abend stark vorgelegt haben, sollen nun RISE AGAINST das Impericon Festival 2026 abschließen. Zwar mag der Pitt zum Bersten gefüllt sein, wohl merkt man aber auch, dass einigen Fans die Luft allmählich ausgeht. Ein wenig weiter nördlich ziehen schwere Unwetter und Hitzegewitter durchs Land – doch wir geben uns ganz anderer Arten von Gewittern hin. Das zehrt an der Substanz. Dennoch ist der Abend noch längst nicht vorbei. Der Moshpit scheint ein wenig kleiner zu sein, aber die Stimmung ist keineswegs am Boden. RISE AGAINST sorgen mit ihren eingängig-melodischen Hardcore-Punk-Einlagen dafür, dass das sehr textsichere Publikum sein Können unter Beweis stellen darf. Viele Stücke sind uns und offensichtlich auch vielen anderen, dank ungemein hohem Wiedererkennungswert, aus dem Radio bestens bekannt. Die gute Laune, die diese Band auf die Bühne und in die Crowd zaubert, rechtfertigt den Platz an der Spitze des diesjährigen Impericons ohne Diskussionen. Zwischen eingängigen Punkrock-Melodien und klaren Botschaften liefern RISE AGAINST einen emotionalen Festivalabschluss. So endet das diesjährige Impericon auf die denkbar hymnischste Weise.





































Fazit
Ziehen wir ein Resümee: Daran, dass die Musikauswahl perfekt wird, hatten wir keinerlei Zweifel. Für jeden, der die Spielrichtungen des Modern Metal und Cores mag, war was dabei. Alle Bands haben pünktlich nach Running Irder begonnen und auch aufgehört.
Die Foodstände waren super! Mag konnte sich querbeet fressen – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Denn, hier muss Kritik erlaubt sein, die Preise sind echt heftig. Das Bier war, wenn auch nicht wirklich günstig, wenigstens bezahlbar. Die Erdbeerbowle hingegen schlug bei einem Literpreis von 18€ alle Rekorde.
Zur Location als solche gibt es nichts Negatives zu sagen – bitte nur dort! Die Messehallen sind klimatisiert. Wo selbst die Leipziger Straßenbahnen nicht mehr fahren konnten, weil sich der Teer in den Gleisen komplett verflüssigt hat, konnten wir nahezu unbeschwert unseren Lieblingsacts lauschen. Nächstes Jahr sind wir gerne wieder dabei. Übrigens: Kein geringerer als LORNA fucking SHORE wurden für 2027 als Headliner bereits bestätigt.