FU MANCHU, DAILY THOMPSON: Konzertbericht – Im Wizemann, Stuttgart – 12.08.2026

Die Band aus Orange County, Kalifornien ist schon eine Weile im Geschäft. Über 30 Jahre, um etwas genauer zu sein. Müde sind sie aber ganz und gar nicht, das bewies ihr Auftritt im Stuttgarter Club „Im Wizemann“.

„Herrlich!“, überkommt es meinen alten Freund Olsen mit einem breiten Grinsen, als die ersten Töne von „Eatin‘ Dust“ auf uns herabbrettern. Wir kennen uns seit der Schulzeit. Ich war ungefähr 17, als er mit der „King of the Road“-CD ankam. Wie er auf FU MANCHU gestoßen ist, konnten wir nach dem Konzert im fast ausverkauften, 550 Besucher:innen fassenden Club des Wizemann, nicht mehr so ganz rekonstruieren. Jedenfalls war es damals eine Offenbarung für uns beide: der Sound, das Fuzz, der Humor. Olsen beschaffte sich nach und nach alle bis dahin erhältlichen Alben der Band, ich überspielte sie mir auf Tape und hörte sie bei den ersten Fahrversuchen im mütterlichen 3er Golf hoch und runter.

Es ist das zweite Mal, dass wir die Band zusammen live erleben, erstmals im Jahr 2002, tagsüber auf der staubigen Zeltbühne des SOUTHSIDE FESTIVALS. Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, stehen wir bei verstörend milden 32 Grad im Eingangsbereich vor dem Wizemann, umgeben von gut gelaunten FU-Fans aller Altersklassen. Wir sehen viele bekannte und lang nicht mehr gesehene Gesichter. Dazwischen einige langhaarige Väter mit langhaarigen Söhnen. Man merkt: Die Band aus Orange County, Kalifornien ist schon eine Weile im Geschäft. Über 30 Jahre, um etwas genauer zu sein.

DAILY THOMPSON aus Dortmund eröffnen den Abend

Betört von süßlich riechender Nostalgie machen wir uns auf den Weg nach innen. Während draußen zur Prime-Time der Mond die Sonne partiell verfinstert, eröffnen drinnen DAILY THOMPSON aus Dortmund den Abend. Der grungige Sound der Trios, bestehend aus Gitarristen und Sänger Danny Zaremba, Bassistin und Co-Sängerin Mercedes „Mephi“ Lalakakis und Schlagzeuger Thorsten Stratmann, sorgt für weitere 90er-Jahre-Flashbacks auf Olsens und meiner Zeitreise. Die Band spielt ein Set aus sechs Songs und freut sich auch über das volle Haus, das sie herzlich empfängt. Das Publikum hat Bock.

FU MANCHU bringen den Saal in Wallung

Gegen 21:15 Uhr betreten FU MANCHU die Bühne. Aus lautem Feedback ertönt „Eatin‘ Dust“ – der Saal ist in Wallung. Es geht Vollgas weiter mit dem Klassiker „Evil Eye“, auf den der verhältnismäßig jüngere „Clone of the Universe“ folgt. Die Band ist übrigens ohne neues Album im Kofferraum nach Europa gereist und fährt ein ausgewogenes Set der schönsten Schlitten ihrer Karriere auf. Das aktuelle Album „The Return Of Tomorrow“ erschien 2024, von dem sie den Instantklassiker „Loch Ness Wrecking Machine“ spielen, der perfekt das zeigt was Olsen und ich an Fu Manchu lieben: Literaturnobelpreisverdächtige Lyrics mit dem trockenen Bigfoot-&-Muscle-Car-Humor, dringlich vorgetragen von Scott Hill.

Mit „Hell On Wheels“ pusht die Band das Publikum weiter zum kollektiven Beavis-&-Butt-Head-Moment, um direkt danach zum Climax des Konzerts zu kommen: „Godzilla“. Olsen rastet aus und zeigt mir seine Gänsehaut. Das BLUE ÖYSTER CULT-Cover ist quasi der perfekte FU-MANCHU-Song, heute inklusive Bass-Solo von Brad Davis dargeboten. „Joe Cocker kann einpacken dagegen,“ meint Olsen und spielt wohl auf das Über-Cover „With A Little Help From My Friends“ an. Ich finde keine Widerworte und mosche weiter.

Nach „Cylone Launch“ vom Frühwerk „In Search Of…“ folgt der Song „California Crossing” vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2001. Olsen nutzt die Gelegenheit, um Erfrischungsgetränke zu holen. Den ersten Alben der Post-BRANT-BJORK-Ära steht er nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Zu groß war der Schock damals: „Brant Bjork weg und Scott Hill mit kurzen Haaren. Da hat gar nichts mehr für mich gepasst,“ sagt er. Der Rest des Publikums ist wohl anderer Meinung und singt den eingängigen, im positivsten Sinne radiotauglichen Refrain lauthals mit. Ein Vierteljahrhundert hat diesen Song zum Klassiker reifen lassen.

Als nach „Laserbl’ast!“ und „Hands Of The Zodiac” die Kuhglocke das nächste Lied „Mongoose“ anstimmt, fliegen alle Arme hoch und das Publikum gerät zum Finale nochmal richtig in Ekstase (Olsen: „Endlich normale Leute.“). Mit „King Of The Road“ wird sogar nochmal ein Zahn zugelegt, um das grandiose Set mit dem ausufernd psychedelischem „Saturn III“ ausgedehnt zu beenden. Das Publikum ist glücklich und jubelt trotz gefühlter 1.000 Grad die Band nochmal zu einer Zugabe auf die Bühne. Durchweg sympathisch, wie Fu Manchu eben sind, überlassen sie die Frage welcher Song jetzt noch gespielt wird, den Fans: wilde Rufe aus dem ganzen Saal, gespielt fragende Gesichter der Band. Ich und der Typ vor mir, der den gleichen Titel gebrüllt hat (und sicher noch ganz viele andere) haben Glück: „Boogie Van“! Wow, schöner hätte der Abend nicht ausgehen können. Die Band hatte sichtlich Spaß und die Besucher:innen sind mehr als zufrieden, beim Rausgehen entdeckt man vor dem Wizemann jedenfalls sehr viele strahlende Gesichter.

Setlist FU MANCHU 12.08. 2026 Stuttgart

1. Eatin‘ Dust
2. Evil Eye
3. Clone Of The Universe
4. Loch Ness Wrecking Machine
5. Hell On Wheels
6. Godzilla
7. Cyclone Launch
8. California Crossing
9. Laserbl’ast!
10. Hands Of The Zodiac
11. Mongoose
12. King Of The Road
13. Saturn III
Zugabe:
14. Boogie Van

Bilder: DAILY THOMPSON

Die Bilder wurden uns zur Verfügung gestellt von Michael Weiß (gig-blog.net) – besten Dank!

Bilder: FU MANCHU

Die Bilder wurden uns zur Verfügung gestellt von Michael Weiß (gig-blog.net) – besten Dank!