POISONBLACK: Sex, Wahrheiten und Videos oder: Wir Finnen sind halt so…

Ville Laihiala hatte sich in den letzten Jahren als SENTENCED-Frontman innerhalb der Metal-Szene als leicht suizidal, ständig deprimiert und alkoholisiert etabliert, und er übte sich stets mit seinen Bandkollegen in Understatements. In diesem Jahr aber durchbrach er das selbstauferlegte Image, denn mit dem POISONBLACK-Album “Escapexstacy“, für das er fast die gesamte Musik und die Texte schrieb, thematisierte der Finne zwar ’gewohnte’ Dinge wie Herzschmerz, Verlassenwerden, etc., aber es gibt eben auch die andere Seite, bei der Lust, Leidenschaft und Obsession präsentiert werden, teils gar plastisch, wenn man sich die Promofotos ansieht. Und das Album ist derart herausragend, dass man sich mittlerweile die Frage stellen muss, ob man Ville Laihiala völlig unterschätzt und auf die Rolle des SENTENCED-Fronters reduziert hat. So nahmen wir dann die Gelegenheit wahr, mit POISONBLACK-Sänger J.P. Leppäluoto, der gleichzeitig auch bei CHARON das Mikro schwingt und wohl einer der talentiertesten Sänger des Genres ist, zu sprechen, um etwas über die Hintergründe dieser neuen Band in Erfahrung zu bringen. An einem Samstagabend, nach 19 Uhr, klingelte dann das Telefon und am anderen Ende der Leitung quasselte gleich ein ziemlich verfeierter, aber bestens gelaunter Finne los. Falls dieses Gespräch im Rahmen der internationalen Terroristenfahndungen abgehört wurde, wurde das Band wahrscheinlich gleich an die Anonymen Alkoholiker weitergeleitet. So war Herr Leppäluoto dann auch in der richtigen Stimmung, um Fragen zu psychosozialen Studien über Finnen und zu existentialistischen Dingen im allgemeinen zu beantworten. Gut… zumindest Fragen über diverse Gelüste und perfide Wunschvorstellungen, oder so ähnlich…

Ville Laihiala hatte sich in den letzten Jahren als SENTENCED-Frontman innerhalb der Metal-Szene als leicht suizidal, ständig deprimiert und alkoholisiert etabliert, und er übte sich stets mit seinen Bandkollegen in Understatements. In diesem Jahr aber durchbrach er das selbstauferlegte Image, denn mit dem POISONBLACK-Album “Escapextacy“, für das er fast die gesamte Musik und die Texte schrieb, thematisierte der Finne zwar ‘gewohnte’ Dinge die Herzschmerz, Verlassenwerden, etc., aber es gibt eben auch die andere Seite, bei der Lust, Leidenschaft und Obsession präsentiert werden, teils gar plastisch, wenn man sich die Promofotos ansieht. Und das Album ist derart herausragend, dass man sich mittlerweile die Frage stellen muss, ob man Ville Laihiala völlig unterschätzt und auf die Rolle des SENTENCED-Fronters reduziert hat.


So nahmen wir dann die Gelegenheit wahr, mit POISONBLACK-Sänger J.P. Leppäluoto, der gleichzeitig auch bei CHARON das Mikro schwingt und wohl einer der talentiertesten Sänger des Genres ist, zu sprechen, um etwas über die Hintergründe dieser neuen Band in Erfahrung zu bringen.

An einem Samstagabend, nach 19 Uhr, klingelte dann das Telefon und am anderen Ende der Leitung quasselte gleich ein ziemlich verfeierter, aber bestens gelaunter Finne los. Falls dieses Gespräch im Rahmen der internationalen Terroristenfahndungen abgehört wurde, wurde das Band wahrscheinlich gleich an die Anonymen Alkoholiker weitergeleitet. So war Herr Leppäluoto dann auch in der richtigen Stimmung, um Fragen zu psychosozialen Studien über Finnen und zu existentialistischen Dingen im allgemeinen zu beantworten. Gut… zumindest Fragen über diverse Gelüste und perfide Wunschvorstellungen, oder so ähnlich… aber los ging es erst einmal mit CHARON

CHARON sind momentan im Studio, wir beenden gerade noch einige Gitarren- und Gesangsparts. Im Sommer werden wir dann den Endmix machen, aber ein genaues Datum dafür haben wir noch nicht. Die erste Single erscheint aber im Mai (und ist gleich sehr hoch in die Charts eingestiegen- ed.). Dazu wird es auch ein Video geben, und eine weitere Single werden wir im Spätsommer veröffentlichen. Das Album kommt dann direkt nach dieser Veröffentlichung raus.

Bei CHARON bist Du ja weitaus involvierter in die Musik als bei POISONBLACK – hat CHARON also nach wie vor Priorität für Dich?

Bei CHARON schreibe ich vor allem selbst Musik, ich schreibe die Texte und kann mich selbst somit dort mehr einbringen, also mehr, als ich es bei POISONBLACK kann. Bei POISONBLACK bin ich eher ein Performer, so sehe ich mich. Und ich versuche, es so gut wie möglich zu machen, so gut ich eben kann. Bei CHARON kann ich alles machen, was ich machen möchte. Es ist meine Band und es ist das, was ich seit sehr langer Zeit mache. Mit den Jungs von CHARON verbindet mich natürlich sehr viel und ich habe gemerkt, wenn POISONBLACK sehr viel meiner Zeit in Anspruch nimmt, fangen sie an, sich zu beschweren und fragen mich, was ich denn in Zukunft machen möchte, worauf ich mich konzentrieren möchte. Aber es ist klar, dass ich CHARON machen werde, solange die Band existiert. Aber nichts dauert ewig, und vielleicht werde ich in drei Jahren Blues machen (lacht)… NOT! Aber egal, wenn man Musik macht, dann teilt man etwas Bedeutendes mit Menschen. Ich wollte seit jeher ein Performer sein, ich wollte immer Musik machen, das heißt etwas von mir anderen Menschen geben. Menschen etwas geben, das sie mögen, und Ville hat die gleiche Einstellung dazu.

Und was ist es, das Du mit Menschen teilst beziehungsweise ihnen gibst?

Es sind meine persönlichen Gedanken, die ich in Texten verarbeite, und ich denke, dass viele andere Menschen Ähnliches denken. Ich glaube, dass meine Texte für andere Menschen Tore zu ihren eigenen Gedanken öffnen können, so dass sie sich dann mit diesen auseinandersetzen. Wenn mich Leute fragen, um was es bei meinen Texten geht, ist es schwer, das genau zu beantworten, weil ich ihnen nicht Tore verschließen beziehungsweise ein Tor offen lassen möchte, um selbst herauszufinden, um was es geht, um ihre eigenen Gedanken und Gefühle in den Texten zu entdecken. Gefühle sind für mich bei der Musik das absolut Wichtigste, das war immer so.

Denkst Du, dass heutzutage das Emotionale in unserer Gesellschaft zu kurz kommt?

Ich weiß nicht. Ich denke, dass das Leben sehr anonym geworden ist, alles ist anonym geworden heutzutage. Die Menschen kümmern sich nicht mehr wirklich um einander, und vor hundert Jahren zum Beispiel lebten die Menschen in engen Gemeinschaften. Als es kein Telefon gab, mussten sich die Leute sehen und von Angesicht zu Angesicht miteinander reden, Probleme diskutieren, etc. Der Hauptgrund, warum ich solche Texte schreibe ist der, dass besonders die Finnen sehr schlecht darin sind, ihre Gefühle mitzuteilen, sie zu artikulieren, und das zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Das ist jetzt zwar ein Klischee, aber die Finnen tendieren wirklich dazu, ihren Kummer im Alkohol zu ertränken, und darum geht es auch die ganze Zeit bei SENTENCED. So sind wir Finnen halt. Aber genau das, was fehlt, möchte ich in meinen Texten zum Ausdruck bringen.

Hast Du mal darüber nachgedacht, warum die Finnen so sind?

Weiß ich nicht. Ist mir auch egal. Wir sind halt einfach so (lacht). Wir sind absolut introvertiert. Warum, weiß ich nicht (lacht).

Wie koordiniert Ihr denn Eure Aktivitäten, d.h. CHARON und SENTENCEDmit POISONBLACK, denn es war auch eine POISONBLACK-Tournee für das Frühjahr angekündigt, die aber nicht stattfand?

Natürlich dachte ich, dass diese Tour stattfinden würde. Wir werden mit POISONBLACK einige Festivals, vor allem auch im Sommer, hier in Finnland spielen. Aber für mich persönlich war es gut, dass die Tour mit POISONBLACK erst mal nicht stattfand, weil ich nun Zeit habe, mich auf CHARON zu konzentrieren. Das ist natürlich immer noch das wichtigste. Aber im Sommer habe ich relativ viel Zeit, also warum sollte es dann keine Tour mit POISONBLACK geben?

Ihr habt Anfang April aber bereits einige Festivals gespielt?

Ja… in Tullikamari, und auch Helsinki… mit HAMMERFALL.

(Lachend) Ja, wie war’s denn so mit HAMMERFALL?

(Lacht) Es war großartig. Das Publikum war großartig. Es waren nicht sehr viele Leute da, nur 400-500. Aber es war die ganze Zeit über eine sehr tolle Atmosphäre. Unser Auftritt war auch wirklich gut. Und es war auch sehr nett, nach unserem Gig hackedicht einen HAMMERFALL-Auftritt zu sehen (lacht). Was gibt’s Schöneres, als Abends einen Auftritt von HAMMERFALL zu sehen, wenn sie auch noch ihre Schwerter auf der Bühne schwingen? Es war sehr amüsant (lacht).

(Lachend) Das Publikum war aber bestimmt ein anderes, als Ihr es sonst gewohnt seid…

Ja, es war schon anderes, es waren mehr Typen da als sonst (lacht). Es war wirklich toll, vor einem Publikum zu spielen, das hauptsächlich aus Jungs bestand…. (lacht sich einen Ast) oder einem schwulen Publikum (es ging hier um das Wortspiel ‚guy’/’gay’).

Ich glaube nicht, dass Du Spaß hättest, vor einem Publikum zu spielen, was hauptsächlich aus Schwulen besteht…

Ne, die würden mir dann alle die ganze Zeit in den Schritt schauen…

Das Album ist jetzt seit einiger Zeit auf dem Markt und Ihr müsstet eigentlich sehr zufrieden sein. Es gab auch kaum negative Kritiken…

Ja, das habe ich gehört. Ich selbst lese nicht besonders viele Kritiken. Als wir mit CHARON vor zehn Jahren begannen, da habe ich alle Kritiken über unsere Demos gelesen. Aber irgendwann hatte ich genug davon. Es geht dabei aber nicht um die schlechten Kritiken oder so. Ich möchte einfach mein eigenes Ding machen und mich nicht die ganze Zeit darum kümmern, was andere Leute davon halten. Gute Kritiken und gutes Feedback sind natürlich immer toll, und auch schlechte Kritik ist wichtig, weil man daraufhin eigene Fehler ausmerzt beziehungsweise verbessert. Aber mein Kritiker, dessen Aussagen ich annehme, ist das Publikum.

Es war nur sehr auffallend, dass viele das Album in einem Bereich angesiedelt haben, der bisher nicht wirklich abgedeckt war – HIM sind Pop, dann gibt es viele Bands im Gothic/Dark Metal, aber POISONBLACK liegen irgendwo dazwischen…

Etwas Ähnliches ist uns selbst aufgefallen, insbesondere bei den Festivals in Helsinki und Tampere, die wir gespielt haben. Wir haben härtere Gitarren, die Musik ist härter, aber der Gesang ist poplastiger. Es ist schon eine Mischung diverser Dinge. Ich mag das Album sehr. Es ist besser geworden, als ich zuerst gedacht habe.

Natürlich habe ich mich beim ersten Hören auf die Melodien konzentriert, Ich wusste sofort, dass die Musik sehr gut werden würde, wenn man es richtig anginge. Ich habe mich nicht so sehr auf den Sound konzentriert. Ville hat die Vocals auf dem Demo gesungen und ich wusste, dass wir damit wirklich etwas sehr Gutes machen könnten. Das Material war soweit fertig, und deshalb ist mir die Wahl auch nicht schwer gefallen. Zuerst war es natürlich so etwas wie ein Schattenreich. Einer der Songs hieß “Poisonblack” und ich sagte Ville dann, dass das ein sehr guter Name für die Band sei, und er war gleich begeistert. Ville ist wirklich ein großartiger Kerl. Du würdest vom Hocker fallen, wenn ich Dir erzählen würde, was wir bereits alles angestellt haben (lacht). Okay, nächstes Thema (lacht).

Als festes Line-Up sind Ville, Janne und Du aufgeführt, Ihr habt aber noch drei weitere Musiker, die aber nicht als fester Bestandteil der Band genannt werden – aber sie touren mit Euch und werden auch das nächste Album mit aufnehmen?

Sie sind keine Session-Musiker mehr, wie es anfangs geplant war. Als wir anfingen, POISONBLACK zu gründen, dachten wir zunächst, dass die Band nur aus Ville, Janne und mit bestehen würde, da wir eigentlich mit einer Drum-Machine und Playback-Tapes arbeiten wollten. Dann entschlossen wir uns aber, weitere Musiker dazu zu holen, da es einfach so mehr Spaß macht. Deshalb sind auf den Fotos auch nur wir drei zu sehen. Aber in Zukunft wird das anders aussehen.

Ville sagte in einem Interview, dass Janne einer seiner besten Freunde sei. Wie seid Ihr denn auf die anderen drei gekommen?

Wir kennen uns alle und verstehen uns auch alle sehr gut. Jetzt sind es aber nur noch zwei weitere Musiker, neben Ville, Janne und mir. Janne Dahlgren hat vor einigen Wochen die Band verlassen. Die Gründe dafür kenne ich auch nicht genau. Jedenfalls kannten Ville und er sich seit langer Zeit. Gründe kann ich Dir aber leider keine nennen, und ich will auch nicht darüber spekulieren. Abgesehen davon aber herrscht eine gute Chemie zwischen uns allen vor, und wir sind sogar noch zusammengewachsen durch die Gigs, die wir gespielt haben. Es waren zwar nicht sehr viele Auftritte bisher, aber sie haben die Band gestärkt. Wir freuen uns alle auch sehr auf eine Tournee, eben weil wir uns sehr gut verstehen und auch gerne zusammen sind. Es macht wirklich Spaß.

In Interviews wurde immer wieder betont, dass POISONBLACK eine Band und kein Projekt sei. Zu einer Band gehört aber genau diese Chemie, die stimmen muss, und man muss sich ertragen können, wenn man tourt, etc…

Absolut richtig, es ist sehr wichtig und ich denke, dass das auch einer der Gründe war, warum Janne (Dahlgren) die Band verlassen hat.

Könnt/wollt Ihr eigentlich regelmäßig proben, d.h. ist es überhaupt möglich oder wohnt Ihr sehr weit auseinander?

Ville und die anderen leben in Oulo, und ich lebe in Raahe, das liegt 74 Kilometer südlich von Oulu. Die anderen Jungs proben auch regelmäßig zusammen, ich weiß aber gar nicht, wie oft. Ich jedenfalls höre mir dann die Aufnahmen an. Die Songs sind relativ einfach zu singen, insofern muss ich eigentlich auch nicht so oft proben. Auftritte sind eigentlich die beste Gelegenheit zum Üben. So proben wir, auf Konzerten (lacht).

Bei CHARON schreibst Du die ganzen Texte, bei POISONBLACK hat Ville dies übernommen. Wie ist es eigentlich für Dich, die Texte einer anderen Person zu singen, insbesondere wenn diese persönliche Gedanken etc. widerspiegeln?

Irgendwie ist es, als würde man Coversongs singen (lacht). Aber Ville ist natürlich ein absolut hervorragender Studioproduzent, und er gab mir die exakten Gesangslinien vor, die ich zu übernehmen hatte, so dass es wirklich sehr einfach für mich war. Es musste auch so gemacht werden, denn es sind Villes Texte und er weiß deshalb auch am besten, wie sie performt werden sollten.

Er ist ja selbst ein Sänger – hat er irgendwie Deinen Gesang versucht zu korrigieren? Musiker sind ja sehr eigen, besonders wenn es um den Part geht, den sie selbst in einer Band übernehmen…

Nein, ganz und gar nicht. Ville vertraut sich selbst nicht richtig als Sänger, insofern waren die Vocals der Part, in den er sich überhaupt nicht eingemischt hat. Immer, wenn ich im Studio war, habe ich zu ihm gesagt: ‚Verpiss dich, ich bin ein besserer Sänger als Du’ (schallendes Gelächter). Nein, natürlich nicht, das war nur ein blöder Witz. Er war wirklich die ganze Zeit über sehr entspannt und zufrieden mit dem, was ich gemacht habe, und darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut.

Beim Lesen der Texte fand ich, dass sie eigentlich sehr viel von der Person offenbaren, die dahinter steckt. Denkst Du, dass diese Texte, eben weil sie sehr viel preisgeben, die Person dahinter ein Stück verletzbarer machen? Und teilweise auch Dich, da Du sie singst und somit auch mit ihnen in Verbindung gebracht wirst?

Ich weiß es nicht, so habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Ich habe die Texte ja erst bekommen, als wir geprobt haben, und erst da habe ich natürlich realisiert, was eigentlich darin steckt, wovon sie eigentlich handeln. Ich weiß nicht, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber sicher, ich muss Villes Welt irgendwie verstehen, seine Gedanken, seine Meinungen, seine Phantasien, solche Dinge. In den zwei oder drei Jahren, die wir uns kennen, haben wir sehr viel Zeit miteinander verbracht. Ich kenne ihn mittlerweile sehr gut. Wir haben uns kennen gelernt, als CHARON mit SENTENCEDgetourt haben. Ich kannte ihn damals überhaupt nicht und dachte, er wäre ein ziemliches Arschloch (lacht). Aber als ich ihn dann kennen lernte, sah ich, dass er eigentlich ein sehr einsamer Mensch ist, wie ich auch, und wir merkten, dass wir uns sehr ähnlich sind, was unsere Persönlichkeiten betrifft. Und das war auch das Tor, das sich für mich zu seinen Texte öffnete. Mit ihm zu reden, abzuhängen und Sachen zu unternehmen, das war der Grund für mich, bei POISONBLACK einzusteigen, als er mich danach fragte. Und so konnte ich mich auch in die Texte hineinversetzen. Unsere Freundschaft hat mir ermöglicht, mich in seine Texte hineinzufinden und sie in Musik umzusetzen.

Er hat die Texte als ‘Tanz mit seinen inneren Dämonen’ beschrieben…

Ja, und ich muss jetzt mittanzen (lacht). Ville hat mich zum Tanz gebeten, mit seinen Dämonen, und das ist ziemlich furchterregend (lacht).

Warum Dämonen?

Ich weiß nicht. Ich denke, es geht dabei um dunkle Dinge in seinem Kopf, über die er schreibt. Es hat eine tiefere Bedeutung für ihn und es ist sehr schwer, dort hineinzukommen. Es sind seine Dämonen und man muss jemanden ein ganzes Leben lang kennen, um diese ernsten Dinge wirklich erfassen zu können. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, ich würde seine Gedanken genau kennen, das heißt welche seine Dämonen sind. Aber ich bin bei POISONBLACK nur ein Performer, auch wenn ich im Laufe der Zeit zu einigen Dingen durchgedrungen bin.

Ich fand es nur sehr auffallend, weil man mit Dämonen negative Dinge assoziiert, denn Dämonen suchen jemanden heim oder verfolgen jemanden…

Ja, sicher, aber es kann auch eine große Kraft daraus entstehen, wenn du beginnst, dich mit deinen Dämonen auseinander zu setzen. Wenn man sie überhaupt als Dämonen bezeichnen kann.

Ville fühlt sich auf der Bühne nicht besonders wohl – ist er glücklich, dass Du jetzt Sänger bist und damit das Hauptaugenmerk auf Dir ruht?

(lacht) Es macht einiges komplizierter. Er meinte zu mir, dass er dachte, er könnte sich jetzt auf die Gitarre konzentrieren und auf der Bühne machen, was er wollte. Er merkte aber, dass es teilweise sogar härter als Singen ist. Vielleicht ist er jetzt glücklicher. Ich hab ihm nur nach dem letzten Gig gesagt: ‘Ville, Du musst mich während des Auftritts unterstützen. Du musst nach der Hälfte des Gigs irgendwas machen, denn ich mache alles während der ersten Hälfte des Auftritts und wir müssen zusammenspielen.’ Und das ist, was wir während dieser Auftritte gelernt haben. Wir sind nicht als fertige Band zu diesen Auftritten gefahren, wir haben aber dann gemerkt, um was es geht und auf was es ankommt, POISONBLACK zu einer wirklichen Band zu machen.
Für mich persönlich war es zuerst schwierig herauszufinden, wie ich mich als Sänger von POISONBLACK auf der Bühne verhalten sollte, denn ich war so an CHARON gewöhnt und habe mich jahrelang in diese Situation hineingefunden. Der erste Auftritt mit POISONBLACK war also eine unsichere Sache, denn ich wusste nicht, wie ich mich auf der Bühne verhalten sollte. Aber es ist auch etwas, das man lernen muss. Und ich bin sehr froh, bei POISONBLACK dabei zu sein, auch weil ich sehr viel lernen konnte.

Du hast vor einigen Jahren Gesangsstunden genommen, was die wenigsten Sänger heutzutage machen, obwohl es wirklich wichtig ist, professionelle Gesangstechniken zu erlernen, wenn man zwei Stunden auf der Bühne überstehen will…

Ja, absolut, und das war auch genau der Grund, warum ich es gemacht habe, denn ich habe gemerkt, dass meine Stimme nach einer Stunde auf der Bühne ziemlich nachließ. Deshalb habe ich diese Stunden genommen, um die richtigen Techniken zu erlernen, um die Stimme richtig einzusetzen. Das ist jetzt drei Jahre her, hat insgesamt zwei Monate gedauert, und es hat mir wirklich sehr geholfen. Aber momentan kann ich gar nicht singen, weil ich krank bin. Ich habe seit zwei Wochen eine üble Erkältung, die einfach nicht wegging. Das ist echt furchtbar. Ich werde nervös, wenn ich nicht singen kann, es ist absolut frustrierend. Jedenfalls habe ich bei den Stunden hauptsächlich finnische Tangos gesungen, die sehr viele Skalen enthalten, von sehr tief bis sehr hoch. Sie eignen sich sehr gut zum Üben. Sie sind auch einfach zu singen. Vor allem kommt es beim Tango auf die Nuancen an. Es ist sehr gefühlvolle Musik. (Lachend) Es ist zwar eine lateinamerikanische Tradition, der Tango ist in Finnland aber sehr populär. Die Leute hier zwischen 30 und 100 mögen finnischen Tango. Du kannst dem finnischen Tango einfach nicht entkommen.

(lachend) Sicher…

Ich singe das übrigens immer noch, wenn ich total breit bin. Hier oben ist Karaoke nämlich auch sehr verbreitet (lacht).

Das kannst Du ja mal bei einem Konzert als Zugabe geben, würde mich echt interessieren… (lacht)

Ja, und dann bringe ich meine Karaoke-Ausrüstung mit. Auweia, jetzt habe ich mich geoutet. Mein Hobby ist der finnische Tango (lacht).

Gut, mal wieder was Ernsthaftes – das Cover Eurer Scheibe, war das mal als etwas Nettes für die Jungs unter Euren Fans gedacht?

Ich weiß nicht, was Ville gedacht hat, als er das Mädel für die Fotosession aussuchte. Ich glaube, Ville dachte, das Motiv würde gut zu den Emotionen des Albums passen. Vesa Ranta, der Drummer von SENTENCED, der die Fotos gemacht hat, arbeitet oft mit ihr zusammen. Er hat auch einige Nacktfotos von ihr gemacht, die ich leider noch nicht gesehen habe…

(Lachend) Das tut mir echt Leid für Dich …

(lacht) Ich kenne sie aber nicht besonders gut. Ich habe sie einmal in einer Bar getroffen und während dieser Fotosession.

Kommentar zu dem Cover war: ‚Die Federn des Todes werden dem Betrachter ins Gesicht gepustet’ – was sind denn die Federn des Todes?

Vielleicht, weil man niesen muss (lacht)? Ich habe echt keine Ahnung. Ich denke aber, dass das Foto Vesas Idee war.

Das Album heißt “Escapexstacy”, also eine Flucht in die Ekstase – ist Flucht vor Realität wichtig?

Nicht wirklich wichtig, denn man muss sich immer bewusst sein, was um dich herum passiert und man muss am Moment teilhaben. Manchmal, an gewissen Orten und in gewissen Momenten, muss man vor der Realität flüchten. Es ist ein mentales Weglaufen, sicher, aber generell man muss sich den Dingen stellen.

Auffallend sowohl an Deinen als auch Villes Texten ist, dass offensichtliche Gegensätze wie Vergnügen und Schmerz sehr eng miteinander verbunden sind. Warum denkst Du, dass diese eigentlich konträren Dinge zusammengehören?

Oh Gott, das weiß ich wirklich nicht. Aber man muss Gefühle wie ‘Schmerz’ nicht als etwas ausschließlich Negatives sehen. Mit Schmerz können viele Dinge bezeichnet werden, nicht ausschließlich eine einzige Sache, ebenso wie ‘Leidenschaft’ sich nicht unbedingt auf einen Sachverhalt beziehen muss. Man kann die Trennlinien ziehen, wo immer man möchte, und das ist eine individuelle Angelegenheit. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern verschiedene Grauschattierungen, und man muss sehen, wo man selbst die Linie innerhalb dieser Bereiche zieht. Aber Schmerz, Leidenschaft, Lust, etc. sind Themen, wo es mir sehr leicht fällt, mich mit ihnen auseinander zu setzen. Darum beschäftige ich mich mit diesen Aspekten. Ich weiß aber auch nicht, warum ich das mache oder woher es kommt. Schmerz kann für mich etwas Anderes bedeuten als für andere Menschen. Aber ich möchte auch keine ganz klaren Interpretationen liefern, weil ich für die Hörer das Tor zu den Liedern verschließen würde. ‘Schmerz’ ist natürlich schon ein sehr heftiges Wort, aber ich kann Dir wirklich nicht sagen, warum ich es verwende, d.h. warum ich mich damit auseinandersetze.

Aber neben den ganzen Texten, die ich geschrieben habe, gibt es auch viele Gedichte von mir, die in meiner Schreibtischschublade liegen, wo sie auch bleiben werden. Sie ähneln meinen Texten, die ich in englisch geschrieben habe. Wenn ich englische Texte schreibe, dann verfasse ich sie nicht zuerst in finnisch und übersetze sie dann, sondern versuche dann schon, in englisch zu denken. Das funktioniert bei mir besser. Aber natürlich ist es wesentlich einfacher für mich, Gedichte auf finnisch zu schreiben. Ich habe gemerkt, dass ich dann schon einen anderen Stil verwende, weil es mir wirklich wesentlich einfacher fällt, Dinge in meiner Muttersprache zu verfassen, d.h. Metaphern zu verwenden, Wortspiele, etc. Ich kann im Englischen einfach nicht so gut mit Wörtern spielen wie ich es im Finnischen vermag. Ich bin kein herausragender Schreiber oder Textverfasser. Ich habe schon weitaus bessere Texte als meine eigenen gelesen, aber ich gebe mir Mühe und versuche stets, mich zu verbessern.

Aber um noch mal auf die Themen zurückzukommen: es sind die Dinge, die mich zurzeit beschäftigen, und natürlich muss ich hinter meinen Texten stehen und ich tue dies auch.

Sollte man auch, denn viele Leute lesen Texte auch ganz gezielt…

Ja, sicher, und auf der CHARON-Tour mit NIGHTWISH habe ich mit vielen Leuten, die nach den Shows auf mich zugekommen sind, über die Texte gesprochen. Und diese Gespräche darüber, wie sie die Texte interpretieren, sind das Wichtigste für mich. Es geht darum, was die Leute fühlen und denken, wenn sie die Texte lesen oder hören, denn es gibt so viele Interpretationen der Texte wie es Leute gibt. Jeder hat seine eigene Version eines Textes. Und wenn jemand das, was er beim Lesen empfindet oder denkt, mir mitteilt, dann war ich erfolgreich. Es ist einfach großartig, wenn Leute auf dich zukommen und dir sagen, was sie denken oder empfinden bei deiner Musik und deinen Texten. Man empfindet ein wirkliches Glücksgefühl dabei. Es bedeutet mir sehr viel. Es gibt mir wirklich das Gefühl, etwas in meinem Leben richtig gemacht zu haben.

Du hast mal gesagt, dass Du nach einer Beerdigung erst wirklich begonnen hast, Dich mit dem Tod auseinander zu setzen und dass der Tod zum Alltag gehört, aber dieser Verlust ist nichts wirklich Alltägliches…

Nein, natürlich nicht, aber man muss sich vor Augen führen, dass es zum Leben gehört, und irgendwann wird jeder von uns damit konfrontiert, auf die eine oder andere Art und Weise. Es ist etwas Natürliches und ich habe gelernt, differenzierter damit umzugehen. Es war irgendwie auch eine heilende Erfahrung, die ich dort gemacht habe. Ich habe auch viel über das Leben an sich dadurch gelernt. Ich persönlich habe diese Erfahrungen in meinem Umfeld noch nicht gemacht, zumindest nicht in meinem direkten Umfeld, aber ich habe viel gelernt durch diese Auseinandersetzung mit dem Thema.

Welchen Einfluss hatte es denn auf Dich?

Ich fantasiere nicht mehr über den Tod. Ich setze mich damit auseinander, ich schreibe aber nichts mehr darüber, z.B. “jaaa, der Tod ist nahe” oder so was (lacht)… Aber ernsthaft: Ich mache keine Witze mehr über den Tod, dafür ist es zu ernst. Ich versuche, meine Freunde zu verstehen, wenn sie um jemanden trauern, die etwas Derartiges erleben oder erlebt haben. Es ist natürlich unmöglich, das, was sie in diesem Moment fühlen, nachzuvollziehen, weil man es selbst eben nicht durchlebt, aber ich versuche immer, ihnen zuzuhören. Ich denke, dass dies das Wichtigste überhaupt ist: Jemandem zuzuhören, der dir etwas zu sagen hat und dir etwas sagen möchte. Das bedeutet, ein Teil dessen zu sein, was jemand gerade durchlebt. Im allgemeinen hat es mich auch gelehrt, dass man versuchen sollte, ein besserer Mensch zu werden, den Leuten Gutes zu tun, denn man weiß nie, wann es vorbei ist. Es ist ein sehr ernsthaftes Thema für mich geworden. Vielleicht schreibe ich das gleiche über das Thema wie zuvor, aber ich versuche zu vermeiden, den Tod als Phantasie darzustellen, denn das sollte man nicht tun.

Okay, dann mal wieder zu einem netten Zitat Deines Bandkollegen Ville, welches im Infoblatt zitiert wurde: ‚Eine höhere Macht brachte Frauen auf die Erde, damit Männer sie sowohl fürchten als auch anbeten’…

(Lachend) Oh Gott. Also, ich muss zugeben, es gibt einige Dinge in den Lyrics und im Image von POISONBLACK, die ich nicht besonders mag. Ich finde es nicht so schlimm, dass ich nicht Teil dieser Band sein und die Texte singen könnte, aber einige Dinge akzeptiere ich einfach so, wie sie sind. Ich achte das, was Ville tut und sagt sehr. Aber einige Sachen kann ich nicht so gut nachvollziehen.

Das Ganze ist Teil des Konzeptes von POISONBLACK – es gibt Fotos, wo Euch diese Dame gefesselt hat, es geht um Macht, die Frauen auf Männer ausüben, und eigentlich ist das doch etwas, was Männer ablehnen…

(Lacht) Als wir diese Promofotos gemacht haben, waren es genau diese Bilder, wo ich dachte: ‚Oh mein Gott, muss ich das jetzt wirklich machen? Muss ich hier wirklich als Sklave agieren’ (Lacht) Ich bin ein alter Mann, ich muss so was nicht mehr machen. Wir werden aber versuchen, in Zukunft etwas ernsthafter zu sein. Aber natürlich sind Musiker teilweise auch wie Schauspieler und man agiert innerhalb des Images, das man nach außen präsentiert. Sicher muss man das mit dem notwendigen Ernst angehen, aber auch Schauspieler stehen nicht immer hundertprozentig hinter einer Rolle. Sie müssen sich hineindenken, um überzeugend und gut zu sein, sie sind aber nicht mit der Rolle gleichzusetzen. Das versuche ich, und es ist zum Teil ziemlich sehr fordernd.

(Lachend) Wenn man sich die Fotos anschaut – das mit den Fesseln, oder wenn Du vor einer Frau kniest – fragt man sich nur, welches Frauenbild diesem Image unterliegt…

So sieht es bei mir Zuhause aus (lacht). “Wo bist Du gewesen”, und dann wird die Peitsche ausgepackt. Ville wollte den weiblichen Aspekt in die Fotos einbringen.

Aber generell geht es wohl um die Macht, die Frauen auf Männer ausüben bzw. ausüben können…

Ganz genau. Und natürlich sind Frauen weitaus intelligenter als Männer. Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich lieber eine Frau…

Warum?

Manchmal ist es sehr schwer zu verstehen, wie Frauen sind, zumindest teilweise, wenn man sich denkt: ‚Meine Güte, kann man wirklich so sein?’ Aber andersherum ist es ja genauso. Aber ich schätze Frauen sehr, ich schätze meine Freundin sehr, denn ich kann wirklich sehr gut mir ihr reden. Ich spreche gerne mit Frauen, weil die Themen, die man mit ihnen bereden kann, nicht so oberflächlich sind. Es sind andere Themen, die man mit Frauen bespricht. Und ich schätze natürlich meine Mutter sehr. Sie ist eine großartige Person, mit der ich hervorragend reden kann, mit der ich zum Beispiel aber auch in Bars gehen oder Urlaub machen kann. Frauen sind großartig.

Du erwähntest, dass Ihr mit CHARON ein oder zwei Videos machen werdet, mit POISONBLACK wird es aber wahrscheinlich keines geben – warum?

Zuerst sagte Ville, dass wir eines machen würden, was er aber später wieder verwarf. Den Grund dafür kenne ich auch nicht genau, aber es gibt einen Typen in Oulu, der oft Regie bei Videos führt, und es steht noch nicht hundertprozentig fest, ob es nicht doch eines geben wird. Es bestehen noch Chancen, ein Video zu machen, in dem uns leichtbekleidete Frauen auspeitschen und treten, etc. (lachend).

Gibt es denn irgendwelche Ideen? Ich meine, sehr oft visualisiert man Musik, d.h. man entwickelt Bilder, die zu einem Song passen, die man mit ihm assoziiert…?

Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man es machen könnte. Ich weiß nicht genau, woher diese Inspirationen kommen. Bei CHARON ist es beispielsweise so, dass einer eine Idee hat, oder man lehnt sich einfach zurück, hört sich den Song an und überlegt sich, welches Thema oder welche Bilder hier passen würden. Manchmal fällt einem das Thema oder die Story sofort ein, da es zum Beispiel durch eine Textzeile inspiriert wurde, und man entwickelt diese Idee dann weiter. Manchmal kommt mir auch eine Idee, wenn ich durch die Stadt gehe, und dann muss ich mich beeilen, um nach Hause zu kommen und alles aufzuschreiben. Es kommt ganz darauf an. Es ist auch passiert, das uns bei den Proben etwas Gutes eingefallen ist. Ich versuche halt immer, alles so emotional wie möglich zu gestalten, diese Emotionen einzufangen und festzuhalten. Das Wichtigste ist, sich in den Song ganz hineinzufinden, das dann zu visualisieren und alles schriftlich festzuhalten.

Glaubst Du, dass Videos manchmal die Bilder, die der Hörer für sich entwickelt hat, zerstören können?

Aber sicher, und deshalb würde ich mit POISONBLACK gerne ein einfaches Livevideo machen, in dem es keine Story, keinen Kurzfilm, gar nichts gibt, nur etwas Einfaches. Je einfacher, desto besser. Das ist meine Meinung. Denn manchmal, wenn man einen Handlungsstrang in einem Video einbaut, kann es sehr stümperhaft wirken. Und wenn man kein großes Budget zur Verfügung hat, dann wirkt es einfach nur noch lächerlich. Manchmal hängt es nicht von der Qualität des Videos ab – man kann ein gutes Video machen, auch wenn man nur eine billige Kamera zur Verfügung hat, es kann aber gut werden, wenn man eine gute Idee hatte, die realisiert wird. Ich würde sehr gerne ein simples Livevideo machen, dass eben keine Bilder zerstört. Ich will keine Bilder vorgeben, von was die Songs handeln.

Du sagtest mal in einem Interview, dass die Melancholie in der Musik von finnischen Bands die Melancholie der traditionellen Songs widerspiegelt, dass Finnen im allgemeinen aber nicht melancholisch seien…

Ja, die traditionelle finnische Musik ist sehr melancholisch, und ich denke, dass dieser Aspekt daher rührt. (Lacht und versucht, einen Was-Auch-Immer-Dialekt zu imitieren, mit rollendem ‚R’) Unsere Wurzeln liegen irgendwo zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wir sind aber keine Russen hier oben. Es gibt aber natürlich Ähnlichkeiten mit der russischen Musik, wir spielen aber keine Polka. Und leg Dich niemals mit Russen an. Wir Finnen sind unabhängig. Wir haben uns ein paar Mal mit den Russen die Köpfe eingeschlagen, es hat sich jetzt aber alles beruhigt.

Mittlerweile ist es so, dass gerade aus Finnland sehr viele Bands kommen, die Dark/Gothic Rock/Metal spielen, und ich denke, dass gerade diese Form der Musik sehr angesagt ist, weil sowohl die Fans als auch die Bands selbst mit traditionellem Metal als auch den traditionellen Gothic-Bands aufgewachsen sind und nun beides verbinden, was natürlich ist, denn sonst hätte diese Musik sie nicht berührt…

Sicher, genau. Ich begann mit KISS, BLACK SABBATH, OZZY OSBOURNE, DIO, IRON MAIDEN, und natürlich FIELDS OF THE NEPHILIM, SISTERS OF MERCY, etc., und diese Musik ist jetzt mehr oder weniger vorbei, also die Musik, mit der die Generation, die heute zwischen 20 und 30 Jahren als ist, aufgewachsen. Und das ist auch einer der Gründe, warum zurzeit härtere Musik so populär ist in Finnland und auch im Radio gespielt wird.

Interessant war, dass ein Fan im POISONBLACK-Forum Eure Musik mit der Vampirthematik assoziierte, weil dieses Thema Dinge in einer ähnlichen Weise verbindet: Liebe, Leidenschaft, Gewalt, Grausamkeit, etc.

Es ist eines der Dinge, die die Hörer mit der Musik assoziieren, aber das möchte ich wirklich gerne den Hörern selbst überlassen, obwohl es natürlich zu einem gewissen Teil übereinstimmt. Ich liebe aber alles, was mit Vampiren zu tun hat, die Bücher, die Filme, ich liebe die Atmosphäre, die darin geschaffen wird, insbesondere auch die alten die Schwarz-Weiß-Filme, z.B. mit Christopher Lee. Ein Freund von mir sammelt Filme, und da sitze ich sozusagen an der Quelle. Ich liebe auch die ganzen Soundtracks sehr. Und ich lese sehr viele Bücher. Ich denke, dass das auch ein Weg war, zu genau dieser Musik zu finden, die ich mache.