VINSTA: Das hat die Oma ja früher immer gesagt

Passend, dass VINSTA ihr drittes Werk „Drei Deita“ nennen – und gleichzeitig ihrer unvergleichlichen Eigenständigkeit treu bleiben. „Drei Deita“ ist eine trittsicher getätigte Gratwanderung zwischen Folk und Black Metal, gewürzt mit Texten im Berglerdialekt aus der Salzburger Region. Höchste Zeit, beim kreativen VINSTA-Kopf Christian nachzuhaken, um mehr über das alpine Duo zu erfahren.

Erstmal danke für das neue VINSTA-Album, das mir sehr gefällt. Welche Reaktion auf „Drei Deita“ hat dich bis jetzt am meisten erstaunt?

Erstmal danke für das Interview. Freut mich sehr, dass das neue Album gefällt. Was ich sehr interessant finde, ist die internationale Reichweite meiner Musik. Man möge zwar meinen, dass österreichischer Metal mit österreichischen Motiven eher die lokale Szene anspricht, was er auch tut, aber dass das internationale Interesse ebenfalls so stark vorhanden ist, erstaunt mich schon ein wenig. Es gab schon viele positive Meldungen aus Übersee und vor allem aus Amerika. Das beweist wieder das internationale Phänomen `Metal` und dann wird es eben spannend, wenn man lokale Kultur dazu mischt, so wie ich es bei „Drei Deita“ versucht habe.

Vom Dialekt im Salzburger Land und Dialekt-Wörterbüchern

Du und Moni singt ja in eurem eigenen Dialekt. Wo wird dieser Dialekt gesprochen? Gibt es Bücher oder Geschichten, die in diesem Dialekt verfasst sind oder lebt er nur in gesprochener Sprache?

Christian, der kreative Kopf hinter VINSTA.

Ja, also der Dialekt in unseren Texten kommt aus dem Salzburger Land. Das mit dem Dialekt ist schon eine spannende Sache, weil der vor allem bei uns auf dem Land sehr dynamisch ist. Die Merkmale in der Sprache sind sehr lokal, also wenn man von einem Ort ca. 10-20 Kilometer weiterfährt, kann man schon einen deutlichen sprachlichen Unterschied hören. Leider geraten viele Wörter und Redewendungen immer mehr in Vergessenheit. Das kommt unter anderem davon, weil der Dialekt hauptsächlich mündlich überliefert wird. Es gibt zwar schon einiges an Literatur, vor allem Mundartdichtung, doch findet man diese in wenigen Haushalten. Für „Drei Deita“ habe ich Recherche betrieben, um solch selten gewordene Mundartwörter zu finden und einzubauen und ich bin immer wieder begeistert, was da alles auftaucht.

Am liebsten sind mir Dialekt-Wörterbücher, da sind nämlich oft wirklich sehr alte Ausdrücke dabei, die ich selber noch nie gehört habe, und manchmal findet man dann wieder ein Wort, wo man so denkt „Ah ja, das hat ja die Oma früher immer gesagt.“ Salzburg ist reich an Sagen und Mythen, welche natürlich niedergeschrieben wurden. Diese Texte sind aber meistens in Hochdeutsch, aber trotzdem sehr interessant und eine große Inspirationsquelle für mögliche VINSTA-Songs in naher Zukunft.

Spannend! Welches ist denn dein Lieblingswort und warum?

Also meine Lieblingsredewendung ist „Do geht ma da Schiachn oh“ und bedeutet übersetzt „mir graut davon“. Diese Redewendung verwende ich auch passend in dem Song „Fiachtn“ – also „Fürchten“. Als Lieblingswort könnte ich vielleicht noch die „Oaschicht“ nennen, was so viel wie „Einöde“ bedeutet. Dieses Wort ist zwar noch bei uns am Land in Gebrauch, aber schon eher selten. Es passt wunderbar zum Album und dessen Konzept. Man begibt sich auf eine Reise in die ewige alpine und winterliche Berglandschaft – also in die „Oaschicht“ sozusagen.

Die drei Wegweiser mit Übersetzung

Was bedeutet „Drei Deita“ eigentlich auf Deutsch? Hat der Titel einen Bezug zu den drei schemenhaften Bergen, die man auf dem Cover erahnen kann?

Ja, richtig erkannt. Alex von Irrwisch kennt das Albumkonzept und er hat es auch visuell perfekt umgesetzt. Auf dem Albumcover offenbaren sich drei Berge, doch man hat noch viele weitere Interpretationsmöglichkeiten, passend zur Album-Geschichte. Konkret würde ich „Drei Deita“ übersetzen in „Die drei Wegweiser“. Sie sind immer wiederkehrende Motive auf dem Album und spielen im Album-Konzept eine zentrale Rolle. Wer übrigens mehr von der Geschichte erfahren möchte, sich aber mit unserem Dialekt schwer tut, findet im Digipak ein Booklet, mit einer schön formulierten Übersetzung ins Englische, hehe…

Das dürfte bei einigen Wissenshungrigen für ein erleichtertes Aufatmen sorgen! Eure drei Alben wirken – von den Titeln her – beinahe wie eine Trilogie. Gibt es einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen „Vinsta“, „Vinsta wiads“ und „Drei Deita“?

Eigentlich nicht wirklich, außer das Konzept, das ich mit VINSTA zu verwirklichen versuche, indem ich österreichische Kulturelemente benutze. Das erste Demoalbum kann man als Versuch betrachten, welches aber wichtige Grundsteine für VINSTA gelegt hat, da hier schon der „Nicht-Metal-Stil“ ausführlich definiert wurde, was für VINSTA nach wie vor eine wichtige musikalische Seite ist. „Vinsta Wiads“ ist das erste offizielle Album, mit dem ich auch den Metal-Stil sehr gut definieren konnte. Somit habe ich mir also ein breites musikalisches Spektrum zurechtlegen können, in dem ich mich mit „Drei Deita“ austoben konnte und in dem ich mich mit weiterer Musik in naher Zukunft austoben werde.

Heimat als Ort, Gesellschaft und Gefühl

Es freut mich, dass du dich in Zukunft weiter austoben wirst mit VINSTA! Was bedeutet denn eigentlich Heimat für dich?

Ich glaube, dass Heimat sehr individuell ist. Für den einen ist Heimat ein Ort, für den anderen eine Gesellschaft oder vielleicht ein Gefühl. Für den einen ist sie wichtig, für den anderen nicht so sehr. Ich verbinde Heimat schon mit dem örtlichen und auch mit der Natur, vor allem weil ich regelmäßig einen Rückzugsort in den Wäldern oder auf den Bergen suche. Ich wäre zum Beispiel ein schlechter Großstadtbewohner, weil mir der Menschentrubel sehr schnell zu viel werden würde. Das mag damit zu tun haben, dass ich in einem kleinen Ort mitten in den Bergen aufgewachsen bin und mir daher diese Art von Heimat vertraut ist.

VINSTAs Musik wirkt auch sehr naturinspiriert. Welches ist dein Lieblingsberg und warum?

Ich habe nicht wirklich einen Lieblingsberg. Ich bin jetzt auch nicht so der typische Bergsteiger, der regelmäßig 2000er besteigt. Unsere Heimat ist sehr gebirgig und reich an Wäldern und da gibt es viele schöne, unberührte Plätze, die man leicht erreichen kann. Also kann man behaupten, dass ich mich doch sehr gern von der Natur inspirieren lasse und das gelingt mir entweder mit einer Wanderung durch ein waldreiches Almgebiet an einem verregneten Tag oder mit einer Bergtour auf dem imposanten Tennengebirge im Salzburger Land.

Von LUNAR AURORA zur Volksmusik

Welche Bands inspirieren dich musikalisch?

Seit kurzem verstärkt Moni das bisherige Soloprojekt VINSTA von Christian.

Also diese Frage zu beantworten ist nicht so einfach, da ich mich mein ganzes Leben schon mit Musik und ganz verschiedensten Genres auseinandersetzte. Irgendwann kam natürlich der Metal dazu und da faszinierten mich auch vor allem skandinavische Metalbands. Da bekam ich auch die Inspiration, dass im Metal nicht immer auf Englisch gesungen werden muss. Lange hat es nicht gedauert, bis es dann OPETH in meine Playlist geschafft hat und diesen Einfluss hört man anscheinend auch bei meiner Musik. Dann muss ich noch die letzte Scheibe „Hoagascht“ von LUNAR AURORA erwähnen, die hat mich sehr stark geprägt und mir gezeigt, wie gut eigentlich unser Dialekt mit Metal funktioniert.

Mit VINSTA versuche ich ja auch, die österreichische Musikkultur in den Metal einzubinden und da gibt es natürlich viele Inspirationen. HUBERT VON GOISERN ist da ganz vorne. Er hat es dazumal geschafft, die österreichische Volksmusik in die weite Welt zu tragen. Dann bin ich ein sehr großer Fan von Austropop, wo bei mir STS sehr weit vorne steht. Da liegt aber ihr Bierzelt-Hit „Fürstenfeld“ eher weit hinten, denn die haben sehr viele andere hochwertige Musik, die „Ganslhaut“ verursacht. Zum Schluss möchte ich noch weitere wichtige Interpreten aus der „Neuen Volksmusik“-Szene erwähnen, welche definitiv meine Musik beeinflussen: BROADLAHN sind möglicherweise die Urväter der neuen Volksmusik, denn sie haben vor über 30 Jahren schon begonnen, unsere konservative Volksmusik mit verschiedensten Genres aus der Welt zu verbinden. Sie haben dafür sehr viel Kritik geerntet und ihr Erfolg ist überschaubar, aber diese Art von Musik ist für mich und meine Musik nach wie vor extrem inspirierend und hat mir gezeigt, wie wunderbar man unsere Volksmusik gestalten kann, ohne dass man sofort in die Schlager/Bierzelt-Schublade kategorisiert wird.

Songs aus dem Konzept hinaussaugen

Interessant! Du und Moni seid ja „nur“ zu zweit. Wie sieht der Songwritingprozess bei VINSTA aus?

Also konkret schaut es so aus, dass VINSTA mein Soloprojekt ist und vor Kurzem habe ich Moni als offizielles Bandmitglied eingeladen. Die Songs auf den bisherigen Alben habe alle ich geschrieben und ich bin so ziemlich für alles verantwortlich. Bei der Albumproduktion von „Drei Deita“ war Moni schon dabei, sowie Tobias Langthaler am Bass, der auch bei den Live-Auftritten mitwirken wird. Während den Recordings wird dann ein bissl probiert und so können die Studiomusiker ihre eigenen Ideen und Stile einbringen, was die Musik natürlich aufwertet. Zu der Frage, wie der Songwritingprozess aussieht: „Drei Deita“ ist ja ein Konzeptalbum, das heisst es zieht sich eine Geschichte durch das ganze Album, welche die Album-Dramaturgie bildet, musikalisch wie auch lyrisch. Ich habe also für „Drei Deita“ zuerst begonnen, eine fiktive Geschichte in einer alpinen, winterlichen Berglandschaft aufzustellen, woraus ich dann die einzelnen Songs extrahiert habe. Diese Art von Songwriting habe ich zum ersten Mal angewendet und es war für mich sehr herausfordernd und gleichzeitig sehr spannend, weil man damit einen guten roten Faden durch das Album bilden kann.

Plant ihr eine Live-Umsetzung von „Drei Deita“? Habt ihr diesbezüglich schon Kontakt mit Sessionmusikern und -musikerinnen?

Live-Umsetzung hat gerade die größte Priorität bei VINSTA. Aktuell gibt es schon eine komplette Live-Besetzung, die ich in den kommenden Tagen ankündigen werde, und es wird schon fleißig geprobt. Neben Moni mit Geige und Gesang und Tobi am Bass, konnte ich noch einen Drummer und einen zweiten Gitarristen finden, womit ich eine wirklich fähige Band beisammen habe und wir hoffentlich bald auf der Bühne stehen werden. Realistischerweise wird man VINSTA ab 2020 auf der Bühne sehen. Darauf freuen wir uns alle natürlich sehr und hoffen auf einen spannenden Live-Start.

Bilder: Label (Trollmusic) 

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.