CORRECTIONS HOUSE und SMOKE THE SKY, am 16. Dezember 2013 im Hansa 39, München

Siegeszug oder Selbstdemontage? Wie bringen CORRECTIONS HOUSE die beeindruckende Musik ihres Debütalbums auf die Bühne?

In meiner Rezension zu Last City Zero mutmaßte ich bereits, dass sich auf der Bühne entscheiden wird, ob CORRECTIONS HOUSE nun wirklich so gut sind, wie es die Musik erahnen lässt. Das Debütalbum der sogenannten Supergroup, mit seinem eigenartigen Industrial-Folk-Sludge-Mix hat nachhaltig beeindruckt, aber dieses Werk stimmig auf die Bühne zu bringen ist nicht gerade leicht. Nun haben vor einigen Jahren SHRINEBUILDER, auch eine bunt zusammengewürfelte Band mit illustren Musikern, auch mit SCOTT KELLY, auch auf NEUROT RECORDINGS live ein entsetzlich schlechtes Konzert gespielt. Abergläubisch oder nicht, fürchte ich mich vor einer neuerlichen Selbstdemontage.

SMOKEVorher gönnen wir uns jedoch eine halbe Stunde Southern Metal im Stil von DOWN und PANTERA, gewürzt mit ein wenig – gutem! – Grunge, inspiriert von ALICE IN CHAINS. Die Münchner SMOKE THE SKY waren im letzten Jahr sehr fleißig, haben mit Leave This World Loud ein sehr starkes Debütalbum veröffentlicht und sich in ihrer Heimat einen Namen als massive Liveband erspielt. SMOKE THE SKY konzentrieren sich natürlich auf die Stücke von ihrem Album, hauen mit Black PussyCat, Follow Me Down und God & Dime alles an Hits raus, was geht. Die Grooves gehen in die Beine, die Riffs treffen ins Schwarze, die Köpfe nicken erfreut mit. Spaß macht der Auftritt durchaus, jedoch reichen 30 Minuten völlig aus, denn die Riffs nutzen sich leider doch irgendwann ab. Immerhin, SMOKE THE SKY haben ein souveränes, professionelles Liveset parat, bei dem die Spielfreude auf das Publikum überspringt, da können die Münchner noch so verhalten sein und sich noch so wenig bewegen. Insgeheim gefällt es doch jedem der Anwesenden.

Eines lässt sich allerdings nicht wegdiskutieren: Die Vorband wirkt vor CORRECTIONS HOUSE doch deplatziert. Denn im Gegensatz zu Last City Zero ist die Musik der US-Band live viel kälter und Industrial-lastiger, hat nicht mehr viel mit Sludge oder Doom gemeinsam. Alle Bandmitglieder tragen Outfits mit dem CORRECTIONS HOUSE-Emblem, die Bühne ist entsprechend gestaltet, von der Uniformität, die es in den Grauzonen des Martial Industrial und Neofolk gibt sind die vier Musiker glücklicherweise weit entfernt. Sanford Parker, der hinter die elektronischen Instrumente bedient und Saxofonist Bruce Lamont haben bereits 2010 mittels CIRCLE OF ANIMALS Erfahrung im Industrial gesammelt, für SCOTT KELLY und Frontmann Mike IX Williams ist das eher Neuland. Das macht CORRECTIONS HOUSE auch so aufregend. Alle haben ihre eigenen Einflüsse dabei, vermengen diese zu einem bizarren, aber doch schlüssigen Ganzen, das live noch viel besser kommt, als auf dem Album. Vor allem, weil die Elektronischen Beats von Sanford Parker enorm brutal und kalt wirken. Auch SCOTT KELLYs Riffs – man möchte behaupten typische NEUROSIS-Riffs, von einer Wucht, die seit den Neunzigern nicht zu hören war – wirken live überaus mächtig. CORRECTIONS

Erweitert wird all das durch verstörende Soundexperimente, sei es mittels der Synthesizer oder durch das teils enorm verzerrte Saxofon. Darüber schreit mal SCOTT KELLY mit einer Berserkerstimme, und Mike IX Williams, der aussieht, als sei er frisch vom Entzug wieder da kotzt sich die Seele aus dem Leib. Der kleine Mann mit den tiefen Augenringen, oft mit einer Art Gebetsbuch in den Händen, der wie ein völlig kaputter Prediger wirkt, zelebriert seine Texte, lebt darin und scheint das Übel, das von ihnen ausgeht selbst kaum zu ertragen. Zugunsten seiner bedrückenden Liveperformance verzichten die restlichen Bandmitglieder auf große Gesten.
Natürlich konzentrieren sich CORRECTIONS HOUSE auf ihre heftigen Stücke, beispielsweise Drapes Hung By Jesus, Bullets And Graves, Dirt Poor And Mentally Ill und Serve Or Survive, aber auch das ruhige Last City Zero in der Liveversion durch die Intensität nur schwer zu ertragen und das eher gemäßigte Hallows Of The Stream, das laut Williams der Top 40-Hit von CORRECTIONS HOUSE ist, zeigen die etwas leisere , aber nicht weniger eindringliche Seite der Band.

CORRECTIONS

Eine Stunde lang zerlegen die vier Musiker, bei druckvollem Livesound und irrwitziger Lautstärke die leider nur spärlich gefüllte Konzerthalle. Es ist ein überraschend mächtiges, beeindruckendes Konzert, dem wir beiwohnen und das mit dem unglaublich brachial hämmernden Hoax The System beendet wird. Die Frage, ob CORRECTIONS HOUSE nun wirklich gut sind ist seit dieser ungemütlich kalten Dezembernacht nun geklärt. Ja, verdammt nochmal. Ja, sie sind es.

Setlist CORRECTIONS HOUSE:
Drapes Hung By Jesus
Party Leg And Three Fingers
Dirt Poor And Mentally Ill
Last City Zero
Hallows Of The Stream
Serve Or Survive
Hoax The System

Fotos: (c) C. Ziegltrum. Weitere Bilder gibt es hier: https://vampster.com/fotos/corrections-house-an-16.12.2013-im-feierwerk-munchen