FINAL BREATH: Von Kapitalisten und der Geldzurückgarantie

FINAL BREATH: Von Kapitalisten und der Geldzurückgarantie

Die Würzburger Formation FINAL BREATH dürfte vielen Fans des Death/Thrash Metals kein unbeschriebenes Blatt mehr sein. Krebsten sie doch schon seit etlichen Jahren im Underground herum, gelang es dem Quartett nun endlich den ersehnten Deal zu unterzeichnen. Fellverdrescher Heiko Krumpholz stand mir Rede und Antwort.

Hi Heiko, erst mal Gratulation zum Deal mit Gutter Records. Erzähl doch mal unseren Lesern wie es zur Vertragsunterzeichnung bei diesem Label kam und was ihr damit für Eure Zukunft erhofft.

Danke!

Um ehrlich zu sein, hat sich kein Label für uns interessiert. Wir haben Flash-Burnt Crucifixes selbst finanziert und uns dann quasi mit der fertigen Produktion bei diversen Labels beworben. In der Regel haben wir keine Antwort bekommen, in seltenen Fällen eine Formbriefabsage. Als uns dann der Markus von Gutter Rec. ein faires Angebot geschickt hat, haben wir selbstverständlich zugeschlagen.

Für die Zukunft hoffen wir, unseren Status im Underground damit ausbauen zu können. Durch die Unterstützung eines Labels haben wir bessere Möglichkeiten auf unsere CD aufmerksam zu machen. Welche Band kann sich schon in allen möglichen Magazinen und Katalogen Werbung leisten? Die Promotionarbeit durch ein Label ist effektiver und Jedermann kann unsere CD per Mailorder oder sogar im Geschäft kaufen.

Final Breath existieren nun auch schon ziemlich lang. Dies zeugt von Ausdauer im doch allzu schnellebigen Musikbusiness. Erläutere doch mal die wichtigsten Randdaten der Bandgeschichte und warum ihr so ein Durchhaltevermögen an den Tag gelegt habt.

Ja, wir existieren seit 1993. Allerdings ist das so `ne Sache: Als wir angefangen haben, waren wir absolute Anfänger, d.h. keiner von uns konnte auch nur ansatzweise ein Instrument spielen. Also hat sich jeder was rausgesucht, und wir haben dann versucht einfache Lieder oder Liedteile nachzuspielen *lach*. So haben wir gelernt unsere Instrumente in den Griff zu kriegen. Als wir dann ein paar Songs – mehr oder weniger – spielen konnten, haben wir eigentlich auch schon angefangen an eigenen Ideen zu basteln, die wir `95 im Tonstudio um die Ecke (für viel zu viel Geld) auf unserem Demo Soulchange verewigt haben. Ab da fingen wir an, intensiv am Songwriting zu arbeiten und konnten bereits 2 Jahre später 5 Songs auf die MCD „End of it all“ packen. Die Resonanzen waren gut, wir brachten 2 Auflagen (je 500 Stk.) an den Mann. Im März `99 hatten wir dann genügend Kohle gespart, um uns in den Stage One Studios (Andy Classen) ein paar Tage zu sichern. Dort spielten wir dann unser aktuelles Album Flash-Burnt Crucifixes ein.

Durchhaltevermögen…. hmmm…. also für mich persönlich ist die Band ein Teil meines Lebens. Unser Bassist Wissel und ich sind sogar Gründungsmitglieder! Ich kann hier meinen persönlichen Musikgeschmack ausleben, da wir unsere Stücke immer nur dann als fertig betrachten, wenn jeder Einzelne von uns damit zufrieden ist. Es macht einfach Spaß auf einer Bühne zu stehen und seine eigene Musik zu spielen, oder im Studio an neuen Ideen zu basteln! Ich sehe FINAL BREATH also eher idealistisch. Klar, wir nehmen mit was geht, aber nicht auf Kosten der Musik! Ich finde es nämlich ok, wenn eine Band Erfolg hat mit dem was sie macht, aber nicht wenn sich eine Band für den Erfolg verkauft….

Euer aktuelles Album „Flash- Burnt Crucifixes“ wird von Seiten Eures Labels als Thrash Metal angepriesen. Meiner Meinung nach ist da noch eine ordentliche Prise Death Metal mit im Spiel (vor allem durch die Vocals). Wie stehst Du zu meiner Behauptung?

Yeah! So seh` ich das auch! Es war auch nie unsere Absicht vom Death Metal weg zu gehen. Wir wollten einfach schneller und aggressiver werden. Ich finde auch, dass die Grenzen vom Death- zum Thrash Metal fließend sind. Wer kann schon genau sagen, wo der DM aufhört, und der Thrash anfängt? Genau so verhält es sich auch z.B. mit Black Metal. Oftmals werden die Grenzen nur noch durch das Image gezogen. Aber es sind doch alles Stilrichtungen, die auch in eine ähnliche Kerbe schlagen. Jeder Hörer hat dann eben eine andere Auffassung. Aber irgendwie muss eine Band ja „angepriesen“ werden, damit man sich überhaupt erst mal ein grobes Bild machen kann. Was nützt es dem Verbraucher, wenn eine Band als Death-Thrash-Black Metal Band mit Gothic Doom Elementen und leichten True und Klassik Einflüssen bezeichnet wird, nur um möglichst eigenständig und innovativ zu wirken?! Ich denke, Death- Thrash Metal Band trifft uns am besten, und das ist auch noch eine überschaubare Mischung, hahaha….

Seid ihr im Live- Sektor schon oft aktiv gewesen und welches waren Eure wichtigsten und coolsten Gigs? Habt ihr schon mit irgendwelchen bekannteren Bands gespielt?

Oft ist ja nun relativ. Wir versuchen so oft wir möglich an Gigs zu kommen. Allerdings hatten wir in der Vergangenheit immer das Problem, dass wir nach einer Veröffentlichung einen Line- Up Wechsel hatten. Bis dann Ersatz gefunden und eingespielt ist, vergeht immer kostbare Zeit.

Unser absolutes Highlight war erst kürzlich auf unserem selbst veranstalteten Open Air „Up from the Ground 5“ in Gemünden. Wir spielten als Co-Headliner von MANOS. Es waren mindestens 200 Mann vor der Bühne, der Sound war geil (auch über Monitor!), die Leute bangten – sogar Stagediver waren vertreten. Irgendwie hat halt alles gepasst, so sollte es immer laufen!

Auf ein richtig großes Billing aufzuspringen ist uns allerdings noch nicht gelungen. Mal sehen was die Zukunft bringt.

Ich glaube die bekanntesten Bands, mit denen wir gespielt haben sind NIGHT IN GALES (schon lange her), CRACK UP (Up from the Ground 4), MANOS, DISBELIEF und DIE APOKALYPTISCHEN REITER.

Sind amüsante Stories oder negative Erlebnisse bezüglich Eurer Gigs zu berichten?

Die coolste Sache war das Angebot, mit THE CROWN in Offenbach in der Hafenbahn einen Gig zu spielen. THE CROWN waren auf Tour mit SACRILEGE und wir sind als Special Guest eingesprungen. Der Tourmanager schien aber alles verplant zu haben. Kaum Werbung, keine Anzeigen…. als wir ankamen, waren THE CROWN nicht da. Also bauten wir schon mal unser Zeug auf. Endlich kam ein Bus mit Musikern an. Es stellte sich heraus, dass 2 Leute von SACRILEGE dabei waren, und THE CROWN ohne ihren Sänger. Der Rest der beiden Bands war irgendwo bei Leipzig, weil der Tourmanager dort am selben Tag einen Termin für die beiden Bands hatte! Aber alles nicht so schlimm, denn es waren ganze 8 zahlende Gäste vor Ort, wir spielten unser Set und verkauften 5 CD’s! THE CROWN spielten dann noch instrumental und die Zuschauer bekamen ihr Geld zurück!

Wer ist bei FINAL BREATH für die Lyrics verantwortlich und welche Inhalte behandeln diese?

Die Texte stammen zu 90% aus der Feder unseres Sängers. Lediglich „The Pact“ wurde vom Jörg, unserem Klampfer geschrieben. Es handelt von der Entstehung des französischen Templerordens. Man merkt auch den Unterschied: Währen unsere Texte meistens aktuelle Themen behandeln, spielt sich „The Pact“ in der Vergangenheit ab. Das Thema ist aber das gleiche: Menschliches, vor allem gesellschaftliches Fehlverhalten. Z.B. Ratrace, die Rattenrasse, so nennt man Kapitalisten. Alles dreht sich um die Kohle! Das Gefälle zwischen Arm und Reich wird immer größer, da menschliche Qualitäten oft weniger zählt als Reichtum. „Soulcontrol“ handelt von der Gehirnwäsche, die man automatisch bekommt – durch die Medien wird einem jede Meinung vorgekaut, und viele laufen einfach blind hinterher wie die Lemminge, statt sich ein eigenes Urteil zu bilden. In „Going Hellbound“ greifen wir das Drogenproblem auf, wir haben endzeitliche Gedanken, Songs über den Krieg….

Wie ist es um die Undergroundszene in Eurer Heimat gestellt? Bekommt diese noch Unterstützung von den Metal- Fans oder weichen diese eher auf, durch die Medien, gehypte Bands aus?

Ein sehr großes Problem ist die sehr stark vertretene Coverszene. Es ist für uns schwer was auf die Beine zu stellen, weil wir dadurch starke Konkurrenz haben.

Wir haben wenig Clubs, in denen Metal gespielt wird, bzw. in denen Metal-Bands auftreten.

Wir kriegen, wenn wir was veranstalten, schon in gewissem Maße Unterstützung, allerdings dürfen wir nicht zu oft was aufziehen, sonst kommen keine Besucher mehr. Im Schnitt gibt’s 2 Veranstaltungen im Jahr mit ca. 100-150 Besuchern. Allerdings bin ich mir sicher, wenn ich eine Undergroundveranstaltung ohne uns oder einen recht bekannten Headliner starten würde, kämen maximal 20-30 Leute.

Was hältst Du vom Internet im Bezug auf Vermarktung Eurer Band und wie stehst Du zur MP3- Piraterie?

Das Internet hat mit Sicherheit seine Vorzüge, vor allem für kleine Bands. Jeder hat so die Möglichkeit sich vorzustellen, und das weltweit! Dabei spielt natürlich auch das MP3 Format eine Rolle. Jede auch noch so kleine und unbekannte Band kann sich ohne Label leicht präsentieren. Eine eigene Homepage, MP3 Files zum runterladen… leider sind wir noch nicht so weit. Unsere derzeitige Homepage ist total veraltet. Ich versuche mich gerade daran, eine neue Seite zu erstellen. Aber das kostet natürlich Zeit. Wir werden aber in nächster Zeit unter www.finalbreath.de im Web vertreten sein, aber das nur so nebenbei…

Der Nachteil der ganzen Sache ist natürlich die von Dir angesprochenen MP3 Piraterie! Man kann sich ja heute nahezu jeden Song den man will über mehr oder weniger legale Quellen downloaden. Jeder denkt dabei an seinen eigenen Vorteil, nämlich den, keine 30 DM für eine CD berappen zu müssen. Dabei interessiert es nicht, dass jegliche Identität flöten geht, weil alle Interpreten auf einer einheitlich bedruckten CD-R verschwinden oder dass die Bands keinen Pfennig für ihre Bemühungen sehen. Hauptsächlich die kleinen Acts müssen das ausbaden. Wir haben, trotz professionellen Vertriebs so gut wie keine Chance unsere CD in die Geschäfte zu bekommen. Da herrscht absoluter Einkaufsstopp, wer nicht in den Top 100 oder gar Top 50 ist wird nicht genommen, weil allgemein die CD-Verkäufe in Deutschland drastisch gesunken sind!

Die momentane Situation ist also kaum tragbar, zumindest nicht auf Dauer. Wohin sich die Sache jedoch entwickelt ist mir noch unklar. Ich bin mir aber sicher, dass Mittel und Wege von Platten-Bossen gefunden werden, um die extreme Zahl der Raubkopien zu unterbinden. Vielleicht durch eine Änderung des Mediums, wer weiß?! Wir lassen es einfach auf uns zukommen.

„Flash- Burnt Crucifixes“ wurde von Andi Classen (ex- Holy Moses) produziert. Wie kam dieser Kontakt zustande, seid ihr mir seiner Arbeit zufrieden und was hat der ganze Spass gekostet?

Über den genauen Preis will ich hier jetzt nicht reden. Ich sage nur so viel, dass Tagespreise von lokalen Studios (die mitunter keinen Plan von Metal haben) oft wenig niedriger oder gar höher liegen als beim Andy Classen.

Als wir uns überlegt haben ein Full-length Album einzuspielen, haben wir uns natürlich Gedanken über die Lokalität gemacht. Wir haben eben einige Produktionen aus den Stage-One-Studios gehört, waren begeistert, und haben uns die Adresse besorgt. Als ich angerufen habe, meinte Andy nur, dass er vorher erst mal was von uns hören will, ein Tape oder eine CD, um zu entscheiden, ob er die Produktion übernehmen will. Also haben wir ihm unsere MCD geschickt. Einige Tage später hat er zurückgerufen, und meinte, dass er schon Bock drauf habe. Also schickte er uns Vertrag und Preisliste, darauf hin machten wir einen Termin klar.

Im Studio kamen wir wirklich sehr gut mit Andy zurecht, sowohl menschlich als auch mit seiner Arbeitsweise. Er wusste gleich was wir wollten und wie sich unsere Musik anhören muss, es war also nicht schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Ich bin auch mit dem Ergebnis zufrieden. Klar, man hätte noch einige Sachen besser machen können, aber das ist auch immer eine Frage von Zeit und Erfahrung. Jedenfalls waren wir uns einig, dass wir für die nächste Produktion wieder den Andy fragen würden…

Wann ist mit neuem Material aus dem Hause Final Breath zu rechnen? Wird die nächste Scheibe wieder über Gutter Rec. erscheinen?



Wir waren bereits erneut im Studio um ein neues Album einzuspielen. Der Arbeitstitel ist „Mind Explosion“. Allerdings sind bisher erst die Instrumente fertig. Gesang und Endmix machen wir Ende September. Wir haben uns diesmal doppelt so viel Zeit genommen als bei der aktuellen CD. Dementsprechend wird wohl auch der Sound ausfallen. Es sind 9 Tracks, welche wieder auf eine knappe dreiviertel Stunde Spielzeit kommen. Unser Prinzip ist noch das gleiche: Death/Thrash. Die Songs sind meiner Meinung nach abwechlungsreicher ausgefallen. Es gibt mehr Tempo Wechsel und die Stücke an sich klingen unterschiedlicher. Ich glaube wir haben damit die besten Eigenschaften unserer MCD mit denen des aktuellen Outputs gemischt.

Zum Label kann ich noch nicht viel sagen. Der Markus von Gutter ist auf jeden Fall an neuem Material interessiert. Wir haben allerdings keinen Vertrag über mehrere Alben, sondern „Flash-Burnt Crucifixes“ wurde nur von Gutter lizensiert.

Wenn der Endmix abgeschlossen ist, werden wir uns also wieder bei allen möglichen Labels bewerben, und hoffen, dass jemand Interesse an der Veröffentlichung zeigt.

Welches Ziel hast Du Dir persönlich mit FINAL BREATH gesetzt?

Ein festes Ziel habe ich nicht. Ich werde mitnehmen was ich kriegen kann und versuchen mich mit FINAL BREATH musikalisch so gut und ehrlich wie möglich zu verwirklichen. Ich will viele Gigs spielen, regelmäßig Songs aufnehmen und veröffentlichen… das Übliche eben.

Welches war Dein coolstes Konzert, dem Du als Zuschauer beigewohnt hast?

Hmmm…. also ich war im Dezember `91 (glaub ich) in München in der Rudi Sedelmayer Halle auf SLAYER’s legendärer „Decade of Aggression“ Tour. Tja, dazu muss ich wohl nicht mehr viel Worte verlieren, oder?! Dazu kam, dass das eines meiner ersten Konzerte war. In dieser Form werde ich SLAYER wohl nie wieder erleben – auch wenn sie auch heute noch einen klasse Liveact darstellen.

An zweiter Stelle steht dann jedes einzelne BOLT THROWER Konzert….

So, jetzt bist Du fast erlöst. Zum Abschluß noch ein kleines Wortspiel. Was fällt Dir zu folgenden Stichwörtern ein?

– Deutsche Fußballnationalmannschaft

Ich hasse Fußball

– True Metal

MANWOAR, Poser, Dur und Klischees bis zum abwinken, hahaha…


– Gutter Rec. /Lachsack

Thrash/BLACKEND


– AOL

Drin oder was?!


– Rassismus

Puhhh… schlimme Sache! Ein Problem, dass überall auf der Welt existiert und sich nicht nur auf Skins, Nazis und Deutsche beschränken lässt. Es betrifft alle, die nur ihresgleichen akzeptieren.


– Gerstensaft

Prost!


– Online- Magazine



Kenn ich net, brauch ich net… >g<
– Black Metal

Poser und Klischees bis zum abwinken…


– Big Brother



Wieder was Neues, das ich nicht brauche. Übersättigung pur.


´- Wombat



Ich kenn nur Schaumbat, hehehe…

Ich bedanke mich mal für das Interview und wünsche Euch noch viel Erfolg mit FINAL BREATH. Jetzt kannste noch Deine letzten Worte loswerden oder Dein Testament veröffentlichen >g< ! Wir sehen uns!

Mein Hab und Gut soll später mal an…… hahaha… nein… mein Testament gibt’s hier nicht!

Für das Interview habe ich zu danken!

Was soll ich noch groß sagen?! Schlussgedanken wie „Metal rules“ oder „support the Underground“ sind schon zur Genüge gefallen, also spar ich mir das einfach.

Ich hoffe wir haben beim nächsten gemeinsamen Gig etwas mehr Zeit zum labern – ansonsten werden wir schon bald wieder mit der neuen CD von uns reden machen….. *g

Cu

Psycho