MINISTRY: Im Banne des W, oder: Aktivismus statt Heroin

MINISTRY: Im Banne des W, oder: Aktivismus statt Heroin

Über kaum jemanden kursieren derart widersprüchliche Aussagen wie über Al Jourgensen, seines Zeichens Sänger, Gitarrist und Aushängeschild von MINISTRY. Vampster nahm das neue Hammeralbum „Houses of the Molé“ zum Anlass, bei Herrn Jourgensen durchzuklingeln und ihn einfach für sich selbst sprechen zu lassen. Und es meldete sich ein äußerst energiegeladener, redefreudiger Sympath, der neben den lauten politischen Provokationen bewies, dass er auch ein Gespür für die ausschlaggebenden Nuancen im Leben hat.


Eure aktuelle CD „Houses of the Molé“ entstand in El Paso, also mitten in George W. Bushs Heimatstaat Texas. Hätte die Platte anders geklungen, wenn ihr sie in einem anderen Bundesstaat aufgenommen hättet?

(lacht) Nein, wahrscheinlich nicht. Es gab genügend Ereignisse und Inspirationen abseits des Aufnahmeortes, die dazu geführt haben, dass „Houses of the Molé“ so klingt, wie du es auf CD nachhören kannst. Besonders einschneidend war der Ausstieg von Paul Barker nach 18 Jahren Bandzugehörigkeit. Das führte dazu, dass wir uns wieder ausgiebiger unseren Instrumenten widmeten. Ich bin eben eher ein Gitarren-Typ, während Paul eher der Computer-Typ war. Das hörst du dem neuen Album an, es ist weitaus gitarrenlastiger und auch die erste Aufnahme seit „Psalm 69“, die wir live als Band im Studio eingespielt haben. Diese zwei Faktoren haben dann doch weitaus mehr dazu beigetragen, dass „Houses of the Molé“ zu dem wurde, was es jetzt ist, als die Tatsache, dass wir in Texas aufgenommen haben.

Mit George W. Bush hast du dich dennoch intensivst auseinander gesetzt. Es war zu lesen, dass du dich durch 110 Stunden Tonmaterial von seinen Ansprachen gewühlt hast, um auf die passenden Samples zu stoßen…

Das war fast schon eine halluzinogene Erfahrung. Schon nach 15 Minuten war mir speiübel. Aber ich kämpfte mich durch, um an das Material zu kommen, das ich benötigte. Es war wahrscheinlich der am meisten Ekel erregende Teil der Arbeit am neuen Album.

Nach welchen Gesichtspunkten hast du dir denn deine Lieblings-´Bushisms´ rausgepickt?

Ich achtete darauf, dass sie zu meinen Texten passten. Ich hatte die Lyrics zu dem Zeitpunkt bereits fertig geschrieben und suchte nach Zitaten, die ihre Aussage verdeutlichten.

Woher rührt diese überaus deutliche Fixierung auf George W. Bush auf „Houses of the Molé“ her?

Ach, ich finde gar nicht, dass die Texte sich allzu sehr nur um Bush drehen, es geht vielmehr allgemein darum, wie abgefuckt die Gesellschaft und die ganze Welt zur Zeit sind. Bush ist halt einfach einer der Hauptverursacher dieser Situation.

Auffällig ist aber bei den neuen Songtiteln, dass sie alle mit dem Buchstaben ‚w‘ beginnen. Die einzige Ausnahme ist ausgerechnet „No ‚W'“. Das ist doch sicher auch eine Anspielung auf George „Dubja“ Bush. Wenn das mal keine Fixierung ist!?

Du hast schon recht, natürlich steckt da die Anspielung auf Bushs Mittelinitiale dahinter. Weißt du, alles, was wir hier in Amerika zu hören bekommen ist „Dubja, Dubja, Dubja“. „Dubja.com“. „Dubja TV“. Wo immer man sich umschaut hier, überall bekommt man diesen Typen zu sehen. Im Fernsehen, in Büchern, in Zeitschriften, es gibt kein Entrinnen. Es steht uns allen bis hier! Na gut, ich sollte vielleicht nicht „alle“ sagen, aber wir arbeiten daran, dass es alle werden. Allerdings wirst du mir kaum glauben, aber dass die meisten Songs mit ´w´ anfangen, war anfangs purer Zufall. Irgendwann fiel es uns auf und wir mussten erstmal laut lachen. Naja, und wenn uns der Zufall schon so eine nette Anspielung auf die ganze Situation hier an die Hand gibt, wären wir natürlich selten blöd, sie nicht auszubauen.

Al Jourgensen im Gespräch
‚Schon nach 15 Minuten war mir speiübel.‘ Al Jourgensen kämpfte sich durch 110 Stunden Aufnahmematerial von Georg W. Bush.

Bist du ansonsten bei deinem Bush-Ansprachen-Marathon auf weitere besonders „gelungene“ Zitate gestoßen, die nur nicht zu deinen Texten passten?

Ich habe mir immer dann meinen Arsch abgelacht, wenn Bush versucht hat, besonders intellektuell rüberzukommen. Zum Beispiel hat er ab und zu versucht, etwas in einer anderen Sprache wie spanisch oder französisch zu sagen, und das völlig in den Sand gesetzt. Leider klang das nur noch nach schlimmstem Kauderwelsch. Man verstand nichts mehr, daher konnte ich davon nichts auf der Platte verwenden, aber es war schon witzig, ihm dabei zuzuhören, wie er sich selbst als nicht allzu helle entlarvt.

Gab es denn seit dem Release von „Houses of the Molé“ irgendwelchen Ärger mit konservativen Leuten?

Natürlich! Wir hätten einen lausigen Job abgeliefert, wenn das nicht der Fall wäre!

Wie sah der Ärger denn speziell aus?

Nun, da gibt es einige rechtskonservative Webseiten, die mich zum amerikanischen Staatsfeind Nummer zwei gleich hinter Michael Moore kürten. Das war für mich durchaus eine Bestätigung, schließlich heißt das ja nur, dass wir gute Arbeit geleistet haben (lacht).

Ist das also eine Art Erfolg für dich?

Naja, lass es mich so sagen, anders als Bush auf dem Flugzeugträger, als er das Ende der Kriegshandlungen im Irak verkündete, werden wir sicherlich kein großes Banner, auf dem „Mission Accomplished“ [dt.: „Mission erfüllt“] steht, über der Bühne aufhängen, sobald Bush aus dem Amt gewählt worden ist. Aber klar, durch die Zusammenarbeit mit punkvoter.com, wo wir versuchen, junge Wähler dazu zu bringen, sich für die Wahlen registrieren zu lassen, und durch unsere Versuche, das Bewusstsein für die politische Lage zu schärfen, quasi als eine Art Michael Moore der Musik, empfinde ich es schon so, dass wir unseren Beitrag dazu leisten, etwas zu ändern.

Und? Haben dich in letzter Zeit seltsame Leute in dunklen Anzügen und mit Sonnenbrillen verfolgt?

Ständig! (lacht)

Wie sieht die Kooperation mit punkvoter.com denn genau aus?

Es gibt bei unseren US-Konzerten einen Stand, an dem man sich für die Wahlen registrieren lassen kann. Dort werde ich nach dem Soundcheck, bevor wir auf die Bühne gehen, jeden Tag zwei Stunden lang persönlich Wähler registrieren.

Du hast es schon erwähnt, Paul Barker hat MINISTRY nach 18 Jahren den Rücken gekehrt. Hatte sein Ausstieg noch andere Auswirkungen auf die Band, mal von den erwähnten Änderungen bei der Studioarbeit abgesehen?

Die größten Veränderungen gab es sicherlich bei der Herangehensweise ans Songwriting. Paul und ich haben hervorragend als Geschäftspartner funktioniert, aber jetzt ist eine völlig neue Energie in der Band zu spüren, nicht zuletzt, weil wir endlich wieder öfter mit unseren Instrumenten direkt rumlärmen, statt darauf zu warten, dass Paul die einzelnen Bestandteile der Lieder in den Rechner hackt. Man kann also sagen, dass es Zeit für was Neues war nach 18 Jahren MINISTRY. Wie soll ich es ausdrücken? Wenn eine Ehe so lange hält, wird der Sex auch irgendwann langweilig, da muss man dann einfach mal die Stellung wechseln…oder halt gleich den Partner, haha!

Wer hat denn den Partnerwechsel angeregt, ist Paul von sich aus gegangen oder hast du ihm den Laufpass gegeben?

Paul hat zwei Kinder, er war es einfach Leid, ständig im Studio und auf Tour rumzuhängen, statt bei ihnen zu sein und ihnen beim Aufwachsen zuzusehen. Und das ist vollkommen verständlich, Kinder sind was Großartiges! Ich wünsche ihm nur das Beste und ich weiß auch, dass er nach wie vor der Musik nicht völlig den Rücken gekehrt hat, sondern in seinem Heimstudio an neuen Sachen bastelt. Daher gab es kein böses Blut.

Wie würde euer aktuelles Album denn klingen, wenn Paul noch dabei wäre?

Sorry, meine Kristallkugel ist heute leider in Reparatur (lacht). Das ist eine arg hypothetische Frage, ich weiß es schlichtweg nicht. Andererseits hat es der Band sehr viel Energie zurückgegeben, dass ich seit zwei Jahren vom Heroin weg bin, daher hätten die Chancen für ein Kick-Ass-Album auch mit Paul gut gestanden.

Wie gelang es Paul und dir über die Jahre hinweg, Kompromisse zu finden zwischen euren scheinbar ja doch sehr unterschiedlichen Herangehensweisen an die Musik?

Ach, das Übliche, er versuchte mich mit einem Strick in der Ecke festzubinden, und ich zog ihm einen Stuhl über den Schädel (lacht). Wir haben ziemlich viel miteinander gerungen, aber es hat letztlich dann doch immer funktioniert.

Klingt nach einer sehr gesunden Bandatmosphäre, hehe…

Stimmt (lacht). Wie das halt in jeder Ehe so läuft!

Auch ohne Paul kann „Houses of the Molé“ eine große Ähnlichkeit zu eurem Erfolgsalbum „Psalm 69“ nicht leugnen, findest du nicht?

Schon! Es ist für mich „Psalm 70“, noch einen Tick besser. Ich finde, die aktuelle Scheibe hat einfach noch mehr Power. Die Ähnlichkeiten stammen sicherlich nicht zuletzt daher, dass wir die gleiche Aufnahmeweise gewählt haben: weit weg von der Großstadt, isoliert irgendwo in einem Studio, wo wir als Band zusammen spielen und aufnehmen. Nur der Präsident ist ein anderer Bush diesmal …

Wieviel reine Lust an der Provokation steckt eigentlich hinter Aktionen wie der, während des letzten Golfkriegs auf der Bühne die amerikanische und die irakische Flagge zusammen auf der Bühne zu schwenken?

Provokation gehört immer mit zum Geschäft. Dahinter steckt aber der Versuch, das Bewusstsein für die Lage zu wecken. Die Aktion, die du angesprochen hast, ging so weiter, dass ich beide Flaggen auf den Boden warf und auf sie pinkelte…

Das Cover von MINISTRYs 'Houses of the Molé'
Das Cover von MINISTRYs ‚Houses of the Molé‘

All jene, die der Tex-Mex-Kultur nicht so nahe stehen, werden vermutlich so ihre Probleme haben mit der Anspielung, die hinter dem Albumtitel steckt. Was waren eure Hintergedanken in diesem Punkt?

Zunächst einmal gibt es da die Andeutung an LED ZEPPELINs Album „Houses of the Holy“, was wunderbar mit der Bedeutung von „moléé“ korrespondiert. So nennt man hier nahe der Grenze eine spezielle mexikanische Schokoladensoße, die so aussieht wie Öl. Und Öl ist gewissermaßen die Quintessenz von Bushs Regierung.

Auch in der klassischen Musik hast du dich auf Streifzug begeben und „Carmina Burana“ von Carl Orff bei „No ‚W'“ eingebaut. Was hat dich dazu inspiriert?

Der Part kam bereits in dem Gruselfilm „Das Omen“ zum Einsatz. In dem Streifen geht es um Satans Sohn, der aufwächst, um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Das sagt doch eigentlich schon alles, oder?

Bei „Warp City“ hatte ich mich gefragt, ob es einen wahren Hintergrund zu der Geschichte des Amokläufers gibt, die eingangs erzählt wird.

Das Sample stammt aus einem Radioprogramm aus den fünfziger Jahren. Es stammt aus Mexiko, und wir haben es in der Garage eines Kumpels auf Tonband entdeckt. Sein Großvater muss das damals aufgenommen haben. Die Story war als warnender Werbespot gegen Wein verwendet worden. Dort fanden wir eh jede Menge verrückte Sachen, ein Typ sprach über den Postversand von Hühnern, der nächste verkaufte Original-Autogrammkarten von Jesus für einen Dollar (lacht)! Das war echt ein völlig verrückter Fund!

Was gab den Ausschlag für euch, diesen Spot gegen Weinkonsum zu verwenden?

MINISTRY hatten schon immer einen Höllenspaß daran, diese spießige, konservative Hinterwäldler-Mentalität zu verarschen. Und kaum etwas könnte für sie entlarvender sein als dieser Spot.

Mich erinnerte das Sample ein wenig an „Bowling For Columbine“ von Michael Moore, weil auch hier der Besitz von Waffen – anders als der Alkoholkonsum – als völlig normal dargestellt wird …

Jepp, da stimme ich mit Michael Moore überein. Offensichtlich gibt es hier zu viele Waffen auf zu engem Raum mit zu vielen Menschen, die zu sehr unter Spannung stehen.

Nun sind gerade Amokläufe in den Medien fast schon Spektakel, wie schätzt du den Effekt dieser Berichterstattung ein?

Das Problem ist, dass sie in erster Linie auf ihre Einschaltquoten achten müssen. Also berichten sie von allem, was auf welche Weise auch immer eine Sensation ist. Andererseits ist das natürlich eine schwierige Angelegenheit, was soll man sonst tun? Nichts über Amokläufe berichten? Das wäre sicherlich auch der falsche Weg. Das Ganze ist ein „catch 22“ [dt. etwa: „Trick 17 mit Selbstüberlistung“]. Es gibt keine passende Antwort außer die, dass die Leute in den Städten sich endlich von ihren Waffen trennen sollen.

Du hast zuletzt deine eigenen Erfahrungen mit der Medienmaschinerie gemacht, als du es mit einem Protest gegen einen Bekleidungshersteller bis in die Nachrichten der großen Sender geschafft hast.

Politische Aktivität kann einen halt manchmal in die Nachrichten spülen. In dem Fall ging es um eine Bekleidungskette, die das T-Shirt „Voting is for old people“ [dt.: Wählen ist was für Alte] verkaufte. Ich schrieb ihrem Präsidenten, dass das schlichtweg nicht stimmt. Die E-Mail gelangte an die Öffentlichkeit und plötzlich bekam ich Anrufe von überall her deswegen.

War das eine positive oder eine zwiespältige Erfahrung?

In dem Fall war es eine gute Sache, denn die Firma zog das T-Shirt zurück. Dabei hatte ich das nicht mal verlangt, weil ich Zensur ablehne. Ich hatte sie lediglich zum Nachdenken aufgefordert. Der Hintergrund ist der, dass der Inhaber ein Multimillionär ist, der seine Kohle den Republikanern spendet, während er versucht, den eher linken Kids mit so einem ach so „coolen“ Shirt die Kohle aus den Taschen zu ziehen. Als nächstes bekommt er eine Titelgeschichte in einer großen Zeitschrift, wo er behauptet, keine politische Agenda zu haben. Da konnte ich nicht anders als ihn einen Heuchler nennen, der will, dass die jungen Leute, die erfahrungsgemäß selten die Republikaner wählen, durch so ein Shirt vom Wählen abgebracht werden. Und dann behauptet er, er hätte keine politische Agenda?

In „WKYJ“ singst du, du wärst „idolized by zeros“ [dt.: von Nullen verehrt]. Magst du deine Fans nicht, hehe?

Quatsch, ich liebe meine Fans, aber ich hasse meine Stalker.

Willst du sagen, dass du Probleme mit Stalkern hast, die dich verfolgen?

In der Vergangenheit war das des öfteren der Fall. Verrückte gibt´s einfach überall. Das Lied handelt von diesen Irren, die nichts Besseres zu tun haben, als ihr Leben durch das eines Anderen zu leben. Mehr will ich dazu nicht sagen, wenn ich ehrlich sein soll; ist nicht gerade mein Lieblingsthema. Es war eine schlimme Situation, die nun zum Glück vorbei ist.

Al Jourgensen im Gespräch
‚Er versuchte mich mit einem Strick in der Ecke festzubinden, und ich zog ihm einen Stuhl über den Schädel.‘ Al Jourgensen erinnert sich an die schönsten Zeiten mit Ex-MINISTRY Mitglied Paul Barker.

Ein Statement, das auch auf deine Heroinsucht zutreffen könnte, oder? Wie fühlst du dich dabei, dass dieses Thema immer wieder in Interviews zur Sprache kommt?

Ich empfinde es eigentlich als etwas sehr Gesundes, darüber zu reden. Ich habe nichts zu verbergen, ich stehe dazu, wie ich mein Leben gelebt habe. Ich wollte natürlich nie heroinsüchtig werden, dann wurde ich es dennoch, aber was sollte ich tun, mich selber umbringen? Ich werde es jedenfalls nicht leugnen, nur weil es vielleicht in der Gesellschaft verpönt ist. Mein Leben ist ein offenes Buch! Außerdem kann ich dadurch, dass ich darüber rede, wie ich von dem Zeug losgekommen bin, ein paar Kids zeigen, dass es möglich ist. Ich nahm verdammte 16 Jahre lang Heroin und habe es gepackt, damit aufzuhören, sogar ohne in irgendeine Entgiftungsklinik zu gehen.

Wie wirkte sich deine Sucht die 16 Jahre lang auf deine Arbeit bei MINISTRY aus?

Lass es mich so formulieren: Seit ich clean bin, sind in zwei Jahren zwei MINISTRY-Alben erschienen. Davor benötigten wir drei bis vier Jahre pro Album! Den Grund dafür sehe ich im Nachhinein darin, dass ich all die Jahre über in einer eigenen Zeitzone lebte, der „dealer standard time“. Bevor ich irgendwas gebacken bekam, saß ich den ganzen Tag nur rum und wartete sehnsüchtig darauf, dass mein Dealer endlich auftauchen würde. Und Dealer leben in ihrem ganz eigenen Zeitrhythmus. Es verlangsamte mein komplettes Leben, mich ständig nach ihnen richten zu müssen.

Hat sich deine Herangehensweise an die Musik gewandelt, seit du clean bist?

Geändert hat sie sich nicht, aber ich kann mich viel mehr darauf einlassen und konzentrieren, seit ich nicht mehr auf den Dealer warten muss. Ich muss mich nicht mehr darum sorgen, dass mir schlecht wird ohne Stoff, ich muss nicht mehr Katz und Maus spielen mit der Polizei – die Musik kann nun viel mehr im Mittelpunkt stehen.

Nimm´s mir nicht übel, aber ich muss gestehen, dass ich überrascht war, als ich erfuhr, dass du bereits 45 Jahre alt bist. Wie lange wird MINISTRY noch das geeignete Sprachrohr für dich sein?

Ich schätze, dass es noch zwei weitere Studioalben geben wird, bevor ich das Interesse daran verliere. Danach möchte ich unbedingt wieder unterrichten.

Warst du denn früher Lehrer?

Ich wollte es werden, aber dann kam mir gewissermaßen diese Rock-Geschichte in den Weg (lacht). Meinen Uniabschluss habe ich, und ich würde demnächst gerne wieder in diese Richtung gehen und endlich mit meiner Lehrerkarriere beginnen.

Man wird dich also nicht mit 60 noch als Industrial-Dinosaurier auf der Bühne sehen?

Das bezweifle ich doch sehr. Du wirst MINISTRY nicht auf irgendeiner dieser Reuniontourneen erleben! Es gibt auch noch andere interessante Aspekte im Leben.

Übernimmt dann deine Tochter das musikalische Ankämpfen gegen die nächste Generation von Bush-Präsidenten? Ich habe gehört, dass sie Bass spielt…

Ich überlasse es meiner Tochter, selbst zu entscheiden, was sie machen will. Als ihr Vater unterstütze ich sie bei allem, was sie vorhat. Wenn sie Bock auf BRITNEY SPEARS-Mucke hat, soll mir das auch recht sein, mir ist nur wichtig, dass sie glücklich ist bei dem, was sie tut, und dass sie als Person wächst. Ich würde allerdings sicherlich meinen Spaß haben, wenn sie tatsächlich anfangen sollte, mit künstlerischen Mitteln die Administration in diesem Land zu attackieren. Sie ist auf alle Fälle politisch sehr interessiert und hat da ihren eigenen Kopf.

Layout: Uwe