HEADBANGERS OPEN AIR 2009: Kult-Open Air oder WACKEN-Warm up?

HEADBANGERS OPEN AIR 2009: Kult-Open Air oder WACKEN-Warm up?

 

Donnerstag, 23.07.2009

BULLET | TANK | VICIOUS RUMORS

Freitag, 24.07.2009

MEMORY GARDEN PILEDRIVER | ENFORCER JACOBS DREAMEXXPLORERHELSTAR | PRETTY MAIDS

Samstag, 25.07.2009

CLOVEN HOOF | TYSON DOG | ANGEL WITCH

 

 

 

Bei langjährigen Besuchern des HEADBANGERS OPEN AIR steht dieses Festival in Schleswig-Holstein für eine gemütliche Metal-Gartenparty mit altbekannten Gesichtern und einer mächtigen Portion 80er- und US-Metal, NWOBHM und zur Abwechslung mal was Heftigerem. Eben genau so, wie ich es vom HOA 2007 in Erinnerung hatte und wie in den Jahren davor. Im letzten Jahr zog nun Kollege Jutze als würdevoller Vertreter durch den Metalgarten, diesen Sommer bin auch ich wieder dabei und werde mit so mancher Überraschung belohnt, die nicht wirklich alle positive Eindrücke hinterlassen.

Der Aufbau wurde noch mal etwas verändert, wie bereits 2007 wird nicht mehr einmal ums Haus herum gefeiert, sondern nur noch im nochmals ausgeweiteten Areal hinter dem Haus. Es gibt noch mehr Stände, die teilweise wohl noch vom HÖRNERFEST hier stehen. Wow, die Futterwagen sind einer festen großen Holzhütte gewichen. Das wirkt professionell und zeigt sich als tolle Idee, zumal auf den reichlichen Bierbänken davor immer viele Leute sitzen und man so wie gehabt schnell ins Gespräch kommt. Die Preise sind auch weiterhin ok, der Klowagen tut weiterhin seine Dienste inklusive witziger Klofrau und wird wieder von einigen Dixies unterstützt. Also alles bestens? Nein, ganz sicher nicht, aber es gab ja auch noch Musik auf dem HEADBANGERS OPEN AIR, die immer noch im Vordergrund stehen sollte. Würde man jedoch die negativen Eindrücke ignorieren, dann wäre man kein echter HEADBANGERS OPEN AIR-Fan. Aber schauen wir uns erstmal die Bands an.

 

Donnerstag, 23.07.2009:
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Am Mittwoch gab es bereits eine Warm-Up-Party im benachbarten Itzehoe, das eigentliche Festival geht am Donnerstag los. Als ich ankomme spielen die Amis LICK THE BLADE ihren nicht so prickelnden Mix aus US-Metal und IRON MAIDEN-Gehoppel. Wie schrille Vocals mit ROB HALFORD-Anleihen weitaus besser klingen können, das hört man auch auf diesem Festival öfters. Aber ok, die Band wird schon ordentlich abgefeiert, die Leute vor der Bühne sind gut drauf und haben bereits mächtig Spaß.

BULLET
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BULLET auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankSpaß? Festival? Metal? Dafür gibt es einen Namen: BULLET! Die Schweden entern gewohnt gutgelaunt die Bühne, ziehen ihre Klischeebeladene Show ab und bringen das Publikum zum Abhotten. Partysongs wie „The Rambling Man“, „Bite The Bullet“ oder „Banging Your Head“ machen halt einfach Spaß und passen auf so ein Festival wie die Pudelfrisur auf den Sänger. Der zeigt sich heute ungewohnt maulig und etwas miesepeterig, aber seine Kollegen strahlen dafür über alle Backen. Sie genießen ihre zweite Show auf dem HEADBANGERS OPEN AIR sichtlich. Na ja, das Instrumental mit wechselnden Gitarrensoli hätte man sich sparen können, so gut sind die Herren schlichtweg nicht und überzeugen besser als Einheit mit knackigen Songs, wie „Turn It Loud“ oder „All night Long“. Wie gehabt muss man BULLET nicht unbedingt ernst nehmen, aber man kann mit ihnen viel Spaß haben. Allerdings haben sie mir auf der Show 2007 weitaus besser gefallen.

Q5 begleiten dann den ersten Rundgang, klingen ganz nett, aber zünden nicht genug, um mich vor die Bühne zu locken. Ewig nicht mehr gehört, hab ich sie eher in Erinnerung als Band zum gemütlichen Zuhören. Zuhören ist aber jetzt erstmal bei all den alten Bekannten angesagt, die man jedes Jahr hier trifft wie alte Freunde, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt.
 

TANK
(nach oben)TANK auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrank

Dann ist es Zeit für TANK, auf die ich mich besonders gefreut habe. Klar, den alten Räudigen Sound gibt es ohne „Kermit im Stimmbruch“ Algy Ward nicht mehr, Sänger Doggie White verpasst dem Bandsound doch eine etwas gemäßigte Linie, „This Means War“ und „Echoes Of A Distant Battle“ sind ein guter Einstieg. Bei den ganz alten Songs „That´s What Dreams Are Made Of“, „Walking Barefoot Over Glass“, „Power Of The Hunter“ und „(He Fell In Love With A) Stormtrooper“ wird aber deutlich, dass hier die grobe Stimme von Algy Ward fehlt. Dafür machen neue Songs wie „Phoenix Rising“ Lust auf das hoffentlich bald kommende neue Album. Mit klassischem Frontmanngehabe inklusive theatraler DIO-Gesten zieht White erfolgreich die Blicke auf sich, die Kollegen an den Saiten sowie Ur-TANK Mark Brabbs eher weniger. Das erhoffte Highlight des Tages sind TANK dann nicht geworden, aber es hat Freude gemacht, die alten Gassenhauer mal wieder zu hören.

 

VICIOUS RUMORS
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VICIOUS RUMORS auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankSomit liegt es nun an VICIOUS RUMORS, den Tag zu retten, und das schaffen die Herren ohne Umwege. Mit mächtiger Energie hauen sie einem ihren Power-Metal um die Ohren, quer durch die Bandgeschichte. Es gibt echte Oldies wie den Einstieg „Digital Dictator“, „Soldiers Of The Night“, „Blistering Winds“ und „The Crest“ ebenso wie die neueren Kracher „Mr.Miracle“ und „Warball“. Die Band um Gitarrist Geoff Thorpe spielt sich den sprichwörtlichen Arsch ab, messerscharfe Riffs durchschneiden die Nacht und die Rhythmsection spielt tight ohne Ende. Auch Sänger Ronnie Stixx (SHADOW KEEP, DIVINE RUINS) ist gut bei Stimme und macht einen klasse Job. VICIOUS RUMORS hatten am Mittwoch in Itzehoe eine echte Oldie-Show mit Ur-Sänger Gary St.Perre gespielt. So ist es kein Wunder, dass er auch heute mal mit auf der Bühne steht. Sehr skeptisch war ich bei den Songs vom verstorbenen Stimmwunder Carl Albert, der unverändert einen festen Platz ganz oben bei meinen Faves hat. Aber auch diese Songs, Hammerhymnen wie „Don´t Wait For Me“, „World Church“, „Ship Of Fools“, „Down To The Temple“ und natürlich „Hellraiser“, können überzeugen und sind zumindest für mich die Highlights des Sets. Die Menge vor der Bühne rastet kollektiv aus, überall werden Köpfe geschüttelt und Fäuste gen Nachthimmel gereckt. So richtig hatte ich VICIOUS RUMORS nicht auf der Rechnung, da ich sie seit den Jahren mit Carl Albert nie mehr live gesehen hab. Großer Fehler, wie es aussieht, auch wenn die neueren Songs, ähnlich wie die Alben, nicht mehr mit den alten Klassikern mithalten können.


Freitag, 24.07.2009:

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Der Freitag beginnt mit einer Reise der besonderen Art. Vom Schlafplatz in Itzehoe mit dem Zug nach Elmshorn, dort dann auf Gleis 1 den nächsten Bummelzug. Nur dass dieser nicht fährt, ein Zug nach dem anderen zieht in die Ferne. Die HEADBANGERS OPEN AIR-Besucher auf dem Bahnsteig werden immer mehr, und kein Zug weit und breit, der uns unserem Ziel näher bringt. Irgendwann erkunde ich doch mal den Bahnsteig und siehe da, unsichtbar hinter dem Treppenaufgang versteckt sich ein kleiner Gleis 1a für unseren Mini-Zug, der natürlich schon lange weg ist und die Festivaltouristen warten nochmals fast eine Stunde. Ja sind wir denn auf dem Weg nach Hogwarts? Aaarg, ich hatte die Fahrzeiten so gelegt, dass ich auf jeden Fall MEMORY GARDEN sehen kann, die schwedische Doom-Band war mit Hauptgrund für den Trip nach Brande/Hörnerkirchen.


MEMORY GARDEN

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MEMORY GARDEN auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank HellwegNachdem der Taxishuttle vom Zug zum Festival doch erfreulich undoomig verläuft, reicht es doch fast und ich verpasse nicht arg viel. Bei „The Rhyme Of The Elder“ erwarten einen vor der Bühne viele bekannte Gesichter, die man sonst auf allerlei Doomkonzerten- und Festivals sieht, die sympathischen Schweden auf der Bühne kennt man ja sowieso. Äh, nicht ganz, MEMORY GARDEN haben zwei junge Frischlinge an Bass und Gitarre mitgebracht. Die machen jedoch einen guten Job, haben sichtlich Freude am Gig und passen mit ihrer freundlichen Ausstrahlung gut dazu. Bandkopf Simon Johansson zeigt sich wieder als Meister der finsteren Grimasse, man würde so nie glauben, was für ein netter Knabe er eigentlich ist. Auch Sänger Stefan Berglund kann wieder voll überzeugen, mit guter Stimme, einer angenehmen Schüchternheit und seinem niedlichen Lispeln hebt er sich positiv ab von den typischen (Möchtegern-)Rockstars, die man sonst meist hinter den Mikros findet. Auch die Songauswahl ist gelungen, es gibt aus frühesten Tagen das starke „Forever“, „Revelation“ von „Mirage“ und mit „The Downfall“ und „The Bitter End“ Songs vom aktuellen Album „Carnage Carnival„. Dass die neueren Songs deutlich technischer sind und den Doom nur vom Ausdruck her wiedergeben, stört hier keinen, auch die normalen Metaller finden sichtlich wohlwollend Gefallen am Sound von MEMORY GARDEN. Für echte Die Hard-Dommern mögen sie mittlerweile etwas grenzwertig sein, hier auf´s HEADBANGERS OPEN AIR passen sie aber sehr gut.

PILEDRIVER
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PILEDRIVER auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank HellwegVon PILEDRIVER hab ich dann mal lieber gar nichts erwartet, und genau das haben sie mir auch gegeben. Die ersten beiden Scheiben der Amis verstauben im Keller, zwischen all den obergeilen Thrash-Bands in 1985er Tagen konnte sich die Band aus Toronto nur durch derbste Texte und das schrille Bühnenoutfit etwas abheben. So auch heute, optisch geben die Herren um Gord Kirchin alles an Geschmacklosigkeit und sorgen anfangs doch dafür, dass jeder gebannt auf die Bühne schaut. Schnell merkt man aber, dass Prollthrasher wie „Sodomize“, Sex With Satan“, „Alien Rape“ so stumpf sind wie die Nieten an Kirchin´s sexy Ledergeschirr. Flucht ist angesagt, auch wenn die kleinen Bandhymnen „Metal Inquisition“ und „The Ececutioner“ aus der Ferne aufhorchen lassen.

ENFORCER
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ENFORCER auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank HellwegDass es auch anders geht, das zeigen dann die jungen Schweden ENFORCER. Kannte ich nicht, bis zu dem Moment, wo sie die Bühne stürmten. Was die Knaben da abzogen war fantastisch, soviel Spielfreude und Energie bieten seit den glorreichen 80ern nur noch wenige Bands. ENFORCER erfüllen wirklich alle musikalischen Klischees der 80er, bringen sie knackig auf den Punkt und drücken durchgehend auf die Tube. Ein Fest für die Fotografen, wohin man auch die Kamera hält, irgendwas passiert immer. Also kann man wild Drauflosknipsen und nebenbei fröhlich mitmoshen. „Evil Attacker“, „Into The Night“, „Roll The Dice“ und „City Lights“ kann man sich merken, das Mitschreiben wird schnell vergessen, die Show macht zuviel Spaß. Keine Ahnung, warum ich darauf jetzt komme, aber mich erinnern ENFORCER mit dieser Show sehr an die ganz jungen TOKIO BLADE! Nöö, so positiv überrascht hat mich auf dem HEADBANGERS OPEN AIR noch keine junge Band, ENFORCER sind mit ihrem Debüt Into The Night nun ganz oben auf meiner Einkaufsliste. Wenig erstaunlich, dass ihr Album bei den Verkaufsständen auf dem Festival vergriffen ist.

JACOBS DREAM
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JACOBS DREAM auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankNach soviel Schweiß freut man sich auf den Gig von JACOBS DREAM. Die Scheiben der US-Metaller zieh ich mir sehr gern gemütlich zum genauen Anhören rein, und auch hier live möchte ich mich lieber hinsetzen und gepflegt zuhören. So schön ist der matschige Boden nicht, also nix mit Abhängen. Gerade bei den älteren Songs „Funambulism“ und „Scape Goat“ wird zwar deutlich, dass David Taylor diesen seinen unverkennbaren Stempel aufgedrückt hat, aber Chaz Bond (BIOGENESIS) schlägt sich gut und bringt die neueren Songs wie „At The Gates“, „Deceiver Of The Nations“ oder das starke „Forever Winter“ sehr gut. Auch die Songs vom kommenden Album können voll überzeugen. Saubere Beats und interessante Gitarren fesseln den Blick auf der Bühne, auch wenn hier optisch nicht viel geboten wird. Sag ich ja, JACOBS DREAM sind keine Band, um die Bühne zum Kochen zu bringen, sie bestechen durch tolle Songs und hohe Musikalität.

EXXPLORER
EXXPLORER auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrank(nach oben)

EXXPLORER hatte ich mir immer schon auf dem HEADBANGERS OPEN AIR gewünscht. Ihr ersten beiden Alben sind auch heute immer noch regelmäßig Gast auf dem Plattenspieler. Sänger Lennie Rizzo entlockt einem erstmal ein Schmunzeln, optisch eine Mischung aus Biker und Hawaii-Tourist sieht er irgendwie gar nicht „Metal“ aus. Dafür ist seine Stimme gut bei Schuss, nicht mehr perfekt, aber die Daumen gehen nach oben. Dafür sorgt auch sein sympathisches Auftreten. Auch spielerisch gibt es nichts zu Meckern, Klassiker wie „City Streets“, „Metal Detectors“, das Doppelpack „Guilty As Charged“/“Phantasmorgia“, „Bible Black“ und das tolle „Run For Tomorrow“ machen mir deutlich, warum ich EXXPLORER, abgesehen vom sonderbaren dritten Album „Coldblackugly“, immer noch so verehre. Fantastisch auch, wie viele Leute beim balladesken „World War III“ mitsingen, Gänsehaut ist angesagt. Klasse Gig!

Dann ist aber erstmal wieder langes Hardcore-Gelaber mit den Jungs von MEMORY GARDEN bei den Futterständen angesagt. Und natürlich mit anderen Leuten, um die Meinungen und Eindrücke alter Bekannter und neuer Festivalbesucher zu erkunden. Nebenbei wird man unterhalten von den DEATHRIDERS, die Bühne ist ja gleich nebenan und man bekommt reichlich ANTHRAX-Oldies geboten von der Band um den ersten Sänger der Mosh-Erfinder, Neil Turbin. Thrash-Hits wie „Metal Thrashing Mad“ oder „Deathrider“ kommen richtig gut, die Songs vom kommenden DEATHRIDERS-Album  scheinen da nicht ganz heranzureichen. Aber die Leute vor der Bühne haben hörbar Spaß, was will man mehr.

HELSTAR
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HELSTAR auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankSpätestens seit ihrer Show beim KIT X sind die Texaner HELSTAR wieder ganz oben auf meiner Favoritenliste. Ob sie diese Stellung heute untermauern können? Können sie! Schön, dass auch Power-Metal-Götter nur Menschen sind, Larry Barragan legt erstmal still los und bemerkt mit einem Grinsen, dass sein Gitarrenamp noch nicht an ist. Von da an aber wird fleißig gesägt, wie gewohnt spielen die Amis gnadenlos sauber und präzise, die Riffs schneiden sich durch die Gehörgänge, die Drums kommen auf den Punkt, Jerry Abarca grinst und post sich mit seinem Bass den Wolf. James Rivera ist gut bei Stimme, „The King Of Hell“ vom aktuellen Album singt er ganz böse mit Teufelsmaske. „The King Is Dead“, „Evil Reign“ bis hin zu „Baptised By Blood“ und „Nosferatu“, als Fan gibt es die erwartete Vollbedienung. Zwar schaffen es auch HELSTAR nicht, den unvergessenen und immer noch ungeschlagenen Gig von HEATHEN zu toppen, aber der Jubel ist groß, überall vor der Bühne, beim balladesken „Winds Of War“ wird hier und da heimlich ein Tränchen vergossen. Allerdings merkt man langsam auch deutlich, dass die Leute ausgepowert sind und die Reaktionen werden mit fortlaufendem Gig weniger, was definitiv aber nicht an der Band liegt. Auch nicht an Drummer Mickey Louis (?), der heute den ausgefallenen Russel DeLeon ersetzt und nach gerade mal drei Proben einen klasse Job macht, beeindruckend. Ganz krass ist auch die Überraschung, als unerwartet die Kollegen von VICIOUS RUMORS die Bühne stürmen und man gemeinsam zwei ihrer Songs spielt. DAS ist der Grund, warum ich gern zum HEADBANGERS OPEN AIR fahre, es gibt immer diese eine Show, die es allein schon wert war, hier her gekommen zu sein. 2009 war dies eindeutig der Gig von HELSTAR.

PRETTY MAIDS auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankPRETTY MAIDS finden dann nur nebenbei statt, obwohl die Dänen eine unerwartet gute Show abziehen. Ihre Gassenhauer „“Don´t Walk Away“, „Scream“, „Back To Back“, „Love Games“ und natürlich „Future World“ und „Red, Hot And Heavy“ singen alle mit, Ronnie Atkins zeigt sich wie erwartet als guter Entertainer und das müde, vom Alk und Regen gezeichnete Publikum lässt sich noch mal mobilisieren.
Bei MANILLA ROAD ist dann leider bald Abflug angesagt, der nächste Tag soll lang werden und – sicher auch weil man selbst bereits ziemlich am Ende ist – die Kultband kann mich, anders als erwartet, auch nicht so recht fesseln. So ziehen wir nach drei guten, aber nicht überwältigenden Songs ab in die nordische Nacht, während noch reichlich tapfere Metalheads MANILLA ROAD weiter abfeiern.

Samstag, 25.07.2009:
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Der Samstag beginnt dann anders als geplant, statt einem gepflegten Schönheitsschlaf in Gästebett ist dann um 7:05 Aufstehen angesagt, um diesem Freund in seiner Shirtdruckerei mit niederen Arbeiten zur Seite zu stehen. Festivalfreuden hin oder her, echte Freundschaft geht vor. Und ja, jeder Musiker sollte diesen Sch..ßjob mal Pflichtweise machen und er wird nie wieder meckern, warum die bestellten Bandshirts länger brauchen als geplant. Der Job ist weitaus heavier als es so manche Metalband je sein wird.

CLOVEN HOOF
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CLOVEN HOOF auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankDementsprechend müde aber zumindest pünktlich zu den NWOBHM-Helden CLOVEN HOOF beginnt das HEADBANGERS OPEN AIR für mich heute mit einem kleinen Wunschhighlight. ZED YAGO und PORTRAIT habe ich natürlich verpasst, wobei letztere eine wirklich schlimme Show abgeliefert haben sollen. Nee, dann lieber mit CLOVEN HOOF den Tag gut beginnen, mit ihrem kauzigen Metal zählen sie vor allem mit dem Debütalbum zu meinen Alltimefaves der NWOBHM. Optisch passend flott auf Oldschool-Metal gemacht mit Nieten und Metallplättchen auf Leder machen die Engländer alles richtig. Neuere Songs vom Album „Eye Of The Sun“ wie „Inquisitor“ fügen sich nahtlos ein zu alten Klassikern wie „Nova Battlestar“, „The Gates Of Gehenna“, der neue Song „Multinator“ nicht ganz so sehr. Sänger Russ North und das einzige Originalmitglied Lee Payne am Bass ziehen die Blicke auf sich. Auch Drummer Jon Brown ist wieder an Bord, er hatte bereits in älteren Tagen für den Takt gesorgt. Gitarrist Ben Read sieht mit seinem Outfit eher lustig aus, Christian Horten an der zweiten Gitarre hat man ganz zuhause gelassen oder er sucht noch in Elmshorn nach dem richtigen Zug. Dafür steht bei „Getting Better“ nun ein sympathischer älterer Herr Richtung Teetrinkender Rosenzüchter am Mikro und sing den Song mit Freude und guter Stimme. Es dürfte sich – die Ansage hab ich verpennt – um den Ursänger David Potter bzw. „Air“ handeln, welcher die erste EP „The Opening Ritual“ und das Debüt „Cloven Hoof“ eingesungen hat. Der Blick auf das Debütcover bestärkt diese Vermutung, allerdings ist dies mittlerweile schlappe 25 Jahre alt. Egal, er hat Spaß, ich auch, „Laying Down The Law“ beendet einen schönen Gig mit tollen Songs, die nie so recht die verdiente Aufmerksamkeit erzielt hatten.

TYSON DOG
TYSON DOG auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrank(nach oben)

Die eher unbekannteren NWOBHM-Recken TYSON DOG sorgen erstmal für Erstaunen, am Mikro steht AVENGER-Grinsebacke Ian Davidson Swift. Ich kenne die Engländer nur von irgendwo vergrabenen Tapes, daher war ich über dieses bekannte Gesicht doch erfreut. Das Songmaterial ist ok, aber nicht wirklich prickelnd. Wäre da nicht Swifty auf der Bühne, ich hätte wohl eher einen Abflug gemacht. Aber auch er schafft es nicht, mich dauerhaft zu fesseln, seine uninteressiert wirkenden Kollegen schon gar nicht. Da möchte ich den Knaben lieber mal wieder wie 2007 mit der rundum sympathischen Band AVENGER sehen.

Die heimischen Thrash-Metal-Pioniere PARADOX fallen wieder dem Rumziehen und Labern zum Opfer, die Franzosen KILLERS ziehen mich dann erstmal zurück Richtung Bühne, bei all den KILLERS dieser Welt kann man ja schon mal durcheinander kommen. Diese Herren hier begeistern mich wenig, der zwar exotische, weil französische Gesang geht zu oft daneben, die Gitarren auch, die Songs sind weitestgehend eher langweilig. Auch bei TANKARD reichen mir ein paar gelegentliche Blicke Richtung Bühne. Wie gewohnt verbreiten sie Gute Laune und Saufstimmung, die Bierwampe von Gerre kennt man auch schon, alle anderen haben Spaß, ich bin müde. Daran ändern auch NIGHTSHADE nichts, noch etwas zahnloser als die ja identischen Q5 am Donnerstag hauen sie mich nicht vom Hocker. Zudem scheint auch die Stimme von Jonathan etwas angeschlagen zu sein, sei es vom nordischen Schmuddelwetter oder vom ausgiebigen Feiern.

ANGEL WITCH
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ANGEL WITCH auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2009, (c)Frank Hellweg/WOSFrankSo ist es nun an ANGEL WITCH, mich noch mal wachzurütteln. Mainman Kevin Heyboune mault gleich mal ein „Fuck you“ ins Mikro, da hat ja einer Gute Laune. Da ging es wohl um verkürzte Spielzeit, egal, macht was draus, Jungs. Das machen sie, vom ersten Ton an ist ausgelassen Stimmung vor der Bühne. Ein Klassiker jagt den nächsten, „Gorgon“, „Confused“, „Sweet Danger“, „Sorcerers“, „White Witch“, bestens gespielt, die Kollegen lassen sich von Heybounes schlechter Laune nicht anstecken. Das Publikum eh nicht, auch die Jungs von EXXPLORER feiern fröhlich „Atlantis“, „The Night Is Calling“ und „Dr. Phibes“. Musikalisch absolut sauber, melodisch und wie immer ein klein wenig zu soft halten ANGEL WITCH den Garten in Bewegung, wo man auch hinschaut wackeln Köpfe, zumindest bei den Leuten, die dazu körperlich noch fähig sind. Das die Band nicht nur den einen großen Hit hat, das belegt sie noch mal mit „Baphomet“ und vor allem „Angel Of Death“, um dann wenig überraschend zum kollektiven Mitsingen einzuladen. So singt wohl der komplette Garten munter die Bandhymne „Angel Witch“, der Abend ist doch noch gerettet.

Allerdings zolle auch ich, wie einige andere Bekannte, dem langen Festival Tribut und gebe auf, zumal auch der abholende Shirtkumpel total erschöpft vom langen Arbeitstag gen Bett drängt. So überlasse ich den musikalischen Ausklang mit THE RODS und den Simpel-Thrash-Kanadiern RAZOR denen, die dazu immer noch in der Lage und Stimmung sind.

So kann man also wie immer als Freund des traditionellen Metal mehr als glücklich sein. Wie gehabt war die Auswahl der Bands gelungen mit ein paar weniger prickelnden Shows, die dann eben Freiraum ließen für Action oder Abhängen abseits der Bühne. Allerdings sind eben auch diese Momente diesmal teilweise absolut kein Genuss. Das liegt wiederum nicht am zeitweise ordentlichen Regen, sondern an der neuen Linie des HEADBANGERS OPEN AIR und deren Randerscheinungen. War 2007 der Hof mit der Bühne zu Topzeiten noch sehr gut gefüllt mit Metalheads, die den Garten zur Partyzone machten, so waren es nun weitaus mehr Leute, die zeitweise für ein arges Gedränge sorgten, die geliebte familiäre Atmosphäre des HEADBANGERS OPEN AIR zunichte machten und einen spürbaren Stimmungswechsel verursachten. Viele der Leute, die wenig überraschend nicht zu den bekannten Gesichtern des Festivals gehörten, waren aggressiv und prollig, die immer so schön freakigen Altmetaller zogen sich sichtbar zurück und zeigten sich wenig begeistert von diesen auf diesem Festival absolut unpassenden Gestalten, die man ja leider eher von großen Nachbarn WACKEN OPEN AIR gewöhnt ist. Der sonst so bunte Haufen aus vielen Nationen wurde nun aufgemischt von lauten und unfreundlichen Spinnern, die einem vor der Bühne, am Essensstand oder auf dem Campingplatz schon mal den Spaß mächtig verderben konnten. Dabei erklärt sich das massive Auflaufen von diesem unbequemen Folk recht schnell, da man das HEADBANGERS OPEN AIR nun gezielt auf das Wochenende vor dem WACKEN OPEN AIR setzt, um einige WACKEN-Touristen bereits vorher ins nahe Brande/Hörnerkirchen locken zu können. Das kann man dem HEADBANGERS OPEN AIR-Team kaum vorwerfen, letztendlich ist es ihr gutes Recht, mit dem Festival Geld zu verdienen, gegebenenfalls eben deutlich mehr als bisher. Wie leicht so was aber nach Hinten losgehen kann, zeigt sich hier leider deutlich. Den regelmäßigen Besuchern ist es viel zu voll, viele Gespräche haben ergeben, dass einige der altbekannten Gesichter im nächsten Jahr wohl nicht mehr wieder kommen wollen. Geradezu eskaliert ist die Situation mit den „Nur Campern“, die sich ohne Ticket zahlreich auf dem Zeltplatz breitgemacht haben, um sich so schon mal auf das kommende WACKEN OPEN AIR einzustimmen. Das sorgt dafür, dass zahlende Besucher keinen Platz finden und weit auf die mittlerweile drei Plätze ausweichen müssen, während die „Nur Camper“ das Festival in vollen Zügen genießen. Die den Ticketverkäufen angepassten Essensvorräte gehen so teils bereits am Freitag zur Neige, während eben diese Leute tatsächlich am Rumjammern sind (selbst erlebt), dass hier hinter der Bühne der Sound so schlecht sei und es echt unfair wäre, dass man ohne Ticket nichts von den Bands sehen darf. Hier ist ganz klar eine Reaktion des HEADBANGERS OPEN AIR-Teams gefragt und ich bin sicher, dass sie zukünftig das Campen nur in Verbindung mit Tickets erlauben werden. Auch wenn Thomas und Jürgen mit guter Miene zum bösen Spiel über den Platz liefen, so braucht man kein Psychologe sein, um die Erkenntnis zu sehen, dass sie diese Situation so nicht weiterlaufen lassen können. Gelände, Verkaufsstände, Dixies, Camping- und Parkplätze waren so restlos überfordert, ebenso wie die Besucher, die den Schritt vom Kultfestival zum gesichtslosen Megaevent nicht mitmachen wollen.

Ob und wie die Veranstalter die Notbremse ziehen, das wird sich sicher erst im nächsten Jahr zeigen. Sie haben wirklich ganz viel richtig gut gemacht. Die ordentliche Bandauswahl, die in anderen Jahren aber schon besser war, ansonsten aber nicht groß enttäuschte. Cool auch die Müllcrew, die permanent durch die Gegend rollte und aufräumte und sich durch aufgesammelte Pfandflaschen sozusagen selbst finanzierte, eine gute Idee. Dass es trotzdem ungewohnt müllig war, gerade auf den Campingplätzen, das kann man wohl weitestgehend den oben genannten „Besuchern“ zusprechen. Die Jahre zuvor konnte man beim rituellen Schlendern über den Campingplatz immer staunen, wie diszipliniert und sauber die meisten Leute aus allerlei Nationen dort hausten. Natürlich sollte man diese neuen Leute nicht pauschal verurteilen, viele HEADBANGERS OPEN AIR-Frischlinge waren trotzdem lieb und willkommen. Aber egal, in welche Richtung man nun mit dem besserwisserischen Finger zeigen mag, die Zukunft und der Weg des HEADBANGERS OPEN AIR liegt in den Händen der Veranstalter. Besinnen sie sich auf ihre alten Tugenden und bremsen sie die eingeschlagene Route wieder etwas, dann sichern sie sich den Respekt ihrer langjährigen Fans. Zielt man weiterhin in Richtung WACKEN OPEN AIR-Besucher und versumpft zum WACKEN-Warm Up, dann ist der unvergleichliche Charme des HEADBANGERS OPEN AIR dahin und man verliert viele treue Fans. Natürlich hat man viele Leute getroffen, die zum ersten Mal hier waren und die total begeistert sind. Die haben aber eben nicht das HEADBANGERS OPEN AIR erlebt, dass die langjährigen Besucher so sehr lieben. Schauen wir mal, wohin die Reise geht.

Fotos: Frank Hellweg/WOSFrank

 

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.