HORSE THE BAND, ME MYSELF AND THE AUDIENCE – Orangehouse, München, 10.11.2008

HORSE THE BAND spielten am 10. November auf ihrer Europatour bei ihrem ersten Besuch in München einen überzeugenden Auftritt, der aber dennoch ein wenig unter der vorherrschenden Besucherarmut zu leiden hatte.

Ich weiß noch genau, wie ich geflucht hatte, als dieses Frühjahr HORSE THE BAND zum ersten Mal nach Deutschland kamen und das nächstgelegene Konzert mit Frankfurt über 300km entfernt war. Umso mehr freute ich mich schließlich über die Nachricht, dass die Amerikaner im November doch noch im nahe gelegenen München vorbeischauen würden.

Dass das Ganze dann auch noch im Orangehouse, einer der coolsten Konzertlocations der Stadt, angesetzt ist, macht den Besuch gleich noch attraktiver. Also haben wir kurzerhand die erweiterte Verwandtschaft mit ins Auto gepackt, um pünktlich zum Konzertbeginn um 21 Uhr im leider spärlich besuchten Club einzutreffen.

ME, MYSELF AND THE AUDIENCE

Dort sind auch schon die als Indie-Band angekündigten ME, MYSELF AND THE AUDIENCE mit vollem Elan bei der Sache. Mit Indie hat deren Performance aber letztendlich nicht viel zu tun. Stattdessen erreicht das Publikum ein wilder und manchmal etwas kruder Mix aus Hardcore, Crossover und einigen Screamo-Elementen. Abgefahren und sicherlich nicht jedermanns Sache, aber zumindest ein musikalisch passender Supportact, der die Aufgabe des Einheizers beim Wort nimmt und auf der Bühne wirklich alles gibt.

Wir müssen zu unserer Schande aber auch gestehen, dass wir der jungen Band nur halbherzig lauschen, da der HORSE THE BAND-Merchstand, wo es unter anderem das legendäre “Cutman”-Shirt zu erwerben gibt, den Großteil unserer Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nach nicht einmal einer halben Stunde verabschieden sich ME, MYSELF AND THE AUDIENCE schon wieder und wünschen uns, dem Publikum, viel Spaß mit den nun folgenden Nintendocore-Helden.

HORSE THE BAND

Und den sollen wir schlussendlich auch bekommen, obwohl die Zeichen zunächst alles andere als gut stehen. Als HORSE THE BAND um 21:50 Uhr die Bühne betreten, hatte sich die Besucherlage nur unwesentlich gebessert. Lediglich geschätzte 100 Leute haben an diesem Montag den Weg ins Orangehouse gefunden. Dementsprechend braucht es einige Zeit, bis zumindest die vorderen Reihen warm werden.

Beim erstaunlich heftigen Einstieg “Hyperborea” und dem folgenden “Murder” können wir im Publikum nur schwer von Bewegung sprechen. Erst als mit “A Million Exploding Suns” der erste ältere Song angestimmt wird, kommen die ersten Körper in Fahrt und lassen doch noch ausgelassene Konzertstimmung aufkommen.

HORSE THE BAND spielen ausschließlich für sich selbst

An den Jungs auf der Bühne liegt es jedenfalls nicht, denn die springen über selbige, als gäbe es kein Morgen. Vor allem Keyboarder Lord Gold zeigt sich in seinen knappen Shorts nicht nur äußerst modebewusst, sondern auch extrem bewegungsfreudig. Dabei spielt die Band laut eigener Aussage ausschließlich für sich selbst, bedankt sich aber dennoch bei allen, die gekommen sind, ihnen dabei zuzusehen.

Man ahnt es bereits, die humorvollen Ansagen von Sänger Nathan sollen neben Hits wie “Lord Gold Throneroom” oder “Birdo” ein weiteres Highlight des Abends werden. Die beschränken sich zwar größtenteils auf zusammenhangslos aneinander gereihtem Schwachsinn, sind aber gerade deswegen auch zum Brüllen komisch.

Zur Zugabe gibt es Trockensex auf einem Klappstuhl

Gegen Ende gibt es mit dem Doppelpack “Kangarooster Meadows”, gefolgt vom obligatorischen “Cutsman” gleich zwei absolute Meisterwerke der 8-Bit-Musikkunst zu hören, bevor sich das Quintett zum ersten Mal an diesem Abend verabschiedet. Logisch, dass da noch was kommen muss und so lassen sich HORSE THE BAND insgesamt noch zweimal auf die Bühne bitten. Beim ersten Mal gibt es mit “Bunnies” einen richtigen Klassiker vom Debütalbum “R. Borlax” zu hören, den die Band angeblich seit vier Monaten nicht mehr geprobt habe. Als zweite Zugabe wird die Synthie-Nummer “Sex Raptor” hinterher geschoben, wo Sänger Nathan die Merch-Verkäuferin zum Trockensex auf einem Klappstuhl bat. Nach 60 Minuten ist dann endgültig Schicht im Schacht und von den Anwesenden dürfte wohl keiner enttäuscht nach Hause gehen.

Schade, dass die Veranstaltung so spärlich besucht und somit auch die Feierlaune nicht bei allen gleichmäßig vorhanden war. Trotz der Besucherflaute ein denkwürdiges Konzertereignis, das wir unbescholten betreten haben und geläutert wieder verlassen. Natürlich jeder stilecht im “Cutman”-Shirt. CUT…CUT…CUT!

HORSE THE BAND Setlist

01. Hyperborea
02. Murder
03. A Million Exploding Suns
04. Lord Gold Throneroom
05. Sevententacles And Eight Flames
06. The Black Hole
07. Birdo
08. New York City
09. Kangarooster Meadows
10. Cutsman
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11. Bunnies
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12. Sex Raptor