JON OLIVA´S PAIN: On the phone with the Mountain King!

Mit “Festival” haben JON OLIVA´S PAIN bereits ihr viertes Album seit dem 2004er Debüt “Tage Mahal” abgeliefert und erneut dürfte kein Fan der Band enttäuscht sein. Also wurde es Zeit mal bei Jon Oliva nachzuhören, was es so zu erzählen gibt. Für mich als großer SAVATAGE-Fan natürlich eine großartige Gelegenheit endlich mal mit dem Mastermind meiner Lieblingsband zu sprechen. Das war aber gar nicht mal so leicht aber nach zwei verpassten Terminen rief Jon dann endlich an, als ich so gar nicht mit ihm gerechnet hatte. Dafür nahm sich der Mountain King eine ganze Stunde lang Zeit um über das neue Album, Songwriting an sich und natürlich auch über SAVATAGE zu reden.

Mit “Festival” haben JON OLIVA´S PAIN bereits ihr viertes Album seit dem 2004er Debüt “Tage Mahal” abgeliefert und erneut dürfte kein Fan der Band enttäuscht sein. Also wurde es Zeit mal bei Jon Oliva nachzuhören, was es so zu erzählen gibt. Für mich als großer SAVATAGE-Fan natürlich eine großartige Gelegenheit endlich mal mit dem Mastermind meiner Lieblingsband zu sprechen. Das war aber gar nicht mal so leicht aber nach zwei verpassten Terminen rief Jon dann endlich an, als ich so gar nicht mit ihm gerechnet hatte. Dafür nahm sich der Mountain King eine ganze Stunde lang Zeit um über das neue Album, Songwriting an sich und natürlich auch über SAVATAGE zu reden.

Hey Jon! Vielen Dank für “Festival“, ich mag das Album sehr gerne aber das heißt wohl nicht viel da ich bisher alle JON OLIVA´S PAIN-Alben mochte.

Das bedeutet mir eine Menge. Schön, dass dir das Album gefällt. Danke!

Es ist das vierte Album in acht Jahren. Das ist eine Menge, wenn man bedenkt, dass du dich auch noch um das TRANS SIBERIAN ORCHESTRA kümmern musst. Schreibst du andauernd Songs für deine Solo-Alben oder gibt es spezielle Zeitfenster in denen du dich hinsetzt und denkst, dass es Zeit für ein neues Album ist?

Ich schreibe eigentlich immer. Ich versuche jeden Tag etwas zu schreiben – wenn ich nicht gerade im Studio bin. Das ist was ich mache, es ist so etwas wie zur Arbeit gehen. Ich stehe morgens auf, versuche in Gang zu kommen, setze mich hin und versuche für ein paar Stunden zu arbeiten und hoffe, dass etwas dabei raus kommt. Ich plane das nicht wirklich. Ich schreibe einfach und höre es mir danach an, um zu schauen ob es eher zu TRANS SIBERIAN ORCHESTRA oder zu JON OLIVA´S PAIN passt. Ich versuche jeden Tag etwas zu schreiben und denke, wenn ich eine gute Idee pro Tag haben dann ist das gut. An manchen Tagen kommt gar nichts zu Stande. Es ist ein bisschen wie Angeln gehen – an manchen Tagen beißen die Fische, an anderen nicht.

Es läuft also quasi nach dem Schema aufwachen, Kaffe trinken, Songs schreiben.

Grundsätzlich ja, abgesehen davon, dass ich keinen Kaffe trinke. Ich trinke lieber Tee.

Wie du schon gesagt hast, schreibst du deine Songs nicht speziell für das eine oder andere Projekt. Du schaust also einfach, was dabei rauskommt?

Ja, ich schreibe einfach, was auch immer dabei rauskommt und ordne es danach zu. Das funktioniert für mich besser so. Ich habe früher mal versucht mich hinzusetzten und etwas speziell für SAVATAGE oder TSO zu schreiben. Und immer wenn ich das versucht habe ist nichts dabei raus gekommen, das ist wahrscheinlich einfach Kopfsache. Ich  wache morgens auf, trinke eine Tasse Tee, rauche eine Zigarette, lese etwas Zeitung und gehe dann zum Piano oder schnappe mir eine Gitarre. Ich habe auch immer ein Aufnahmegerät dabei, wo immer ich bin. Eigentlich habe ich sogar mehrere davon, drei oder vier Stück. Ich mache das Ding einfach an wenn ich irgendeine Idee habe und nehme es auf. Später am Tag, zum Beispiel nach dem Mittagessen höre ich mir an, was ich aufgenommen habe und wenn ich aus einer halben Stunde oder Stunde zwei bis drei gute Ideen raus bekomme setzte ich mich dran und arbeite damit.

Das klingt nach einer sehr entspannten Art und Weise Songs zu schreiben. Das kann sich wohl nur leisten wenn man nicht nebenher noch einen regulären Job hat.

Nun ja, das ist halt was ich mache; ich betrachte es als meinen Job in solchen Zeiten. Ansonsten würde ich ja nur auf der Couch rumliegen und nichts tun also kann ich mich auch hinsetzten und ein paar Stunden arbeiten. Aber ich denke dabei nicht, dass ich jetzt zum Beispiel eine Ballade für Paul und TSO schreiben muss. Ich spiele einfach was mir in den Kopf kommt und baue darauf auf. Ich springe hin und her, spiele mal eine halbe Stunde Gitarre, dann eine halbe Stunde Piano und jamme. Wenn ich anfange zu jammen kommen auch die Ideen.

Du hast einige interessante Experimente auf dem neuen Album. Zum Beispiel die Jazz-Parts bei “Afterglow” oder das trippige Ende von “The Evil Within”. Setzt du dir irgendwelche Limits, was du mit JON OLIVA´S PAIN machen kannst und was nicht?

Nein, es gibt keine Limits denn damit würde ich mich limitieren (lacht). Ich mag es allen möglichen Kram auszuprobieren. Dieses Jazz-Sache ist entstanden, als wir an dem Song gebastelt haben. Wenn Criss, Paul und ich an Songs für SAVATAGE gearbeitet haben, haben wir immer wieder mal eine Wendung in eingebaut. Also habe ich mir überlegt, was man in den Song einbauen könnte. Etwas das niemand erwarten würde. Was wäre das letzte, was jemand nach diesem Part des Songs erwarten würde? Ich habe erst an einen Jazz Band gedacht, so etwas wie eine New Orleans Jazz Brass-Band. Das war mir dann aber doch zu abgefahren und dann habe ich überlegt, dass man das Ganze ja einfach runterbrechen könnte auf einen Jazz-Part mit Gitarre und Piano. Jeder mochte die Idee, also haben wir es ausprobiert und es hat perfekt gepasst. Wir hätten den Song einfach normal durchziehen können oder eben in der Mitte einen interessanten Part einbauen können, den man nicht erwartet. Das sind Sachen, die dich dazu bringen einen Song wieder hören zu wollen.

Außerdem haben wir viel mit abgefahrenen Tuning-Ideen gearbeitet. Das ist auch eine neue Sache für mich, die ich noch nicht ausprobiert habe – auch mit SAVATAGE nicht. Wir haben zwar auch schon mal neue Tunings benutzt, aber keine die bisher noch niemand benutzt hat. Was ich jetzt mache ist improvisieren, denn ich nehme bestehende Tuning-Ideen und verändere einige der Noten. Eines Tages bin ich einfach auf diese Ideen gekommen. Wenn das Buch sagt, dass diese Saite auf D gestimmt ist, was passiert, wenn ich sie auf E stimme und die anderen so lasse wie beschrieben? Oder wenn ich eine andere Saite, die ein F sein sollte zu einem C mache? Ich habe einfach damit angefangen und habe Tunings entdeckt die total abgefahren klangen und die zu spielen Spaß gemacht hat und eine neue Frische in die Sache gebracht hat. Es kamen ganz neue Akkorde dabei raus die ich so noch nicht gehört hatte, weil es Variationen von Akkorden waren die ich schon kannte.

JON OLIVA´S PAIN: On the phone with the Mountain King!
Es gibt keine Limits denn damit würde ich mich limitieren – Klingt logisch, oder?

Speziell “Afterglow” hat eine große Bandbreite. Es beginnt als Akustik-Ballade, wird dann härter und am Ende gibt es dann diesen Jazz-Part.

Es macht wirklich Spaß, solche Songs zu machen. Dieser Song war eine echt große Produktion. Wir haben Bläser, verschiedene Saiten-Instrumente, Background-Gesang, alte zwölfseitige E-Gitarren und so weiter. Ich habe alleine neun Gitarrenspuren für den Song eingespielt und dann gibt es noch Matts Leadgitarren. Ich habe auch noch Slide-Gitarre gespielt. Wir haben zwölf oder dreizehn Gitarrenspuren auf dem Song plus die vier Akustik-Spuren. Es sind insgesamt über hundert Spuren Musik auf diesem Song. “Death Rides A Black Horse” hat auch eine Kram und “Winter Haven” hat glaube ich von allen Songs die meisten Spuren.

Gibt es irgendetwas das du gerne noch ausprobieren würdest, wozu du bisher nicht die Möglichkeit hattest?

Selbstmord vielleicht.

Ich meinte eher in musikalischer Hinsicht.

Ich versuche immer neue Sachen auszuprobieren. Ich warte auf jemanden der ein neues Instrument erfindet dass noch niemand vorher benutzt hat wie damals, als die Mini Moogs raus kamen. Ich warte auf jemanden der mit etwas wirklich Bizarrem und Einzigartigem ankommt. Ich suche immer nach neuem Kram. Ich benutze gerne echte Instrumente also versuche ich, so viele echte Instrumente wie möglich zu benutzen. Ich benutze auch Keyboards, aber wenn ich zum Beispiel Bläser haben will, dann hole ich mir ein paar Leute die Saxophon oder Trompete spielen und nehme diese Spuren auf und füge Keyboard-Bläser hinzu. Aber ich benutze immer ihre Spuren als Hauptspuren und fülle den Rest nur auf. Anstatt also zwanzig Bläser anzuheuern nehme ich nur zwei und spiele die restlichen Spuren selber ein. Es ist immer gut echte Instrumente dabei zu haben, denn es lässt die Sachen natürlicher klingen und nicht so als ob da nur jemand auf Keyboards rumklimpert. Das Selbe ist mit Saiteninstrumenten. Du kannst einen Unterschied hören zwischen echten und am Keyboard gespielten, egal wie gut die Keyboard-Saiten sind. Ich erkenne immer den Unterschied. Oder wenn ich zum Beispiel Cello-Sachen aufnehme. Normalerweise nimmt man vier Cello-Spieler. Ich habe einen und mische die anderen in den Hintergrund nur um den Sound fetter klingen zu lassen.

Du hattest auch auf “Global Warning” einen sehr experimentellen Song, nämlich “Master”. Ich muss zugeben, dass ich ihn gehasst habe. Bitte mach das mit deiner Stimme nie wieder!

Das ist ok, denn zwei Jungs aus der Band hassten den Song auch. Aber genau aus dem Grund haben wir es gemacht, dass es etwas total Verrücktes war und ich habe noch nie etwas mit Loops gemacht. Das war ein Teil dieser ganzen Experimente, ich musste diese Ideen einfach loswerden. Ich habe in den Liner-Notes zu dem Song sogar geschrieben, dass einige Leute den Song mögen werden, andere ihn hassen werden und das ich selber nicht weiß ob ich ihn mag oder ob ich ihn hasse, aber dass ich ihn einfach machen musste.

Wir haben mit Baseball-Schlägern auf Waschmaschinen eingeschlagen und das ganze aufgenommen und in die Drum-Samples eingefügt. Wir haben alle möglichen abgefahrenen Sachen gemacht. Wir haben den Toilettensitz auf die Schüssel geschlagen und dabei kam so ein Geräusch heraus, das klang fast wie ein Amboss. Wir haben alles mögliche für diesen Song benutzt.

Es ist ok den Song zu hassen, ich hasse eine Menge Sachen die ich gemacht habe. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht den Song aufzunehmen weil wir uns die meiste Zeit totgelacht haben wenn wieder jemand mit einer Idee kam und zum Beispiel mit dem Schraubenschlüssel auf die Klimaanlage drauf gehauen hat.

Der Sound von “Festival” klingt irgendwie anders als der deiner bisherigen Alben. Ich würde nicht sagen besser oder schlechter, einfach anders. Hast du etwas beim Produktions-Prozess geändert?

Ich habe sehr viel mehr Rhythmus Gitarre gespielt. Auf den bisherigen Alben habe ich nur sehr wenig gespielt, meistens Akustik-Sachen. Auf diesem Album habe ich die Haupt-Rhythmus-Gitarre gespielt und Matt und Tom haben das Ganze unterstützt. Wir hatten also vier Gitarrenspuren mehr als auf den bisherigen Alben. Dadurch hat das Album einen fetteren Gitarrensound.

Wir haben auch das Drum-Set gewechselt. Bisher haben wir ein Yamaha-Aufnahme-Kit benutzt das Chris hatte, aber er hat jetzt einen Endorsement-Deal mit Ddrum und dadurch hatten wir ein neues Drumkit welches wir benutzt haben. Das neue Drumkit hatte einen knalligeren, lauteren Sound während das Yamaha sanfter und melodischer klingt. Beides sind großartige Kits aber für dieses Album wollte ich einen heftigeren Drumsound haben, also haben wir das Ddrum-Kit genommen, welches ein richtiges Drumkit ist, kein elektronsiches Zeug.

Dann habe ich noch einige ziemlich abgefahrene Keyboard-Sounds benutzt habe. Im Morrissound-Studio, wo ich viele Platten mit SAVATAGE aufgenommen habe gibt es diesen Wandschrank voll mit alten Instrumenten. Alles was du dir vorstellen kannst, die haben es da! Rekorder, alle möglichen Perkussions-Instrumente, Tambourins und so weiter. Und dann gibt es diesen Keyboard-Raum voll mit alten Keyboards, Mini Moogs und allen möglichen Sachen die in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern raus kamen und seit langer Zeit nicht mehr benutzt wurden.

An einem Tag hatten wir ein paar technische Probleme und hatten vier oder fünf Stunden nichts zu tun. Also haben wir die Teile raus geholt und an die Verstärker angeschlossen. Wir haben dann einfach rumprobiert und geschaut was dabei rauskommt. Die hatten auch ein Mellotron, das wir auch benutzt haben und so sind wir auf diese ganzen abgefahrenen Sounds gestoßen. Und ich mochte es wie sie durch die alten Verstärker klangen. Also haben wir, anstatt die Instrumente direkt ans Mischpult anzuschließen, die Verstärker mikrofoniert, denn das war der Sound den ich haben wollte. Roh, nicht perfekt. Darum klingt das Album wohl ziemlich anders als die bisherigen.

JON OLIVA´S PAIN: On the phone with the Mountain King!
Wenn ich “Hall Of The Mountain King” und “Gutter Ballet” nicht spiele, werden die Leute Sachen nach mir werfen. – Jon Oliva weiß, was seine Fans hören wollen.


Hast du auf “Festival” wieder alte Riffs und Songfragmente von Criss benutzt?

Auf jeden Fall, ja. Es ist eine Menge von Criss auf “Festival” zu hören, ich denke fünf Songs. “Lies” ist zur Hälfte von Criss. “Living On The Edge” ist ebenfalls zur Hälfte von ihm und zur Anderen von mir. Matt hat mir dabei geholfen den Song fertig zu stellen. Kleinere Teile von “Winter Haven” und “The Evil Beside You” sind ebenfalls von Criss und auch die Ballade am Ende. Das waren Sachen die wir geschrieben haben als wir Teenager waren, aber nie für SAVATAGE benutzt haben, weil wir die Strophe nie mochten. Also habe ich einen neue Strophe geschrieben und seinen Refrain-Teil dazu genommen. Er hat Songwriting-Credits bei vier oder fünf Songs, was großartig ist. Ich habe schon in einigen Interviews gesagt, dass es immer das Highlight bei einem Album ist, wenn ich mit ein paar alten Riffs von Criss komme. Wenn ich ankomme sind immer alle gespannt, weil sie sich darauf freuen an Songs von Criss zu arbeiten, da sie alle große Fans von ihm sind. Es ist eine gute Sache, dass er dadurch immer noch ein Teil von dem ist, was ich tue.

Was ich schade finde ist, dass Matt LaPorte keine wirklich schnellen Sachen spielt. Cooles Gitarren-Shredding wie Criss es zum Beispiel auf dem Song “Metalhead” getan hat.

Matt ist ein großartiger Gitarrist aber es gibt eben nur einen Criss Oliva. Ich wünschte ich könnte Leadgitarre spielen, wie er es getan hat. Ich habe Matt ermutigt er selbst zu sein und ich denke, wenn er die Sachen von Criss spielt, wenn wir live SAVATAGE-Songs spielen, dann ist er, von allen Gitarristen mit denen ich je gespielt habe, derjenige der am nahsten an Criss ran kommt, mehr noch als CHRIS CAFFERY oder irgendein anderer. Er hat Criss ewig lange studiert, denn er war sein Lieblings-Gitarrist als er vierzehn oder fünfzehn war. Criss war ein sehr einzigartiger Gitarrist, der sehr schwer zu kopieren ist.

Wo ich gerade “Metalhead” erwähnt habe: Wieso zum Teufel habt ihr den Song nie regulär auf ein SAVATAGE-Album gepackt? Ich habe den Song nur als Bonustrack dieses hässlichen Silver-Edition Re-Release von “The Dungeons Are Caling” dabei ist er einer meiner liebsten SAVATAGE-Songs.

Echt? Das war ein Ausschuss-Song. Wir haben den ’96 oder ’97 mal auf dem DYNAMO-Festival in Eindhoven gespielt und die Leute haben ihn gehasst.

Das kann doch nicht wahr sein.

Der Song ist ok, ich mag ihn. Es war einer von Criss´ Songs.

Wenn du live spielst, besteht deine Setlist zu neunzig Prozent aus SAVATAGE-Songs. Würde es dich nicht mal reizen eine Tour zu spielen auf der du dich auf dein Solo-Material konzentrierst?

Das wird sich dieses Jahr auf jeden Fall ändern. Letztes Jahr haben wir viele Festival gespielt und da hatten wir nicht so viel Spielzeit, meistens nur eine Stunde oder so. Bei solchen Shows möchte ich den Leuten das geben, was sie hören wollen. Bei den Headliner-Shows, bei denen wir anderthalb Stunden oder länger spielen sind es so um die 65 Prozent SAVATAGE und 35 Prozent JON OLIVA´S PAIN, was auch daran liegt, dass ich einfach viel mehr Songmaterial von SAVATAGE habe als von JOP. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade mal drei JOP-Alben und zwölf SAVATAGE-Alben. Abgesehen davon wollen die Leute die SAVATAGE-Songs hören und ich möchte sie auch spielen. Ich liebe es diese Songs zu spielen, es sind großartige Songs. Ich möchte den Leuten meine Solo-Sachen auch nicht aufzwingen, ich möchte nicht auf Tour gehen, achtzig Prozent JOP-Material spielen und vielleicht drei SAVATAGE-Songs. Dann wären die Leute nicht glücklich und ich denke es ist besser den Leuten zu geben was sie hören wollen und sie vorsichtig an die neuen Sachen heranzuführen und sie daran zu gewöhnen. Ich nehme in jede Tour etwas SAVATAGE -Material rein und ebenso ein paar Solo-Sachen. Auf der nächsten Tour wird es wahrscheinlich ungefähr halb und halb sein, denn inzwischen hab ich genug Alben um die Zeit auszufüllen.

Wie wäre es denn mal mit ein paar DOCTOR  BUTCHER-Songs? “The Altar” wäre toll.

Das ist wieder eine Sache der Zeit. Ich habe nur beschränkte Zeit zur Verfügung und wenn ich “Hall Of The Mountain King” und “Gutter Ballet” nicht spiele, werden die Leute Sachen nach mir werfen. Ich muss einfach die Songs spielen welche die Leute erwarten und hören wollen. Ich habe einmal versucht es nicht zu tun und nur beschissenes Feedback dazu bekommen. Die DOCTOR BUTCHER-Sache war cool, aber es war nur ein Album das wir vor langer Zeit mal aufgenommen haben. Ich denke es ist vorteilhafter für mich bei den SAVATAGE-Sachen zu bleiben und außerdem war DOCTOR BUTCHER eher CHRIS CAFFERY´s Ding. Ich habe eigentlich nur die Gesanglinien und Texte geschrieben. Ich habe kaum an der Musik mitgeschrieben, vielleicht bei ein oder zwei Songs, der Rest waren Sachen an denen CHRIS CAFFERY schon ein paar Jahre bevor wir sie aufgenommen haben gearbeitet hat. Es hat Spaß gemacht, aber ich habe einfach nicht die Zeit dafür diese Songs unterzubringen, dann würde ich irgendwann für drei Stunden auf der Bühne stehen.

Och, das würde mir nichts ausmachen.

Das ist mir klar, dass euch das nicht ausmachen würde (lacht). Aber  ich bin nicht mehr 21 und nach einer oder anderthalb Stunden sagt mir meine Stimme, dass ich jetzt mal besser aufhören sollte.

JON OLIVA´S PAIN: On the phone with the Mountain King!
Criss Oliva-Fan seit seiner Jugend und selbst ein begandeter Gitarrist – Matt Laporte 

Hast du jemals über eine Art SAVATAGE Familien-Tour nachgedacht? Du, CIRCLE II CIRCLE und CHRIS CAFFERY, das wäre ein cooles Line Up!

Wir haben das mal auf dem PESTPOP FESTIVAL gemacht (2007 in Belgien – Anm. D. Verf.). Erst hat CHRIS CAFFERY gespielt, dann ein paar andere Bands, dann hat Zak gespielt, dann eine weitere Band und dann ich. Das hat wirklich Spaß gemacht, es war großartig. Chris war total besoffen und hat sich wie ein Idiot aufgeführt. Wir mussten ihn in ein Taxi zurück ins Hotel stecken weil er so betrunken war. Er hat sogar mein Shirt zerrissen. Er ist zu mir gekommen, ist hingefallen und hat sich an meinem Shirt festgehalten. Er wollte mir ein Neues kaufen aber das hat er bis heute nicht getan, er schuldet mir also immer noch ein Shirt (lacht).

Wird es eine TRANS SIBERIAN ORCHESTRA Europa-Tour geben?

Das ist in Arbeit, die Promoter haben im Dezember mit uns gesprochen. Da waren sechs oder sieben Promoter aus ganz Europa. Die stellen was auf die Beine, ich denke für März, direkt nach den Weihnachtstouren, die wir nächstes Jahr machen. Drei oder vier Wochen danach kommt die Band rüber und spielen ungefähr zwanzig Shows. Es ist auf jeden Fall in Arbeit, aber ich weiß nicht so viel über die Business-Seite bei TSO, ich versuche mich da raus zu halten, denn ich hätte mich wahrscheinlich schon erschossen, wenn ich mich jeden Tag damit rumschlagen müsste. Aber die letzte Info, die ich vor einer Woche oder so bekommen habe war, dass es direkt nach den Weihnachts-Shows die von November die Januar stattfinden rüber geht, also so im Februar oder März. Ich weiß, dass sie uns schon eine Liste der Veranstaltungsorte geschickt haben von denen wir zwei oder drei ablehnen mussten, weil der Strom dort nicht ausreichte.

Vor ein paar Jahren hast du eine spezielle “Streets“-Tour gespielt was großartig war, denn “Streets” ist mein Lieblingsalbum. Kannst du dir vorstellen, so etwas mit einem anderen Album auch mal zu machen, zum Beispiel mit “Hall Of The Mountain King”?

Das ist möglich, ich habe diese Shows wirklich genossen und schon darüber nachgedacht, das mit “Gutter Ballet” oder “Hall Of the Mountain King” zu machen, was ja die offensichtlichsten Kandidaten wären. Wir werden sehen – ich will das nicht ausschließen.

Ich habe auch deine Akustik-Konzerte vor ein paar Jahren gesehen. Ich war in Bochum und es war wirklich toll. Ich liebe diesen “Unplugged”-Bootleg von SAVATAGE.

Das hat Spaß gemacht, ich liebe diese Akustik-Shows. Das ist ein total anderer Vibe, aber es ist eine tolle Sache. Es bringt dich viel näher ans Publikum, weil es eine total andere Atmosphäre hat als ein reguläres Konzert. Ich liebe es solche Shows zu spielen, besonders, wenn es in einem sehr kleinen Rahmen, mit vielleicht hundert oder hundertfünfzig Leuten in einem kleinen Club ist und man sich nicht um solche Sachen wie eine Lightshow kümmern muss.

Du wirst so etwas also noch mal machen?

Ja, es wird definitiv noch weitere Konzerte dieser Art geben.

Du könntest auch auf einer regulären Tour einen kurzen Akustik-Set spielen.

Vielleicht, darüber habe ich nachgedacht. Es ist gut möglich, dass wir bei den Headliner-Konzerten dieses Jahr in der Mitte der Show einen Akustik-Part einbauen.

Was können wir den von der Show in Tilburg erwarten, die für eine DVD mitgeschnitten wird?

Eine Menge verrückter Kram. Ich stelle momentan immer noch die Sachen zusammen, die ich gerne machen würde. Ich will ein paar obskure Sachen spielen – wie “Midas Knight” oder “I Believe” vom ersten SAVATAGE-Album. Dann überlege ich gerade, ein paar Medleys zu spielen. Ich mag es Medleys zu spielen und ich habe einfach so viele Songs, dass ich vielleicht statt vier oder fünf SAVATAGE-Songs einfach ein SAVATAGE-Medley spielen werden. Ich möchte auch einen fünfzehn- bis zwanzigminütigen Akustik-Part mittendrin spielen. Ich denke noch darüber nach, aber was immer es wird, es wird gut und es wird lang. Die Show wird mindestens um die zweieinhalb Stunden lang sein.

Vor einiger Zeit gab es mal wieder Gerüchte bezüglich einer SAVATAGE-Reunion und jetzt gibt es dieses neue Best Of und DVD-Set “Still The Orchestra Plays: Greatest Hits Vol. 1 & 2“. Ich frage mich ob es vielleicht doch eine kleine Chance gibt, SAVATAGE noch mal auf der Bühne zu sehen.

Nein, nicht in der alten Form. Vielleicht wird es SAVATAGE noch einmal geben, aber dann nicht mit einem der alten Musiker. Das wäre wenn in einem komplett neuen Line Up, eine neue Phase der Band. Denn die ursprünglichen Musiker sind einfach nicht mehr verfügbar, denn das TRANS SIBERIAN ORCHESTRA ist inzwischen keine saisonale Sache mehr, die Jungs touren zum Beispiel gerade im Moment. Ich werde sie nächste Woche in Texas sehen und für ein paar Nächste mit ihnen rumhängen. Die Leute verstehen nicht, dass es unmöglich ist, die Band in der alten Form zu reaktivieren, denn wenn es möglich wäre, wäre es bereits passiert.

Die andere Sache ist, alle Leute sprechen von einer SAVATAGE-Reunion. Wenn wir uns aufgelöst und fünf oder sechs Jahren nicht gesehen hätten, würde ich das vielleicht anders sehen, aber das Einzige was passierte war, dass wir den Namen geändert haben. Wir sind aus dem Namen SAVATAGE heraus gewachsen weil viele Sachen die Paul und ich machen wollten unter dem Namen SAVATAGE nicht möglich gewesen wären. Wir können keine Sängerinnen und Solo-Violinisten bei SAVATAGE unterbringen, das hätte nicht funktioniert.

Für mich war es mit SAVATAGE nach dem Tod von Criss vorbei, danach war es nicht mehr wirklich SAVATAGE. “Handful Of Rain” war so gesehen mein erstes Solo-Albun, denn ich auf dem Album zwar nicht gesungen, aber alles alleine eingespielt mit Ausnahme von ein paar Solo-Gitarren, die Alex Skolnick netterweise eingespielt hat. Zak kam in der letzten Woche dazu und hat seine Gesang aufgenommen. Alles danach war eigentlich nur noch das TRANS SIBERIAN ORCHESTRA im Training. Wir sind von “Dead Winter Dead” bis zum Ende einfach aus dem Namen SAVATAGE herausgewachsen. Was wir musikalisch als Band und mit Paul gemacht haben, war nicht mehr wirklich SAVATAGE. Es gab ein paar SAVATAGE-Songs auf jedem Album, aber mindestens die Hälfte der Songs hätten auch TSO-Songs sein können. Der größte Hit den TRANS SIBERIAN ORCHESTRA hatten war auf dem “Dead Winter Dead”-Album. Das war der Punkt an dem wir aus dem Namen heraus gewachsen sind.

Ich habe nie aufgehört mit den Jungs zusammen zu arbeiten. Seit der Zeit nach “Poets And Madmen” arbeiten wir an TRANS SIBERIAN ORCHESTRA-Sachen. Von daher würde eine Reunion keinen Sinn machen, denn dafür müsste ich das TRANS SIBERIAN ORCHESTRA auf Eis legen. Ich würde eine SAVATAGE-Reunion niemals in zwei Wochen zusammen basteln, denn es würde einfach blöd klingen, weil wir keine Zeit hätten, vernünftig zu proben und die Jungs haben seit der 2001er Tour keine SAVATAGE-Songs mehr gespielt. Das ist neun Jahre her! Die Shows wären also eh nicht gut, wenn wir sie dann machen würden, weil wir die Songs einfach schon so lange nicht mehr zusammen gespielt haben. Wir müssten mindestens zwei Monate proben und da würde Paul O´Neill niemals mitspielen, denn TRANS SIBERIAN ORCHESTRA floriert momentan und macht für mich keinen Sinn das auf Eis zu legen. Wir haben weiterhin Alben veröffentlicht, nur unter einem anderen Namen.

JON OLIVA´S PAIN: On the phone with the Mountain King!
Es ist eine Menge von Criss auf “Festival” zu hören. – Jon hat erneut Songmaterial genutzt, das noch von seinem Bruder stammt. 


Die echten SAVATAGE-Fans werden verstehen, dass ich mit JOP zurück zu den alten SAVATAGE-Sachen gehe. Das ist es was ich versuche. Mein Gott, ich habe seine Musik auf jedem meiner Alben. JON OLIVA´S PAIN ist für die alten SAVATAGE-Fans – das ist die Musik die ich auch machen würde, wenn Criss noch am Leben wäre. Und ich spiele die alten SAVATAGE-Songs um diese Fans glücklich zu machen. Und TRANS SIBERIAN ORCHESTRA ist für die Fans von Alben wie “Dead Winter Dead” oder “Wake Of Magellan”, Wenn du dir das aktuelle TRANS SIBERIAN ORCHESTRA-Album “Nightcastle” anhörst wirst du jede Menge Sachen finden, die nach diesen beiden Alben klingen.

Es ist nicht möglich, die alte SAVATAGE-Besetzung noch mal unter diesem Namen zusammen zu bekommen. Ich würde den Namen SAVATAGE gerne noch mal benutzen, bevor ich meine Karriere beende, aber das wäre mit einem komplett neuen Line Up, was kein Unterschied zu SAVATAGE in den Neunzigern wäre, denn damals war ich auch das einzige Original-Mitglied. Der einzige Unterschied wäre, dass CHRIS CAFFERY, Johnny Lee Midleton und so nicht dabei wären – aber die waren am Anfang von SAVATAGE nicht dabei, das waren Criss und ich sowie Steve Wacholz und Keith Collins. Johnny kam auch erst bei “Fight For The Rock”, dem vierten Album zur Band.

Die Leute müssen einfach verstehen, dass es so ist wie es ist. TSO ist sehr erfolgreich und bringt den Leuten das Geld zum Leben, die hart dafür gearbeitet haben, mit SAVATAGE erfolgreich zu werden. Wir haben die besten Jahre unseres Lebens gegeben, um SAVATAGE zu einer erfolgreichen Band zu machen, aber wir sind nie über den Status einer Underground-Band hinweg gekommen. Ich habe fünf Platin-Scheiben an der Wand hängen, auf allen steht TRANS SIBERIAN ORCHESTRA drauf – nicht Eine mit SAVATAGE. Die Verkaufszahlen haben einfach nicht um die Band am Leben zu halten. Wir haben alles geopfert, um die Band so lange zusammenzuhalten wie wir konnten. Als wir “12/24” veröffentlicht haben wusste ich, dass der Song ein Nummer-Eins-Hit ist. Wir haben ihn unter dem Namen SAVATAGE veröffentlicht und keine Sau hat den Song gespielt. Im nächsten Jahr haben wir den Song unter den TRANS SIBERIAN ORCHESTRA-Banner veröffentlicht und er wurde Nummer Eins in Amerika, was soll ich also machen. Mit SAVATAGE weiter machen, weil einige Leuten den Namen mochten und in Armut leben? Es ist nur ein Name, es sind dieselben Leute. Schau dir die Alben an, die SAVATAGE der “Dead Winter Dead” und “Wake Of Magellan”-Ära sind immer noch zusammen. Es sind nur mehr Leute involviert, aber es sind alle SAVATAGE Musiker dabei: Ich, Paul, Johnny, CHRIS CAFFERY, Alex Skolnick, Al Pitrelli, Jeff Plate, alle Musiker die nach dem Tod von Criss bei SAVATAGE waren, sind Teil des TRANS SIBERIAN ORCHESTRA und spielen auf den Alben. Der einzige Unterschied ist, dass ich nicht mit ihnen toure, denn wenn ich das tun würde wäre es wieder wie SAVATAGE und das will ich nicht. Ich bleibe deswegen absichtlich von den Touren fern, denn TRANS SIBERIAN ORCHESTRA soll sich nicht auf die Band konzentrieren sondern auf die Musik und die Story. Die Band ist zwar da, aber unsere Arbeit wird im Studio erledigt, wir wollen keinen Rockstar auf der Bühne. Es sind so viele Leute dabei, wir möchten niemanden, der heraus sticht, keinen Mick Jagger oder Jimmy Page der Band. Es ist einfach das TRANS SIBERIAN ORCHESTRA und das sind eine Menge Leute, aber der Kern sind die SAVATAGE-Jungs.

Ich kann das absolut nachvollziehen, aber es ist schade, dass SAVATAGE nie einen ordentlichen Abschied bekommen haben. Es gab keine Farewell-Tour oder zumindest ein Konzert. Ich denke ein Band wie SAVATAGEverdient einen ordentlichen Abschied, anstatt einfach so dahin zu scheiden.

Deswegen haben wir diese Greatest Hits-Compilation gemacht. Paul und ich haben Wochen lang zusammen gesessen um die Songs auszuwählen. Wir haben uns jeden einzelnen Song angehört, den wir jemals aufgenommen haben, uns Notizen gemacht, uns zusammen gesetzt. Wir haben die Songs ausgewählt von denen wir der Meinung waren, dass die die Vielseitigkeit der Band zeigen, musikalische Highlights, großartige Songs mit tollen Gitarrensoli und Gesangsleistungen und Songs bei denen wir schöne Erinnerungen an die Aufnahmen hatten. Das haben wir mit ein paar neuen Bonustracks zusammen gepackt die ich geschrieben habe, um einfach einen Abschluss zu haben und in die Zukunft schauen zu können. Von den Bonustracks habe ich noch sechs weitere auf Lager, die habe ich letzte Nacht fertig gestellt. Das ist unsere Art Danke zu sagen, eine Sammlung der – unserer Meinung nach – besten Songs.

Ich nehme gerade noch weitere Akustik-Versionen verschiedener Songs als Bonustracks für die Re-Releases unserer Diskographie auf, die dieses Jahr erscheinen werden. Und dann schauen wir mal was in den nächsten Jahren passiert, ob ich zum Namen SAVATAGE zurückkehre, oder beim aktuellen Namen bleibe. Ich weiß es nicht, ich muss diese Entscheidung in den nächsten Jahren treffen. Ich weiß noch nicht so genau was ich machen will, ich würde nur gerne meine Karriere mit dem Namen SAVATAGE beenden, weil ich damit auch angefangen habe. Ich wünschte, es wäre so wie es war. Aber ohne Criss ist es einfach nicht das Selbe, das war es nie nachdem er gestorben ist. Für mich müsste es also ein neuer Anfang sein, was heißt, es müssten komplett neue Leute sein. Ich bin mit meiner aktuellen Mannschaft sehr glücklich, vielleicht werde ich mit diesen Jungs also unter den Namen SAVATAGE spielen – quasi SAVATAGE III. Das wäre die dritte Phase von SAVATAGE. Die Erste war die mit Criss, die Zweite die mit den anderen Jungs in den Neunzigern und dann gibt es diese Phase, in der Abenddämmerung meiner Kariere. Wenn irgendjemand es verdient, den Namen SAVATAGE zu tragen, dann diese Jungs. Sie haben die Songs in den letzten fünf Jahren gespielt, das sind die Jungs mit denen ich gearbeitet habe, mit denen ich an Criss´ Songs gearbeitet habe, mit denen wir die SAVATAGE Songs live gespielt habe. Und ich denke, dass diese Band die Songs genau so gut spielt wie jedes SAVATAGE-Line Up das es gab, wenn nicht sogar besser.

Es ist eine merkwürdige Situation, es ist mein Name und ich sollte eigentlich in der Lage sein, damit zu tun was ich will, aber ich laufe hier auf Eierschalen wegen all dieser Fragen und ich will die Fans auch nicht anpissen. Aber ich habe alles getan, um alle Leute glücklich zu machen. Aber vielleicht ist es einfach Zeit, mal an mich zu denken, einen Wechsel vorzunehmen und zu sagen, das sind die neuen SAVATAGE, ob ihr es mögt oder nicht. Wenn ihr es nicht mögt ok, was soll ich machen, ich kann nicht jeden glücklich machen. Alles was ich tun kann ist allen die Wahrheit zu sagen – so war ich immer in meiner Karriere. Ich war nie ein Dummschwätzer oder ein Egoist, ich habe mit den Fans immer auf einem gleichberechtigten Level gesprochen und ihnen gesagt wie es ist. Es ist wie es ist und alle sind glücklich. Die Musiker sind alle glücklich so wie es läuft und so muss es eben sein. Es tut mir leid, wenn das einige Leute nervt oder verletzt, aber ich muss das tun was für mich und meine Familie am besten ist. Ich habe eine Familie um die ich mich kümmern muss und TSO garantiert mir einen sehr guten Lebensunterhalt und ich werde nichts tun um das zu gefährden. Ich wäre ein Idiot wenn ich es tun würde.

Ich kann auch verstehen, dass du es langsam Leid bist immer wieder nach SAVATAGE gefragt zu werden, aber da SAVATAGE meine absolute Lieblingsband ist musste ich einfach fragen.

Das ist schon ok, es ist momentan schlimmer als sonst weil wir dieses Greatest Hits-Album veröffentlicht haben. Ich habe Paul schon gesagt, dass mich garantiert jeder auf eine SAVATAGE-Reunion ansprechen wird.

Du hast schon erwähnt, dass eure komplette Diskographie wiederveröffentlicht wird. Werden die Alben neue Bonustracks oder Liner Notes enthalten?

Ja, das sind die Sachen an denen ich momentan arbeite. Ich nehme Bonustracks für alle Re-Releases auf. Ich habe schon sechs fertig und vier oder fünf werden noch folgen. Es ist eine Menge interessantes Zeug dabei, es erinnert sehr an meine Akustik-Shows. Ich hatte wirklich sehr viel Spaß damit die Songs zu schreiben. Ich werde die sechs fertigen Songs morgen mit Tom Morris im Morrisound Studio mixen.

SAVATAGE: Still The orchestra Plays - Cover der aktuellen SAVATAGE Best Off Doppel-CD
Die aktuelle Best Off Doppel-CD aus dem Hause SAVATAGE 

Alles klar, dann werde ich mir also alle SAVATAGE-Alben ein zweites Mal kaufen.

Sehr gut, das hilft mir (lacht). Sorry Mann, aber ich habe mit der ganzen Business-Geschichte nichts zu tun. Ich mache einfach nur das, worum Paul (O´Neill) mich bittet. Ich frage ihn wieso wir das machen, er sagt mir, dass diese und jene Firma das gerne machen würde und ich sage ihm, er soll mir einfach sagen was ich tun soll. Er sagt mir dann, dass ich ins Studio gehen und zehn Bonustracks aufnehmen soll und ich frage ihn was für Songs. Dann haben wir eine Liste mit Songs gemacht und ich habe losgelegt.

Still the Orchestra Plays” enthält auch eine DVD mit einem Konzert von der “Handful Of Rain”-Tour in Japan. Gibt es irgendwelche SAVATAGE Live-Aufnahmen mit Dir am Mirko und einem Criss an der Gitarre die ihr in der Zukunft noch veröffentlichen könntet?

Nein, nichts Brauchbares. Es gibt ein paar Tape-Aufnahmen in sehr schlechter Qualität aber keine professionellen Aufnahmen, was sehr schade ist. Früher war es deutlich schwieriger als jetzt, solche Aufnahmen zu machen. Wenn wir die jetzigen Möglichkeiten damals gehabt hätten, gäbe es wahrscheinlich hunderte von Aufnahmen aber damals musste man, wenn man eine Show aufnehmen wollte einen riesigen Aufwand betreiben und das war natürlich sehr teuer. Ich denke nicht, dass wir in der Zeit als Criss noch gelebt hat, irgendwelche anderen Aufnahmen gemacht haben als die Videoclips aus der Zeit. Ich habe im Internet Bootleg-Aufnahmen gesehen, aber die Soundqualität und die Bildqualität sind furchtbar. Du kannst uns zwar sehen, aber ich würde dafür niemandem Geld abknöpfen. Wenn du dir das ansehen willst, gibt es jede Menge auf Youtube oder yahoo oder wie auch immer das heißen mag. Mytube, youtube, everybody got a tube… Ich habe keine Ahnung davon. Matt und die Jungs haben mir ein paar Sachen gezeigt, ich kann nicht sehr gut mit Computern umgehen. Ich habe “Power Of The Night” oder “When The Crowds Are Gone” ein paar mal gesehen oder uns zusammen mit TESTAMENT, als wir in San Diego zusammen “Nobodys Fault” von AEROSMITH gespielt haben. Chuck Billy und ich haben zusammen gesungen, das war cool. Ich hab einiges gesehen, wenn du also Zeug mit mir und Criss sehen willst geh ins Internet und such danach. Wenn du auch nur etwas besser mit Computern umgehen kannst als ich wirst du es schon finden. Matt hat es gefunden und wenn er das schafft dann schafft das jeder. Matt ist nur ein bisschen mehr als ein Höhlenmensch (lacht).

Welche Musik hört der Mountain King denn heutzutage so? Die meisten Leute wissen, dass du ein großer BEATLES-Fan bist. Aber hörst du dir auch aktuelle Metal-Bands an oder nur die alten Sachen?

Sicher! Ich habe Satelliten-Radio im meinem Truck und ich bekomme die ganzen Metal-Radiosender rein und zappe da durch. Ich höre Classic Metal, Liquid Metal wo die wirklich heftigen Sachen laufen, dann gibt es einen Sender namens Octane, The Boneyard oder Hair Nation. Es gibt so ungefähr sechs oder sieben Metal-Radiosender die in Amerika relativ groß sind und ich höre sie andauernd. Da laufen einige tolle Sachen, nichts was mich so richtig umgehauen hat aber eine Menge solider Kram. Ich kann dir jetzt keine Bandnamen sagen, weil ich mir die Songs nur im Radio anhöre und daher nicht weiß welche Bands das sind, es sei denn sie sagen es in der Sendung. Ich mag einiges was ich von OPETH gehört habe, die finde ich wirklich gut. Dann gibt es da diese neue Band die gerad erst raus gekommen ist… Verdammt, ich komme nicht auf den Namen. Aber die sind auch echt gut, ich habe gestern erst ein paar Songs von ihnen auf Liquid Metal gehört. Ich mag PAGAN´S MIND, das ist eine gute Band. Es gibt jede Menge gute Bands da draußen, man muss sie nur finden. Ich habe einfach nicht die Zeit dafür. Wenn ich mal Freizeit habe ist das letzte, was ich tun will Heavy Metal zu hören, wenn ich Freizeit habe höre ich meistens gar keine Musik.

Ja, ich kann mir vorstellen, dass man, wenn man den ganzen Tag an Musik arbeitet Abends einfach auch mal Ruhe haben will.

Oh ja, glaub mir, wenn du zwölf Stunden im Studio warst ist das letzte, was du tun willst Heavy Metal oder überhaupt Musik zu hören. Wenn ich vom Studio nach Hause fahre höre ich normalerweise gar keine Musik eine Stunde Fahrt vom Morrisound Studio zu mir und die Fahrt verbringe ich normalerweise in Stille weil mein Kopf sowieso schon dröhnt.

Wenn du dir die heutige Welt ansiehst, ist ein Song wie “Of Rage And War” immer noch aktuell. “Before I Hang” vom letzten Album “Global Warning” behandelt das selbe Thema oder?

Grundsätzlich ja. Die Dinge waren damals schon Scheisse. Jetzt werden die Dinge schlimmer, was willst du machen, das ist der Lauf der Welt.

Du singst dort “Before I hang, I see the western world fall”. Denkst du, dass die Welt seit der Veröffentlichung von “Global Warning” näher an den Untergang gerückt ist?

Könnte sein. Schau dir an was mit unserer Wirtschaft passiert ist. Die Arbeitslosenquote hier in Florida wo ich lebe ist so hoch wie nie zuvor. Höher als je zuvor! Ein Freund von mir hatte fünfundzwanzig Jahre lang ein Pool-Geschäft und ist jetzt bankrott. Er musste alles verkaufen, sein Haus, sein Auto, nur um zu überleben. Er hat nichts mehr. Und das passiert überall in Amerika, der Wirtschaft geht es wirklich schlecht. Also wer weiß, vielleicht habe ich die Zukunft vorher gesagt, vielleicht bin ich der nächste Nostradamus (lacht). Ich sage voraus, dass die Welt 2012 untergehen wird.

Okay, ich werde dich dran erinnern.

Okay, erinnere mich dran, wenn wir nach 2012 noch hier sind.

Danke für deine Zeit. Gibt es noch etwas, dass du loswerden möchtest?

Ich danke dir. Vielleicht sehen wir uns ja auf einem der Festivals dieses Jahr!