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BEHEMOTH, AT THE GATES, WOLVES IN THE THRONE ROOM: Komplex 457, CH-Zürich, 15. Januar 2019

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Eigentlich sind Konzerte am Anfang der Woche nicht mehr so meine Sache. Wenn man weiss, dass man am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder aufstehen muss, fällt es bisweilen schwer, sich motiviert ins Konzertgetümmel zu werfen.

Aber AT THE GATES. Da hört das rationale Denken auf, selbst wenn Unkenrufe die Runde machen, dass die Göteborger Melodic Deather schon seit 2008 wieder „gestorben“ seien.

Und dann sind da natürlich die Headliner BEHEMOTH, die ihr neues Album „I loved you at your darkest“ promoten und für ihre aufwendigen Live-Shows bekannt sind. Die Neugier ist also geweckt und die Müdigkeit weg.

Merchandise Extravaganza

Gegen 19:15 Uhr ist das KOMPLEX 457 schon recht voll und es ist schwer, sich zum Merchstand vorzukämpfen. BEHEMOTH sind seit Jahren als versierte Merchandiser bekannt und nach Unterwäsche gibt es dieses Jahr zwei Paar verschiedene Socken (für den diskret auftretenden, teufelsanbetenden Banker im Anzug), Girlie Hoodies (in denen man nicht wie ein Kartoffelsack aussieht) und sogar ein sogenanntes CropTop (neues Vokabular am Konzert gelernt, check), mit dem man entweder gestählte Bauchmuskeln oder eine mit viel Bier gemästete Leibesmitte prominent in Szene setzen kann.

Die Preise sind fair und WOLVES IN THE THRONE ROOM warten Merchandise-technisch auch gleich mit einem limitierten Vinylset zu ihrem 2008er-ROADBURN-Auftritt auf sowie mit einer Tapeversion von „Thrice Woven“ auf – neben einer ansprechenden Auswahl an Patches.

AT THE GATES haben ebenfalls Vinyl mit dabei und so ist die restliche Wartezeit rasch um.

WOLVES IN THE THRONE ROOM

Zuerst wähnt man sich an einer jamaikanischen Studentenparty, doch dann bemerkt man, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM wohl eher mit weissem Salbei räuchern als mit dem populären schmerzstillenden Grünkraut. Der rituelle Charakter des Auftritts der Amerikaner bleibt während des gesamten Gigs ungebrochen – es gibt keine weltlichen Ansagen, welche die Entrückung auflösen würden. Ein Grossteil des Publikums wird durch die hypnotisch-repetitiven Riffs dann auch gleich in Trance versetzt und WOLVES IN THE THRONE ROOM nutzen die Zeit, um ihr aktuelles Werk „Thrice woven“ vorzustellen.

Diese Vorstellung ist so kompromisslos wie die auf der Bühne gelebte Entrückung – es gibt nur die drei Songs „Angrboda“, „The old ones are with us“ und „Born of the serpent`s eye“ zu hören, sonst nichts. Die Musizierenden harmonieren miteinander und sind gut aufeinander eingespielt, doch trotz der guten Darbietung fragt man sich, warum WOLVES IN THE THRONE ROOM ausgerechnet der Opener sind. Überhaupt dürfte diese Band so ungefähr der ungeeigneteste Opener überhaupt sein, denn „angeheizt“ ist man nach diesem Gig wahrlich nicht. Eher irgendwo schwebend auf einer Salbeiwolke unter der Decke…

Setliste WOLVES IN THE THRONE ROOM

Angrboda
The old ones are with us
Born of the serpent`s eye

 

AT THE GATES

at the gates bandfoto Adrian Erlandsson – Drums Jonas Björler – Bass Tomas Lindberg – Vocals Jonas Stålhammar – Guitar Martin Larsson – GuitarDie Umbaupause zu AT THE GATES ist ein relativ schnelles Geschäft. Schnickschnack haben die Schweden nämlich nicht dabei und jede Band spielt auf ihrem eigenen Drumkit – je weiter fortgeschritten der Abend ist, desto mehr Drumkits verschwinden von der Bühne, sozusagen. Unprätentiös betreten AT THE GATES die Bühne während ihres Intros und mit dem „Go“ von „Slaughter of the soul“ erwacht das Publikum schlagartig aus seiner Benebelung. Die Mähnen fliegen und AT THE GATES sind erfrischend echt und mitreissend.

Niemand entzieht sich dem „Slaughter of the soul“-Go, das ist gleich klar. Klar wird insbesondere im Verlaufe des Gigs jedoch auch, dass „Slaughter of the soul“ gleichzeitig Meisterwerk und Hypothek für AT THE GATES ist. Wenngleich nämlich „At war with reality“ und „To drink from the night itself“ gute Alben sind, so sind sie doch kein “Slaughter of the soul” und man kann die Song-zu-Album-Zugehörigkeit fast schon eindeutig an der Publikumsreaktion ablesen.

An der Spielfreude von AT THE GATES ändert dieser Umstand indes gar nicht. „Slaughter of the soul“ ist das neue „alte“ Album der Göteborger und sie spielen ihren Melodic Death Metal souverän. Neben dem sympathischen Frontmann Tompa sticht an diesem Abend Bassist Jonas hervor (nicht nur wegen seines RAINBOW „Rising“-T-Shirt). Immer wieder flicht er verspielte Variationen in seine Basslines ein, ohne sein Timing ausser Acht zu lassen. Diese kleinen Griffbrettausflüge bereiten ihm sichtlich Spass und passen perfekt in die Songs. AT THE GATES wecken das Publikum definitiv auf und liefern einen guten Gig ab. Ihre einzige Konkurrenz sind sie selbst – vor ein paar Jährchen…

Setliste AT THE GATES

To drink from the night itself
Slaughter of the soul
At war with reality
A stare bound in stone
Cold
El altar del dios desconocido
Death and the labyrinth
Heroes and tombsSuicide nation
Daggers of black haze
The book of sand (the abomination)
Blinded by fear
The night eternal

 

BEHEMOTH

Nach den ungekünstelten, erdigen AT THE GATES fällt dramatisch der schwarze Vorhang und verhüllt die Bühne. Die Umbauzeit für BEHEMOTH ist wesentlich länger und das KOMPLEX 457 ist mittlerweile so voll, dass es mühsam ist, vor BEHEMOTH noch rasch aufs Klo zu verschwinden. Die Requisiten werden vom Roadie-Team der Polen aufgestellt, alle tragen ein Hoodie mit dem gleichen Backprint – fast macht sie die Uniformierung einen Tick unheimlich. Soundtechnisch hört man auch schon das Band des polnischen Kinderchors, der auf „I loved you at your darkest“ prominent zu hören gewesen war.

Das „Solve“-Intro erklingt, der Vorhang fällt, ein Feuer. BEHEMOTH beginnen ihren Gig mit dem Auftakt von „I loved you at your darkest“. Nergal und seine Mannen tragen Masken, die Pyros heizen den Saal spürbar auf und sind mit infernalischer Genauigkeit auf die Rhythmen abgestimmt. BEHEMOTH wirken, als wären sie direkt der Hölle entstiegen und müssten sich noch rasch die letzten Glutkrümel von ihren Umhängen wischen. Timing, Licht, Sound – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und BEHEMOTH liefern an diesem Abend sämtliche visuellen Eindrücke, die für sie zu „I loved you at your darkest“ gehören.

Nergal, der Papst der Finsternis

Für „Bartzabel“ wechselt Nergal seine Maske für eine Mitra aus und geht sichtlich auf in seiner Rolle als Papst der Finsternis. Während dies bei GHOST bisweilen aufgesetzt und reisserisch wirkt, macht es Nergal zu einem Alter Ego seines Selbst. Hierbei achtet er peinlich genau auf die Ästhetik – roh und ungeschliffen ist an BEHEMOTH gar nichts mehr, die Tage von „Storming over the Baltic“ sind ausradiert und vergessen. Trotzdem – die dargebotenen Effekte fürs Auge nehmen einen Gefangen und BEHEMOTH spicken ihre Bühnenshow mit (anti)christlichen Referenzen. Blanke Schockeffekte, wie man sie etwa von GORGOROTH kennt, gibt es hierbei keine zu verzeichnen. Lieber setzen BEHEMOTH auf die unsterbliche Kunst von Gustav Doré, die in einem leuchtenden Dreieck hinter dem Drumkit gezeigt wird und noch immer ihre dunkle Macht versprüht. Dass Nergal bei diesen Entscheidungen federführend agiert, ist kein Geheimnis – und er führt als charismatischer, unnahbarer Frontmann souverän durch den ausgedehnten Gig.

Ecken und Kanten haben BEHEMOTH an diesem Abend keine – aber eine intelligente, (fast zu) gut durchdachte Show, die zahlreiche katholische Elemente in sich aufnimmt, um sie antichristlich umzudeuten. Mit Feuer und Dampf verabschieden sich die Polen kurz nach 23 Uhr – und hinterlassen einen Saal voller zufriedener Satansbraten…

Setliste BEHEMOTH

Solve
Wolves ov Siberia
Diamonos
Ora pro nobis
Bartzabel
Ov fire and the void
GOD = DOG
Conquer all
Ecclesia diabolica catholica
Decade of Therion
Gabriel
Slaves shall serve
Chant 4 Ezkaton
Lucifer
We are the next 1000 years
Coagvla

Bandfotos:
AT THE GATES: Century Media
BEHEMOTH Nuclear Blast/Grzegorz Gołębiowski